Schule <> Bauernhof

Die Idee, die Landwirtschaft als lebendigen Unterrichts-bestandteil in den Stoffplan der allgemeinbildenden Schule zu integrieren entstand 1993 in der damaligen Kooperation zwischen dem Regionalen Umweltzentrum Schortens und dem Kreislandvolkverband Friesland. Bereits kurze Zeit später erzielte das Projekt sehr großes Interesse seitens der Schulen und entsprechende Aufmerksamkeit beim Kultus-, Landwirt-schafts- sowie Umweltministerium, die es als „nieder-sächsisches Modellprojekt der Umweltbildung“ anerkannten.

Das Projekt „Der Bauernhof als außerschulischer Lernort“ bietet SchülerInnen aller Jahrgangsstufen einen Einblick in die bäuerliche Lebens- und Arbeitswelt. Sie setzen sich anhand eigener Wahr-nehmungen mit den ökonomischen, ökologischen, sozialen und politischen Bedingungen der heutigen Landwirtschaft auseinander. Durch entsprechend methodisch aufbereitete, handlungsorientierte Erkundungsbesuche auf landwirtschaftlichen Betrieben erhalten sie intensive Einblicke in die Natur- und Stoffkreisläufe. Die SchülerInnen erkennen, wie und wo Lebensmittel erzeugt und teilweise auch verarbeitet werden. Dadurch können sie wieder einen Zusammen-hang herstellen zwischen dem, was sie im Supermarkt einkaufen und der landwirtschaftlichen Erzeugung in ihrer Region.

Durch praxisnahe Recherchen wird es den SchülerInnen ermöglicht, den Entstehungsweg ausgewählter Lebensmittel zurückzuverfolgen und einen Vergleich verschiedener Produktions-, Verarbeitungs- und Vermarktungsweisen vorzunehmen. Auf diese Weise werden sie in die Lage versetzt, Qualitätsaussagen kritisch zu hinterfragen. Im Dialog mit Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung, -handel und Gastronomie lernen die SchülerInnen die Handlungsmotive und Qualitätsverständnisse der einzelnen Akteure kennen. Im Bewusstsein, als Konsument eine Verantwortung für die Art und Weise der Lebensmittelproduktion zu besitzen können die SchülerInnen Perspektiven und Handlungsansätze für einen zukunftsfähigen Konsumstil und eine zukunftsfähige Landwirtschaft formulieren.

Transparenz schaffen - von der Ladentheke zum Erzeuger

Der Kreislandvolkverband Friesland e.V. beteiligt sich am nieder-sachsenweiten Bildungs- und Kooperationsprojekt „Transparenz schaffen – von der Ladentheke zum Erzeuger“  (www.transparenz-schaffen.de) . Es vereint seit 2002 von 40 Bildungsträgern angebotene unterschiedliche außerschulische Lernorte, die sich zum Ziel gesetzt haben, den Dialog zwischen Konsumenten und den an der Lebensmittelproduktion beteiligten Akteuren anzuregen. In den angebotenen, dreiteiligen Unterrichtsprogrammen werden die SchülerInnen zunächst auf den Besuch eines Betriebes vorbereitet, den sie an einem weiteren Vormittag möglichst selbständig erkunden. Abschließend lernen sie, Lebensmittel bzw. Mahlzeiten, z.B. aus Milch, Getreide oder Kartoffeln, selbst herzustellen. Mit dieser Methodik sollen den Kindern  Kernkompetenzen vermittelt werden, die für eine erfolgreiche individuelle Lebensgestaltung (z.B. gesunde Ernährung) und eine in der Zukunft funktionierende Gesellschaft unabdingbar erscheinen (Kerncurriculum Sachkunde). 

Die Landwirtschaft mit den vor- und nachgelagerten Bereichen wie Ernährungswirtschaft, Landtechnik, Futterwirtschaft, Tiermedizin usw. ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor des ländlichen Raumes. Die hier vorhandenen Arbeitsplätze ermöglichen vielen Familien eine Existenzgrundlage und verhindern ein Abwandern der Bevölkerung in städtische Räume. Zugleich wird sich jedoch in naher Zukunft demografisch bedingt die Zahl der Heranwachsenden verringern und generell damit auch die Zahl der Auszubildenden. Daher ist es für den ländlichen Raum von großer Bedeutung, diese jungen Leute für Berufe in ihrer Region zu begeistern, damit sie in ebendieser Region später als Arbeitnehmer verbleiben. Das Projekt „Transparenz schaffen – von der Ladentheke bis zum Erzeuger" bringt junge Menschen schon ab dem Kindergartenalter in Berührung mit Berufen der Lebensmittelproduktion im ländlichen Raum. Hier werden z.B. Bauernhöfe, Bäckereien, Metzgereien, Tierarztpraxen und auch Super- bzw. Wochenmärkte besucht, um mit handlungsorientierten Methoden den Kindern einen Einblick in die Produktion ihrer Lebensmittel zu ermöglichen. Gleichzeitig lernen die Kinder die dazugehörigen beruflichen Tätigkeitsfelder praktisch kennen. Sind sie später selbst in der Situation der bevorstehenden Berufswahl, können sie auf diese Eindrücke und die persönlichen Kontakte zu den entsprechenden Betriebsleitern zurückgreifen und möglicherweise so die Ausbildung in einem Beruf beginnen, für den sie sich mangels Einblick sonst nicht interessiert hätten.

Die Unterrichtsprogramme werden in Zusammenarbeit mit der Kreisarbeitsgemeinschaft der Landfrauenvereine Friesland durchgeführt.

Übrigens: SchülerInnen, die an einem Unterrichtsprojekt teilnehmen, können sich damit an der Aktion  "NaturErlebnisAbzeichen OstFriesland"  beteiligen!(www.naturerlebnisabzeichen.de)   

                    

Der Kreislandvolkverband bietet:

- Entwicklung und Durchführung von Unterrichtsprojekten in allgemeinbildenden Schulen (alle Jahrgänge) zum Themenkomplex „Landwirtschaft-Lebensmittelproduktion-gesunde Ernährung“ - immer mit handlungsorientiertem Schwerpunkt auf Betrieben und Bezug auf die Region — fächerübergreifend umsetzbar z.B. in Sachkunde, Biologie, Geschichte, Erdkunde, Deutsch, Mathematik, Arbeit und Wirtschaft, Hauswirtschaft

- Konzepte für Projektwochen

- Hilfe bei der Erstellung von Internetpräsentationen der Projekte

- Mehrtägige Praktika auf landwirtschaftlichen Betrieben der Region für Schüler der Sekundarstufe 1 

- Fortbildungen für Lehrkräfte, Studierende und Landwirte 

   Ansprechpartnerin: Birgit Luiken  

                

Beispiele für Unterrichtsprojekte

Kinderacker/Vom Korn zum Brot

2-4. Grundschulklasse

Dauer: Mai-Oktober

Ziel: Entstehungprozeß von Getreideprodukten kennenlernen

Inhalt: Bestellung (Pflügen, Eggen, Säen) einer kleinen Ackerfläche bei einem Landwirt (oder eines Beetes im Schulgarten) mit Sommergetreide; Protokollieren des Wachstums, „Getreideanbau früher und heute“ im Sachunterricht, nach den Sommerferien Getreideernte auf dem Kinderacker bzw. auf einem Getreidefeld ; Aufbereitung des Getreides im Vareler Heimatverein (Dreschen, Reinigen, Mahlen); anschließend „Gesundes Frühstück“ mit selbst hergestellten Getreideprodukten oder Backen in einer Bäckerei bzw. mit einer 9. Klasse der Pestalozzi-Förderschule im Fach Hauswirtschaft.

Wo kommt die Milch her?

3.-4. Grundschulklasse

Ziel: Entstehungsprozeß der Milchprodukte kennen lernen

Zeitraum: November-April

Inhalt: Kennenlernen der Zuchtgeschichte des Rindes, des Verdauungstraktes, der Bedürfnisse des Rindes und der daraus resultierenden optimalen Haltungsbedingungen. Erkundung eines Milchviehbetriebes mit praktischen Tätigkeiten (Melken, Füttern, Einstreuen). Vertiefung der Eindrücke mittels „Rallye“ an Lernstationen auf dem Hof. Gesundes Frühstück mit Milchprodukten und selbst hergestellter Butter, Milchmix, Kräuterquark usw. in der Schule.

Ausserirdische erkunden einen Bauernhof

2.-4. Grundschulklasse

Siehe www.primolo.de/home/Ausserirdische

Landwirtschaft zum Anfassen

8. Klasse (siehe Beispiel weiter unten)

Zeitraum: ganzjährig

Ziel: Kennenlernen des Berufes „Landwirt“, Kennenlernen der Urproduktion

Inhalt: Die Schüler absolvieren allein oder zu zweit ein einwöchiges Praktikum auf landwirtschaftlichen Betrieben der Umgebung. Sie fertigen Tagesberichte an und recherchieren zu verschiedenen Bereichen der Arbeit und des Lebens auf dem Hof. In der Schule werden einige Themen vertieft und offene Fragen von Berufsschülern des Agrarbereiches beantwortet. Eine persönliche Projektmappe und ein Präsentationsabend mit verschiedenen Aktionen rund um das Thema Bauernhof sowie die von den Schülern selbst gestaltete Öffentlichkeitsarbeit (beispielsweise Zeitungsartikel in der lokalen Presse, Radiosendung im regionalen Sender) schließen das Projekt ab.

Man ist, was man isst

10.-12. Klasse

Zeitraum: ganzjährig

Ziel: Hinterfragen von Qualitätsaussagen bei Lebensmitteln

Inhalt: Die Schüler formulieren im Unterricht ihre Vorstellungen über Lebensmittelqualität. Anschließend recherchieren sie auf land-wirtschaftlichen Betrieben, bei Lebensmittelverarbeitern und –händlern sowie in der Gastronomie, ob und wie ihre Vorstellungen von Lebensmittelqualität verwirklicht werden. Sie werden sich dadurch ihrer eigenen Ernährungsgewohnheiten bewusst und lernen, Qualitätsaussagen kritisch zu hinterfragen sowie einen zukunftsfähigen Konsumstil zu entwickeln.

 

Landwirtschaft zum Anfassen 2006

Nachbereitung im Unterricht