"Mein Bauer" im Internet

Hier stellen wir Ihnen landwirtschaftliche Betriebe in Friesland vor. Vielleicht ist auch ein Hof aus Ihrer Nachbarschaft dabei?


Vorzugsmilch vom Hof Meinen – von der „Milchfrau“ direkt vor die Haustür geliefert

Wenn es auch nicht mehr der Milchmann von früher ist, der morgens die Flaschen vor der Tür abstellte – ein wenig Erinnerung an diese Zeiten ergibt sich durchaus. Familie Meinen in Grabstede produziert auf ihrem landwirtschaft-lichen Betrieb hochwertige Vorzugsmilch und verschiedene Milchprodukte, die direkt vom Hof zweimal wöchentlich zum Kunden gebracht werden.

Es gibt in Deutschland ca. 80 von der zuständigen Veterinärbehörde zugelassene Erzeugerbetriebe, die Vorzugsmilch produzieren. An die Gewinnung von Vorzugsmilch werden sehr hohe Anforderungen gestellt. Monatlich werden die Milchkühe tierärztlich auf Krankheiten, die die Beschaffenheit der im Betrieb gewonnenen Milch nachteilig beeinflussen können untersucht. Labortechnische Kontrollen der Milch vor Ort von jeder Kuh und vom abgefüllten Produkt im Handel, die amtsärztliche Überwachung des Personals, die perfekte sachkundige Hygiene und deren intensive, kontinuierliche Überwachung garantieren für die einwandfreie Qualität. Vor der ersten Vorzugsmilchgewinnung werden alle Kühe des Betriebes auf ihren Gesundheitszustand untersucht. Im Kuhstall der melkenden Tiere dürfen sich nur gesunde Kühe aufhalten. Tiere, die erkrankt sind oder auf den Menschen übertragbarer Krankheiten verdächtig sind, müssen in einem separaten Stall untergebracht werden. Diese Tiere sind erst dann wieder unter die Vorzugsmilchkühe einzustellen, wenn sie bei einer erneuten Untersuchung ihres Befindens als gesund beurteilt werden. Der Zeitpunkt, die Art und Dauer von Erkrankungen und einer erkennbaren Störung des allgemeinen Gesundheitszustandes sowie die Anwendung von Tierarzneimitteln müssen dokumentiert werden. Zwei Jahre lang werden die Unterlagen aufbewahrt und der zuständigen Behörde auf Verlangen vorgelegt.  Worin liegt der Unterschied der Vorzugsmilch zur Trinkmilch aus dem Supermarkt? Viele ältere Kunden bezeichnen ihren Geschmack mit den Worten "Das schmeckt ja wie früher!". Vorzugsmilch ist unbehandelt und enthält alle Geschmacksstoffe, die für Milch charakteristisch sind. Ob pur oder weiterverarbeitet, zum Beispiel in Käse, Joghurt oder Butter bleibt dieser ursprüngliche und vollmundige Geschmack erhalten. Viele Franzosen schätzen daher auch diejenigen landestypischen Käsesorten, die aus Rohmilch hergestellt werden, ganz besonders. Vorzugsmilch wird ermolken, gefiltert und mit ihrem natürlichen Fettgehalt, der den guten Geschmack garantiert, sofort auf +4 Grad Celsius gekühlt. Anschließend wird die Milch auf dem Hof abgefüllt und in speziellen Hygienefahrzeugen in den Handel oder an die Haustür des Kunden gebracht. Frische ist oberstes Gebot! Die Vorzugsmilch ist unter Einhaltung der Kühlkette innerhalb von 24 Stunden nach dem Melken beim Verbraucher. Das ist nicht nur die Forderung des Gesetzgebers, sondern der Anspruch jedes Vorzugs-milchbetriebes. Eine lange Lagerung im Kühlregal ist tabu. Der Entstehungsweg der Trinkmilch aus dem Supermarkt sieht anders aus. Alle zwei Tage wird die gekühlte Milch von den Milchviehbetrieben zur Molkerei befördert, wo sie verschiedene Bearbeitungsschritte durchläuft: Der Fettgehalt wird auf 3,8% ; 3,5% ; 1,5%  oder sogar nur auf 0,5% eingestellt. Im Fett sind Geschmacksträger enthalten. Wenn die Milch entrahmt wird, geht viel an Geschmack verloren. Die Milch wird homogenisiert. Das heißt: Die natürlicherweise in der Milch vorkommenden Fettkügelchen verschiedener Größe werden durch ein bestimmtes Verfahren derart zerkleinert, dass die Milch nicht mehr aufrahmt, wenn sie eine Weile im Kühlschrank steht. Die Milch wird pasteurisiert oder ultrahocherhitzt. Dabei wird sie kurzzeitig auf über 70°C erwärmt, um Keime abzutöten und eine längere Haltbarkeit zu erreichen. Hierbei werden auch hitzeempfindliche Vitamine zerstört. Und schließlich wird die Milch mechanisch belastet - sie wird viele Male gepumpt und durch Edelstahlrohre geschickt, damit sie alle genannten Bearbeitungsschritte durchlaufen kann. Abschließend wird sie zum Teil weit transportiert, bis sie endlich im Kühlregal einer Handelskette landet.

Familie Meinen hat auf ihrem Betrieb eine eigene kleine Molkerei eingerichtet, in der mehrere MitarbeiterInnen die Vorzugsmilch für die Auslieferung abfüllen, Joghurt, Feta-Käse, Quark, Molkegetränke, pasteurisierte Trinkmilch sowie Buttermilch herstellen und die Produkte zum Kunden - darunter auch Kindergärten und Schulen - befördern. Doch der Hof trägt auch auf eine andere Weise zum Wohl seiner Kundschaft bei: Ab Mai 2008 können alle, die das Leben und Arbeiten auf dem Hof näher kennen lernen wollen, in einer kleinen Gruppe unter Anleitung einen Vormittag lang mit anpacken und anschließend selbst Butter herstellen, Brot im Steinbackofen backen, Brotaufstriche zubereiten und ergänzt von den Erzeugnissen der hofeigenen Produktpalette herzhaft schmausen. Anmeldungen und Terminvereinbarungen werden unter der Telefon- und Faxnummer 04468/918528 entgegengenommen.

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Familie Schemering bewirtschaftet ihren Milchvieh-betrieb nach den Kriterien des QM-Gütesiegels

Die Vielzahl an Gütesiegeln, die im Bereich der Lebensmittel-produktion existieren, erscheint für den Verbraucher fast unüberschaubar. Sie garantieren allerdings eine hohe, über-prüfbare Lebensmittelqualität, die bei der Erzeugung auf dem landwirtschaftlichen Betrieb beginnt.
Wie fast alle seiner Kollegen bewirtschaftet auch Heino Schemering seinen Milchviehbetrieb in Groß-Strückhausen am Hookstief nach den Kriterien des „QM“ (Qualitätsmanagement Milch)- Gütesiegels. Im Sommer 2003 fingen die meisten niedersächsischen Molkereien mit der Überprüfung der zuliefernden Milchviehbetriebe an. Zum Hof von Familie Schemering kam damals eine Mitarbeiterin der Molkerei Rückers in Aurich, die speziell für diese Aufgabe geschult worden war. Mit einem Bewertungskatalog ausgerüstet überprüfte sie 47 verschiedene Kriterien und vergab für jedes erfüllte eine bestimmte Punktzahl. Mindestens 47 Punkte mussten erreicht werden, wenn der Betrieb dieses so genannte Audit bestehen wollte. Zu den wichtigsten bewerteten Kriterien gehören die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere. Die Kühe müssen frei von Tuberkulose und Brucellose sein, dürfen keine auf den Menschen übertragbare, ansteckende Krank-heiten oder Erkrankungen des Verdauungstraktes, der Geschlechts-organe, der Haut oder des Euters aufweisen. Die Liegeplätze im Stall müssen sauber und trocken sein, Auslauf und Weidegang soll den Tieren ermöglicht werden, es muss ihnen sauberes Trinkwasser zur Verfügung stehen und das Stallgebäude soll gute Belüftung und gute Lichtverhältnisse gewährleisten.
Auch auf die Hygiene bei der Melkarbeit wird großen Wert gelegt. Dazu gehört die Sauberkeit des Melkstandes und der Melkgeräte genauso wie z.B. die regelmäßige Wartung der Melk- und der Kühlanlage im Milchtank. Um die Keimzahl in der Milch niedrig zu halten, wird sie im Tank auf ca. 4 Grad heruntergekühlt und maximal zwei Tage aufbewahrt, bis sie der Sammelwagen der Molkerei abholt. Das Melkpersonal ist gehalten, saubere Melkleidung zu tragen, Hände und Oberarme zu reinigen und Melkhandschuhe zu benutzen. Jede Kuh wird zu Beginn des Melkvorgangs per Hand vorgemolken. Diese ersten Milchstrahlen werden in einer dunklen Schale begut-achtet, denn hier lässt ich schon mit bloßem Auge eine evtl. krank-heitsbedingte Veränderung der Milch erkennen, wie sie z.B. bei einer Euterentzündung entstehen kann. Erkrankte Tiere werden gesondert gemolken, ihre Milch gelangt nicht in den Verkauf.
Da Tiergesundheit und Milchqualität auch von der Beschaffenheit der Futtermittel abhängen, dürfen grundsätzlich nur schadstoff-kontrollierte Futtermittel an die Kühe verfüttert werden. Dazu werden bereits den Herstellern innerhalb der so genannten Futter-mittelvereinbarung (siehe auch www.milchwirtschaft.de/Download/qm%20milch%20fragen%20und%20antworten%20240304.pdf) besondere Qualitätssicherungsmaßnahmen auferlegt.
Einer der als „K.O.“ – Punkte bezeichneten Aspekte, bei deren Nichterfüllung ein Betrieb sofort aus dem Qualitätsaudit ausscheidet, ist die Führung des Tierbestandsregisters. Hier werden alle Tiere registriert und jede Bestandsveränderung, z.B. durch Zukauf oder Verkauf, sowie jede tierärztliche Behandlung dokumentiert.
„Das QS-Audit soll den Molkereien die Möglichkeit geben, das Image der Milchproduktion zu verbessern“, meint Heino Schemering. Auch wenn die meisten Betriebe ohnehin nach diesen Kriterien der guten fachlichen Praxis in der ordnungsgemäßen Landwirtschaft arbeiten und eine sehr gute Milchqualität erzeugen, gibt es doch immer noch einige Höfe, auf denen es 'wie Kraut und Rüben' aussieht und die dadurch dem Ansehen der gesamten Milchwirtschaft eher abträglich sind. Gegen solche Umstände haben die Molkereien nun ein Instrument in der Hand, das ihnen die Möglichkeit einräumt, die Milchabholung einzustellen, falls schwerwiegende Mängel nicht behoben werden. Für Familie Schemerings Betrieb hielt sich der Aufwand in Grenzen: lediglich die Tür zur Milchkammer musste mit einer tageslichdurchlässigen Scheibe versehen werden, um die Prüfung zu bestehen.

Schwein muß man haben – mit Gütesiegel


Burkhard Mennen hat seinen landwirtschaftlichen Betrieb 1997 vom Vater übernommen und sich auf die Ferkelaufzucht und die Schweinemast spezialisiert. Die Schweinehaltung wird nach den Kriterien des QS-Gütesiegels betrieben.
Der Vater hatte die Milcherzeugung aufgegeben und statt dessen die Schweinehaltung ausgebaut. Burkhard Mennen entschied sich, die Gebäude des Betriebes zu verändern, so dass jetzt 1000 Ferkel in verschiedenen Abteilungen sowie 300 Mastschweine darin Platz finden. Seine Beweggründe, sich dem „QS“ (Qualität und Sicherheit; www.q-s.info) -Gütesiegel anzuschließen, erklärt er so: „Ohne ein Qualitätssicherungsprogramm wären die Tiere langfristig nicht mehr erfolgreich vermarktbar, das weiß jeder fortschrittliche Landwirt“. Vor einigen Jahren, nach der BSE-Krise und dem Auftreten der Maul- und Klauenseuche in Großbritannien war das Vertrauen der Ver-braucher in die gesundheitliche Unbedenklichkeit von Lebensmitteln getrübt. Nun galt es, die Anonymität der Fleischerzeugung aufzulösen und offenzulegen, wie und wo die Tiere gehalten, gefüttert, geschlachtet und verarbeitet werden. Alle Beteiligten an der Produktionskette – der deutsche Raiffeisenverband (Futtermittel-wirtschaft), der deutsche Bauernverband (Landwirtschaft), der Verband der Fleischwirtschaft (Schlacht- und Zerlegebetriebe), der Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie (Fleisch-verarbeitung) und die Handelsvereinigung für Marktwirtschaft (Handel) wurden in das QS-Kriterienprogramm mit einbezogen. Burkhard Mennen stimmte seinen Betrieb 2003 auf die Anforderungen des QS-Siegels ab. Der Prüfungskatalog verlangt unter anderem die Kennzeichnung der Tiere, das Führen eines Bestandsregisters, die Analyse der verwendeten selbst erzeugten Futtermittel, die Bekäm-pfung von Ungeziefer und Schadnagern, die Einhaltung der Hygiene-richtlinien sowie der Tier- und Umweltschutzvorgaben. Der Einsatz von antibiotischen Leistungsförderern ist verboten. Alle drei Jahre erfolgen erneute Betriebskontrollen. Darüber hinaus ist der Landwirt gehalten, regelmäßig Eigenkontrollen vorzunehmen. „Vor allem die Hygiene ist das A und O in der Schweinehaltung“, sagt Burkhard Mennen. Das beginnt mit dem Einkauf der Ferkelabsetzer von nur einem einzigen Betrieb, um das Einschleppen von Krankheitskeimen auf ein Minimum zu reduzieren. Die Tierbereiche müssen regelmäßig desinfiziert werden, Zutritt für Personen ist nur in Schutzkleidung erlaubt. Das QS-Siegel verlangt auch das Abschließen eines Betreuungsvertrages mit einem Tierarzt, der den Bestand überwacht, sowie den Nachweis des Arzneimittelbezuges und –einsatzes. Die Tiere kommen mit einem Alter von 3 Wochen und einem Gewicht von ca. 6 kg in die Gruppenbuchten und verlassen sie mit ca. 12 Wochen wieder, wenn sie ein Gewicht von 30 kg erreicht haben. In dieser Zeit leben die Ferkel in einer Umgebungstemperatur von anfangs 29 und später 22 Grad und erhalten breiförmiges Futter aus Getreide, Sojaschrot und Mineralfutter sowie nach Bedarf Ferkelfutter. Schweine haben je nach Entwicklungsphase unterschiedliche Bedürfnisse hinsichtlich der Futterzusammensetzung und der Um-gebungstemperatur. Da ihnen im Gegensatz zu den wilden Kollegen das Haarkleid fehlt, benötigen sie vor allem im Jugendstadium mehr Wärme. Schweine haltende Betriebe spezialisieren sich daher gerne auf die Bereiche der Sauenhaltung und Ferkelproduktion, der Ferkelaufzucht und der Schweinemast, da jeder Bereich andere Haltungsbedingungen erfordert. Burkhard Mennen legt im Maststall ein besonderes Augenmerk auf die Einbindung in ein anerkanntes Salmonellen-Überwachungssystem. Was bringt dem Betrieb die Erfüllung der QS-Standards? „Wir erhalten pro kg Fleisch 1 Cent mehr von unserem Abnehmer, der „Böseler Goldschmaus GmbH“ in Garrel.“, antwortet Burkhard Mennen. Und vielleicht bewirkt das Siegel auch, dass Landwirte beim nächsten tatsächlichen oder vermeintlichen Lebensmittelskandal nicht von den oft durch die Medien übermäßig verunsicherten Verbrauchern über einen Kamm geschoren werden und auf ihren Produkten sitzen bleiben.


Kühe schätzen Komfort im Stall und zeigen sich dafür mit erhöhter Milchleistung erkenntlich

Aus den Verhaltens- und Lebensweisen des Wildrindes lässt sich ohne weiteres ableiten, welche Bedürfnisse eine Milchkuh hat, um auf dem landwirtschaftlichen Betrieb ein langes Leben bei guter Gesundheit, Fruchtbarkeit und Milchleistung – alles Faktoren, die sich auszahlen- führen zu können.

Rinder kommen sehr gut mit kühlem Klima zurecht. Die modernen Milchkühe, auf hohe Milchleistung gezüchtet, haben eine hohen Stoffwechselrate, die nicht nur zur Erhaltung der Körpersubstanz, sondern auch zur Erzeugung großer Milchmengen nötig ist. Beim Wiederkäuer stellt die Verdauungstätigkeit des Pansens gleichzeitig die Wärmequelle des Körpers dar, so dass zu warme Außen- oder Stalltemperaturen den Tieren sehr zu schaffen machen können. Sie fressen dann weniger und ihre Milchleistung sinkt. Temperaturen bis zu 30 Grad Minus werden dagegen – ausreichend Futter vorausgesetzt- gut verkraftet. Selbst Kälber fühlen sich draußen in der keimarmen, frischen Luft wohler, wenn sie über ausreichend Wetterschutz wie z.B. ein Kälberiglu mit Stroheinstreu verfügen.

In den Ställen der alten Betriebe herrschte in den Wintermonaten oft warme, feuchte Luft, die vor allem durch die hohe Wasseraus-scheidung der Tiere über Haut und Atmung entstand. Rindergrippe war eine häufige Folge dieser Haltungsform. Moderne Betriebe bauen so genannte Außenklimaställe mit offenen Seitenwänden, die je nach Witterung mit Windschutznetzen verschlossen werden können. Ein moderner Laufstall ist in einen Laufgang, über den die Tiere ihre Freßplätze und die Tränken erreichen können, und in den Liege-bereich aufgeteilt. Hier steht jeder Kuh ein Liegeplatz zur Verfügung. Kühe liegen normalerweise 12-14 Stunden am Tag, um das Futter wiederzukäuen. Während des Liegens ist die Euterdurchblutung erhöht und damit gleichbedeutend die Milchproduktion. So gilt es also Liegemöglichkeiten zu schaffen, wie sie die Tiere auch in der Natur bevorzugen: trocken, weich und so geräumig, dass ein ungehindertes Aufstehen und Abliegen möglich ist. Von der Stroheinstreu über die Gummimatte sind verschiedene Liegeflächenvariationen in den Milchviehställen in Gebrauch. Dem Wohlbefinden der Tiere schenken die Milchbauern große Aufmerksamkeit. Schließlich bedeutet jede Kuh, deren Leistung aufgrund gesundheitlicher Probleme abfällt, eine Verminderung des Betriebseinkommens. Artgerechte Haltung zahlt sich buchstäblich aus, wenn sich die nötigen organisatorischen und baulichen Maßnahmen finanziell in Grenzen halten.

Einheimische und Gäste fühlen sich wohl im Hofcafé von Familie Schild

Wie kommt eine Landwirtsfamilie auf die Idee, ihren ehemaligen Milchviehbetrieb mit 190 ha Nutzfläche, Getreide, Speise- und Pflanzkartoffelanbau umzustrukturieren und Schweinemast, Direktvermarktung, Gastronomie und Ferienwohnungen inclusive Freizeitangebote wie z.B. Ponyreiten für die Gäste anzubieten?

„Da konnte ich mal wieder etwas bauen“, meint Seniorchef Hinrich Schild, der sich 1998 entschloß, für den am Elisabethgroden gelegenen Betrieb keinen neuen Stall für Milchkühe zu errichten und dazu noch ein Milchkontingent zuzukaufen sondern lieber vermehrt aufs gezähmte Borstenvieh zu setzen. Sauenhaltung hatte Familie Schild schon früher betrieben, jedoch ist die Ferkelaufzucht ein sehr aufwendiger Betriebszweig. Heinrich Schild und Sohn Ingo, der als Landwirtschaftsmeister heute für die Schweinehaltung auf dem Hof verantwortlich ist, beschlossen, in Zukunft „Babyferkel“ (5-8 kg schwer) von einem benachbarten Betrieb zuzukaufen und nach den Kriterien des QS-Gütesiegels weiter zu mästen. Zunächst beziehen die kleinen Schweine einen geräumigen sogenannten „Bettenstall“, in dem sie gruppenweise leben. Jedes Ferkel hat innerhalb des Stalles eine eigene Liegebucht in einer etwa halbmeterhohen Kiste. Innerhalb dieser Liegebucht, die am Ein- und Ausgang einen Lamellenvorhang aufweist, herrscht eine durch die Körperwärme des Tieres etwas erhöhte Temperatur. Die jungen Schweine können also je nach Stalltemperatur und eigenem Wärmebedürfnis auf dem Stallboden oder in ihrer Kiste ruhen. Fressen können sie so oft sie wollen das aus hofeigenem Getreide und zugekauftem, gentechnikfreien Sojaschrot bzw. –öl sowie Magermilchpulver bestehende Futter. Mit einem Gewicht von 30 kg wechseln die Tiere in die Gruppenhaltung zu 10-12 Schweinen in den Maststall, wo sie in den folgenden ca. 100 Tagen eine eiweißreichere Futtermischung bekommen, die eine moderne sensorgesteuerte Anlage zehnmal pro Tag zuteilt. „Die Tageszunahme liegt bei 800-850 Gramm“, sagt Ingo Schild, „ es wäre zwar auch mehr erreichbar, doch dann leidet die Fleischqualität“. Die kastrierten männlichen Schweine werden in den Mastgruppen nicht von den weiblichen Tieren getrennt. Da sie etwas schneller wachsen, können sie entsprechend früher geschlachtet werden, so dass die verbleibenden Tiere vom erhöhten Platzangebot profitieren. 4000 Schweine werden pro Jahr gemästet, und ein Teil von ihnen findet sich in Form von Wurst im Hofladen wieder bzw. wird als Spanferkel Mittwochs im selbstgebauten Grillofen für die Gäste zubereitet. Natürlich mit Livemusik aus der kleinen hölzernen „Konzertmuschel“, die die Musiker wettergeschützt aufnimmt.

Im 2004 angebauten Cafè kann man sich den selbstgebackenen Kuchen von Seniorchefin Anke Schild schmecken lassen. Serviert wird von Tochter Tina Schild, die als Hotelfachfrau ihr Handwerk versteht. Aushilfskräfte verstärken das familiäre Team, auch Tochter Gesa packt zwischendurch mit an.

Im Hofladen präsentiert sich eine große Warenpalette, die hofeigenen Produkte werden ergänzt durch die anderer Anbieter, viele davon aus der Region. Selbst das „Bauernhofeis“ ist eine Eigenproduktion eines Betriebes in Aurich-Schirum. Und das Brot wird ebenfalls in der Nachbarschaft in einem Steinbackofen gebacken. „Einheimische sind auch oft im Cafè zu Gast - bei Kaffee und Kuchen haben sie in uns immer vertraute Ansprechpartner“, meint Hinrich Schild. Und das täglich von 10-18 Uhr -  wenn´s Spanferkel und Musik gibt, natürlich auch länger.

Wo die Kühe jeden Tag zweimal Karussell fahren

Zu dem landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieb in Sande-Gödens, den Paul Schoorlemmer von Graf Karl-Georg von Wedel gepachtet hat, gehören 150 Hektar Nutzfläche. Davon werden 40 ha mit Getreide und Mais bestellt, auf der restlichen Fläche wächst Gras. Alles zusammen landet in den Mägen der Rindviecher, und davon gibt es reichlich: 135 Kühe leben auf dem Betrieb in dem großen, hellen und luftigen Boxenlaufstall. Von ihnen werden ständig ca. 110 Tiere gemolken, während die anderen ihren wohlverdienten Mutterschutz genießen – das sind die sechs Wochen vor der nächsten Kalbung, in denen die Kühe nicht gemolken werden. „Trockenstehen“ heißt der Fachbegriff für diese Zeit, in der die trächtige Kuh ihre gesamten Körperreserven für das Wachstum des Kalbes einsetzt. Der noch ungeborene Nachwuchs verdoppelt jetzt sein Gewicht und kommt mit ca. 45 kg zur Welt. Von den auf dem Betrieb geborenen Kälbern werden die männlichen an Bullenmastbetriebe verkauft, die weiblichen bilden die Nachzucht für die Herde. Die durchschnittliche Milchleistung liegt bei 8700 Litern pro Kuh und Jahr.

Paul Schoorlemmer melkt die Kühe im Karussell allein. „In den ersten Tagen, bis die Kühe sich an das Karussell gewöhnt hatten, haben wir acht Leute zum Melken gebraucht“, berichtet er. Schwindlig wurde den Kühen bei der gemächlichen Fahrt allerdings nicht, dafür aber anfangs dem Melkpersonal.

So ein Karussell lohnt sich ab einem Kuhbestand von 100 Tieren. Paul Schoorlemmer könnte noch expandieren, 200 melkende Kühe würden die Anlage hundertprozentig auslasten. Ausgelastet sind auch er, seine Partnerin und ein Mitarbeiter - bei der Getreide-, Mais- und Silageernte hilft ein Lohnunternehmer mit Maschinen und Arbeitskräften, alle anderen Arbeiten erledigen die drei auf dem Hof selbst.

Landwirtschaft im Wasserschutzgebiet – eine Herausforderung für den Betriebsleiter

Von den 120 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, die Landwirt Erwin Kickler in Schortens-Feldhausen bewirtschaftet, liegen fast die Hälfte im Wasserschutzgebiet des gleichnamigen Wasserwerkes, das sich in Sichtweite des Hofes befindet. Er bewirtschaftet den Milch-viehbetrieb unter Auflagen, die eine Belastung des Grundwassers, das sich unter den landwirtschaftlich genutzten Flächen bildet, verhindern sollen. Die Flächen befinden sich in drei verschiedenen Schutzzonen, für die unterschiedliche Regelungen gelten. In der strengsten Schutzzone 1, das sind die direkt um die Brunnen liegenden Flächen von jeweils ca. 400 m² , ist überhaupt keine Bewirtschaftung erlaubt. In Schutzzone 2 darf nur mit Mineraldünger und Festmist gedüngt werden, weil Gülle und Jauche eventuell Krankheitskeime in den Boden bringen könnten. Hier sollten die Flächen überwiegend als Wiesen und Weiden genutzt werden, die den in den Düngemitteln enthaltenen Stickstoff optimal ausnutzen und so eine Verlagerung in die Grundwasser führenden Bodenschichten verhindern. Auf Ackerflächen ist aus dem gleichen Grund auch im Winter auf Bodenbedeckung durch so genannte Zwischenfrüchte zu achten. Auch nach der Ernte auf dem Land verbleibende Maisstoppeln dienen diesem Zweck und tragen darüber hinaus zu einer verminderten Bodenerosion bei. In der Schutzzone 3 wird auf die Flächen nur soviel Dünger ausgebracht, wie von den Pflanzen optimal verwertet werden kann. Dazu werden im Frühjahr in 30, 60 und 90 cm Tiefe Bodenproben genommen, aus denen die vorhandene Stick-stoffmenge im Labor ermittelt wird. Berater der Landwirtschafts-kammer empfehlen dem Landwirt anschließend, wie viel Dünger noch ausgebracht werden sollte. Dazu nutzen sie aus langjährigen Versuchsreihen bekannte Daten, die z.B. angeben, wie viel Stickstoff die Maispflanzen einem Hektar Ackerfläche entziehen. Im Mai werden auf den gleichen Flächen noch einmal Bodenproben genommen, desgleichen nach der Ernte im Herbst. So können die Dünge-empfehlungen für das nächste Jahr gegebenenfalls korrigiert werden.

Auch auf dem eigentlichen Hofgelände sind bauliche Maßnahmen vorgenommen worden, die eine Verschmutzung des Grundwassers ausschließen sollen. Unter dem Kuhstall wie auch unter der Mist-lagerstätte und den Silagelagerplatten befindet sich eine abdichtende Folie wie sie auch unter Mülldeponien vorgeschrieben ist. Sämtliche Sickersäfte aus Mist und Silage einschließlich dem auftreffenden Regenwasser werden in einem Auffangsystem erfasst, das mit dem Güllebehälter verbunden ist. Daher musste der Güllebehälter auch wesentlich größer gebaut werden als für die sonst übliche aus-schließliche Zwischenlagerung der Gülle in den Wintermonaten, in denen ein Ausbringeverbot besteht, erforderlich ist. Diesel, Altöl oder Spritzmittel werden auf dem Hof nicht gelagert. Weitere Auflagen sind die Ausbringung der Gülle mit nach unten gerichtetem Prallteller und die Verwendung von im Wasserschutzgebiet erlaubten Pflanzen-schutzmitteln. Ergänzt werden diese Regelungen von freiwilligen Vereinbarungen, die die Wasserversorger mit den Landwirten treffen. Kommunikations- und Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten ist Vorraussetzung für die Entwicklung von optimalen Schutzkonzepten für die landwirtschaftlich genutzten Wasserschutzgebiete. Sie funktionieren so gut, dass inzwischen die Ansicht, Grundwasser könne sich nur unter bewaldeten Flächen in guter Qualität neu bilden, überholt ist (siehe unten).

Für Erwin Kickler ergeben sich jedoch aus all den oben genannten Maßnahmen Mindereinnahmen im Vergleich zu Betrieben ohne Wasserschutzauflagen. Nur zum Teil werden diese durch Ausgleichs-zahlungen aufgefangen. Feriengäste auf seinem Betrieb und die Bewirtschaftung der Flächen einer zweiten Hofstelle helfen, diese Lücke zu stopfen. „Unsere Gäste machen hier gerne Urlaub, und die meisten sind sehr interessiert am Thema Wasserschutz“, berichtet der Landwirt. So leistet er zugleich Aufklärungsarbeit zum Thema „Grundwasserschützende Landwirtschaft“.

Hervorragende Wasserqualität - Deutsche Landwirte leisten wertvollen Beitrag

(aid) - Die Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte im Wasserschutz erzielt und leistet demnach einen wertvollen Beitrag zu einer hervorragenden Wasserqualität in Deutschland. Das belegen Daten des Bundes-ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), erklärt die Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL) in einer Pressemeldung. So sind die Einträge von Nitrat ins Grundwasser deutlich zurückgegangen, und Pflanzenschutzmittel werden umweltbewusster eingesetzt. Der Wasserverbrauch der Landwirtschaft ist laut FNL hierzulande vergleichsweise gering. Während weltweit rund siebzig Prozent des verbrauchten Wassers für die Bewässerung von landwirtschaftlichen Kulturen verwendet werden, liegt der Anteil in Deutschland nur bei knapp über einem Prozent. Ziel ist, eine wirtschaftlich tragfähige Landwirtschaft und zugleich den Schutz der Trinkwasserquellen zu sichern. Dazu werden die Erzeuger intensiv beraten und geschult. Auch Kooperationen zwischen Landwirten und Wasserwerken seien inzwischen weit verbreitet.

aid, Heike Heinrichs

Transparente Produktion schafft Vertrauen

Roland Berger vom Biolandhof Klein Wiefels bei Jever baut seit 1996 einen Bestand an Deutsch-Angus Rindern auf. Zu den Vorzügen dieser Rasse zählt er die genetisch festgelegte Hornlosigkeit, die die Unfall- und Verletzungsgefahr im Laufstall erheblich vermindert. Die Tiere sind sehr friedfertig, und auch Bulle „Ihno“ frisst seinem Herrn buchstäblich aus der Hand. Gewöhnlich ist ein Bulle in diesem Alter längst in der Flegelphase und kann im täglichen Umgang ein ernst-haftes Gefährdungspotential für den Menschen darstellen. Roland Berger schreibt den roten Deutsch-Angus Tieren ein zugänglicheres Wesen zu als den schwarzen, letztere setzen allerdings mehr Fleisch an. Bulle Ihno vererbt neben seinen guten Charaktereigenschaften auch die Anlage zu Zwillingsgeburten bei seinen Töchtern und als Wermutstropfen die schlechte Hornqualität seiner hellen Hufe bei den männlichen Nachkommen.

Die Angus-Kühe haben sehr gute Muttereigenschaften, kalben problemlos und besitzen eine für reine Fleischrinder relativ hohe Milchproduktion, so dass sich die Kälber zügig entwickeln und auch für Zwillinge genug Muttermilch zur Verfügung steht. Die Tiere sind vitale und anpassungsfähige Weidetiere, die viel Wirtschaftsfutter (= auf dem Hof selbst produziertes Futter wie z.B. Gras, Grassilage, Heu) verwerten können. Das Fleisch der Angus-Rasse besitzt feine Muskelfasern und fein verteilte Fettablagerungen, die für den ausgezeichneten Geschmack sorgen. Die Tiere werden in Jever geschlachtet, so dass nur kurze Transportwege zurückgelegt werden müssen. Bei der Zerlegung der Schlachtkörper hilft Roland Berger selbst mit. Das Fleisch wird zum Teil zu Corned Beef verarbeitet, zum Teil haushaltsfertig an Privatkunden abgegeben. Auch Wurst wird hergestellt. Damit diese nicht knüppelhart wird, muß der Rezeptur ein Anteil Schweinefleisch zugesetzt werden, die Roland Berger in Bioqualität von Edo Irps aus Wilhelmshaven-Altona bezieht. Somit lassen sich diese Fleischprodukte wirklich als „regional“ bezeichnen und man kann als Kunde problemlos ihre Entstehung nachvollziehen.