„Mein Bauer“ im Net

„Mein Bauer“ im Internet

Hier stellen wir Ihnen landwirtschaftliche Betriebe in Friesland vor. Vielleicht ist auch ein Hof aus Ihrer Nachbarschaft dabei?

 

Neu im Vorstand des KLV Friesland: Gerke Albers

Gerke Albers ist mit seinen Eltern in Zetel / Klein-Schweinebrück zu Hause. Dort bewirtschaftet die Familie einen Milchviehbetrieb mit 200 Kühen. Zwei Roboter melken den größten Teil der Kühe, lediglich etwa 50 niedrigleistende Tiere am Ende der Laktationsphase werden in einem separaten Stallteil gehalten und im Melkstand gemolken. Zum Betrieb gehören 99 Hektar Land, davon 29 ha Mais, 7 ha Ackergras und 2 ha Triticale. Die restlichen Flächen werden aufgrund des lehmigen Bodens als Grünland genutzt.

Gerke Albers 1 webGerke Albers hat bereits zwei Lehrlinge ausgebildet. Er hält das Knowhow für besonders wichtig. „Hofnachfolger müssen heute gut geschult sein, um trotz neuer Auflagen aus der Politik und der Bedenken aus der Bevölkerung wirtschaftlich zu produzieren. Die Belange der guten fachlichen Praxis müssen intensiv vermittelt werden, besonders im Bereich der Düngung liegt noch viel Potential“.
Wichtig ist ihm ein gutes Verhältnis zur Nachbarschaft. Dazu gehört auch die geruchsarme Ausbringung der Gülle und direkte Aufklärung, wenn mal gespritzt werden muss. „Wenn wir im Grünland gegen Ampfer spritzen lassen darf der besorgte Nachbar auch mal mitfahren und bekommt dabei erklärt, wie exakt und selektiv gearbeitet wird.“ So kann ihm die Angst genommen werden, hier „würde alles totgespritzt“.

Mit der Aktion „Frühstück sucht Gast“ hat die Familie  gute Erfahrungen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Und Gerke Albers kann sich vorstellen, künftig einen Blühstreifen am Rande eines langgestreckten Maisschlages anzulegen, der direkt an einem Radweg liegt. Denn auch das ist eine Botschaft an die Öffentlichkeit: „Seht, wir tun was für die Biodiversität!“

 

 

Der „Klosterhof“ in Schortens

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Ein eingespieltes Team: Jörg (li) und Tristan Even

Jörg Even, Jahrgang 1963, hatte die Landwirtschaft nicht als beruflichen Hauptwunsch gelernt. Andere Berufe waren jedoch in der Zeit der geburtenstarken Jahrgänge überlaufen, und so entschloss sich Even, doch die Hofnachfolge anzutreten. „Auf dem Pachtbetrieb der Eltern, die den Hof ab 1959 zunächst im Nebenerwerb führten, musste ich sowieso Trecker fahren“, sagt Even.  Zusammen mit seiner außerlandwirtschaftlich tätigen Frau Anja und Sohn Tristan lebt er auf dem seit 2009 im Eigentum befindlichen Milchviehbetrieb, direkt neben dem historischen Klosterpark in Schortens.  Tristan kümmert sich seit 2016  als Lehrling mit um die 80 Kühe plus Nachzucht und 75 ha Grün- und Ackerland.

Im Schortenser Ortslandvolkverein war Jörg Even 18 Jahre lang im Vorsitz tätig, im friesischen Kreislandvolkvorstand engagiert er sich seit  2006. „Ohne berufsständische Organisationen wie die Kreislandvolkverbände geht es nicht, wenn man sich Gehör auf Landesebene verschaffen will“, meint Even.  Kürzlich wurde er in den Rat der Stadt Schortens gewählt.  Even möchte die landwirtschaftliche Realität und Nachhaltigkeitsaspekte in die Ratsarbeit einbringen. Die CDU-Fraktion war schon zu Besuch auf seinem Betrieb, um sich davon zu überzeugen, „dass es auch Betriebe unter 300 Kühe gibt, von denen man als Familie leben kann“.

 

„Biolandwirtschaft ist ein schlüssiges System, das funktioniert“

So beschreibt Roland Berger seine Motivation, den Biolandbetrieb in Klein-Wiefels bei Jever zu bewirtschaften. Der Diplom-Agraringenieur hat landwirtschaftliche Wurzeln innerhalb seiner Familie, absolvierte nach der Lehre auf Milchviehbetrieben seinen Zivildienst mit Behinderten auf einem Bauernhof und studierte schließlich in Witzenhausen „in einer Zeit, in der Aufbruchstimmung herrschte“. Die Jahre 1988-1993 waren geprägt von einem gesellschaftlichen Umdenken beispielsweise in den Bereichen Konsum, Umweltschutz und sozialer Verantwortung. In der Fachhochschule Witzenhausen (Nordhessen) entstand damals der erste Lehrstuhl für den ökologischen Landbau mit angegliederten Versuchsbetrieben.


Die Kunden schätzen die Qualität der Produkte in Bergers Hofladen

Roland Berger hatte sich immer schon für die Milchwirtschaft interessiert. Als er aber nach dem Studium auf der Suche nach einem Pachtbetrieb war, überzeugte ihn die Atmosphäre des Hofes in Klein-Wiefels, den er von Gottfried Hinrichs übernahm. Hinrichs war einer der ersten Landwirte in der Region, die ökologischen Landbau (Mutterkuhhaltung) unter dem Dachverband Bioland betrieben. Mit 40 ha Grünland und 60 Mutterkühen mit Nachzucht begann Roland Berger, arbeitete jedoch nebenher bei einem Lohnunternehmen mit. Die vielen Kontakte, die er mit Berufskollegen auf diese Weise bekam, schätzt er heute noch als sehr wertvoll ein, auch wenn es darum ging, als Biolandwirt akzeptiert zu werden. Mit der Zeit wurde aus dem Nebenerwerbsbetrieb ein Vollzeitunternehmen mit 80 ha Grünland, Direktvermarktung im eigenen Hofladen, Hühner – und Schafhaltung und einer Ferienwohnung für Gäste.

Die Mutterkuhherde der Rasse Deutsch-Angus ist genetisch hornlos, was Roland Berger sehr zu schätzen weiß, denn: „Wenn die Tiere im Winter in den Stall kommen und die Rangordnungskämpfe losgehen, kann es durchaus zu ernsthaften Verletzungen kommen – auch wenn das Platzangebot überdurchschnittlich hoch ist.“ Und an die eigene Sicherheit muss ebenfalls gedacht werden. Die Rinder leben den Sommer über auf den Weiden und benötigen keine Zufütterung. Von der Nachzucht werden die männlichen Tiere mit 6-8 Monaten verkauft. Im Alter von zwei Jahren werden die weiblichen Tiere geschlachtet. Ihr Fleisch ist besonders hochwertig und wird auch gerne von guten Hotelküchen und Restaurants nachgefragt, doch: „Da wird meistens Roastbeef und Filet verlangt. Wir können aber unseren Hofkunden nicht nur den `Rest´ anbieten“, beschreibt Roland Berger den Grund, aus dem er heute das gesamte Fleisch im Hofladen vermarktet. Und da lässt sich die Nachfrage kaum befriedigen. „Die Leute kaufen hier nicht nur, weil das Fleisch aus Bioproduktion kommt, sondern weil es so gut schmeckt und weil sie sehen können, wie die Tiere aufwachsen“. Rund 100 Haushalte kaufen von dem Betrieb, sommers kommen noch viele Touristen hinzu, die sich vornehmlich für Eier und Wurst interessieren.

Die achtzig Legehennen genießen einen großzügigen Stall mit überdachtem Scharrraum und nutzen die großen, baumbestandenen Weideflächen zur Futtersuche. Fünfzig Schafe sorgen für den Lämmernachwuchs, der mit 8 Monaten vermarktet wird. Die Schlachterei Frank Munk ist die letzte Station für die schlachtreifen Tiere, die sie nach nur drei Kilometern Transportweg erreichen. Hier zerlegt Roland Berger zusammen mit dem Fleischer die Schlachtkörper, anschließend wird das Fleisch professionell eingeschweißt, etikettiert und tiefgefroren. Die Nachfrage ist gut, doch trotzdem hat sich der Landwirt dazu entschlossen, den Betrieb wieder zu verkleinern und im Nebenerwerb zu betreiben. „Wir hätten, um die Vermarktung auszubauen, viel Geld in die Hand nehmen müssen, um die erforderlichen Gebäude, u.a. einen Zerlegeraum, zu bauen“. So arbeitet der überzeugte Biolandwirt hauptamtlich bei der Fa. Schaette im Bereich der pflanzlichen Tierarzneimittel. Krankheitsprobleme auf dem eigenen Hof hat er so gut wie nicht, lediglich die Bekämpfung von Endoparasiten wie z.B. Leberegeln ist bei den Jungtieren in der Regel einmal nötig. Hier werden konventionelle, im Biolandbau zugelassenen Medikamente angewendet. „Wir beachten die doppelte Wartezeit nach der Vergabe von Medikamenten“, beschreibt Roland Berger das Verfahren.

Und wie sieht die Zukunft aus? Die Söhne Lennart und Gunnar werden den Hof nicht weiter bewirtschaften, aber solange er kann will Roland Berger den Betrieb erhalten: „Ich bin mit Herz und Seele in der Landwirtschaft verankert“, ist seine persönliche Einstellung zu seinem Beruf.

Landwirtschaft in Friesland – von den Nachkriegsjahren bis heute

Mit den folgenden Beiträgen schlagen wir einen Bogen von der durch Mangel an Nahrung und Arbeitskräften gezeichneten Kriegs- und Nachkriegszeit bis hin zur heutigen modernen Landwirtschaft. Die Serie wird fortlaufend ergänzt und schildert den Werdegang verschiedener Betriebe in Friesland:

Die Zukunft als Hofnachfolger

Junglandwirt Derk Jürgens hat sein Abitur in Aurich am dortigen Beruflichen Gymnasium für Landwirtschaft gemacht. Es folgte ein Jahr Praktikum auf einem Milchviehbetrieb in Rastede als Voraussetzung für das Studium an der Fachhochschule in Osnabrück, das Derk Jürgens mit dem „Bachelor of Science Landwirtschaft“ abschloss. „Da ich auf dem elterlichen Betrieb groß geworden bin und immer mitgearbeitet habe, sah ich eine Lehre als wenig sinnvoll an“, begründet er seine Entscheidung für diesen Ausbildungsweg. „Der Bachelor-Studiengang ist allerdings eher etwas für Menschen, die als Berater tätig werden wollen“, sagt der Älteste von drei Geschwistern. Bruder Sönke und Schwester Tomke wollen die Hofnachfolge nicht antreten.

Derk Jürgens übernimmt den elterlichen Betrieb in Förriesdorf bei Jever

Bereits im 18. Jahrhundert bewirtschafteten die Vorfahren Höfe in Friedeburg und Wiesede. Vater Carl Jürgens verkaufte den elterlichen Betrieb in Friedeburg, weil die Lage mitten im Ort keine Entwicklungsmöglichkeiten ließ und die Bewirtschaftung der verstreut liegenden Flächen zu zeitaufwendig war.  Ehefrau Anke Eden-Jürgens brachte ebenfalls einen Hof in die Partnerschaft ein. Auf diesem Betrieb in Wiesede werden heute die Maschinen untergestellt, mit denen die in Friedeburg verbliebenen 30 ha bewirtschaftet werden. Hier wachsen Mais und Getreide, die auf den 115 ha Marschboden rund um Förriesdorf nicht kultiviert werden können. „Als der Betrieb in Friedeburg verkauft wurde, konnten meine Eltern mit dem Erlös den hiesigen Hof in Förriesdorf modernisieren “, erklärt Derk Jürgens die Geschichte des Betriebes.Carl Jürgens und seine Frau betreiben den Betrieb als GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts). Zurzeit kommt jedes 2. Wochenende ein Melker zur Unterstützung, so dass für die Familie Freizeit möglich ist.

Der Betrieb in Förriesdorf ist umgeben von Grünland

Heute leben 160 Kühe und Nachzucht auf dem Hof. Die Tiere sind im Sommer Tag und Nacht auf der Weide. „Es tut den Tieren gut, und auf diese Weise können wir am `Weidemilchprogramm´ der Ammerländer Molkerei teilnehmen“, erläutert Derk Jürgens, der viel Wert auf guten „Kuh-Komfort“ legt. „Die Tiere fühlen sich wohl, sind gesünder, man hat weniger Tierarztkosten und ich habe ein ruhigeres Gewissen“, sagt er. Seinen Beruf hat er gewählt, weil er selbständig entscheiden will, was zu tun ist. „Allerdings schreibt die Politik uns immer mehr vor“, beklagt er unisono mit seinem Vater die Situation.

Derk wird den Hof übernehmen. Von der „Junglandwirteförderung“ der neuen Agrarpolitik, die zusätzlich 25 % zur regulären Betriebsförderung für Landwirte unter 40 Jahren vorsieht kann er allerdings nicht profitieren. Die Kooperation mit seinem Vater beschreibt er als gut, nur „kleinere Entscheidungen können zu Reibereien führen“, meint er. Ganz ausklinken wird sich Carl Jürgens allerdings nicht, sondern mithelfen, wenn es angebracht ist, aber: „Probleme, loszulassen habe ich nicht“, kommentiert er.

Weidemilch und Naturwert-Fleisch

Hilmar Beenken aus Jever-Siebethshaus setzt auf die Milchproduktion für das Weidemilchprogramm der Molkerei Ammerland und auf die Aufzucht von Mastrindern für die Combi-Supermarktkette der Bünting-Gruppe. Unter dem Begriff „Naturwert-Goldschmaus“ wird hier mit ausgewählten Rinderrassen und besonderen Haltungs- und Fütterungskriterien hochwertiges Rindfleisch erzeugt.

In der vierten Generation bewirtschaftet der Landwirtschaftsmeister die 76 ha Nutzfläche, die sich aus 60 ha Grünland und 16 ha Mais zusammensetzen. Von dem darauf erzeugten Futter leben 60 Milchkühe und ca. 150 Rinder. „Die Tiere bekommen auch zugekauften Biertreber aus der Jeverschen Brauerei“, berichtet Hilmar Beenken und erläutert die Qualitätskriterien des Naturwert-Goldschmaus-Aufzuchtprogrammes: “Die Masttiere müssen in Niedersachsen geboren sein, erkennbar an der 03 auf den Ohrmarken. Die verwendeten Futtermittel müssen alle dem „QS +“-Gütesiegel (Qualität und Sicherheit) entsprechen und auf den Gehalt von Aflatoxinen geprüft werden. Stallgröße, Licht- und Luftverhältnisse gehen über den normalen Standard hinaus, das bedeutet bessere Haltungsbedingungen für die Tiere. Die Rinder werden nur nachts zum Schlachthof nach Steinfeld transportiert, weil es dann ruhiger auf den Straßen zugeht, und sie werden nach dem Entladen sofort geschlachtet“. Hilmar Beenken betont eine Besonderheit, die für die gute Fleischqualität mitverantwortlich ist: „Der Vater der Masttiere muss aus der Rasse Limousin oder Blonde d´Aquitaine kommen. Die Mutter hingegen kann auch eine schwarzbunte Kuh sein“. Zugekauft werden Kälber aus Mutterkuhhaltung, die sich erst einmal in kleinen Gruppen in einem Extraabteil des Stalles kennen lernen und ihre Rangordnung festlegen.

Abgesetzte Kälber der Rasse Limousin werden aus einer Mutterkuhhaltung zugekauft

„Den Einstieg in das Naturwertprogramm hat bereits mein Vater Wilhelm 1996 vorgenommen“, berichtet Hilmar Beenken aus der Geschichte des Betriebes. Vor etwa 100 Jahren gab es auf dem Hof eine Deckstation mit gekörten Zuchtbullen. In dieser Zeit betrieb der Hof bereits die Weidemast. Heute werden die Masttiere ganzjährig im Stall gehalten – auch wegen der Gefährlichkeit der Bullen. „Aufwand und Risiken der Bullenhaltung auf der Weide sind ziemlich hoch“, meint Hilmar Beenken und hält respektvollen Abstand zum Deckbullen Simon, der zum Glück nicht weiß, wie stark er ist.

Die ältere Dame im Hintergrund sorgt dafür, dass Deckbulle „Simon“ der Rasse Blonde d`Aquitaine ruhig bleibt

Die 1984 eingeführte Milchquote verhinderte eine Ausweitung der Milchproduktion, worauf Vater Wilhelm Beenken die Anzahl der Masttiere erhöhte. Die Tiere wurden bis 1996 an die ehemalige Schlachterei Oltmanns geliefert, die ihre Tiere außer von Familie Beenkens Betrieb nur von einem weiteren Hof, Harm Oncken in Sande, bezog. „Mein Vater wurde von Combi angesprochen und gefragt, ob er dem Naturwert-Goldschmaus-Programm beitreten wolle, und wir erleben seitdem eine rege Nachfrage nach Schlachttieren“, erläutert Hilmar Beenken, der den Betrieb 2007 übernommen hat und die Milcherzeugung beibehielt, weil sie ein sicheres Einkommen bedeutet. „Es gibt unangemeldete Kontrollen von Dr. Bernhard Schürmann vom Naturwert-Goldschmaus-Programm, in denen geprüft wird, ob die Tiere den Vorschriften entsprechend gehalten und gefüttert werden. Dr. Schürmann ist auch bei der Auswahl der Tiere, die mit knapp 2 Jahren geschlachtet werden sollen, dabei“, berichtet der Landwirt, der auch sonst keine Scheu vor der Öffentlichkeit hat: „Zu uns kommen Kindergartengruppen, wir machen Ferienpassaktionen – im Grunde kann jeder Verbraucher hierherkommen und sehen, wie die Tiere aufwachsen.“ Er legt großen Wert auf ein intaktes Umfeld – sowohl landschaftlich wie auch sozial: „Die Flächen rund um den Hof gehören den Kühen. Hier soll kein Mais wachsen. Wenn im Dorf Grünschnitt ansteht, stellen wir natürlich einen Anhänger hin und sorgen für den Abtransport. Und am Wochenende wird grundsätzlich keine Gülle gefahren“. Hilmar Beenken ist übrigens für diesen Artikel extra vorzeitig aus dem Urlaub auf Spiekeroog zurückgekommen, den er dort mit  Frau und Tochter verbracht hat. Wenn das kein überdurchschnittliches Engagement für den Berufsstand ist!

„Ich bin gerne Milchbauer“

Heino Schemering mag seinen abwechslungsreichen Beruf auf dem 123 ha großen Hof „Groß-Strückhausen“, der vor Jahrhunderten zusammen mit den heutigen Betrieben „Klein-Strückhausen“ und „Neu-Strückhausen“ das Gelände der Burg Schagen bildete.
Die schwere Bodenqualität der Marsch bedingt die Spezialisierung auf die Milchwirtschaft, weil die Flächen nur eingeschränkt ackerfähig sind. Daher bilden 106 ha Grünland und 17 ha Mais die Futtergrundlage der 160 Kühe und 170 Stück Jungvieh. 

Wie der Herr, so´s Gescherr. Hier fühlen sich Zwei- und Vierbeiner sichtlich wohl.
Vater Karl-Heinz Schemering übernahm den Hof, zu dem damals 55 ha, 8 Pferde, 24 Kühe, 2 Schafe und 4 Schweine gehörten, nach dem zweiten Weltkrieg und führte ihn als Gemischtbetrieb mit Ackerbau, Milchvieh, Hühnern und Schweinen weiter, bevor in den 70er Jahren die Spezialisierung auf die Milchproduktion angestrebt wurde. Die 70 Kühe standen bisher im Anbindestall, doch bereits 1978 wurde ein Laufstall für 86 Kühe gebaut. „Da kamen Landwirte busweise zum Hof gefahren, um sich den für damalige Verhältnisse sehr modernen Melkstand mit automatischer Melkzeugabnahme sowie die automatische Kraftfutterzuteilung mittels Transponder anzusehen“, berichtet Heino Schemering. Heute wie damals kommen die Kühe ganztägig auf die Weiden, die die Hauptfuttergrundlage bilden. Der Mais wird seit 1998 angebaut und als Energieausgleich zugefüttert. Hier sieht Heino Schemering ein mögliches Problem bezüglich der aktuellen Agrarpolitik, die den Grünlandumbruch künftig eventuell erschwert: „Den Mais kann ich nur zwei bis drei Jahre auf der gleichen Fläche anbauen, weil sonst der Boden leidet. Daher muss ich regelmäßig Grünland zu Ackerland umbrechen und dafür das Ackerland wieder zu Grünland umwandeln.“
In den 80ern produzierten die Kühe des Betriebes 600.000 l Milch, bevor 1984 die Milchquote den EU-weit erzeugten Milchseen und Butterbergen den Nachschub abschnitt. Die Verordnung bescherte dem Betrieb eine Kürzung der Milchanlieferungsmenge von 75.000 l pro Jahr. Um die Einkommensverluste auszugleichen wurden mehr Weidebullen gehalten. Heino Schemering intensivierte die Milchviehhaltung, nachdem er den Hof 1991 vom Vater gepachtet hatte und reduzierte die Mastbullen auf heute 10 Stück. Milchquote wurde von der im Jahr 2000 entstandenen Milchquotenbörse zugekauft und Fläche entsprechend zugepachtet. Eine gewisse Risikobereitschaft beweist der Landwirt mit den 1,3 Mio Litern der im Jahr 2012 produzierten Milch. Davon waren 300.000 l über die Quote des Hofes hinausgeliefert worden, was aber – glücklicherweise – nicht durch die so genannte „Superabgabe“, eine Strafgebühr für die zu viel gelieferte Milchmenge, geahndet wurde, weil die nationale Milchquote nicht ausgeschöpft worden war. Heute ist das Verhältnis von Tieren zur Fläche ausgereizt. Heino Schemering würde eigentlich lieber mit nur 100 Kühen arbeiten. „Aber damit kann ich kein ausreichendes Einkommen erwirtschaften“, meint er und vergleicht den inflationären heutigen Milchauszahlungspreis mit den 65 Pfennig (= 32,5 Cent), die es im November 1991 dafür gab. Vom Betrieb leben schließlich auch seine Frau Rena und die drei Kinder sowie ein Mitarbeiter und ein Azubi.

Über die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft hat Heino Schemering bereits früher nachgedacht, Vorträge besucht und an Treffen der Ökoverbände teilgenommen: „Aber das passt wohl nicht zu mir“, meint er, “ich bin eher der intensive Typ“.

Für das Getreide gab es kaum noch Geld

Vom Mangel der Nachkriegszeit zur agrarpolitisch verursachten Überproduktion in den 80er Jahren: viele Betriebe veränderten sich, manche sahen in der sogenannten „Veredelung“, d.h. dem Verfüttern des Getreides an Masttiere, einen neuen, rentableren Betriebszweig. So auch Familie Ortgies aus Friedrich-Augustengroden im Wangerland.

Enno Ortgies besitzt noch den Aussaatkalender seines Vaters Franz für die achtgliedrige Fruchtfolge

Enno Ortgies bewirtschaftet seinen Betrieb in der siebten Generation. 1767 bauten seine Vorfahren mütterlicherseits den Hof, zu dem damals schon stolze 60 ha auf Erbpachtgrundlage gehörten. „Nach der Eindeichung wurde die Marsch langsam salzärmer, so dass außer Gerste und Rüben auch die empfindlicheren Kulturen Raps, Ackerbohnen, Erbsen, Winterweizen und Kleegras gediehen“, erklärt Enno Ortgies. Was nicht selbst verbraucht wurde ging u.a. in den Export nach England, das bereits im 17. Jahrhundert von Carolinensiel und Hooksiel aus beliefert wurde. Die achtgliedrige Fruchtfolge wurde noch bis in die 60er Jahre vom Vater Franz Ortgies praktiziert und teilweise mit Kartoffeln und Gemüse ergänzt. Drei Landarbeiter halfen, die Arbeit auf dem Hof mit seinen damals 25 Kühen, dem Jungvieh und der Geflügelhaltung zu bewältigen. Der Kauf des gezogenen Mähdreschers 1964 ermöglichte eine Ausweitung des Getreidebaues. Als der Vater 1967 starb, war Sohn Enno noch nicht mit der Ausbildung fertig, so dass es ratsam erschien, den Betrieb zwischenzeitlich zu verpachten. Die Hälfte der Fläche wurde als Ackerland an den einen Pächter vergeben, der andere Pächter bekam das Grünland, die restlichen 10 ha Acker und das Milchvieh. 1976 war es dann soweit: der frisch gebackene Diplomagraringenieur Enno Ortgies war bereit, den Betrieb zu übernehmen und intensivierte den Getreidebau. Mit einem Erlös von 40 DM pro Doppelzentner (100 kg) lies es sich gut wirtschaften (zum Vergleich: der Preis für Weizen liegt heutzutage bei etwa 22 € pro Doppelzentner bei merklich gestiegenen Produktionskosten). 1982 begann wegen der entstandenen globalen Überproduktion die Talfahrt der Getreidepreise, die erst bei einem Stand von 16-18 DM pro Doppelzentner stoppte. „Wir haben da eben den Gürtel enger geschnallt und uns eingeschränkt“, berichtet Enno Ortgies. Die Überlegung, vielleicht wieder auf die Milchviehhaltung umzusteigen, um ein sicheres Einkommen zu haben, wurde durch die 1984 entstandene Milchquotenregelung zerschlagen, die es nicht mehr ermöglichte, wieder Lieferrechte für Milch zu erwerben. Die ehemalige Milchviehhaltung war ja mit dem Fortzug des Pächters 1976 eingestellt worden. „Man muss seine eigenen Neigungen berücksichtigen, die Arbeit soll schließlich Freude machen“, begründet Enno Ortgies seine Entscheidung, nicht auf die Schweine- sondern auf Putenmast umzustellen. Zwischendurch ging ihm auch mal die Idee, als Versicherungsvertreter für eine Hagelversicherung zu arbeiten, durch den Kopf. „Dann habe ich mir Puten- und Hähnchenmastbetriebe angesehen und mich für erstere entschieden, weil es in der Putenmast ruhiger zugeht. Die Mastdauer der Tiere ist länger als bei Hähnchen, da gibt es weniger Hektik mit dem Ein- und Ausstallen“, sagt Enno Ortgies, der sich die nötigen Kenntnisse teils über Lehrgänge bei der Brüterei und auch übers „learning by doing“ aneignete. Fünf Jahre dauerte das Genehmigungsverfahren für die drei Ställe, die zusammen 20.000 Tiere beherbergen. In 2005 wurde der erste Stall mit 7500 Tieren bezogen. „Das war schon aufregend für uns“, erinnert sich Enno Ortgies,“ aber der Berater von der Brüterei, von der wir die Küken beziehen, blieb den ganzen Tag dabei“. In 2006 und 2007 folgten die beiden anderen Stallbauten, so dass pro Jahr 50.000 Tiere gemästet werden können. Sechzehn Wochen dauert es, bis eine Henne schlachtreif ist, während die Hähne 20 Wochen brauchen. Nur in der Anfangszeit, wenn die Küken noch klein sind, wird fertiges Futter verwendet. Später wird das hofeigene Getreide eingesetzt. „Das lohnt sich auf jeden Fall“, sagt Enno Ortgies,“ der Zukauf von Getreide wäre zu teuer“. Auf den heute 98 ha Fläche wachsen in dreigliedriger Fruchtfolge Winterweizen, Raps und Gerste, letztere findet als Geflügelfutter aber nur eingeschränkt Verwendung. Die Küken brauchen in den ersten 8-10 Lebenswochen einen hohen Eiweißgehalt im Futter. Die mit Sägemehl eingestreuten Ställe sind dann auf 40 Grad temperiert.

Die wehrhaften Vögel hat Enno Ortgies gut im Griff

“Zweimal täglich wird der Tierbestand kontrolliert, und das geschieht zuerst mit den Ohren und der Nase“, erklärt Enno Ortgies. „man kann an den Lauten der Tiere hören, ob etwas nicht in Ordnung ist, und man kann z.B. bei einem süßlichen Geruch im Stall erkennen, dass einige Tiere Durchfall haben.“ Auch Mitarbeiter und Landwirtschaftsmeister Jörg Schönbohm hat das entsprechende Gespür dafür. Für kranke Tiere gibt es ein Extraabteil innerhalb des Stalles. Alle 14 Tage kommt der Tierarzt zur Routinekontrolle. „Wir haben hier zum Glück eine Gesundlage“, erläutert Enno Ortgies und meint damit den ständigen Wind als Frischluftzufuhr und die fehlende Nachbarschaft anderer Geflügelställe, aus denen möglicherweise Krankheitskeime über die Luft herantransportiert werden könnten. Trotzdem ist der Einsatz von Medikamenten nötig, der sorgfältig dokumentiert wird. „Nach der Futterumstellung auf einen hohen Getreideanteil sind die Tiere viel weniger anfällig für Krankheiten, so dass der Medikamenteneinsatz in den Wochen vor der Schlachtung meist nicht mehr nötig ist. Der Schlachthof in Alhorn kontrolliert sehr streng auf Rückstände“, sagt Enno Ortgies. Die Tiere werden nachts abgeholt, weil sie dann ruhiger sind und der Transport bei niedrigem Verkehrsaufkommen schneller geht. Die Hennen sind zu dieser Zeit 10 kg schwer, die Hähne wiegen das Doppelte, alle werden einzeln gegriffen und in die Transportbehälter gesetzt, das ist schon echte Knochenarbeit bei 7500 Tieren pro Stall.

„Für uns war ein Putenbraten in den 60er Jahren wirklich etwas besonderes“, sagt Almuth Ortgies, „ das gab es nur zu Weihnachten“. Zeiten und Ernährungsgewohnheiten ändern sich – wer weiß, was Tochter Imke später mal ganz selbstverständlich auf den Tisch bringen wird?

Als Schweinehalter braucht man starke Nerven

Das von Burkhard Mennen und seiner Familie bewohnte Bauernhaus stammt aus dem Jahr 1775. Seit 1900 – in der 4. Generation- befindet sich der heutige Ferkelaufzucht- und Schweinemastbetrieb im Familienbesitz. Vom Vater Menno Mennen, der bis 1977 auch noch Milchvieh hielt und Ackerbau betrieb, übernahm der Burkhard Mennen die Landwirtschaft, nachdem er das Studium zum Diplomagraringenieur abgeschlossen hatte.

Burkhard Mennen beschreibt die Schweinehaltung als ökonomisch schwierig

Parallel zum Studium entwickelte Burkhard Mennen zu den schon vorhandenen 600 Schweinemastplätzen den Betriebszweig der Ferkelaufzucht. Zu dieser Zeit waren die schlechten Getreidepreise und das Interesse des jungen Landwirtes an der Schweinehaltung ausschlaggebend für diese Ausrichtung des Betriebes. Nachdem er den Hof mit seinen 42 ha Eigenland und damals 8 ha zugepachteter Fläche 1997 vom Vater übernommen hatte, entwickelte Burkhard Mennen zusammen mit anderen Landwirten einen sogenannten passiv gelüfteten Außenklima-Maststall, in dem die Tiere nach Wunsch die wärmegedämmten und mit der eigenen Körperwärme temperierten Liegeboxen ( sogenannte Ferkelbetten) aufsuchen oder sich im ungeheizten Stallraum aufhalten können. „Dieses Stallsystem zeichnet sich durch hohe Tierfreundlichkeit aus und kostet kaum Energie“, sagt Burkhard Mennen. „Wir haben uns damals erhofft, dass Frau Künast diese Art der Schweinehaltung honoriert und sich für höhere Erzeugererlöse einsetzt. Zudem ist diese Haltungsform arbeitsaufwendiger. Diese Rechnung ist aber nicht aufgegangen“.

Ob Junior Henning mal in die Fußstapfen seines Vaters treten wird?

Burkhard Mennen sagt von sich selbst, dass er gerne „mit System“ arbeitet. Dazu gehört auch das ständige Tüfteln an Verbesserungsmöglichkeiten innerhalb des Tiergesundheitsstatus. „Früher wurden die Ferkel aus vielen verschiedenen Betrieben zugekauft und brachten natürlich jeweils unterschiedliche Krankheitskeime mit“, beschreibt der Landwirt die ehemalige Situation. Um den Hygienestandard zu verbessern baute er 2001 mit anderen Landwirten zusammen eine Sauenanlage, die insgesamt 2200 Sauen beherbergt. Deren 55.000 bis 60.000 pro Jahr geborene Ferkel werden dann auf den angeschlossenen Betrieben aufgezogen und gemästet. Alle neun Wochen sind es 1000 Tiere, die auf den Betrieb von Burkhard Mennen umziehen. „Sie sind alle gleich alt und gleich gesund, und wir kommen ohne Antibiotika aus“, schildert er den Vorteil dieses Systems. Die Tiere kommen mit einem Alter von 3 Wochen und einem Gewicht von ca. 6 kg in die Gruppenbuchten und verlassen sie mit ca. 12 Wochen wieder, wenn sie ein Gewicht von 30 kg erreicht haben. In dieser Zeit leben die Ferkel in einer Umgebungstemperatur von anfangs 29 und später 22 Grad und erhalten breiförmiges Futter aus Getreide, Sojaschrot und Mineralfutter sowie nach Bedarf Ferkelfutter. Schweine haben je nach Entwicklungsphase unterschiedliche Bedürfnisse hinsichtlich der Futterzusammensetzung und der Umgebungstemperatur. Da ihnen im Gegensatz zu den wilden Kollegen das Haarkleid fehlt, benötigen sie vor allem im Jugendstadium mehr Wärme. Schweine haltende Betriebe spezialisieren sich daher gerne auf die Bereiche der Sauenhaltung und Ferkelproduktion sowie der Ferkelaufzucht und der Schweinemast, da jeder Bereich andere Haltungsbedingungen erfordert.

Auch Sohn Luca fühlt sich zu den Ferkeln hingezogen 

Die Tiere werden teils auf dem Hof und zum Teil in einem 2008 zugepachteten Schweinestall mit 800 Mastplätzen gehalten. Das Futter kommt auch von den heute 70 Hektar Ackerfläche, die mit Raps, Weizen und Gerste bestellt werden. In den Jahren 2009 und 2011 wurden zwei weitere Ställe gebaut, insgesamt gehören jetzt 2200 Mastplätze zum Betrieb. „ Man braucht starke Nerven, wenn man Schweine hält“, erläutert Burkhard Mennen. Für diesen Betriebszweig gibt es keine Subventionen. Abnehmer der Schweine ist die „Böseler Goldschmaus GmbH“ in Garrel. „Bei der Vermarktung muss die regionale Herkunft in den Vordergrund gestellt werden“, meint er, „die Fleischpreise werden zu stark von den Discountern beeinflusst“. Eine Umstellung auf ökologische Landwirtschaft hält er vor diesem Hintergrund für zu riskant, schließlich müssten auch eine Million investierter Euro wieder herausgewirtschaftet werden. Trotzdem genießt er die Lebensqualität, die der Beruf ihm, seiner Frau Sonja und den drei Kindern bietet: „Ich treffe meine eigenen Entscheidungen und habe einen abwechslungsreichen Arbeitstag“, sagt er.

 

„Wir haben eine `Generalumwandlung´ vom Pferdegespann zum computergesteuerten Trecker erlebt“

Am Beispiel der Betriebe von Gerd Hobbie, heute Altenteiler in Wüppels, und Hans Gerken, im Un-Ruhestand in Hohenkirchen lebend, zeigt sich beispielhaft die Entwicklung der Landwirtschaft in unserer Region.
Die beiden Senioren berichteten gemeinsam mit ihren Hofnachfolgern über schwere Zeiten und gute Perspektiven:

Katrin Hobbie ( mit Vater Gerd Hobbie) betreibt heute einen Ferienhof auf dem Betrieb der Familie in Wüppels

Der Hof der Familie Hobbie im Jahr 1908

Während der Kriegszeit war Gerd Hobbies Vater, der den 1896 gekauften Hof in der dritten Generation bewirtschaftete, als Soldat eingezogen. Wie vielerorts mussten die Frauen zusammen mit Kriegsgefangenen und Fremdarbeitern die Arbeit auf den Höfen selbst bewältigen.
War diese Situation schon schwierig genug wurde sie noch verstärkt durch die 1944 absichtlich herbeigeführte Vernässung nahezu der gesamten Marsch, die eine eventuelle Invasion der Engländer verhindern sollte. Wiesen und Ackerflächen standen unter Wasser und waren auf Jahre hinaus kaum nutzbar. Getreide stand – eigentlich zum Trocknen in Hocken aufgestellt- teilweise im Wasser und begann zu schimmeln und auszuwachsen. „Beim Dreschen mussten sich die Leute Tücher als Atemschutz umbinden und wurden trotzdem krank, als Folge der Pilzsporen im Getreide“, ergänzte sein ehemaliger Berufskollege Hans Gerken.

Getreidehocken in der überschwemmten Marsch

In den Jahren 1951, 1954 und 1957 halfen Soldaten bei der Bergung der Ernte auf den überfluteten Feldern, um einen Totalverlust zu verhindern. Auch das Vieh litt auf den vernässten Weiden unter Parasiten und Krankheiten und die Pferde waren mit dem Ziehen von Pflug und Egge auf dem schweren, nassen Boden oft überfordert.
Erst in den 60er Jahren normalisierte sich die Situation, nachdem zunächst mittels Notstandsarbeitsmaßnahmen die Gräben von Hand wieder geöffnet waren und die alte Marsch entwässert werden konnte.
Auf den über mehrere Jahre langsam abtrocknenden Ackerflächen brauchten Mähdrescher Gitterräder und gepflügt wurde mit Raupenschleppern, weil der Boden nicht tragfähig war. So erwies sich denn auch der erste, 1952 angeschaffte McCormick-Schlepper mit seinen 30 PS als zu schwach, um die 57 ha betriebseigenes Land der Familie Hobbie zu bewirtschaften.
„In den Nachkriegsjahren wurde vorgeschrieben, was angebaut werden sollte. Zum Beispiel Zuckerrüben und Gemüse. Da kamen Frauen aus dem Dorf und Flüchtlinge, die beim Hacken halfen, und sie nahmen sich abends Milch und Gemüse mit nach Hause. Manchmal sammelten sie auch die Ähren auf, die bei der Getreideernte auf dem Land liegen geblieben waren.“, berichtet Gerd Hobbie. „Auch so manche Frau aus `besserem Stand’ – z.B. die Gattin des Gemeindedirektors- packte mit an“.
Als die Böden durch die Entwässerung wieder in optimalem Zustand waren, wirtschaftete der Betrieb mit Kühen und mit Acker- bzw. Feldfutterbau in einer siebengliedrigen Fruchtfolge, zu der der Anbau von Kleegras, Wintergerste, Raps, Weizen, Hafer mit Kleeuntersaat sowie je nach Acker Futterrüben, Kohl und Ackerbohnen gehörte. Auf diese Weise war die natürliche Bodenfruchtbarkeit gesichert. Neben den Kühen wurden Schweine gehalten und wöchentlich nach Jever vermarktet.
Trotz der zeitweise sehr schwierigen Verhältnisse kam es Familie Hobbie nie in den Sinn, die Landwirtschaft aufzugeben. „ Der Hof muss als Zentrum für die Familie erhalten bleiben“, begründet Gerd Hobbie dieses Durchhaltevermögen. Tochter Katrin, von Beruf Ökotrophologin , entschied sich als Hofnachfolgerin allerdings dafür, den Betrieb zusammen mit ihrem Mann gänzlich umzuwandeln. Der Schweinestall wurden zu 4 Ferienwohnungen umgebaut, und statt Kühen und Schweinen bevölkern jetzt Pferde, Schafe, Ziegen und andere Kleintiere den Hof, sehr zur Freude der Gästekinder. Hans Gerken wird aber immer noch gebraucht: „Kannst Du mal eben…“ ist das Stichwort, auf das er (gerne) hört.

„Ein Motor läuft mit Schiet“ 

Hans Gerken wollte eigentlich nie Landwirt werden, sagt er. Trotzdem hat ihm das Leben auf dem Hof Spaß gemacht, und der Übergang in den Ruhestand fiel schwer.

Hans Gerken mit 15 Jahren beim Eggen der groben Kleischollen

Von 1961 bis 1994 bewirtschaftete er mit seiner Frau den Gemischtbetrieb in Wayens, Wangerland, mit Kühen, Ackerbau und Schweinehaltung. Nach dem Krieg tat sich Hans Gerkens Vater mit dem Einzug der neuen Landtechnik jedoch schwer. „Es sollte ein Mähdrescher gekauft werden, doch der Vater konnte sich nur zur Anschaffung eines damals schon fast veralteten Mähbinders entschließen“, berichtet Hans Gerken. Die Getreidepreise waren aufgrund des knappen Angebotes zunächst gut, besonders wenn die Partien im Winter verkauft wurden. Als sich das in den siebziger Jahren änderte, beschloss Hans Gerken, die Kühe abzuschaffen, neue Schweineställe zu bauen und das Getreide zu verfüttern. „Das war eine große Arbeitserleichterung für uns, und wir haben damals die Nichtmelkprämie in Anspruch genommen“, erklärt er.

Sohn Georg Friedrich, 1963 geboren, hat den Hof als Kind genossen. „Für mich war es das ideale Leben eines Landwirts“. Nach der Ausbildung zum Landwirtschaftsleiter stieg er mit 24 Jahren in den elterlichen Hof mit seinen 80 ha ein, spielte aber nach der Grenzöffnung auch mit dem Gedanken, in Richtung Osten zu gehen. Doch dann fiel die Entscheidung, wieder mit 35 Kühen anzufangen. Dieses Vorhaben stellte sich als ungeahnt schwierig dar, weil die damalige Agrarpolitik  vorsah, dass ein Betrieb nach fünf Jahren Melkpause nicht wieder beginnen durfte, Milch zu liefern. Auf dem Klageweg gelang es, die Milchquote aus den 70er Jahren wiederzubekommen, doch ein Aufstocken des Kuhbestandes durch Zukauf von Milchquote erwies sich später als zu teuer. So wurde das Milchvieh 1996 endgültig abgeschafft. Senior Hans Gerken baute unterdessen 1993 eine der ersten Windkraftanlagen, die Strom für den Eigenbedarf liefern sollte. Später kam eine zweite hinzu.

 

Vater und Sohn Gerken waren sich nicht immer eins über die Weiterentwicklung des Betriebes

Junior „Fritzi“ tüftelte dieweil an dem Problem, wie man das Klima in den Schweineställen verbessern könnte, denn: „Entweder teuer heizen oder weniger lüften, um die Wärme nicht zu verlieren“ war die unbefriedigende Situation. Er entwickelte 1996 den Prototypen einer Biogasanlage, um kostengünstig Wärme für die Tiere zu haben. „Ich war immer davon fasziniert, dass auch ein Motor mit Schiet betrieben werden kann“, sagt er und verfügt heute über eine moderne 200 kW Biogasanlage, die Strom und Wärme produziert. Die benachbarten Höfe können sich kostenlos Container aufstellen lassen, in denen Mist und Silagereste gesammelt und zur Anlage gebracht werden. 150 ha Gras und grün geernteter Weizen liefern weiteren Betriebsstoff für die Bakterien. Die Abwärme heizt heute das Wohngebäude und trocknet die Gärreste in einer selbst konstruierten Anlage.

Hier entsteht der Rohstoff für die Heizpellets

Schweineställe gibt es seit 2011 nicht mehr. Zwei Mitarbeiter und zwei 450 €-Kräfte unterstützen den Betriebsablauf. Helma Gerken kümmert sich mehrere Stunden täglich um die Büroarbeit. Natürlich hat ihr Mann schon wieder neue Ideen:“ Biogasanlagen sind jetzt regelbar und fangen die Schwankungen der Windkraft auf, weil man die Energie inzwischen speichern kann. Und mit den getrockneten Gärresten wollen wir Pellets produzieren, die als Brennstoff dienen können.“

Na denn – kalte Füße waren gestern!

Vorzugsmilch vom Hof Meinen – von der „Milchfrau“ direkt vor die Haustür geliefert

Wenn es auch nicht mehr der Milchmann von früher ist, der morgens die Flaschen vor der Tür abstellte – ein wenig Erinnerung an diese Zeiten ergibt sich durchaus. Familie Meinen in Grabstede produziert auf ihrem landwirtschaft-lichen Betrieb hochwertige Vorzugsmilch und verschiedene Milchprodukte, die direkt vom Hof zweimal wöchentlich zum Kunden gebracht werden.

Es gibt in Deutschland ca. 80 von der zuständigen Veterinärbehörde zugelassene Erzeugerbetriebe, die Vorzugsmilch produzieren. An die Gewinnung von Vorzugsmilch werden sehr hohe Anforderungen gestellt. Monatlich werden die Milchkühe tierärztlich auf Krankheiten, die die Beschaffenheit der im Betrieb gewonnenen Milch nachteilig beeinflussen können untersucht. Labortechnische Kontrollen der Milch vor Ort von jeder Kuh und vom abgefüllten Produkt im Handel, die amtsärztliche Überwachung des Personals, die perfekte sachkundige Hygiene und deren intensive, kontinuierliche Überwachung garantieren für die einwandfreie Qualität. Vor der ersten Vorzugsmilchgewinnung werden alle Kühe des Betriebes auf ihren Gesundheitszustand untersucht. Im Kuhstall der melkenden Tiere dürfen sich nur gesunde Kühe aufhalten. Tiere, die erkrankt sind oder auf den Menschen übertragbarer Krankheiten verdächtig sind, müssen in einem separaten Stall untergebracht werden. Diese Tiere sind erst dann wieder unter die Vorzugsmilchkühe einzustellen, wenn sie bei einer erneuten Untersuchung ihres Befindens als gesund beurteilt werden. Der Zeitpunkt, die Art und Dauer von Erkrankungen und einer erkennbaren Störung des allgemeinen Gesundheitszustandes sowie die Anwendung von Tierarzneimitteln müssen dokumentiert werden. Zwei Jahre lang werden die Unterlagen aufbewahrt und der zuständigen Behörde auf Verlangen vorgelegt.  Worin liegt der Unterschied der Vorzugsmilch zur Trinkmilch aus dem Supermarkt? Viele ältere Kunden bezeichnen ihren Geschmack mit den Worten „Das schmeckt ja wie früher!“. Vorzugsmilch ist unbehandelt und enthält alle Geschmacksstoffe, die für Milch charakteristisch sind. Ob pur oder weiterverarbeitet, zum Beispiel in Käse, Joghurt oder Butter bleibt dieser ursprüngliche und vollmundige Geschmack erhalten. Viele Franzosen schätzen daher auch diejenigen landestypischen Käsesorten, die aus Rohmilch hergestellt werden, ganz besonders. Vorzugsmilch wird ermolken, gefiltert und mit ihrem natürlichen Fettgehalt, der den guten Geschmack garantiert, sofort auf +4 Grad Celsius gekühlt. Anschließend wird die Milch auf dem Hof abgefüllt und in speziellen Hygienefahrzeugen in den Handel oder an die Haustür des Kunden gebracht. Frische ist oberstes Gebot! Die Vorzugsmilch ist unter Einhaltung der Kühlkette innerhalb von 24 Stunden nach dem Melken beim Verbraucher. Das ist nicht nur die Forderung des Gesetzgebers, sondern der Anspruch jedes Vorzugs-milchbetriebes. Eine lange Lagerung im Kühlregal ist tabu. Der Entstehungsweg der Trinkmilch aus dem Supermarkt sieht anders aus. Alle zwei Tage wird die gekühlte Milch von den Milchviehbetrieben zur Molkerei befördert, wo sie verschiedene Bearbeitungsschritte durchläuft: Der Fettgehalt wird auf 3,8% ; 3,5% ; 1,5%  oder sogar nur auf 0,5% eingestellt. Im Fett sind Geschmacksträger enthalten. Wenn die Milch entrahmt wird, geht viel an Geschmack verloren. Die Milch wird homogenisiert. Das heißt: Die natürlicherweise in der Milch vorkommenden Fettkügelchen verschiedener Größe werden durch ein bestimmtes Verfahren derart zerkleinert, dass die Milch nicht mehr aufrahmt, wenn sie eine Weile im Kühlschrank steht. Die Milch wird pasteurisiert oder ultrahocherhitzt. Dabei wird sie kurzzeitig auf über 70°C erwärmt, um Keime abzutöten und eine längere Haltbarkeit zu erreichen. Hierbei werden auch hitzeempfindliche Vitamine zerstört. Und schließlich wird die Milch mechanisch belastet – sie wird viele Male gepumpt und durch Edelstahlrohre geschickt, damit sie alle genannten Bearbeitungsschritte durchlaufen kann. Abschließend wird sie zum Teil weit transportiert, bis sie endlich im Kühlregal einer Handelskette landet.

Familie Meinen hat auf ihrem Betrieb eine eigene kleine Molkerei eingerichtet, in der mehrere MitarbeiterInnen die Vorzugsmilch für die Auslieferung abfüllen, Joghurt, Feta-Käse, Quark, Molkegetränke, pasteurisierte Trinkmilch, Buttermilch, Eis usw. herstellen und die Produkte zum Kunden – darunter auch Kindergärten und Schulen – befördern. 

Familie Schemering bewirtschaftet ihren Milchviehbetrieb nach den Kriterien des QM-Gütesiegels

Die Vielzahl an Gütesiegeln, die im Bereich der Lebensmittel-produktion existieren, erscheint für den Verbraucher fast unüberschaubar. Sie garantieren allerdings eine hohe, über-prüfbare Lebensmittelqualität, die bei der Erzeugung auf dem landwirtschaftlichen Betrieb beginnt.
Wie fast alle seiner Kollegen bewirtschaftet auch Heino Schemering seinen Milchviehbetrieb in Groß-Strückhausen am Hookstief nach den Kriterien des „QM“ (Qualitätsmanagement Milch)- Gütesiegels. Im Sommer 2003 fingen die meisten niedersächsischen Molkereien mit der Überprüfung der zuliefernden Milchviehbetriebe an. Zum Hof von Familie Schemering kam damals eine Mitarbeiterin der Molkerei Rückers in Aurich, die speziell für diese Aufgabe geschult worden war. Mit einem Bewertungskatalog ausgerüstet überprüfte sie 47 verschiedene Kriterien und vergab für jedes erfüllte eine bestimmte Punktzahl. Mindestens 47 Punkte mussten erreicht werden, wenn der Betrieb dieses so genannte Audit bestehen wollte. Zu den wichtigsten bewerteten Kriterien gehören die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere. Die Kühe müssen frei von Tuberkulose und Brucellose sein, dürfen keine auf den Menschen übertragbare, ansteckende Krank-heiten oder Erkrankungen des Verdauungstraktes, der Geschlechts-organe, der Haut oder des Euters aufweisen. Die Liegeplätze im Stall müssen sauber und trocken sein, Auslauf und Weidegang soll den Tieren ermöglicht werden, es muss ihnen sauberes Trinkwasser zur Verfügung stehen und das Stallgebäude soll gute Belüftung und gute Lichtverhältnisse gewährleisten.
Auch auf die Hygiene bei der Melkarbeit wird großen Wert gelegt. Dazu gehört die Sauberkeit des Melkstandes und der Melkgeräte genauso wie z.B. die regelmäßige Wartung der Melk- und der Kühlanlage im Milchtank. Um die Keimzahl in der Milch niedrig zu halten, wird sie im Tank auf ca. 4 Grad heruntergekühlt und maximal zwei Tage aufbewahrt, bis sie der Sammelwagen der Molkerei abholt. Das Melkpersonal ist gehalten, saubere Melkleidung zu tragen, Hände und Oberarme zu reinigen und Melkhandschuhe zu benutzen. Jede Kuh wird zu Beginn des Melkvorgangs per Hand vorgemolken. Diese ersten Milchstrahlen werden in einer dunklen Schale begutachtet, denn hier lässt ich schon mit bloßem Auge eine evtl. krank-heitsbedingte Veränderung der Milch erkennen, wie sie z.B. bei einer Euterentzündung entstehen kann. Erkrankte Tiere werden gesondert gemolken, ihre Milch gelangt nicht in den Verkauf.
Da Tiergesundheit und Milchqualität auch von der Beschaffenheit der Futtermittel abhängen, dürfen grundsätzlich nur schadstoffkontrollierte Futtermittel an die Kühe verfüttert werden. Dazu werden bereits den Herstellern innerhalb der so genannten Futtermittelvereinbarung (siehe auch www.milchwirtschaft.de/Download/qm%20milch%20fragen%20und%20antworten%20240304.pdf) besondere Qualitätssicherungsmaßnahmen auferlegt.
Einer der als „K.O.“ – Punkte bezeichneten Aspekte, bei deren Nichterfüllung ein Betrieb sofort aus dem Qualitätsaudit ausscheidet, ist die Führung des Tierbestandsregisters. Hier werden alle Tiere registriert und jede Bestandsveränderung, z.B. durch Zukauf oder Verkauf, sowie jede tierärztliche Behandlung dokumentiert.
„Das QS-Audit soll den Molkereien die Möglichkeit geben, das Image der Milchproduktion zu verbessern“, meint Heino Schemering. Auch wenn die meisten Betriebe ohnehin nach diesen Kriterien der guten fachlichen Praxis in der ordnungsgemäßen Landwirtschaft arbeiten und eine sehr gute Milchqualität erzeugen, gibt es doch immer noch einige Höfe, auf denen es ‚wie Kraut und Rüben‘ aussieht und die dadurch dem Ansehen der gesamten Milchwirtschaft eher abträglich sind. Gegen solche Umstände haben die Molkereien nun ein Instrument in der Hand, das ihnen die Möglichkeit einräumt, die Milchabholung einzustellen, falls schwerwiegende Mängel nicht behoben werden. Für Familie Schemerings Betrieb hielt sich der Aufwand in Grenzen: lediglich die Tür zur Milchkammer musste mit einer tageslichdurchlässigen Scheibe versehen werden, um die Prüfung zu bestehen.

 

Kühe schätzen Komfort im Stall und zeigen sich dafür mit erhöhter Milchleistung erkenntlich

Aus den Verhaltens- und Lebensweisen des Wildrindes lässt sich ohne weiteres ableiten, welche Bedürfnisse eine Milchkuh hat, um auf dem landwirtschaftlichen Betrieb ein langes Leben bei guter Gesundheit, Fruchtbarkeit und Milchleistung – alles Faktoren, die sich auszahlen- führen zu können.

Rinder kommen sehr gut mit kühlem Klima zurecht. Die modernen Milchkühe, auf hohe Milchleistung gezüchtet, haben eine hohen Stoffwechselrate, die nicht nur zur Erhaltung der Körpersubstanz, sondern auch zur Erzeugung großer Milchmengen nötig ist. Beim Wiederkäuer stellt die Verdauungstätigkeit des Pansens gleichzeitig die Wärmequelle des Körpers dar, so dass zu warme Außen- oder Stalltemperaturen den Tieren sehr zu schaffen machen können. Sie fressen dann weniger und ihre Milchleistung sinkt. Temperaturen bis zu 30 Grad Minus werden dagegen – ausreichend Futter vorausgesetzt- gut verkraftet. Selbst Kälber fühlen sich draußen in der keimarmen, frischen Luft wohler, wenn sie über ausreichend Wetterschutz wie z.B. ein Kälberiglu mit Stroheinstreu verfügen.

In den Ställen der alten Betriebe herrschte in den Wintermonaten oft warme, feuchte Luft, die vor allem durch die hohe Wasserausscheidung der Tiere über Haut und Atmung entstand. Rindergrippe war eine häufige Folge dieser Haltungsform. Moderne Betriebe bauen so genannte Außenklimaställe mit offenen Seitenwänden, die je nach Witterung mit Windschutznetzen verschlossen werden können. Ein moderner Laufstall ist in einen Laufgang, über den die Tiere ihre Freßplätze und die Tränken erreichen können, und in den Liegebereich aufgeteilt. Hier steht jeder Kuh ein Liegeplatz zur Verfügung. Kühe liegen normalerweise 12-14 Stunden am Tag, um das Futter wiederzukäuen. Während des Liegens ist die Euterdurchblutung erhöht und damit gleichbedeutend die Milchproduktion. So gilt es also Liegemöglichkeiten zu schaffen, wie sie die Tiere auch in der Natur bevorzugen: trocken, weich und so geräumig, dass ein ungehindertes Aufstehen und Abliegen möglich ist. Von der Stroheinstreu über die Gummimatte sind verschiedene Liegeflächenvariationen in den Milchviehställen in Gebrauch. Dem Wohlbefinden der Tiere schenken die Milchbauern große Aufmerksamkeit. Schließlich bedeutet jede Kuh, deren Leistung aufgrund gesundheitlicher Probleme abfällt, eine Verminderung des Betriebseinkommens. Artgerechte Haltung zahlt sich buchstäblich aus, wenn sich die nötigen organisatorischen und baulichen Maßnahmen finanziell in Grenzen halten.

Einheimische und Gäste fühlen sich wohl im Hofcafé von Familie Schild

Wie kommt eine Landwirtsfamilie auf die Idee, ihren ehemaligen Milchviehbetrieb mit 190 ha Nutzfläche, Getreide, Speise- und Pflanzkartoffelanbau umzustrukturieren und Schweinemast, Direktvermarktung, Gastronomie und Ferienwohnungen inclusive Freizeitangebote wie z.B. Ponyreiten für die Gäste anzubieten?

„Da konnte ich mal wieder etwas bauen“, meint Seniorchef Hinrich Schild, der sich 1998 entschloß, für den am Elisabethgroden gelegenen Betrieb keinen neuen Stall für Milchkühe zu errichten und dazu noch ein Milchkontingent zuzukaufen sondern lieber vermehrt aufs gezähmte Borstenvieh zu setzen. Sauenhaltung hatte Familie Schild schon früher betrieben, jedoch ist die Ferkelaufzucht ein sehr aufwendiger Betriebszweig. Heinrich Schild und Sohn Ingo, der als Landwirtschaftsmeister heute für die Schweinehaltung auf dem Hof verantwortlich ist, beschlossen, in Zukunft „Babyferkel“ (5-8 kg schwer) von einem benachbarten Betrieb zuzukaufen und nach den Kriterien des QS-Gütesiegels weiter zu mästen. Zunächst beziehen die kleinen Schweine einen geräumigen sogenannten „Bettenstall“, in dem sie gruppenweise leben. Jedes Ferkel hat innerhalb des Stalles eine eigene Liegebucht in einer etwa halbmeterhohen Kiste. Innerhalb dieser Liegebucht, die am Ein- und Ausgang einen Lamellenvorhang aufweist, herrscht eine durch die Körperwärme des Tieres etwas erhöhte Temperatur. Die jungen Schweine können also je nach Stalltemperatur und eigenem Wärmebedürfnis auf dem Stallboden oder in ihrer Kiste ruhen. Fressen können sie so oft sie wollen das aus hofeigenem Getreide und zugekauftem, gentechnikfreien Sojaschrot bzw. –öl sowie Magermilchpulver bestehende Futter. Mit einem Gewicht von 30 kg wechseln die Tiere in die Gruppenhaltung zu 10-12 Schweinen in den Maststall, wo sie in den folgenden ca. 100 Tagen eine eiweißreichere Futtermischung bekommen, die eine moderne sensorgesteuerte Anlage zehnmal pro Tag zuteilt. „Die Tageszunahme liegt bei 800-850 Gramm“, sagt Ingo Schild, „ es wäre zwar auch mehr erreichbar, doch dann leidet die Fleischqualität“. Die kastrierten männlichen Schweine werden in den Mastgruppen nicht von den weiblichen Tieren getrennt. Da sie etwas schneller wachsen, können sie entsprechend früher geschlachtet werden, so dass die verbleibenden Tiere vom erhöhten Platzangebot profitieren. 4000 Schweine werden pro Jahr gemästet, und ein Teil von ihnen findet sich in Form von Wurst im Hofladen wieder bzw. wird als Spanferkel Mittwochs im selbstgebauten Grillofen für die Gäste zubereitet. Natürlich mit Livemusik aus der kleinen hölzernen „Konzertmuschel“, die die Musiker wettergeschützt aufnimmt.

Im 2004 angebauten Cafè kann man sich den selbstgebackenen Kuchen von Seniorchefin Anke Schild schmecken lassen. Serviert wird von Tochter Tina Schild, die als Hotelfachfrau ihr Handwerk versteht. Aushilfskräfte verstärken das familiäre Team, auch Tochter Gesa packt zwischendurch mit an.

Im Hofladen präsentiert sich eine große Warenpalette, die hofeigenen Produkte werden ergänzt durch die anderer Anbieter, viele davon aus der Region. Selbst das „Bauernhofeis“ ist eine Eigenproduktion eines Betriebes in Aurich-Schirum. Und das Brot wird ebenfalls in der Nachbarschaft in einem Steinbackofen gebacken. „Einheimische sind auch oft im Cafè zu Gast – bei Kaffee und Kuchen haben sie in uns immer vertraute Ansprechpartner“, meint Hinrich Schild. Und das täglich von 10-18 Uhr –  wenn´s Spanferkel und Musik gibt, natürlich auch länger.

 

Wo die Kühe jeden Tag zweimal Karussell fahren

Zu dem landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieb in Sande-Gödens, den Paul Schoorlemmer von Graf Karl-Georg von Wedel gepachtet hat, gehören 150 Hektar Nutzfläche. Davon werden 40 ha mit Getreide und Mais bestellt, auf der restlichen Fläche wächst Gras. Alles zusammen landet in den Mägen der Rindviecher, und davon gibt es reichlich: 135 Kühe leben auf dem Betrieb in dem großen, hellen und luftigen Boxenlaufstall. Von ihnen werden ständig ca. 110 Tiere gemolken, während die anderen ihren wohlverdienten Mutterschutz genießen – das sind die sechs Wochen vor der nächsten Kalbung, in denen die Kühe nicht gemolken werden. „Trockenstehen“ heißt der Fachbegriff für diese Zeit, in der die trächtige Kuh ihre gesamten Körperreserven für das Wachstum des Kalbes einsetzt. Der noch ungeborene Nachwuchs verdoppelt jetzt sein Gewicht und kommt mit ca. 45 kg zur Welt. Von den auf dem Betrieb geborenen Kälbern werden die männlichen an Bullenmastbetriebe verkauft, die weiblichen bilden die Nachzucht für die Herde. Die durchschnittliche Milchleistung liegt bei 8700 Litern pro Kuh und Jahr.

Paul Schoorlemmer melkt die Kühe im Karussell allein. „In den ersten Tagen, bis die Kühe sich an das Karussell gewöhnt hatten, haben wir acht Leute zum Melken gebraucht“, berichtet er. Schwindlig wurde den Kühen bei der gemächlichen Fahrt allerdings nicht, dafür aber anfangs dem Melkpersonal.

So ein Karussell lohnt sich ab einem Kuhbestand von 100 Tieren. Paul Schoorlemmer könnte noch expandieren, 200 melkende Kühe würden die Anlage hundertprozentig auslasten. Ausgelastet sind auch er, seine Partnerin und ein Mitarbeiter – bei der Getreide-, Mais- und Silageernte hilft ein Lohnunternehmer mit Maschinen und Arbeitskräften, alle anderen Arbeiten erledigen die drei auf dem Hof selbst.

 

Landwirtschaft im Wasserschutzgebiet – eine Herausforderung für den Betriebsleiter

Von den 120 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, die Landwirt Erwin Kickler in Schortens-Feldhausen bewirtschaftet, liegen fast die Hälfte im Wasserschutzgebiet des gleichnamigen Wasserwerkes, das sich in Sichtweite des Hofes befindet. Er bewirtschaftet den Milchviehbetrieb unter Auflagen, die eine Belastung des Grundwassers, das sich unter den landwirtschaftlich genutzten Flächen bildet, verhindern sollen. Die Flächen befinden sich in drei verschiedenen Schutzzonen, für die unterschiedliche Regelungen gelten. In der strengsten Schutzzone 1, das sind die direkt um die Brunnen liegenden Flächen von jeweils ca. 400 m² , ist überhaupt keine Bewirtschaftung erlaubt. In Schutzzone 2 darf nur mit Mineraldünger und Festmist gedüngt werden, weil Gülle und Jauche eventuell Krankheitskeime in den Boden bringen könnten. Hier sollten die Flächen überwiegend als Wiesen und Weiden genutzt werden, die den in den Düngemitteln enthaltenen Stickstoff optimal ausnutzen und so eine Verlagerung in die Grundwasser führenden Bodenschichten verhindern. Auf Ackerflächen ist aus dem gleichen Grund auch im Winter auf Bodenbedeckung durch so genannte Zwischenfrüchte zu achten. Auch nach der Ernte auf dem Land verbleibende Maisstoppeln dienen diesem Zweck und tragen darüber hinaus zu einer verminderten Bodenerosion bei. In der Schutzzone 3 wird auf die Flächen nur soviel Dünger ausgebracht, wie von den Pflanzen optimal verwertet werden kann. Dazu werden im Frühjahr in 30, 60 und 90 cm Tiefe Bodenproben genommen, aus denen die vorhandene Stick-stoffmenge im Labor ermittelt wird. Berater der Landwirtschafts-kammer empfehlen dem Landwirt anschließend, wie viel Dünger noch ausgebracht werden sollte. Dazu nutzen sie aus langjährigen Versuchsreihen bekannte Daten, die z.B. angeben, wie viel Stickstoff die Maispflanzen einem Hektar Ackerfläche entziehen. Im Mai werden auf den gleichen Flächen noch einmal Bodenproben genommen, desgleichen nach der Ernte im Herbst. So können die Düngeempfehlungen für das nächste Jahr gegebenenfalls korrigiert werden.

Auch auf dem eigentlichen Hofgelände sind bauliche Maßnahmen vorgenommen worden, die eine Verschmutzung des Grundwassers ausschließen sollen. Unter dem Kuhstall wie auch unter der Mistlagerstätte und den Silagelagerplatten befindet sich eine abdichtende Folie, wie sie auch unter Mülldeponien vorgeschrieben ist. Sämtliche Sickersäfte aus Mist und Silage einschließlich dem auftreffenden Regenwasser werden in einem Auffangsystem erfasst, das mit dem Güllebehälter verbunden ist. Daher musste der Güllebehälter auch wesentlich größer gebaut werden als für die sonst übliche ausschließliche Zwischenlagerung der Gülle in den Wintermonaten, in denen ein Ausbringeverbot besteht, erforderlich ist. Diesel, Altöl oder Spritzmittel werden auf dem Hof nicht gelagert. Weitere Auflagen sind die Ausbringung der Gülle mit nach unten gerichtetem Prallteller und die Verwendung von im Wasserschutzgebiet erlaubten Pflanzenschutzmitteln. Ergänzt werden diese Regelungen von freiwilligen Vereinbarungen, die die Wasserversorger mit den Landwirten treffen. Kommunikations- und Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten ist Vorraussetzung für die Entwicklung von optimalen Schutzkonzepten für die landwirtschaftlich genutzten Wasserschutzgebiete. Sie funktionieren so gut, dass inzwischen die Ansicht, Grundwasser könne sich nur unter bewaldeten Flächen in guter Qualität neu bilden, überholt ist (siehe unten).

Für Erwin Kickler ergeben sich jedoch aus all den oben genannten Maßnahmen Mindereinnahmen im Vergleich zu Betrieben ohne Wasserschutzauflagen. Nur zum Teil werden diese durch Ausgleichszahlungen aufgefangen. Feriengäste auf seinem Betrieb und die Bewirtschaftung der Flächen einer zweiten Hofstelle helfen, diese Lücke zu stopfen. „Unsere Gäste machen hier gerne Urlaub, und die meisten sind sehr interessiert am Thema Wasserschutz“, berichtet der Landwirt. So leistet er zugleich Aufklärungsarbeit zum Thema „Grundwasserschützende Landwirtschaft“.

Transparente Produktion schafft Vertrauen

Roland Berger vom Biolandhof Klein Wiefels bei Jever baut seit 1996 einen Bestand an Deutsch-Angus Rindern auf. Zu den Vorzügen dieser Rasse zählt er die genetisch festgelegte Hornlosigkeit, die die Unfall- und Verletzungsgefahr im Laufstall erheblich vermindert. Die Tiere sind sehr friedfertig, und auch Bulle „Ihno“ frisst seinem Herrn buchstäblich aus der Hand. Gewöhnlich ist ein Bulle in diesem Alter längst in der Flegelphase und kann im täglichen Umgang ein ernsthaftes Gefährdungspotential für den Menschen darstellen. Roland Berger schreibt den roten Deutsch-Angus Tieren ein zugänglicheres Wesen zu als den schwarzen, letztere setzen allerdings mehr Fleisch an. Bulle Ihno vererbt neben seinen guten Charaktereigenschaften auch die Anlage zu Zwillingsgeburten bei seinen Töchtern und als Wermutstropfen die schlechte Hornqualität seiner hellen Hufe bei den männlichen Nachkommen.

Die Angus-Kühe haben sehr gute Muttereigenschaften, kalben problemlos und besitzen eine für reine Fleischrinder relativ hohe Milchproduktion, so dass sich die Kälber zügig entwickeln und auch für Zwillinge genug Muttermilch zur Verfügung steht. Die Tiere sind vitale und anpassungsfähige Weidetiere, die viel Wirtschaftsfutter (= auf dem Hof selbst produziertes Futter wie z.B. Gras, Grassilage, Heu) verwerten können. Das Fleisch der Angus-Rasse besitzt feine Muskelfasern und fein verteilte Fettablagerungen, die für den ausgezeichneten Geschmack sorgen. Die Tiere werden in Jever geschlachtet, so dass nur kurze Transportwege zurückgelegt werden müssen. Bei der Zerlegung der Schlachtkörper hilft Roland Berger selbst mit. Das Fleisch wird zum Teil zu Corned Beef verarbeitet, zum Teil haushaltsfertig an Privatkunden abgegeben. Auch Wurst wird hergestellt. Damit diese nicht knüppelhart wird, muß der Rezeptur ein Anteil Schweinefleisch zugesetzt werden, die Roland Berger in Bioqualität von Edo Irps aus Wilhelmshaven-Altona bezieht. Somit lassen sich diese Fleischprodukte wirklich als „regional“ bezeichnen und man kann als Kunde problemlos ihre Entstehung nachvollziehen.