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Insektenschutz: Landwirte wollen Kooperation statt Verbote

Insektenschutz ja – aber nicht so: Das ist die Meinung der Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland zum Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung. „Unsere Landwirte haben sich in den vergangenen Jahren in vielen freiwilligen Maßnahmen wie beim Anlegen von Blühstreifen oder in Kooperationsprojekten mit Naturschützern engagiert, etwa in Zusammenarbeit mit dem Grünlandzentrum in Ovelgönne. Das ignoriert die Bundesregierung völlig und setzt jetzt allein auf Gesetze, die massive finanzielle Auswirkungen auf unsere Betriebe haben würden“, sagt Landvolk-Vorsitzender Hartmut Seetzen. Die Kritikpunkte an dem Aktionsprogramm haben die beiden Verbände jetzt in einem gemeinsamen Positionspapier zusammengefasst und an die örtlichen Bundes- und Landtagsabgeordneten sowie die zuständigen Ministerien in Berlin und Hannover geschickt.

Die Wesermarsch und Friesland wären vor allem von zwei Vorhaben im Aktionsprogramm erheblich betroffen: Zum einen von dem geplanten Verbot von Pflanzenschutzmitteln in Naturschutzgebieten wie Vogelschutzgebieten und FFH-Gebieten, was den Anbau von Mais, Raps, Getreide oder Kartoffeln unmöglich machen würde. „Auf unseren schweren Marschböden funktioniert die mechanische Unkrautbekämpfung einfach nicht; für die Betriebe gibt es daher keine Alternative zum Herbizideinsatz“, macht Hartmut Seetzen deutlich.

Das Aktionsprogramm sieht außerdem die Einhaltung eines Mindestabstands zu Gewässern vor, wenn Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden sollen. „Solche Bewirtschaftungsverbote sind ein massiver Eingriff in die Nutzungsfähigkeit von Grundstücken, ohne dass es den Insekten nutzen würde“, sagt Hartmut Seetzen. „Denn je nach eingesetztem Mittel gibt es ja bereits jetzt schon Vorgaben wie die Einhaltung eines Abstands zu Gewässern oder die Verwendung abdriftmindernden Düsen.“

Was die Landwirte besonders verärgert ist die Willkür der geplanten Maßnahmen: Insektenschutz sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, da auch die ungebremste Versiegelung von Flächen, der zunehmende Verkehr, die Gestaltung von öffentlichen und privaten Flächen wie Parks und Gärten und der Klimawandel Insekten gefährde. Ordnungsrechtliche Vorschriften würden aber hauptsächlich für die Landwirte gemacht, während Bürger, Kommunen und die übrige Wirtschaft nur mit Wettbewerben, Appellen und Empfehlungen eingebunden werden sollten. Und auch innerhalb der Landwirtschaft träfe es die Küstenlandkreise besonders hart, da sich hier neben den Vogelschutzgebieten auch besonders viele wasserführende Gräben befänden.

Der Landvolk-Vorsitzende befürchtet, dass Betriebe in Existenznöte geraten könnten, wenn sie den Ackerbau aufgeben oder auf Mais als Viehfutter verzichten müssten, der gerade in trockenen Jahren zuverlässige Erträge liefere. „In den vergangenen zehn Jahren ist bereits ein Drittel unserer landwirtschaftlichen Betriebe verschwunden. Die jetzt geplanten unverhältnismäßigen Vorgaben werden diesen Strukturwandel beschleunigen, und am Ende haben wir eine Landwirtschaft, die doch eigentlich niemand haben will: Die Familienbetriebe verschwinden, stattdessen wird es immer größere Einheiten geben“, sagt Hartmut Seetzen.

Die Demonstrationen Mitte Oktober hätten gezeigt, dass gerade die jungen Landwirte diese Entwicklung nicht einfach hinnehmen wollten. Und die nächste Aktion ist bereits geplant: Am Donnerstag, 14. November 2019, soll es anlässlich der Umweltministerkonferenz eine große Kundgebung in Hamburg geben, zu der auch wieder Treckerkorsos geplant sind. Auch die Kreislandvolkvereine Wesermarsch und Friesland rufen zur Teilnahme auf und haben für ihre Mitglieder Busse organisiert.

Zum Hintergrund
Diese Vorhaben aus dem „Aktionsprogramm Insektenschutz“ träfen die Küstenlandkreise besonders hart:

  • Verbot von Pflanzenschutzmitteln in Naturschutzgebieten wie Vogelschutzgebieten und FFH-Gebieten. In den Landkreisen Friesland und Wesermarsch umfassen diese Gebiete eine Fläche von fast 13.000 Hektar, das entspricht 12,5 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche. Hier wäre künftig kein Ackerbau – also der Anbau von Mais, Getreide oder Kartoffeln – mehr möglich, der im Moment auf etwa 30 Prozent dieser Flächen betrieben wird.
  • Einhaltung eines Mindestabstands zu Gewässern von zehn Metern, wenn Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden sollen. Ist dieser Streifen dauerhaft bewachsen, wie etwa bei Grünland, soll sich der verpflichtende Streifen auf fünf Meter reduzieren. In Friesland und in der Wesermarsch gebe es 30.000 Kilometer Gewässer der 2. und 3. Ordnung. Bei einem Randstreifen von fünf Metern wären 15.000 Hektar betroffen, bei zehn Metern sogar 30.000 Hektar.
Positionspapier Insektenschutzprogramm zum Download als pdf-Dokument (174 kB)

Landvolk rückt Wirtschaftsgrünland in den politischen Fokus

Diskutierten über Wirschaftsgrünland: (v.l.) Landwirt Dirk Hanken, Manfred Tannen (Präsident Landwirtschaftlicher Hauptverein für Ostfriesland), Meike Backes (Landwirtschaftskammer), Dr. Karsten Padeken (Vorsitzender Kreislandvolkverband Wesermarsch), Hartmut Seetzen (Vorsitzender Kreislandvolkverband Friesland), Bernhard Krüsken (Generalsekretär Deutscher Bauernverband), Dr. Hermann Onko Aeikens (Staatssekretär Bundeslandwirtschaftsministerium), Dr. Holger Hennies (Vizepräsident Landvolk Niedersachsen) und Hartmut Schlepps (Geschäftsführer Landvolk Niedersachsen).

Grünlandflächen sind ökologisch wertvoll: Sie bieten einer Vielfalt an Pflanzen und Tieren Lebensraum, sie speichern Kohlenstoff und durch die geschlossene Pflanzendecke verhindern sie Erosion. Entlang der Nordseeküste ist Grünland aber auch die wirtschaftliche Grundlage der landwirtschaftlichen Betriebe: Sie erzeugen aus Gras Milch und Fleisch und damit eine hohe Wertschöpfung für die Region. Wie kann diese Wertschöpfung dauerhaft erhalten bleiben, ohne den Naturschutz aus dem Blick zu verlieren?

Antworten auf diese Fragen gab es nicht, als jetzt Dr. Hermann Onko Aeikens, Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, und Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, sowie zahlreiche weitere Besucher aus Berlin und Hannover auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Dirk Hanken in Elsfleth-Birkenheide zu Gast waren. Die Gäste bekamen aber einen sehr konkreten Eindruck, wie sich politische Vorgaben zu Natur- und Klimaschutz vor Ort auswirken.

Beispiel Düngeverordnung: Die Landwirte machten deutlich, dass gerade die Abzüge bei der Düngung von Moorböden auf großes Unverständnis träfe. „Mit 145 Kilogramm N pro Hektar kommen wir auf den Moorstandorten nicht aus. Und die Probleme mit den Gänsen kommen ja noch dazu“, sagte Manfred Tannen, Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland. „Wenn mir die Gänse den kompletten ersten Schnitt wegfressen, bekomme ich das in die Düngebilanz ja nicht hinein.“ Zudem sei der Sinn der festgelegten Grenzwerte den Mitgliedern nur schwer vermittelbar, wenn es keinen Nachweis gebe, dass sie damit zur Lösung des Nitratproblems im Grundwasser beitrügen.

Dr. Karsten Padeken, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Wesermarsch, plädierte daher für eine stärkere Binnendifferenzierung innerhalb der Düngeverordnung. Statt einen Wert vorzugeben, der für ganz Deutschland gilt, sollten stärker die regionalen Besonderheiten berücksichtigt werden. „Wir Landwirte in den Küstenlandkreisen haben unsere Betriebe auf Wirtschaftsgrünland – wir erzielen mit der Milch- und Fleischproduktion eine hohe Wertschöpfung, die bei etwa 4300 Euro pro Hektar liegt und der ganzen Region zu Gute kommt“, macht er deutlich. „In anderen Regionen in Deutschland wird Grünland häufig extensiv bewirtschaftet und hat daher völlig andere Bedürfnisse. Es ist wichtig, dass die Politik diese Unterschiede berücksichtigt.“

Passiere dies nicht, bestehe die Gefahr, dass sich landwirtschaftliche Betriebe nach und nach aus der Produktion verabschiedeten, sagt Frieslands Kreislandvolk-Vorsitzender Hartmut Seetzen: „Dann verlieren wir nicht nur die regionale Wertschöpfung und unsere vielfältige Kulturlandschaft, sondern auch das regionale Produkt Milch, das vor Ort hergestellt und auf kurzen Wegen verarbeitet wird.“

 

 

Starke Milchwirtschaft hält ländlichen Raum lebendig

Sie setzen sich für eine starke Milchwirtschaft ein: (v.l.) Ellen Kromminga-Jabben (Vorsitzende KreisLandFrauenverband Friesland/Wilhelmshaven), Manfred Ostendorf (Geschäftsführer Kreislandvolkverbände Friesland und Wesermarsch), Florian Warnken (Vorsitzender Arbeitskreis junger Landwirte im Landkreis Friesland), Hartmut Seetzen (Vorsitzender Kreislandvolkverband Friesland), Dr. Karsten Padeken (Vorsitzender Kreislandvolkverband Wesermarsch), Ute Cornelius (Vorsitzende KreisLandFrauenverband Wesermarsch).

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft ist in den vergangenen zehn Jahren nicht spurlos an der Wesermarsch und an Friesland vorbeigegangen. Die Betriebe sind weniger geworden, und sie sind gewachsen. „Aber Milchviehbetriebe sind nach wie vor Familienbetriebe, und mit der Herstellung von Milch können die Betriebe immer noch profitabel wirtschaften“, sagt Hartmut Seetzen, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Friesland. „Davon profitieren auch viele Betriebe im vor- und nachgelagerten Bereich – Molkereien, Lohnunternehmen, der Landhandel oder auch Handwerksbetriebe. Eine starke Milchwirtschaft hält den ländlichen Raum lebendig.“

In den Jahren 2008 und 2009 hatten viele Landwirte in den Landkreisen Wesermarsch und Friesland Sorge, dass dies irgendwann nicht mehr so sein würde. Der Milchpreis war im Keller, und bei etlichen Betrieben wurde es wirtschaftlich eng. In dieser Situation rückten die beiden Kreislandvolkverbände, die KreisLandFrauenverbände, die Arbeitskreise junger Landwirte und der Arbeitskreis aktive Bäuerinnen im Landkreis Wesermarsch zusammen und gründeten das „Aktionsbündnis Milch“. „Unser Ziel war, die Bedeutung der Milchwirtschaft für den ländlichen Raum in den öffentlichen Fokus zu rücken und gleichzeitig den Zusammenhalt der Milchbauern untereinander zu stärken“, berichten Ute Cornelius, Vorsitzende des KreisLandFrauenVerbands Wesermarsch , und Ellen Kromminga-Jabben, Vorsitzende des KreisLandFrauenVerbands Friesland/Wilhelmshaven. Jeweils zum Tag der Milch am 1. Juni wurden zahlreiche Aktionen auf die Beine gestellt – von Kundgebungen über Feiern und Partys, einer Fahrradtour, mehreren Fotoaktionen bis hin zu einem „Milch-Filmfest“ mit Präsentation eines YouTube-Clips. In diesem Jahr ist am 1. Juni eine „Nacht der Milch“ in Großenmeer geplant.

Hier geht es zur Fotogalerie mit Bildern von der “Nacht der Milch”

Die Zahl der Milchviehbetriebe in den beiden Landkreisen ist von etwa 1.100 im Jahr 2009 auf rund 720 Betriebe gesunken, aber die Zahl der Milchkühe sowie die Menge der erzeugten Milch ist nahezu konstant geblieben. „Die Milchwirtschaft auf dem Grünland ist von ihrer Struktur her eine flächengebundene Landwirtschaft“, sagt Dr. Karsten Padeken, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Wesermarsch. „Die Betriebe produzieren das Grundfutter für ihre Tiere auf den eigenen Flächen, daher stehen Fläche und Tierzahl in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander, und es gibt keine Nährstoffüberschüsse.“ Der regionale Kreislauf funktioniert auch bei der Weiterverarbeitung der Milch: Der allergrößte Teil wird an Molkereien im Umkreis von maximal 100 Kilometern geliefert.

„Die Milchproduktion ist die wirtschaftlichste Verwertungsmöglichkeit von Gras- und Grünland“, betont Karsten Padeken. „Die Milchwirtschaft erhält unsere einzigartige Kulturlandschaft an der Küste mit den grünen Weiden, den Wassergräben und den Deichen – aber nur, wenn damit auch Geld verdient werden kann.“ Die Landwirte und ihre Familien engagierten sich darüber hinaus auch zahlreich in Vereinen, Kirchengemeinden, in den politischen Gremien oder in der Feuerwehr und trügen somit zu einem lebendigen Dorfleben bei.

Damit es auch in den kommenden Jahrzehnten noch bäuerliche Milchviehbetriebe in der Wesermarsch und in Friesland gibt, wünschen sich die Landwirte vor allem verlässliche Rahmenbedingungen und damit finanzielle Planungssicherheit, damit sie in die Weiterentwicklung der Betriebe investieren können. Auch die gesellschaftliche Wertschätzung für ihre Arbeit ist ihnen wichtig – das Bewusstsein dafür, dass sie sieben Tage die Woche, an 365 Tagen im Jahr verlässlich für ihre Tiere da sind und so gesunde und hochwertige Lebensmittel für die Verbraucherinnen und Verbraucher herstellen. Und nicht zuletzt benötigen sie einen auskömmlichen Preis für ein gutes Produkt. „Die großen Handelsriesen dürfen ihren Preiskampf nicht auf dem Rücken der Landwirte austragen“, sind sich die Akteure einig.

 

 

Landwirte machen Friesland bunter

Im Moment finden Insekten in Burkhard Mennens Rapsfeld noch reichlich Nahrung. Damit es hier auch in einigen Wochen noch blühende Pflanzen gibt, hat er am Ackerrand einen Blühstreifen eingesät.

Noch ist nicht viel mehr zu sehen als die nackte Erde, aber in ein paar Wochen werden auf dem Feld von Landwirt Burkhard Mennen in Horum nicht nur bunte Blumen blühen, sondern auch zahlreiche Insekten Unterschlupf und Nahrung finden. Auf drei weiteren Flächen in Schillig und Förriener Hammrich hat er ebenfalls Blühmischungen ausgesät und kommt so auf eine Gesamtfläche von knapp 23.000 Quadratmeter. „Ich habe schon letztes Jahr Blühflächen angelegt. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich das dieses Jahr gerne wiederhole“, begründet er sein Engagement für den Artenschutz. Auch im eigenen Garten hatte der Landwirt aus Horum eine Blühfläche angelegt, die den ganzen Sommer über geblüht und zahlreiche Insekten angelockt hat.

Neben Burkhard Mennen haben zahlreiche weitere Landwirte im gesamten Landkreis Friesland Blühstreifen und -wiesen auf ihren Flächen angelegt. 22 von ihnen haben das Angebot des Landkreises Friesland genutzt, der ihnen das Saatgut kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Gut 220 Kilo ein- und mehrjährige Blühmischungen sind über die Untere Naturschutzbehörde verteilt und auf rund 17.500 Quadratmetern Fläche ausgebracht worden. Dazu kommen weitere Landwirte im Südkreis, die das kostenlose Saatgut über den Landvolkverband Ammerland bezogen haben.

Wie groß die Blühstreifen und -flächen im Landkreis insgesamt sind, lässt sich im Moment noch nicht sagen. Die Daten werden bei der Landwirtschaftskammer gesammelt und erst später im Jahr ausgewertet. Der Kreislandvolkverband Friesland rechnet damit, dass die Fläche mindestens so groß sein wird wie im vergangenen Jahr, als in Friesland auf insgesamt 81,1 Hektar oder 811.000 Quadratmetern landwirtschaftlicher Nutzfläche Blühflächen angelegt worden sind. In dieser Statistik noch nicht mitgezählt sind die vielen kleineren Maßnahmen wie etwa die Sonnenblumenstreifen, die viele Landwirte entlang ihrer Maisfelder einsäen.

Der Kreislandvolkverband Friesland beteiligt sich zudem an der Aktion „Bienenfreundlicher Landwirt“ der niedersachsenweiten Kampagne „Echt grün – Eure Landwirte“. In Zusammenarbeit mit dem Bieneninstitut Celle wurde ein umfangreicher Katalog von möglichen Maßnahmen entwickelt, denn nicht nur Blühstreifen, sondern auch Unkrautecken, große Sandhaufen oder das Liegenlassen von Altholz bieten Wildbienen Schutz und Lebensraum. Sammelt ein Teilnehmer mindestens fünf Punkte, bekommt er für ein Jahr das Siegel „Bienenfreundlicher Landwirt“ verliehen.

Auch Burkhard Mennen nimmt an der Aktion teil und wird in den nächsten Wochen entsprechende Schilder am Rand der Blühflächen aufstellen, um Passanten für das Thema zu begeistern – damit es künftig nicht nur am Ackerrand, sondern auch in Gärten und auf den Balkons in den Innenstädten noch mehr summt und brummt.

 

 

Küsten müssen wolfsfreie Zonen bleiben

Gott schuf das Meer, der Friese die Küsten – heutzutage müsste noch ergänzt werden: und den Küstenschutz. Über 600 Kilometer Deich schützen die Niedersachsen vor Wassermassen, weit über 1000 Kilometer werden es, wenn man z.B. die Flussdeiche usw. mitzählt. Die Deichpflege ist daher ein elementarer Bereich des Küstenschutzes. Trotz modernster Technik geht dies aber nicht ohne Schafe. Nur durch ihren sogenannten „Goldenen Tritt“ wird zum einen die Grasnarbe gepflegt also auch der Boden festgetreten. Keine Maschine schafft das im gleichen Maße, berichten die Landvolkverbände Ostfriesland, Friesland und Wesermarsch zum Start der Weidesaison. „Für uns sind die Schafe also nicht nur hübsch auf den Deichen anzuschauen, sondern lebenswichtig.“ betont Hartmut Seetzen, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Friesland.

Der Beruf des Deichschäfers ist kein Beruf, sondern eine Berufung. So werden in der Ablammzeit die Tiere nicht aus den Augen gelassen, damit alle die Geburt gut überstehen und jetzt im Frühjahr über die Deiche toben können. Die Deichschäfer hoffen, dass das auch weiter möglich ist. Die Rückkehr des Wolfes treibt ihnen jedoch tiefe Sorgenfalten auf die Stirn. Sie wissen nicht, wie sie ihre Tiere davor schützen sollen. „Der Wolf ist streng geschützt, aber wer schützt unsere Deichschafe, die – im Gegensatz zum Wolf – einen so enorm wichtigen Dienst für die Küstenbewohner leisten?“ fragt sich Manfred Tannen, Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins Ostfriesland.

Die Deiche dürfen beispielsweise seeseitig nicht gezäunt werden, und das Meer ist gegen den gut schwimmenden Wolf kein Hindernis. „Und wenn der Herdenschutzhund zum Einsatz kommt, ist der Deich für die Touristen absolut tabu, denn der Hund unterscheidet nicht zwischen Mensch und Wolf.“ verdeutlicht Dr. Karsten Padeken, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Wesermarsch, und ergänzt: „Davon mal abgesehen, etwaige Schadenszahlungen sind überhaupt kein Trost, die Schäfer wollen nicht zum Wolfsfutterzüchter werden.“

Konkret wünschen sich die Weidehalter

  • die Ausweisung von wolfsfreien Zonen überall dort, wo Weidetierhaltung üblich ist.
  • die sofortige Einführung eines echten Wolfsmanagements inklusive Bestandsregulierung in Niedersachsen und auf Bundesebene.
  • eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes hin zu einer 1:1-Umsetzung von EU-Recht, um Managementmaßnahmen, die Artikel 16 der FFH-Richtlinie eröffnet, rechtssicher anwenden zu können.
  • Der Wolfsbestand und die Größe der Rudel müssen präventiv reguliert werden können – schon bevor ein Riss passiert ist.
  • die Unterstellung des Wolfs unter das deutsche Jagdrecht.

 

 

Eine Woche Bauernhof statt Klassenzimmer

Maarten Fischer (Mitte) hat eine spannende Praktikumswoche auf dem Betrieb von Willi und Elisabeth Becker verbracht.

Kühe füttern und beim Melken helfen statt Matheaufgaben lösen oder Vokabeln lernen: Der 15-jährige Maarten Fischer, Schüler der Elisa-Kauffeld-Oberschule Jever, fährt diese Woche morgens nicht zur Schule, sondern nach Quanens zum landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Becker. Wie alle seine rund 60 Mitschülerinnen und Mitschüler aus den achten Klassen macht er eine Woche lang ein Landwirtschaftspraktikum, um zu lernen, wie die Lebensmittel eigentlich hergestellt werden, die bei uns allen auf dem Teller landen.

Willi und Elisabeth Becker aus Quanens beteiligen sie sich in diesem Jahr zum ersten Mal an dem Schulprojekt. Gemeinsam mit ihrem Sohn Wiard bewirtschaften sie einen Betrieb mit gut 80 Milchkühen, der 2016 auf die Produktion von Bio-Milch umgestellt hat. Wenn Maarten gegen 8 Uhr auf dem Hof eintrifft, kann er noch beim Melken der letzten Kühe und anschließend beim Säubern des Melkstands helfen. Im Anschluss müssen Kälber und Kühe gefüttert und andere Arbeiten im Stall erledigt werden.

„Besonders gut gefallen hat mir bisher die Geburt von zwei Kälbern – ich war zwar nicht dabei, aber habe beim Versorgen der Tiere geholfen“, sagt Maarten. Als Beruf käme Landwirtschaft für ihn aber eher nicht in Frage – er möchte später lieber im Büro arbeiten. Berufsorientierung ist aber auch nicht das Ziel des Landwirtschaftspraktikums, das die Elisa-Kauffeld-Oberschule in Kooperation mit dem Kreislandvolkverband Friesland bereits im 21. Jahr ausrichtet. Die Jugendlichen sollen das Leben und Arbeiten eines Landwirts kennen lernen und elementare Zusammenhänge der Natur ganz praktisch erleben und erfahren.

„Nur durch eigene Anschauung und praktisches Tun auf einem Betrieb können die Schülerinnen und Schüler erfahren, welchen Beitrag die hiesige Landwirtschaft zu ihrer gesunden Ernährung leistet. Und sie lernen, wie vielfältig, naturverbunden und verantwortungsvoll der Beruf des Landwirts ist“, sagt Berta Paasmann, Leiterin der Elisa-Kauffeld-Oberschule. Der Kreislandvolkverband freut sich über das Interesse der Schule und auch darüber, dass so viele Landwirte Jahr für Jahr Praktikumsplätze zur Verfügung stellen und das Projekt dadurch erst ermöglichen.

 

 

Landwirte und Journalisten: Rollentausch ermöglicht besseres Verständnis

Um das manchmal schwierige Verhältnis von Landwirten und Journalisten ging es bei der Jahreshauptversammlung des Kreislandvolkverbands Friesland: (v.l.) Geschäftsführer Manfred Ostendorf, MyKuhTuberin Anita Lucassen, NWZ-Chefredakteur Lars Reckermann und Vorsitzender Hartmut Seetzen.

Landwirte hadern immer wieder mit der Berichterstattung in den Medien – oft haben sie das Gefühl, öffentlich am Pranger zu stehen und vom Insektensterben bis zum Klimaschutz für alles verantwortlich gemacht zu werden, was im Umgang mit der Natur falsch läuft. Aber wie sehen Journalisten eigentlich das Verhältnis von Landwirtschaft und Medien? Antworten auf diese Frage versuchte Lars Reckermann, Chefredakteur der Nordwest-Zeitung Oldenburg, bei der Jahreshauptversammlung des Kreislandvolkverbands Friesland zu geben.

Reckermann stellte zunächst einmal klar, dass auch Journalisten für ihre Arbeit kritisiert werden. Er habe täglich entsprechende Anrufe und Zuschriften. Dies gehört für ihn jedoch zum Berufsbild dazu: „Es ist unmöglich, es allen recht zu machen.“ Er sieht die Aufgabe einer Zeitung vielmehr darin, ein Forum für Diskussionen zu bieten, bei der widerstreitende Meinungen zu Wort kämen: „Diese Pluralität müssen Sie aushalten, genauso wie wir Journalisten.“

Eine Chance für das Verhältnis von Landwirtschaft und Medien sieht Lars Reckermann im Rollentausch, wie bei der Aktion „Das Duell der Felder“. Journalisten und Junglandwirte aus dem Landkreis Oldenburg waren 2017 im Wettstreit gegeneinander angetreten, wer mit größerem Erfolg Kartoffeln anbaut. „Das hat etwas mit uns gemacht“, so Lars Reckermann. Durch das Hineinschlüpfen in die Rolle des Gegenübers wachse das Verständnis füreinander – das gelte auch umgekehrt. Daher hätten die Junglandwirte einen Tag lang die Aufgabe übernommen, Zeitungsseiten zu gestalten.

Als zweite Referentin des Abends stellte Anita Lucassen, Landwirtin aus dem Landkreis Cloppenburg, die Möglichkeiten der sozialen Medien für die Öffentlichkeitsarbeit vor. Sie selbst ist aktiv auf der Video-Plattform „My KuhTube“ und nutzt neben Facebook auch Instagram und Twitter. „Wichtig ist, dass wir als Landwirte selbst aktiv sind und mit unseren eigenen Gesichtern für uns werben“, machte sie deutlich – nur dann lasse sich ein authentisches Bild vermitteln. Sie gab viele praktische Tipps zur Bildgestaltung, zu möglichen Themen und zu typischen Stolperfallen.

Vor allem ist es Anita Lucassen aber ein Anliegen, Landwirte für die Öffentlichkeitsarbeit zu motivieren: „Wenn wir unsere Arbeit nicht erklären, überlassen wir es denjenigen, die nicht wissen, wie Landwirtschaft funktioniert“, ist sie überzeugt. „Wir brauchen uns dabei auch nicht klein machen. Wir sollten zeigen, dass wir hinter dem stehen, was wir tun, und darauf auch stolz sind.“

 

 

Biosphärenreservat: Flächenausweisung ist der Knackpunkt

In der Diskussion um den Beitritt der Gemeinde Bockhorn zum Biosphärenreservat Niedersächsisches Wattenmeer möchte der Kreislandvolkverband Friesland noch einmal deutlich machen, welche Argumente aus Sicht der Landwirtschaft dagegensprechen. „Wir lehnen das Biosphärenreservat nicht als solches ab, sondern die Tatsache, dass damit die Ausweisung eines bestimmten Gebiets verbunden ist“, sagt Landvolk-Vorsitzender Hartmut Seetzen. „Die Städte und Gemeinden würden jeweils mit ihrer gesamten Fläche dem Reservat beitreten – der weit überwiegende Teil davon ist landwirtschaftlich genutzte Fläche, die sich im Privatbesitz befindet.“

Als Eigentümer dieser Flächen seien die Landwirte direkt Betroffene von einer Entscheidung pro oder contra Biosphärenreservat. „Sie nehmen ihre demokratischen Rechte wahr und besuchen die Ausschusssitzungen, bei denen das Thema behandelt wird. Wenn Ratsherren und -frauen diese Meinungsäußerung berücksichtigen, ist das in unseren Augen kein Lobbyismus, sondern die Vertretung von berechtigten Interessen der betroffenen Bürger“, macht Hartmut Seetzen deutlich. Da die Ausweisung der kompletten Gemeindefläche als Entwicklungszone eine nicht verhandelbare Bedingung für ein Biosphärenreservat sei, hätten weitere Kooperationsgespräche mit der Nationalparkverwaltung aus Sicht des Landvolks keinen Sinn.

Die Landwirte seien sich bewusst, dass sie angesichts der Größe ihrer Flächen eine besondere Verantwortung für ein funktionierendes Ökosystem hätten, und kämen dieser Verantwortung auch nach. Bereits jetzt seien viele Flächen über das Regionale Raumordnungsprogramm als Gebiete mit besonderem naturschutzfachlichen Wert ausgewiesen; bei der Bewirtschaftung gelten entsprechende Auflagen. „Wir meinen, dies genügt – wir brauchen nicht noch einen zusätzlichen Akteur in Person der Nationalparkverwaltung am Tisch, die über unsere Flächen mitbestimmt“, so Hartmut Seetzen.

Einen zusätzlichen Nutzen einer Entwicklungszone Biosphärenreservat kann der Kreislandvolkverband nicht erkennen. Eine profiliertere Vermarktung regionaler landwirtschaftlicher Produkte und die Akquise von Fördergeld sei auch unabhängig von einem Sigel „Biosphärenreservat“ möglich.

 

Am Zukunftstag mal Landwirt sein

Auf einem landwirtschaftlichen Betrieb können Schülerinnen und Schüler am Zukunftstag viele Arbeiten selbst ausprobieren und mithelfen. Bild: Landvolk Ammerland

Kühe melken, Kälber füttern und Trecker fahren – das können Schülerinnen und Schüler aus Friesland am Zukunftstag ausprobieren, der in diesem Jahr am Donnerstag, 28. März 2019, stattfinden wird. Dabei haben sie die Wahl: Entweder können Sie den Tag auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der Nähe ihres Wohnorts verbringen, oder sie kommen nach Neuenburg auf den Betrieb der Eilers GbR. Dort werden die Kreislandvolkverbände Friesland und Ammerland sowie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Bezirksstelle Oldenburg-Nord, gemeinsam mit Schülern der Berufsbildenden Schule III Oldenburg ein zentrales Angebot für Schülerinnen und Schüler der 5. bis 10. Klassen auf die Beine stellen und ihnen einen Einblick in den vielseitigen Beruf des Landwirtes ermöglichen.

Die Fachschüler der BBS Oldenburg werden verschiedene Stationen gestalten, an denen die Jungen und Mädchen nicht nur praktisch tätig werden dürfen, sondern auch entsprechende Hintergrundinformationen bekommen. Geplant sind das Füttern und Melken der Kühe, die Zusammenstellung einer Futterration sowie die Kälberfütterung. Außerdem wird Getreide bestimmt und über Ackerbau informiert. An Technik interessierte Schülerinnen und Schüler haben Gelegenheit, viele verschiedene Maschinen kennen zu lernen und auf dem Trecker je nach Wetterlage das Grubbern, Pflügen, Düngerstreuen oder die Grünlandpflege mit zu machen. Zudem wird ausführlich über den Ausbildungsberuf des Landwirtes und die beruflichen Perspektiven informiert.

“Gerade landwirtschaftliche Betriebe eignen sich hervorragend, um Schülerinnen und Schüler in die Arbeit mit einzubeziehen und Ihnen hautnah zu vermitteln, dass Arbeit auch Spaß macht. Die Jugendlichen können viele Tätigkeiten eigenständig verrichten und die Landwirtschaft mit allen Sinnen erleben”, wirbt Andrea Vogt, Landvolk-Mitarbeiterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, für die Teilnahme.

Die Landwirte und alle weiteren Beteiligten freuen sich darauf, die interessierten jungen Menschen für die Landwirtschaft zu begeistern und ihnen zu zeigen, dass dieser Beruf sehr vielseitig ist und ein selbständiges Arbeiten mit hohem Maß an Verantwortung für Mensch und Tier ermöglicht. Wenn man Interesse an der Natur, am Umgang mit Tieren und moderner Technik hat, lohnt es sich, über eine Ausbildung in diesem Beruf nachzudenken, auch wenn man nicht aus der Landwirtschaft kommt. Jedes Jahr steigen die Ausbildungszahlen. Bereits ein Drittel der Auszubildenden sind weiblich. Aufgrund der inzwischen ausgeprägten Technisierung ist der Beruf der Landwirtin auch für Frauen zunehmend attraktiv, denn er hat vielfältige Aufstiegsmöglichkeiten in der gesamten Agrar- und Ernährungswirtschaft.

Ansprechpartner für interessierte Schüler, Eltern und Lehrer:
Heiko Haschen, Landwirtschaftskammer, Tel: 0441-34010123 oder
Andrea Vogt, Kreislandvolkverband Friesland, Telefon 04401-980522, E-Mail: vogt@klv-wesermarsch.de

Schüler, die den Zukunftstag in einem landwirtschaftlichen Betrieb verbringen möchten, sollten sich bis zum 10. März anmelden.

 

Neujahrsempfang in Varel: Umweltminister spricht sich für Gänsejagd aus

Die Vorsitzenden Hartmut Seetzen (re.) und Dr. Karsten Padeken (3.v.re.) konnten viele Ehrengäste beim Neujahrsempfang begrüßen (v.l.): Frieslands Landrat Sven Ambrosy, die SPD-Bundestagsabgeordneten Susanne Mittag und Siemtje Möller, Umweltminister Olaf Lies, die SPD-Landtagsabgeordnete Karin Logemann und Wesermarsch-Landrat Thomas Brückmann. Bild: Nordwest-Zeitung, Olaf Ulbrich

Landwirtschaft und Umwelt – unter diesem Vorzeichen stand der gemeinsame Neujahrsempfang der Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland im Vareler Tivoli. Gut 300 Gäste aus Landwirtschaft, Politik und Wirtschaft waren gekommen, um in lockerer Runde Gespräche zu führen und die Vorträge der Gastredner Karin Logemann, agrarpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, und Umweltminister Olaf Lies zu hören.

Zum Auftakt sprachen die Landvolk-Vorsitzenden Hartmut Seetzen und Dr. Karsten Padeken aktuelle Themen an, die den Landwirten unter den Nägeln brennen. Hartmut Seetzen erinnerte an die zahlreichen Wolfsrisse, die es vor allem in der Wesermarsch gegeben hat. „Weidetierhaltung und Wolfsausbreitung sind nicht vereinbar“, machte er deutlich. „Die Sicherheit von wolfsabweisenden Zäunen steht mittlerweile in Frage, und von der Pflege sind sie so aufwändig, dass kein Landwirt diese Arbeit leisten kann.“ Auch im Umgang mit der immer größer werdenden Zahl an Rastgänsen müsse es einen Prioritätenwechsel geben. Die entstandenen Schäden müssten fair und unabhängig von Gebietskulissen ausgeglichen werden.

Dr. Karsten Padeken sprach das Thema Düngeverordnung an, die erst 2017 überarbeitet wurde und nun nochmals verschärft werden solle, ohne überhaupt die Wirkung der Neufassung erst einmal abzuwarten. „Auf dem Grünland haben wir keine Probleme mit den Nitratwerten“, machte er deutlich. „Es ist Landwirten schwer vermittelbar, dass sie Maßnahmen umsetzen sollen, obwohl sie nicht die Verursacher sind und zur Verbesserung der Lage nichts beitragen können.“ Weitere Themen waren die Ausweisung einer Entwicklungszone für das Biosphärenreservat Wattenmeer und die Debatte um Feinstaub-Emissionen aus der Landwirtschaft.

Umweltminister Olaf Lies nahm die Sorgen der Landwirte auf und gab beim Thema Rastgänse ein klares Bekenntnis dazu ab, dass entstandene Schäden überall ausgeglichen werden müssten und nicht nur in der bislang ausgewiesenen Gebietskulisse. Zudem werde man wohl vor allem bei der Nonnengans nicht um eine Regulierung der Population herumkommen, die außerhalb der Vogelschutzgebiete auch möglich sei.

Beim Thema Wolf müsse der Anspruch sein, dass Weidetierhaltung – die ja ohnehin schon eine Herausforderung sei – dadurch nicht gefährdet werde. „Dann, wenn es ein Problem gibt, handelt der Staat“, sagte Lies. Dabei gehe es nicht um die Art Wolf an sich, sondern um einzelne Tiere wie den auffälligen Wolf GW717m aus dem Landkreis Nienburg, der nun um Abschuss freigegeben sei.
Als Umweltminister wolle er vor allem an gemeinsamen Projekten von Umwelt und Landwirtschaft arbeiten: „Landwirte sorgen nicht nur für unsere Nahrungsmittel, sondern sie sind Partner für die Umwelt“, sagte er. Er wolle sich für einen Perspektivwechsel einsetzen: „Im Moment gleichen wir vor allem die Nachteile aus, die Landwirte haben, wenn sie Umweltmaßnahmen umsetzen. Stattdessen sollten wir es honorieren, wenn Landwirtschaft eine gesellschaftliche Leistung erbringt für mehr Umweltschutz und Biodiversität. Dann gewinnen wir dafür auch Mitstreiter.“

Die SPD-Landtagsabgeordnete Karin Logemann berichtete aus ihrer Arbeit als agrarpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, dass derzeit ein neuer Arbeitskreis „Töten und Schlachtung“ im Rahmen des Tierschutzplans 4.0 eingerichtet werde und sich der Situation in den niedersächsischen Schlachthöfen annehme. Sie stehe einer Kameraüberwachung positiv gegenüber, aber es müsse ein ganzes Bündel von Maßnahmen geben, um hier zu Verbesserungen zu kommen. Bei der Wiedereinführung der Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete sei ihr Engagement auf niedersächsischer Ebene leider nicht erfolgreich gewesen. Jetzt richteten sich alle Blicke auf die EU; sie werde sich weiter dafür einsetzen, dass auf dieser Ebene ein entsprechendes Programm aufgelegt werde.

Frieslands Landrat Sven Ambrosy bedankte sich für die gute Zusammenarbeit zwischen Kreisverwaltung und Landwirtschaft im Landkreis Friesland, etwa beim Thema FFH-Schutzgebietsausweisungen oder Landschaftsrahmenplan. Dazu gehöre, dass die Verwaltung bei allen Vorhaben die Betroffenen von Anfang an einbeziehe und Zusagen verlässlich einhalte. In seiner Funktion als Vorsteher des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands hob er die Schaffung von fünf Verbandsbezirken hervor. Die Landschaftsräume im Oldenburger Land seien sehr unterschiedlich; auf diese Weise könnten Probleme besser anhand der spezifischen örtlichen Gegebenheiten angegangen und gelöst werden.

Weitere Bilder vom Neujahrsempfang gibt es hier.

 

Landwirte informieren in der Oldenburger Fußgängerzone

An einem ganz normalen Sonnabend sind so einige Friesländer in der Oldenburger Fußgängerzone unterwegs. Eine Gruppe Landwirte hatte am Sonnabend, 19. Januar 2019, aber ein ganz besonders Anliegen: Sie haben mit Berufskollegen aus der Wesermarsch und dem Landkreis Oldenburg einen Infostand am Leffers-Eck organisiert. Ihr Motto: „Dialog statt Protest“. Zum Start der Grünen Woche in Berlin wollten Sie als Ansprechpartner zur Verfügung stehen und mit den Passanten über Fragen rund um die Landwirtschaft ins Gespräch kommen.

Der Infostand ist ganz bewusst nach Oldenburg gelegt worden: In den Städten gibt es kaum landwirtschaftliche Betriebe, die Menschen haben einfach kaum Berührungspunkte mit Landwirten. Laut einer Umfrage des Forsa-Institutes hat ein Viertel der deutschen Bevölkerung noch nie mit einem Landwirt gesprochen – in großen Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern fällt diese Zahl noch deutlicher aus. 53 Prozent der befragten Menschen verneinten hier die Frage, ob sie einen Landwirt persönlich kennen. So entstehen leicht Vorurteile und einseitige Bilder in den Köpfen. Wenn sich das ändern soll, müssen die Landwirte eben in die Stadt kommen.

Mit dabei war auch Hartmut Seetzen, Landwirt aus Neuenwege und Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Friesland. „Ich war über die angenehmen Gespräche überrascht“, resümiert er seinen Einsatz. „Die Menschen haben viele Probleme angesprochen, von Feinstaub bis Ferkelkastration, aber ohne Vorwurf, sondern mit ehrlichem Interesse. Wir konnten in Ruhe erklären, wie wir Landwirte mit diesen Themen umgehen. Damit sind wir auf sehr viel Verständnis gestoßen.“

Auch in weiteren Städten in Niedersachsen waren Landvolkverbände an diesem Wochenende aktiv und haben unter dem Motto „Dialog statt Protest“ für mehr Akzeptanz für die aktuellen Themen der Landwirtschaft geworben. „Unsere Bauernfamilien sind wichtige Stützen für die ländlichen Räume, für die Gesellschaft und sorgen mit ihren Produkten und Dienstleistungen für das Wohl der gesamten Bevölkerung“, sagte Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke. Daher lautet seine Forderung: „Redet mit uns statt über uns! Landwirte sind offen für den Dialog, stellen sich den Fragen der Verbraucherinnen und Verbraucher und wünschen sich, dass mehr Bürger nachfragen, was es mit der täglichen Arbeit auf den Höfen auf sich hat.“

 

Gemeinsam Niedersachsens Grünlandregion erhalten

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kienast (8.v.l.) und Umweltminister Olaf Lies (6.v.l.) sowie weitere Politiker diskutierten mit Landvolk-Vertretern der Küstenlandkreise im Grünlandzentrum Ovelgönne.
Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kienast (8.v.l.) und Umweltminister Olaf Lies (6.v.l.) sowie weitere Politiker diskutierten mit Landvolk-Vertretern der Küstenlandkreise im Grünlandzentrum Ovelgönne.

Die Wettbewerbsfähigkeit der niedersächsischen Grünlandregionen stand im Mittelpunkt eines gemeinsamen Gesprächs von Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast und Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies mit Landvolk-Vertretern der Küstenlandkreise im Grünlandzentrum in Ovelgönne. Mit dabei waren ebenfalls Wissenschaftsminister Björn Thümler als zuständiger Wahlkreisabgeordneter, die landwirtschaftspolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Karin Logemann, sowie der CDU-Landtagsfraktion, Helmut Dammann-Tamke, und weitere Fachpolitiker. Die Gäste machten sich ein Bild von den Herausforderungen und ließen sich umfassend über die vielfältigen Projekte des Grünlandzentrums informieren.

Dazu sagt Ministerin Barbara Otte-Kinast: „Grünland ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und eine prägende Kulturlandschaft. Deshalb ist es notwendig, die Bewirtschaftung auf Dauer zu sichern.“ Der Meinungsaustausch habe erneut gezeigt, wie groß die Bedeutung des Grünlands auch im Hinblick auf den Klima- und Umweltschutz ist. Um die zahlreichen Erschwernisse der dort wirtschaftenden Betriebe abzupuffern, soll eine gezielte Förderung entwickelt werden. Ministerin Otte-Kinast: „Der inhaltliche und finanzielle Spielraum für weitere Unterstützungen hängt nun maßgeblich davon ab, wie die zukünftige Gemeinsame Agrarpolitik der EU ausgestaltet sein wird. Fest steht: Wir wollen die Grünlandbewirtschaftung mit geeigneten Maßnahmen erhalten.“

 

Positionspapier zum Thema Biosphärenreservat

In vielen Gemeinden entlang der niedersächsischen Nordseeküste gibt es derzeit eine Diskussion darüber, ob sie sich dem Biosphärenreservat Wattenmeer anschließen sollen. Eine solche Entscheidung hätte direkte Auswirkungen auf die landwirtschaftlich genutzten Flächen in diesen Gemeinden; daher hat es innerhalb des Landvolks in den vergangenen Wochen intensive Diskussionen über dieses Thema gegeben. Als Ergebnis ist ein Positionspapier entstanden, das über den nachfolgenden Link angezeigt und heruntergeladen werden kann.

Positionspapier Biosphärenreservat Nds. Wattenmeer (neu)

 

Erntebilanz 2018: Unsicherheit macht Landwirten weiter zu schaffen

Erst viel zu viel Regen, dann auf einmal gar nichts mehr – 2017 und 2018 waren für die Landwirte in Friesland extreme Jahre, die sie vor viele Herausforderungen gestellt haben. „Was die Betriebe in diesem Sommer am meisten belastet hat war die Unsicherheit“, sagt Kreislandwirt Hartmut Seetzen. „Was bekommen wir an Futter von unseren Flächen, müssen wir Futter zukaufen, um unser Vieh über den Winter zu bringen? Gibt es überhaupt Raufutter zu kaufen und können wir uns das finanziell überhaupt leisten, oder müssen wir einige Tiere verkaufen?“

Noch können viele Landwirte die Frage, ob das Futter über den Winter reicht, nicht positiv beantworten. Gerade mal 60 Prozent Grasertrag konnte bis jetzt geerntet werden. Die Landwirte im Nordkreis haben von dem zwischenzeitlichen Regen profitiert, der für Graswuchs in der Marsch sorgt und einen ordentlichen dritten oder vierten Schnitt erwarten lässt. Im Südkreis hingegen hat es viel weniger geregnet. Eine Rolle spielt auch, wie lange das Vieh im Herbst noch auf der Weide stehen kann und wie früh es im kommenden Jahr wieder hinauskann. Auch kommt es auf den Betrieb an: Der Betrieb, der noch Futterreserven aus dem vergangenen Jahr hat, sieht die knappe Raufutterlage entspannter. Derjenige allerdings, der seit Wochen schon den Wintervorrat aus der neuen Ernte füttert, der bei normalen Verhältnissen erst ca. Mitte Oktober angebrochen würde, muss sicherlich für viel Geld Raufutter zukaufen. Dieses schmälert den Betriebserlös entsprechend.

Für etwas Erleichterung bei den Futterbaubetrieben sorgt die Maisernte, die so gut wie abgeschlossen ist. Die Erträge seien zwar um 15 bis 20 Prozent niedriger ausgefallen, aber noch zufrieden stellend. Die wärmeliebende Pflanze wird in Friesland auf etwa 15 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen angebaut und zu 90 Prozent als Viehfutter verwendet.

Beim Getreide sei im Durchschnitt 30 Prozent weniger geerntet worden als in normalen Jahren; einige Betriebe im Wangerland haben auch ein Minus von 40 Prozent und mehr zu verzeichnen. „Insgesamt lässt sich sagen, dass die Erntemengen je nach Schlag völlig unterschiedlich ausgefallen sind“, bilanziert Hartmut Seetzen. „Zu welchem Zeitpunkt ausgesät wurde, war dieses Jahr in Zusammenhang mit den Regen entscheidend für den Ertrag.“

Die finanziellen Hilfen zum Ausgleich von Dürreschäden, die Bund und Länder zur Verfügung stellen, werden den Betrieben in Friesland voraussichtlich nicht zu Gute kommen. Nach den bisher vorliegenden Informationen müssen Betriebe bei einer Antragstellung zunächst nachweisen, dass die Erntemengen im Vergleich zu den Vorjahren um 30 Prozent geringer ausgefallen sind. Da die Landwirte in Friesland das geerntete Gras sowie den Mais in den allermeisten Fällen für den eigenen Bedarf anbauen und nicht für den Verkauf, haben sie keine verwertbaren Belege über die Erntemengen und fallen somit schon aus diesem Grund aus dem Kreis der Anspruchsberechtigten heraus. Weiteres Kriterium ist die Existenzgefährdung; dazu muss die Landwirtsfamilie ihr gesamtes Einkommen offenlegen und die finanzielle Bedürftigkeit nachweisen.

 

Gute Neuigkeiten: Landwirtschaftliche Fahrzeuge doch weitgehend von der Mautpflicht befreit

Alle Bundesstraßen werden zum 1. Juli 2018 mautpflichtig. Auch landwirtschaftlichen Fahrzeuge sollten somit mautpflichtig werden, mit Ausnahme von Fahrzeugen bis 40 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der DBV forderte daraufhin für land- oder forstwirtschaftliche Fahrzeuge, die für eigene Zwecke oder im Rahmen eines Maschinenrings bauartbedingt schneller als 40 km/h fahren, ebenfalls von der Maut auszunehmen.
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer reagierte mit einem Schreiben an DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken auf diese Forderung. Nach dem Bundesfernstraßenmautgesetz sind „landwirtschaftliche Fahrzeuge im geschäftsmäßigen Güterverkehr mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von maximal 40 km/h“ nun von der Maut befreit.
Bis zum 1. Januar 2019 gilt nun diese Kulanzregelung. Voraussichtlich erst ab dem 1. Januar 2019 soll dann die von Deutschem Bauernverband (DBV), Bundesverband der Maschinenringe (BMR) und Bundesverband Lohnunternehmen (BLU) gemeinsam auf dem Weg gebrachte und von mehreren Bundesratsausschüssen letzte Woche nahezu einstimmig unterstützte Initiative greifen, das Bundesfernstraßenmautgesetz so zu ändern, dass die bisherigen und durch OVG-Urteile in Frage gestellten Ausnahmetatbestände wieder gelten.
Es sei unverhältnismäßig und bürokratisch, jetzt land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 40 km/h mit Fahrzeuggeräten zur Mauterfassung (OBU) auszurüsten, wenn diese Fahrzeuggeräte in sechs Monaten nicht mehr benötigt werden, weil keine Mautpflicht mehr besteht, teilt Bundesverkehrsminister Scheuer dem DBV mit.

 

Pressegespräch zur Kooperation der Imagekampagne “Echt grün-Eure Landwirte” und dem Landkreis Friesland

v.li.: Carsten Dirks, Landrat Sven Ambrosy, Jörg Even, Hartmut Seetzen
Die Image-Initiative „Echt grün – Eure Landwirte“ baut ihre landesweite Präsenz aus und wird nun auch von Kommunen unterstützt. Bereits im Januar 2018 gab es den Startschuss zu dieser neuen „ideellen Partnerschaft“ von den Vertreter von „Echt grün“ und dem Bürgermeister der Gemeinden Goldenstedt (Kreis Vechta) und Barßel sowie der Stadt Friesoythe (beide Kreis Cloppenburg).
Die Kommunen stehen der Initiative zur Seite, wenn es darum geht, gemeinsam mehr Fahrt aufzunehmen, um die Imagearbeit für die Landwirtschaft und die ländlichen Regionen zu bündeln. Für Städte, Landkreise und Gemeinden gibt es vielfältige Möglichkeiten der Unterstützung, wie z.B. die Bereitstellung kostenfreier Werbeflächen für Banner oder Plakate und der Auslage von Informationsmaterial in den Rathäusern bis zu werblichen Vernetzungen auf den Internetseiten der Kommunen und von „Echt grün“.
In Friesland und der Wesermarsch haben einer Kooperation mit „Echt grün“ bereits zugestimmt: Stadt Jever, Gemeinde Wangerland, Landkreis Friesland, Gemeinde Butjadingen, Stadt Elsfleth und Stadt Brake. Offen ist nun noch die Entscheidung der Stadt Varel.
Am 15. Juni 2018 fand bezüglich der Kooperation zwischen dem Landkreis Friesland und der Imagekampagne ein Pressegespräch mit Redakteuren der regionalen Presse aus Friesland auf dem Betrieb von Hartmut Seetzen in Varel-Neuenwege statt. Das Interesse der Presse war groß und die Berichterstattung sehr gut. Auch Landrat Sven Ambrosy war vor Ort und äußerte sich zur Partnerschaft.
Einige der Artikel, die aus diesem Gespräch entstanden sind, sind hier zu finden:
https://www.nwzonline.de/friesland/wirtschaft/neuenwege-landwirtschaft-kreis-stellt-sich-hinter-landwirte_a_50,1,3440624221.html
https://jeversches-wochenblatt.de/nachrichten/artikel/landkreis-friesland-ist-partner-von-initiative-echt-gruen
http://www.radio-jade.de/nachrichten/2018/06/landkreis-unterstuetzt-landwirtschaft

 

Straßenmaut für land- und forstwirtschaftliche Betriebe

Ab 1. Juli 2018 werden alle Bundesstraßen mautpflichtig. Auch die Landwirtschaft ist davon betroffen, da nach aktueller Auffassung des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) nur landwirtschaftlichen Fahrzeugen bis 40 km/h Höchstgeschwindigkeit von der Maut befreit sind.
Bislang besteht die Mautpflicht auf allen Bundesautobahnen und ca. 2.300 km autobahnähnlichen Bundesstraßen. Ab dem 1. Juli kommen nun 38.000 km Bundesstraßen hinzu. Nach dem Bundesfernstraßen-Mautgesetz (BFStrMG) besteht die Mautpflicht für Kraftfahrzeuge (Kfz) oder Fahrzeugkombinationen deren zulässiges Gesamtgewicht mindestens 7,5 t beträgt und die für den Güterkraftverkehr bestimmt sind (1. Alternative) oder für den Güterkraftverkehr (2. Alternative) verwendet werden.

Mautpflicht nach der 1. Alternative
Die Mautpflicht nach der 1. Alternative betrifft Kfz, die generell nach ihrem Zweck dazu bestimmt sind, Güter gleich welcher Art zu transportieren. Es ist damit entscheidend, ob das Motor-Fahrzeug nach seinen objektiven Merkmalen dazu dienen soll, Güter zu transportieren. Dies ist sicherlich bei Sattelzügen oder Lastkraftwagen der Fall, während klassische land- und forstwirtschaftliche (lof) Ackerschlepper und lof-Geräteträger dieser Alternative nicht unterfallen, da sie zur Bewirtschaftung von lof-Flächen bestimmt sind und beispielsweise über die Zapfwelle auch andere Maschinen antreiben können. Nach aktueller Auffassung des BAG ist darunter auch der Unimog zu subsumieren, da er ursprünglich auch für den Einsatz in der Land- oder Forstwirtschaft konzipiert und bestimmt ist.
Bei der letzten Änderung des Mautgesetzes wurde der Begriff „ausschließlich“ in der Begriffsbestimmung „Fahrzeuge die ausschließlich für den Güterkraftverkehr bestimmt sind“, gestrichen. Dadurch fallen mehr Fahrzeuge unter die Mautpflicht. Das betrifft auch die sogenannten Agrotrucks oder Agrar-Lkw, das heißt zum lof-Ackerschlepper umgeschlüsselte Sattelzugmaschinen. Unabhängig von der Zulassung sind diese Fahrzeuge zur Güterbeförderung bestimmt und unterfallen der 1. Alternative. Inwieweit dennoch eine Befreiung von der Maut möglich ist, muss im jeweiligen Einzelfall mit der BAG und der Betreibergesellschaft Toll Collect geklärt werden. Die Mautpflicht nach der 1. Alternative besteht im Übrigen unabhängig
Kein Blitzer, sondern eine Kontrollsäule für die Maut auf Bundesstraßen. Ab 1. Juli 2018 sind die Geräte „scharf gestellt“ und die Maut ist fällig. (Foto: Vaupel)
davon, ob es sich um eine Privatfahrt handelt, ob tatsächlich Güter befördert werden (Leerfahrten sind damit auch von der 1. Alternative erfasst) oder ob das betreffende Kfz von der Kraftfahrzeugsteuer befreit ist.

Mautpflicht nach der 2. Alternative
Hiernach besteht unabhängig von der 1. Alternative die Mautpflicht, sofern mit Kfz oder Fahrzeugkombinationen, die zwar über keine für den Güterkraftverkehr typischen Fahrzeug- und Aufbauarten verfügen, die jedoch konkret Güterkraftverkehr nach dem Güterkraftverkehrsgesetz (GüKG) durchführen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich bei der jeweiligen Fahrt um eine entgeltliche oder geschäftsmäßige Güterbeförderung im Sinne § 1 GüKG handelt. Werden solche Transporte auch mit Standardschleppern durchgeführt, so sind diese mautpflichtig nach der 2. Alternative.
Achtung: Seit April dieses Jahres verweist das BAG auf verschiedene Urteile von Oberverwaltungsgerichten der Länder (u. a. OVG Münster, Az.: 9 B 550/16) und kommt zu dem Schluss, dass von der 2. Alternative die Beförderung jeglicher Güter erfasst ist. Die sonst angenommenen und auch bis dahin seitens des BAG akzeptierten Ausnahmen von der Maut, nach § 2 Abs. 1 Nr. 7 GüKG werden nicht mehr angewendet. Darunter fällt beispielsweise die Nachbarschaftshilfe und die Beförderung im Rahmen eines Maschinenrings e. V..

Ausnahme: Auf Betreiben von BLU, BMR und DBV mit Unterstützung der LWK Niedersachsen wurde Anfang 2017 eine wichtige Ausnahme von der Mautpflicht in § 1 Absatz 2 Ziffer 6 BFStrMG aufgenommen. Danach sind landwirtschaftliche Fahrzeuge im geschäftsmäßigen Güterverkehr mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit (bbH) von maximal 40 km/h nach beiden Alternativen generell ausgenommen (gilt ab dem 1. Juli 2018).

Die neue Auslegung des BAG führt aber dazu, dass auch lof-Fahrzeuge von Landwirten, soweit sie mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 40 km/h die mautpflichtigen Straßen nutzen, mautpflichtig sind. Da dies nicht dem Willen des Gesetzgebers entspricht, werden Lösungen gesucht, die den bisherigen Stand der Ausnahmeregelungen in diesem Punkte wiederherstellt. Ob dies bis zum 1. Juli gelingt, ist offen. Da für die Mautbefreiung das Motorfahrzeug maßgebend ist, gilt die Empfehlung alle Schlepper, die für Beförderungen auf mautpflichtigen Straßen eingesetzt werden, auf eine bbH von 40 km/h zu drosseln.

Wie hoch ist die Maut
Die Höhe der Maut ist abhängig von der auf mautpflichten Bundesautobahnen und Bundesstraßen zurückgelegten Streckenkilometer. Bei der Berechnung wird die Anzahl der Achsen des Fahrzeugs oder der Fahrzeugkombination berücksichtigt. Aktuell gibt es vier Achsklassen, die von zwei bis fünf oder mehr Achsen reichen. Bei der Berechnung werden auch Liftachsen stets mitgerechnet. Weiterhin geht in den Mautsatz auch die Emissionsklasse des Fahrzeugs ein. Da in der Landwirtschaft oftmals ältere Lkws oder Traktoren eingesetzt werden, führt dies zu hohen Mautsätzen. Denn je schlechter die Emissionsklasse, desto höher ist die Maut. Da bei vielen Traktoren die Emissionsklasse laut Zulassungsbescheinigung nicht bekannt ist, werden diese automatisch in die schlechteste Klasse eingestuft und das führt zu hohen Mautsätzen. So kann im schlechtesten Fall bei einer Fahrzeugkombination von mindestens fünf Achsen ein Mautsatz von 21,8 Cent je Streckenkilometer fällig werden. Ist die Emissionsklasse in der Zulassungsbescheinigung Teil I unter der Ziffer 14. bzw. 14.1 eingetragen, passen diese Angaben aber aktuell nicht zu der vom BAG veröffentlichen Leitfaden zur Ermittlung der Schadstoffklassen und daher muss wohl erst eine Abfrage beim Kraftfahrtbundesamt für Klarheit sorgen.

Wie kann die Maut bezahlt werden
Die Betreibergesellschaft Toll Collect GmbH bietet hierfür mehrere Möglichkeiten an:
• Automatische Einbuchung per Fahrzeuggerät (On-Board-Unit) nach Registrierung bei der Betreibergesellschaft Toll Collect und Einbau des Gerätes in das mautpflichtige Fahrzeug. Das OBU wird von Toll Collect kostenlos zur Verfügung gestellt und der Halter des Fahrzeugs übernimmt die Kosten für den Einbau. Beim Einbau eines OBU bei Traktoren kann es zu Problemen kommen, da die Schlepper vielfach keine entsprechende Vorrüstung für diese Geräte haben.
• Manuelle Einbuchung per Toll-Collect-App.
• Online-Einbuchung unter www.toll-collect.de sowohl auf stationären PCs als auch mobil auf Tablets und Smartphones.
• Manuelle Einbuchung an rund 1.100 Mautstellenterminals, die an großen Tankstellen, Autohöfen und Rastplätzen stehen

Verantwortlich für die Mautentrichtung ist der Eigentümer oder Halter des Kfz, die Person, die über den Gebrauch des Kfz bestimmt, der Fahrer, die Person, auf die das Kfz zugelassen ist oder die Person, der das Kennzeichen des Kfz zugeteilt ist, wobei mehrere Mautschuldner als Gesamtschuldner haften. Kann bei einer Kontrolle die tatsächlich zurückgelegte Strecke nicht ermittelt werden, so wird pauschal eine Wegstrecke von 500 km nacherhoben. Darüber hinaus hat der Gesetzgeber bei Mautverstößen ein Bußgeld bis zu 20.000 € vorgesehen. Neben den Kontrollsäulen wird die Maut vor allem bei Vor-Ort-Kontrollen durch das BAG überprüft.
Weitere Informationen zur Maut sind bei www.bag.bund.de und www.toll-collect.de zu finden. Bei Toll Collect besteht auch die Möglichkeit Fahrzeuge, die dauerhaft nicht der Mautpflicht unterliegen, in die Liste der nicht mautpflichtigen Fahrzeuge eintragen zu lassen. Nach aktuellen Erfahrungen ist diese Mautbefreiung allerdings wenig hilfreich, da sie nicht rechtsverbindlich ist und bei Kontrollen das BAG oftmals eine Mautpflicht erteilt.

Fazit
Aufgrund der in der Vergangenheit wechselnden Auskünfte zur Maut seitens des Bundesamts für Güterverkehr und den aktuellen Entwicklungen, können leider keine absoluten Aussagen zur Maut für die Land- und Forstwirtschaft getroffen werden. Es ist davon auszugehen, dass es weitere Änderungen und Anpassungen geben wird. Die nächste Änderung zur Maut ist schon beschlossen: Anfang 2019 wird nicht mehr die Anzahl der Achsen, sondern das zulässige Gesamtgewicht der Fahrzeuge berücksichtigt. Feststeht: die Maut kommt zum 1. Juli auf allen Bundesstraßen. Für alle Lkw-ähnlichen Fahrzeuge wird die Maut fällig sein. Landwirte und Lohnunternehmer die mautfrei fahren wollen, sollten ihre Schlepper auf 40 km/h drosseln.
Text: Martin Vaupel Landwirtschaftskammer Niedersachsen

 

„Wölfe in der Küstenregion sind nicht vereinbar mit der Weidehaltung“

„Wölfe in der Küstenregion sind nicht vereinbar mit der Weidehaltung“, betonte Manfred Ostendorf, Geschäftsführer der Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland, am Samstag, den 12.5.2018 in Stadland. Rund 300 Landwirte, Schäfer und Pferdezüchter hatten sich am Deich versammelt, um gegen den Wolf zu demonstrieren.
Hunderttausende Rinder oder Tausende von Schafen müssten im Stall bleiben und es gäbe keine Weidemilch mehr, wenn der Wolf sich weiter ausbreitet. Wenn sich erst ein ganzes Wolfsrudel bildet, dann ist es zu spät. Demnach fordern das Landvolk auch die Landfrauen, die Deichverbände und die Schafzüchter eine wolfsfreie Zone und klare Regelungen.
Die Deichverbände sind in Sorge um den Küstenschutz, der ohne Schafe an den Deichen in Gefahr gerate. Wolfssichere Zäune gibt es nicht und die Errichtung von wolfsabweisenden Zäunen würde allein in den Landkreisen Friesland und der Wesermarsch über 300 Millionen Euro kosten!

 

Kundgebung „Wolfsfreie Zonen – Zum Schutz unserer Weidetiere“

Die Kreislandvolkverbände, Deichverbände und Kreislandfrauenverbände Friesland und der Wesermarsch sowie der Landesschafzuchtverband Weser-Ems rufen zu einer gemeinsamen Kundgebung „Aktives Wolfsmanagement in Weidegebieten“. Diese Kundgebung findet statt am Samstag, den 12. Mai 2018 um 10.30 Uhr an der Küstenschutzhalle des II. Oldenburgischen Deichbandes, im Kreis Wesermarsch, direkt am Jadebusendeich.
Der Wolf als Raubtier ist mit einer ausgeprägten Weidehaltung in unseren Grünlandregionen entlang der Küste und Schafhaltung an den Deichen nicht vereinbar. Wolfssichere Zäune gibt es nicht und die Errichtung von wolfsabweisenden Zäunen würde allein in den Landkreisen Friesland und der Wesermarsch über 300 Millionen Euro kosten und wäre mit nicht leistbaren, zukünftigen Unterhaltungsaufwendungen verbunden. Unser Protest richtet sich sowohl an die Politik, als auch an die unverblümte Willkommenskultur innerhalb der Gesellschaft. Sollte sich der Wolf in unseren Weidegebieten mit etabliertem Weidemilchprogramm ansiedeln, zum Beispiel durch Rudelbildung, wäre das zwangsläufig das Aus für hunderttausende von Weidetieren auf den Weiden in den Sommermonaten. Milchkühe, Rinder, Schafe und zahlreiche Pferde müssten allesamt im gesamten Sommer im Stall bleiben um sie letztendlich zu schützen. Das wollen wir nicht!
Wir wollen unsere Grünlandflächen auch weiterhin zur typischen Weidehaltung nutzen können. Unsere Weidelandschaft als besondere Kulturlandschaft, auch für den gesamten Tourismus entlang der Küste, liegt uns am Herzen. Wir wollen die ungehinderte Verbreitung des Wolfes in klassischen Weidegebieten stoppen, dafür brauchen die Weidehalter wolfsfreie Zonen und klare Regelungen auf Kreis-, Landes-, Bundes- und EU- Ebene. Dafür steht unsere Kundgebung.
Auch die Deichbände sind in großer Sorge um den Küstenschutz, der ohne Schafe an den Deichen in Gefahr gerät. Die Deichschäfer haben Angst vor Wolfsübergriffen, die es schon wiederholt in der Wesermarsch gegeben hat. Alle, die den Erhalt der Weidehaltung in unserer Region wollen, sind aufgerufen an unserer Kundgebung teilzunehmen. Wir glauben, dass vielen in der Gesellschaft die Gefahren der Wolfsverbreitung in Weidegebieten noch nicht bewusst sind, auch dafür soll unsere Kundgebung dienen. Wir wollen zum Nachdenken anregen und für unsere Positionen werben.

 

Zukunftstag 2018

Am 26. April 2018 fand der Zukunftstag für Schüler statt. 11 interessierte Schüler hatten sich für einen Tag auf dem Betrieb Folkertsma in Jever angemeldet. Die Berufsschüler der BBS Varel hatten für die Schüler ein tolles Programm vorbereitet.
Der Tag begann um 7.30 Uhr mit dem Melken. Einige Schüler waren noch etwas eingeschüchtert von den großen Tieren. Anschließend ging es zu den Kälbern, die auf ihre Milch warteten. Als diese Aufgabe auch erledigt war, folgte das Frühstück für die Schüler.
Den Vormittag verbrachten die Schüler an verschiedenen Stationen, an denen die Berufsschüler zu verschiedenen Themen tolle Aufgaben vorbereitet hatten. Neben dem Einstreuen der Kälber, über Hoftruck fahren und Pflanzenbestimmung, waren die Trecker ein absolutes Highlight für die Kinder. Es war für alle etwas dabei!
Mittags wurde zum Abschluss gemeinsam gegrillt. Die Berufsschüler hatten im Vorfeld einige Sponsoren gewinnen können, um die Verpflegung der Kinder zu gewährleisten. Einige der Schüler sind sich nun sicher, dass die den Beruf Landwirt erlernen möchten!

Auf dem Betrieb von Hilmar Beenken waren auch drei Mädels im Einsatz. Zwei Schülerinnen waren im Rahmen eines Wochenpraktikums der Elisa-Kauffeld-Schule Jever auf dem Betrieb, eine Schülerin war “nur” für den Zukunftstag gekommen. Auch hier standen Aufgaben wie Kälber einstreuen, Kälber füttern, Trecker fahren und Kühe füttern auf dem Programm. Für alle drei war es ein toller und interessanter Tag. Alle waren sich jedoch einig, dass sie den Beruf Landwirtin nicht erlernen wollen. Für eine Schülerin stand fest, dass sie Köchin werden möchte, eine weitere möchte zunächst ihr Abitur machen und dann weiterschauen.
Bilder sind hier zu finden!

 

Bericht zum Thema Glyphosat


(Quelle: Jeversches Wochenblatt, 13.3.2018)

 

Jahreshauptversammlung 2018 in Jever

Am 5. März 2018 fand die Jahreshauptversammlung im Schützenhof Jever statt. Hartmut Seetzen begrüßte ca. 120 Gäste und Ehrengäste und gab einen kurzen Rückblick auf das vergangene Jahr 2017.
Durch gute und politische Arbeit und einen pragmatischen Wirtschaftsminister konnte die Umsetzung des Wassergesetzes verhindert werden, somit sind nun statt fünf Meter Randstreifen nur ein Meter Randstreifen erforderlich.
Die neue Düngeverordnung wurde trotz vieler Gespräche bis ins Bundesministerium so beschlossen, dass Futterbaubetriebe, egal ob extensiv oder intensiv gewirtschaftet wird, damit nicht nachhaltig wirtschaften können. Durch Zahlen und Fakten soll nun auf den Missstand der Futterbaubetriebe aufmerksam gemacht werden und somit eine Änderung des Gesetzes einfordern. Bei Grundwasser unter Grünland gibt es kein Nitratproblem.
Der Wolf war nun auch nachweislich in Friesland. Wie in der Wesermarsch, ist auch in Friesland ein Einzäunen durch die klein strukturierten Flächen nicht möglich. Olaf Lies wurde diese Thematik in einer kleinen Arbeitsgruppensitzung sehr deutlich vermittelt. Auch auf Kreisebene wird dieses Thema mit verschiedenen Interessengruppen bearbeitet.
Nach Vorgabe der EU mussten benachteiligte Gebiete neu definiert werden, demnach ist Friesland ein benachteiligtes Gebiet. Grund hierfür sind die hohen Wasserstände, klein strukturierte Flächen, viele Entwässerungsgräben und viel absolutes Grünland. Die Ausgleichszahlungen wurden für 2018 von Frau Otte-Kinast aufgrund von Geldmangel eingestellt. Hartmut Seetzen sagt: „Dies ist für uns inakzeptabel!“ Für 2019 wird die Forderung gestellt, die Ausgleichszahlungen wieder im Haushalt einzustellen.
Es folgte ein Gastvortrag von Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung aus Berlin, zum Thema „Alles eine Vertrauensfrage? Landwirtschaftliche Produkte zwischen Verbraucherwahrnehmung und Wissenschaft“. In der Kritik steht immer wieder der Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft. Kritiker moderner Landwirtschaft weisen auf Gifte hin, die sich in der Umwelt und Nahrung befinden und aus der Landwirtschaft stammen. Hensel klärte jedoch in seinem Vortrag auf. „Nach derzeitiger wissenschaftlicher Kenntnis ist bei bestimmungsgemäßer und sachgerechter Anwendung von Glyphosat kein krebserregendes Risiko für den Menschen zu erwarten“, sagte er.
Hensel berichtete über die vielen verschiedenen Lebensmittel-Krisen. Als Ursachen für Lebensmittelkrisen nennt Hensel Verunreinigungen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse, Irreführung der Verbraucher und vor allem die öffentliche Wahrnehmung. Besonders durch die Öffentlichkeit werden viele Themen unnötig aufgebauscht und werden somit als Krise wahrgenommen, obwohl kein Grund zur Sorge besteht. Jährlich gibt es rund 3.000 Risikobewertungen, aber nur bei Glyphosat und Gentechnik gibt es Kritik in der Öffentlichkeit. Die Landwirte handeln jedoch nach dem Motto: Erst die Dosis macht das Gift.
Seit über 40 Jahren wird Glyphosat in der Landwirtschaft eingesetzt und es gibt bisher keinen einzigen Hinweis auf schädliche Nebenwirkungen für den Menschen, es ist noch nicht einmal besonders giftig. „Die Messanalytik ist heute so präzise, dass der Eindruck entsteht, es wimmelt nur so vor Giften“, sagt Hensel. Somit eine rein subjektive Wahrnehmung.
Das Streitthema Glyphosat ist eine rein politische und keine wissenschaftliche Frage. Wissenschaftlich ist die Sache geklärt und es steht fest, dass Glyphosat nicht krebserregend ist, was nicht in die politische Agenda passt.
Bei Themen, die zur Beunruhigung der Lebensmittelsicherheit führen, stehen Antibiotikaresistenzen an erster Stelle, gefolgt von Chemikalien in Lebensmitteln und Reste von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln.
Bei der Zulassung von Pestiziden wird festgelegt, wie viel Rückstände zu erwarten sind. Diese Rückstände sind reguliert und sicher. 2/3 der Menschen denken, dass Lebensmittel, die mit Pestiziden erzeugt wurden, nicht gesund sind. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln werden sogar als illegal angesehen.
Hensel gibt jedoch zu bedenken, dass der Körper darauf ausgelegt ist sich mit giftigen Stoffen auseinanderzusetzen. Schon bei der Entstehung des Menschen musste der Körper sich auf den „giftigen Stoff“ Sauerstoff einstellen.
Prof. Dr. Dr. Hensel sieht zwei große Probleme: zum einen verstehen Menschen statistische Informationen nicht und zum Anderen verstehen Menschen ihre Ängste nicht (mangelnde psychologische Bildung).
Fazit war, dass sich bestimmte Themen, die potentiell viele Betroffene haben oder potentiell hohen Schaden anrichten, eher dazu geeignet sind, medial die Alarmglocken schrillen zu lassen. Diese Themen sind jedoch nicht immer die Themen, die aus wissenschaftlicher Sicht tatsächlich ein gesundheitliches Risiko darstellen. Ursache dafür ist das komplexe Zusammenspiel zwischen der Wissenschaft, den Medien und der Politik (Selektionskriterien). Unterschiede in der Risikowahrnehmung können nur angenähert, nicht aufgehoben werden.


v.li.: Manfred Ostendorf, Hartmut Seetzen, Prof. Dr. Dr. Hensel

 

Neujahrsempfang 2018

Zum Neujahrsempfang am 29. Januar 2018 im Tivoli in Varel war es den Kreislandvolkverbänden Wesermarsch und Friesland gelungen Barbara Otte-Kinast (Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) und Björn Thümler (Minister für Wissenschaft und Kultur), beide Minister der neuen niedersächsischen Landesregierung, gewinnen zu können. Knapp 300 Gäste waren der Einladung gefolgt.
Nach dem Sektempfang eröffneten die Vorsitzenden Hartmut Seetzen und Dr. Karsten Padeken die Veranstaltung und begrüßten insbesondere die Ministerin für Landwirtschaft Barbara Otte Kinast und den Minister für Wissenschaft und Kultur Björn Thümler. In ihrer Eröffnungsansprache sprachen die Vorsitzenden viele aktuelle Themen an und formulierten klare Forderungen an die Politik. Es folgte ein Grußwort des Landrats des Landkreises Wesermarsch Thomas Brückmann.
Herr Brückmann stellte zu Beginn seiner Ausführungen fest, dass Landwirte für klare Worte stehen, und auch wenn es mal unangenehm sein kann, kann die Politik gut damit umgehen. Im Weiteren ging er auf die Gänseproblematik ein, die die Landkreise Friesland und Wesermarsch bewegen. Hier wurden unbürokratische Lösungen gesucht um den betroffenen Landwirten zu helfen. Ein weiteres Thema war der Wolf. Der Wolf hat beide Landkreise erreicht und es gab bereits einige Risse von Schafen. Die besondere Situation der Marsch mit den vielen Grünlandflächen mit weidenden Rindern muss berücksichtigt werden. Eine wolfssichere Einzäunung ist allein bei 160 km Deichlinie und 20.000 km Gewässer in der Wesermarsch unmöglich zu realisieren. Herr Brückmann sagte: „Entschädigungen sind nicht ausreichend, es muss wolfsfreie Zonen in Niedersachsen geben.“
Es folgte die Rede der Ministerin für Landwirtschaft in Niedersachsen, Barbara Otte-Kinast. Der hohe Grünlandanteil der Region ist für Frau Otte-Kinast besonders bemerkenswert und auch die hohen Leistungen der Betriebe. Sie sagt: „Die Landwirtschaft muss wieder in die Mitte der Gesellschaft rücken. Daran kann Politik mit guter Arbeit mitwirken, aber auch jeder Einzelne mit seiner aktiven Arbeit vor Ort.“ Im Weiteren ging die Ministerin auf das Thema Tierschutz ein. Wichtig ist ihr ein Tierschutz nach Augenmaß. Es reicht nicht im Tierschutz schnell große Schritte zu machen, wenn es dann keine Tierhaltung mehr in der Fläche gibt, zudem muss auch die Bürokratie für den Landwirt beherrschbar bleiben.
Milchwirtschaft ist ein großer Schwerpunkt in Niedersachsen. Die finanziellen Herausforderungen für die Landwirte sind enorm und die vielschichtigen Gründe für Preisschwankungen tragen dazu bei. Es gibt kein einzelnes Instrument um den Milchmarkt zu leiten. Es bedarf einer Vielzahl von Maßnahmen die Milchwirtschaft zu unterstützen. Hierzu gehört insbesondere die Wirtschaftsförderung, Fortführung des Weidemilchprogrammes, Stärkung der Biomilcherzeugung und der regionale Absatz.
Die Gefahr der afrikanischen Schweinepest ist real und das Ministerium bereitet umfangreiche Maßnahmen zur Prävention vor.
Frau Otte-Kinast sagt zu, dass AFP überarbeitet wird, Inhalte verändert werden, um das finanzielle Volumen zu steigern. Die Obergrenzen müssen wieder auf das Bimsch Niveau angehoben werden. Die Förderung von Silageplatten und Lagerraum für Gülle soll erweitert werden. Mit den neuen Anforderungen durch die Düngeverordnung können die Landwirte nicht allein gelassen werden.
Die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete (Grünlandprämie) wurde gestrichen. Die für 2017 beantragten Mittel werden in 2018 ausgezahlt, jedoch ist eine weitere Finanzierung der Maßnahme nicht gesichert. Die Landesregierung plant ein neues Programm zu entwickeln.
Im Anschluss folgte Björn Thümler. Auch sein Amt ist sehr verbunden mit der Landwirtschaft in Niedersachsen. Er schnitt das Thema Wolf kurz an und ist der Meinung, dass der Wolf nicht in jede Region gehört. Es muss wolfsfreie Gebiete in Deutschland geben. Dies ist auch in anderen Ländern der EU wie z.B. Schweden oder Finnland möglich.
Im Weiteren spricht der Minister die Forschung bezüglich multiresistenter Keime, die in Niedersachsen ausgebaut werden muss, an. Die Landwirtschaft ist nicht der Hauptverursacher dieses Problems und somit muss es an dieser Stelle eine wissenschaftliche Aufarbeitung geben. Ebenso wie beim Thema Biodiversität bzw. Artenvielfalt fordert der Minister, dass es in Zukunft eine Ursachenforschung gibt, da die Landwirtschaft auch an diesem Problem nicht alleine schuld ist.
Zuletzt spricht Björn Thümler noch das Grünlandzentrum an, welches er selber mit aufgebaut hat. Er ist sich ganz sicher, das Grünlandzentrum muss und wird sich weiter entwickeln. Eine enge Zusammenarbeit mit allen Einrichtungen in Niedersachsen, die sich mit Ernährung und Wissenschaft beschäftigen wird angestrebt.
In einer abschließenden Diskussionsrunde kam das Thema Kaltbrand auf. Frau Otte-Kinast war nicht bewusst, dass dieses Thema für die Landwirte noch aktuell ist und lud einige Landwirte zu einem persönlichen Gespräch nach Hannover ein, um für dieses Problem eine Lösung zu finden.
Auf Nachfrage der Landfrauen berichtete sie auch über den Sachstand des geplanten Kompetenzzentrums für Hauswirtschaft und Ernährungsfragen in Niedersachsen.
Abschließend forderte die Ministerin alle Landwirte auf sich zu jeder Zeit mit Problemen, Ideen und Anregungen an sie zu wenden.
Dieser gelungene Abend klang gemütlich bei einem Glas Bier aus.

Weitere Fotos der Veranstaltung finden Sie hier.

Havarie bei der Güllelagerung
Aufgrund der hohen Niederschlagsmengen in den Monaten September, Oktober und November und der damit verbundenen Nichtbefahrbarkeit der Flächen rechnen wir bei vielen Betrieben mit einer akuten Notlage im Bereich der Güllelagerung. Nach dem Wasserhaushaltsgesetz kann gemäß § 8 i.V. mit § 100 die zuständige untere Wasserbehörde bei den Landkreisen nach pflichtgemäßen Ermessen Maßnahmen im Interesse der allgemeinen Gefahrenabwehr anordnen, um Beeinträchtigungen des Wasserhaushaltes zu vermeiden oder zu beseitigen. Dies würde beim Drohen eines Überlaufens eines Güllebehälters oder Güllekeller eintreten (Gefahr im Verzug). Wir haben diesbezüglich bereits in der letzten Woche Kontakt mit den jeweiligen unteren Wasserbehörden, Herrn Meyer im Landkreis Friesland und Herrn Griepenstroh im Landkreis Wesermarsch, aufgenommen. Somit ist den Landkreisen auch bekannt, dass sie in diesem Zusammenhang zuständig sind. Seitens der Landkreise wird eine enge Abstimmung mit der Düngebehörde der Landwirtschaftskammer Niedersachsen erfolgen. In einer entsprechenden Notsituation sollten Sie daher Kontakt mit ihrer unteren Wasserbehörde beim jeweiligen Landkreis aufnehmen. Diese kann dann in Zusammenarbeit mit der Düngebehörde im Einzelfall Genehmigungen mit spezifischen Auflagen aussprechen. Wir gehen davon aus, dass ein Vertreter des Landkreises und ein Vertreter der Düngebehörde vor Ort die Situation in Augenschein nehmen werden. Die gesamte Lagerraumsituation und die Dringlichkeit werden bei dem Vor-Ort-Termin im Vordergrund stehen. Wenn nachweislich keinerlei Möglichkeiten bestehen, Gülle in anderen Betrieben zeitweise unterzubringen, können die Landkreise provisorische Erdlager oder Ausbringung auf den Flächen unter Auflagen zulassen.

Als Anlage haben wir den neuesten Erlass des Umweltministeriums vom 14.12.2017, der an alle unteren Wasserbehörden der Landkreise gegangen ist, beigefügt. Hier sind alle Auflagen, die die Landkreise aussprechen können, im Zusammenhang mit der Zulassung von Ausbringung von Flächen aufgeführt. Im Zusammenhang mit der Prüfung von Lagermöglichkeiten in Nachbarbetrieben inklusive von zuletzt nicht mehr genutzten Kapazitäten in Altgebäuden hat der Landesverband Landvolk Niedersachsen am Mittwoch mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen vereinbart, dass hier die Bezirksstellen der Landwirtschaftskammer die Erfassung solcher freien Kapazitäten ab sofort übernehmen.
Wir bitten daher Mitglieder, die noch über freie Kapazitäten verfügen bzw. über leerstehende Güllebehälter oder über leerstehende Güllekeller, solche Kapazitäten umgehend direkt bei der Landwirtschaftskammer, Bezirksstelle Außenstelle Oldenburg-Nord, unter der Nummer 0441/340 10154 oder per E-mail: renko.eilts@lwk-niedersachsen.de zu melden. Dieses Verfahren ist unter anderem auch daher wichtig, damit nachweislich auch alle Möglichkeiten der Umlagerung ausgeschöpft wurden, bevor Sonderregelungen getroffen werden können.
Neben der Ausbringung haben wir auch mit beiden Landkreisen über die Möglichkeit der Herstellung von provisorischen Erdbecken gesprochen. Auch diese Möglichkeit kann der Land-kreis im Einzelfall mit entsprechenden Auflagen zulassen. Wir gehen derzeit davon aus, dass provisorische Erdbecken, mit doppelter Silofolie ausgelegt, als ausreichend anerkannt werden.

Erlass 1
Erlass 2
Erlass 3

“Landvolk im Dialog”
Insgesamt sechs Veranstaltungen „Landvolk im Dialog“ fanden in diesem Herbst in der Wesermarsch und Friesland statt. Das Konzept der Bezirksversammlungen wurde in diesem Jahr durch den Vorstand ein wenig umgestellt. Die Veranstaltungen fanden vormittags in der Zeit von 10.30 bis 12.30 Uhr statt. Bei Kaffee, Tee und belegten Brötchen wurde in lockerer Atmosphäre über aktuelle Themen berichtet und diskutiert. Es wurde über Themen, wie den aktuellen Stand der Märkte, politische Entwicklungen, Aktionsbündnis Wolf, die neue Düngeverordnung, der Entwurf „Knigge für Landwirte“, sowie regionale Themen diskutiert. Sehr positiv fiel die rege Beteiligung der Mitglieder an den Diskussionen auf. Somit werden die Bezirksversammlungen auch in Zukunft am Vormittag stattfinden.

Der „Knigge für Landwirte“ ist zunächst ein Entwurf, der auf den nächsten Jahreshauptversammlungen diskutiert und eventuell verabschiedet werden soll. Anregungen und Verbesserungsvorschläge nehmen wir gerne entgegen!
Berichte in der NWZ:
ENTWURF
Knigge für Landwirte
Die Natur- und Kulturlandschaft ist Grundlage für unser Wirtschaften. Daher sind nachfolgende Punkte besonders wichtig:
• Halte Abstände zu Gewässern und Wegen.
• Achte auf die Bodenbefahrbarkeit.
• Nutze angemessene und schonende Landtechnik.
• Setze Dünger und Pflanzenschutzmittel nur nach Bedarf ein.
• Beachte Sperrfristen und Wetterlagen (Hitze oder Starkregen) bei der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern.
• Keine Gülleausbringung an Sonn- oder Feiertagen
• Achte auf die Bodenfruchtbarkeit und möglichen Fruchtfolgen
Durch gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr können Konflikte und Unfälle vermieden werden:
• Reduziere die Geschwindigkeit in Ortschaften, große Maschinen wirken bedrohlich auf andere Verkehrsteilnehmer.
• Säubere verschmutzte Straßen und Zuwegungen und schildere sie ordnungsgemäß aus.
• Achte stets auf eine funktionierende und erkennbare Beleuchtung, sowohl am Schlepper als auch an allen Anhängegeräten.
• Beachte die Nachtruhe und Wochenendzeiten.
• Meide wenn möglich Schulen, Kindergärten oder Engpässe mit hohem Verkehrsaufkommen.
• Versuche Ernteeinsätze an Siedlungen und Wohngebieten während des Tages durchzuführen.
Die Gesellschaft erwartet eine transparente Lebensmittelerzeugung:
• Der Hof und die Ställe sollten ordentlich aufgeräumt und sauber sein.
• Achte auf Tierschutz – selbstverständlich gibt es immer wieder kranke Tiere im Bestand. Entscheidend ist, dass sie, wenn erforderlich, medizinisch behandelt und angemessen versorgt werden.
• Halte Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen ein
• Medikamente und Pflanzenschutzmittel sollten sicher verwahrt werden.
• Bedenke, Melkstand und Milchkammer sind das Aushängeschild eines Milchviehbetriebes.
Verbraucher haben ein großes Interesse an der Landwirtschaft und oftmals auch an deren Entwicklung:
• Beziehe Deine Nachbarn und Dein Umfeld in Deine Betriebsentwicklung und Arbeitsabläufe ein.
• Erkläre Deinen Mitmenschen bei Bedarf die Zusammenhänge, warum, was wie passiert.
• Engagiere Dich in der Öffentlichkeit, soweit es Familie und Betrieb zulässt.
• Zeige, was Du machst, was Du nicht zeigen kannst, sollst Du auch nicht machen.
• Lass Dich nicht von Reportern überfallen; biete ihnen einen Termin zum Gespräch.
• Beziehe nur Stellung zu Themen, über die Du Bescheid weißt, andere Themen können abgelehnt werden.
• Verweise unrechtmäßige Besucher oder Medienvertreter freundlich des Hofes.

Tierärzte bilden sich fort zum Thema “Paratuberkulose” bei Rindern

Paratuberkulose
Tierärzte zur “Paratuberkulose”-Fortbildung auf dem Betrieb von Hartmut Seetzen

Am 10. November 2017 fand eine Fortbildung für Tierärzte des Niedersächsischen Paratuberkulose-Verminderungsprogrammes zum Thema “Biosicherheit im Fokus – Beratung durch den Hoftierarzt“ auf dem Betrieb von Hartmut Seetzen in Varel-Neuenwege statt. Es war Ziel dieser Fortbildung, den Tierärzten das Wissen um die Vermeidung eines Ausbruchs und einer Verbreitung der Paratuberkulose zu vermitteln, um die Landwirte besser beraten und unterstützen zu können.
Im Jahr 2016 wurde in Niedersachsen das Paratuberkulose-Bekämpfungsprogramm gestartet, um das Vorkommen der Paratuberkulose in Rinderbeständen zu reduzieren. Das Programm wurde von der Niedersächsischen Tierseuchenkasse in Zusammenarbeit mit dem Land Niedersachsen erarbeitet, wobei auch Vertreter des LAVES, der kommunalen Veterinärbehörden, der Landwirtschaftskammer, der Tierärztekammer, der Tierärztlichen Hochschule Hannover und der Landwirtschaftsverbände beteiligt waren.
Die Paratuberkulose ist eine entzündliche Darmerkrankung, die vornehmlich bei Wiederkäuern, aber auch bei anderen Tierarten vorkommt und weltweit verbreitet ist. Sie wird durch den Erreger Mycobacterium avium subspecies paratuberculosis (MAP) verursacht und ist in Deutschland eine meldepflichtige Erkrankung. Für die Verbreitung von Bestand zu Bestand ist im Wesentlichen der Handel mit infizierten, aber noch nicht erkrankten Tieren verantwortlich. Paratuberkulose ist nicht heilbar. Wenn es den Bakterien gelingt, die Körperabwehr zu überwinden, entwickelt sich die Krankheit langsam über mehrere Jahre, bis die Rinder abmagern und schließlich verenden. Wirtschaftliche Verluste entstehen durch eine reduzierte Milchleistung und Fruchtbarkeit der Milchkühe, vorzeitige Tierabgänge und Minderzunahmen bei Fleischrindern bis hin zum vollständigen Verlust des Schlachtwertes. Rinderhalter können ihre Herde auf das Vorhandensein des Erregers testen lassen. Von der Krankheit betroffene Rinderbestände sollten sich dem freiwilligen Bekämpfungsprogramm anschließen.Seit 1. November gilt in Niedersachsen die Pflicht alle Rinder über 24 Monate einmal im Jahr auf Para-Tuberkulose untersuchen zu lassen.
Was kommt auf die Tierhalter zu?
Alle Zuchtrinder über 24 Monate sind anhand von Einzelblut- und Einzelmilchproben oder von Bestandsmilchproben zu untersuchen. Dafür werden die Proben verwendet, die ohnehin zur Untersuchung auf das „Bovine Herpesvirus Typ 1″ (BHV1) entnommen werden müssen. Ausgenommen von der Untersuchungspflicht sind die Zuchtrinder von Mutterkuhbeständen.
Einzelproben sind im Abstand von maximal zwölf Monaten, Bestandsmilchproben im Abstand von drei bis neun Monaten zu untersuchen. Weist die Bestandsmilch ein fragliches oder positives Ergebnis auf, müssen alle über 24 Monate alten Zuchtrinder des Bestandes innerhalb von zwei Monaten in einer Einzelprobe untersucht werden. Der Tierhalter muss die Untersuchungsergebnisse spätestens 14 Tage nach Erhalt der zuständigen Veterinärbehörde schriftlich mitteilen. Es ist vorgesehen, dass diese automatisch von der Untersuchungseinrichtung an die Datenbank „Herkunftssicherungs- und Informationssystem Tiere” (HIT) übertragen werden. Kommt es bei der Einzeltieruntersuchung zu positiven Ergebnissen, muss der Tierhalter zusammen mit dem Tierarzt einen Hygieneplan erstellen. Dieser ist binnen eines Jahres auf dessen Wirksamkeit zu kontrollieren und eventuell zusammen mit dem Tierarzt anzupassen. Die niedersächsische Tierseuchenkasse übernimmt die Kosten für Probennahme und Laboruntersuchungen, die laut Verordnung vorgeschrieben sind. Die Kosten werden je zur Hälfte vom Land und von der Tierseuchenkasse getragen. Bei einem positiven Paratuberkulose-Befund werden auch die Kosten für die Biosicherheitsberatung übernommen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, am Paratuberkulose-Verminderungsprogramm der Tierseuchenkasse teilzunehmen, dass auch die Entfernung positiv getesteter Tiere mit einer Beihilfe versieht. Die Verordnung gibt vor, dass zur Zucht vorgesehene und über 24 Monate alte Rinder lediglich dann in einen Rinderbestand mit Zuchttieren eingestellt werden dürfen, wenn maximal zwölf Monate vor dem Einstellen bei einer Einzeltieruntersuchung keine Paratuberkulose festgestellt worden ist.
Hauptsymptome sind anhaltende Durchfälle und eine fortschreitende Abmagerung der Tiere. Infizierte Rinder zeigen aufgrund der langen Inkubationszeit lange Zeit keine typischen Auffälligkeiten wie massiven unstillbaren Durchfall oder Abmagerung. Jedoch scheiden sie den Erreger bereits vor Auftreten der ersten Krankheitssymptome in großem Ausmaß über den Kot sowie während der klinischen Phase auch über Milch und das Kolostrum aus. Das Infektionsrisiko ist sehr hoch.
Die Ansteckung erfolgt meistens im Kälberalter über die Aufnahme von Futter und Wasser, das mit dem Kot infizierter Tiere verschmutzt ist. Ganz entscheidend für die Gesundheit der Rinder ist insbesondere eine gute Kälberhygiene.
Die nun in Kraft tretende Verordnung soll den Gesundheitsstatus in Rinderbeständen verbessern sowie eine mögliche Weiterverbreitung der Paratuberkulose in Zuchtbetrieben vermindern und verhindern.

Ball der Landwirtschaft 2017

Ball der Landwirtschaft

Der 35. Ball der Landwirte mit gut 450 Gästen war wieder einmal Anlass, die Junglandwirte und Hauswirtschafter freizusprechen und einigen bereits die Meisterbreife zu überreichen. Kreislandvolkvorsitzender Seetzen sprach von „stürmischen Zeiten“ für die Landwirtschaft – nicht nur, weil draußen Orkan Herwart aufbrauste, sondern vielmehr noch politisch. Es ist nicht einfach, in diesen Zeiten Landwirt zu sein. Der Druck ist riesig, die Erlöse problematisch, das Ansehen der Landwirte schwierig, der Wandel auf den Höfen enorm. Noch mutiger ist es daher, sich überhaupt erst für den Beruf Landwirt zu entscheiden.
Ausbildungsberater Ralf Minits (LWK Niedersachsen) und Hartmut Seetzen überreichten 24 Landwirten, vier Landwirtinnen und einer Hauswirtschafterin ihre Zeugnisse. Seetzen appellierte sich stets weiterzubilden: „Hört nie auf damit, euch fortzubilden“.  Die Zukunft werde schwieriger und anspruchsvoller für die Landwirte. Nach Meinung von Fachleuten werden überhaupt nur noch 50 bis 60 Prozent der heute bestehenden Betriebe eine Chance haben, von den Erträgen ihrer Höfe leben zu können. Seetzen machte aber auch Mut: „Auch in Zukunft hat die Landwirtschaft Zukunft.“
Hendrik Oeltermann ergriff stellvertretend für die Absolventen der landwirtschaftlichen Ausbildung das Wort: Der Junglandwirt, der auf dem Hof der Janssen GbR in Schenum ausgebildet wurde, hielt die kurze Festrede für die Junglandwirte. Er berichtete in seiner Rede von vielen launigen Erinnerungen bei gemeinsamen Lehrgängen, Abenteuer auf dem Bauernhof und aufregende Stalldienste.

Abschlussprüfung zum Landwirt: Robin Asher (Zetel); Carmen Beck (Bockhorn); Pascal Bründermann (Wangerland); Nikolas Danielmeier (Wiefelstede); Ihno Deichmann (Wangerland); Antje Eilers (Zetel); Cornelius Folkertsma (Jever); Hauke Gerriets (Schortens); André-Pascal Hajen (Jever); Jandra Harms (Wilhelmshaven); Thorsten Heyne (Zetel); Hanke Hobbie (Wangerland); Tim Kohlrenken (Varel); Sebastian Langner (Varel); Ole Lübsen (Wangerland); Michael Minits (Wittmund); Lukas Neunaber (Schortens); Nils Nowatzki (Wilhelmshaven); Hendrik Oeltermann (Schortens); Cai Oltmanns (Varel); Fabian Rahmann (Varel); Tim Schlütemann (Schortens); Tammy Lea Schwiering (Schortens); Johannes Siebert (Schlitz); Florian Ulken (Varel); Hartwig van Lessen (Bunde); Tilo Veith (Wangerland); Marven Warnken (Schortens).
Landwirtschaftsmeister + staatlich geprüfte Betriebswirte: Arne Meinen (Bockhorn); Wilke Nitz (Zetel).
Staatlich geprüfte Betriebswirte: Matthias Janßen; Pieter van der Wielen (beide Wangerland).
Hauswirtschafter: Niklas Seeberg (Jever).
Buch- und Sachpreise: • für gute Leistungen bei der Abschlussprüfung Hauswirtschaft: Niklas Seeberg. • für die Festrede: Hendrik Oeltermann. • für sehr gut geführtes Berichtsheft: Carmen Beck; Hendrik Oeltermann. • für Pflanzenbestimmungswettbewerb: Tammy Lea Schwiering

Besuch des Bauernverbandes Anhalt

Der Bauernverband Anhalt ist Partnerverband des Kreislandvolks Friesland. Am 13. und 14. September 2017 war dieser zu Besuch in der Wasermarsch und Friesland. Zunächst stand die Begrüßung und Vorstellung des Grünlandzentrums Niedersachsen- Bremen in Ovelgönne auf dem Programm. Trotz starkem Wind und Regen folgte eine Hafenrundfahrt im Braker Hafen, sowie ein Besuch in Moorriem. Übernachtet wurde in Varel. Am 14. September 2017 ging es weiter mit der Besichtigung des Milchviehbetriebes der Familie Backhaus in Sande und einem Besuch des Nordseebads Dangast. Mittags ging es dann zurück Richtung Sachsen-Anhalt.

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Der Bauernverband Anhalt zu Besuch in der Wesermarsch und Friesland

Auf die Höfe fertig los – Siemtje Möller beim Politikerpraktikum

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Familie Seetzen mit SPD-Bundestagskandidatin Siemtje Möller

Unter dem Motto „Auf die Höfe fertig los!“ kam am 17.8.2017 im Rahmen eines Hofpraktikums die SPD-Bundestagskandidatin Siemtje Möller auf den landwirtschaftlichen Betrieb von Hartmut Seetzen nach Varel-Neuenwege.
Acht regionale Landvolkverbände, mit insgesamt 28.000 Mitgliedern im Nordwesten Niedersachsens, haben die Initiative „Echt grün – Eure Landwirte“ gebildet, um mit Sachargumenten für einen offenen Dialog zwischen Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft zu werben und direkte Gespräche zu ermöglichen. Die Basis guter und sachlich orientierter Gespräche basiert auf der Kenntnis von Fakten, Zusammenhängen und idealerweise auch auf persönlichen Erfahrungen. Deshalb lud die Initiative „Echt grün – Eure Landwirte“ im Vorfeld der Bundestagswahlen 2017 politische Vertreter auf die Höfe und Betriebe ein. Im Rahmen eines „Hofpraktikums“ gab es die Möglichkeit, den Arbeitsalltag auf einem Hof einmal ganz real mitzuerleben.
In der Zeit von 10 bis 12 Uhr erhielt Siemtje Möller einen kurzen Einblick in die Arbeiten auf einem landwirtschaftlichen Betrieb. Zunächst wurden die Kühe aus dem Stall auf die Weide gelassen. Im Anschluss mussten Kälber eingestreut werden. Siemtje Möller packte sofort mit an, so dass die Arbeit schnell getan war. Weiter ging es bei den Rindern, die mit Kraftfutter gefüttert wurden. Danach kontrollierten Hartmut Seetzen und Siemtje Möller einen Maisacker. Es blieb noch ein wenig Zeit übrig, um noch einen Blick auf und vor allem in die Biogasanlage zu werfen. Dort wird zurzeit saniert, so dass es die Möglichkeit gab einen Behälter von innen zu sehen. Beim abschließenden Mittagessen sagte Siemtje Möller: „Das waren wirklich zwei interessante Stunden, in denen ich viel gelernt habe und einen tollen Einblick in einen landwirtschaftlichen Betrieb bekommen konnte.“
Insgesamt wurden bereits 12 Hofpraktika im Vorfeld der Bundestagswahl fest vereinbart. Noch bis zum Wahltag wird den politischen Vertretern die Gelegenheit geboten, ein Tagespraktikum auf einem Hof Ihrer Wahl zu absolvieren.

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Siemtje Möller beim Füttern der Rinder

“Echt grün – Eure Landwirte”: Neues Plakat in Wilhelmshaven aufgehängt

Plakat Wilhelmshaven

Für die Imagekampagne „Echt grün – Eure Landwirte“ wurden tolle große Plakat erstellt. Eins dieser Plakate hängt nun gut sichtbar an der Autobahn A29 in Wilhelmshaven.
Vielen Dank an Bernd Harms für die Organisation!

Hans-Werner Kammer (CDU) zu Besuch in Dangst

Mit dem Landvolk Friesland und der CDU Friesland (Christel Bartelmei) war Hans-Werner Kammer (CDU), Mitglied des Bundestages, am 12.07.2017 zu Besuch auf dem landwirtschaftlichen Familienbetrieb der Familie Sauer in Dangast. Auf dem Betrieb werden ca. 100 Milchkühe, Rinder und Kälber für die eigene Nachzucht und 60 Hühner gehalten. Im Hofladen werden die eigenen Milchprodukte, sowie Gemüse und Obst verkauft. Zusätzlich vermietet die Familie Sauer Ferienhäuser an Gäste.
Bei einem Betriebsrundgang zeigte Hans-Werner Kammer viel Interesse an der Landwirtschaft und fragt genau nach: „Wird denn hier automatisch gemolken?“ Mit einem Lächeln antwortete Betriebsleiter Hauke Sauer:“ Nein, das müssen wir schon selber machen.“ Im weiteren Gespräch wurden aktuelle Themen der Landwirtschaft angesprochen, wie z.B. die unangemeldeten Kontrollen der Landwirtschaftskammer Niedersachen oder des Veterinäramtes oder die neue Düngeverordnung. Hans-Werner Kammer schätzte den direkten Kontakt mit den Landwirten sehr und möchte sich ganz klar für eine Politik einsetzen, die Landwirte nicht mehr kriminalisiert, sondern ihnen endlich wieder verlässliche Rahmenbedingungen für ihre Zukunft bietet. Zudem soll den Höfen wieder mehr Freiraum gegeben, die Bürokratie abgebaut und vor allem jungen, motivierten Menschen eine Zukunftsperspektive in den landschaftsprägenden Familienbetrieben gegeben werden. „Es muss Schluss damit sein, dass die Landwirte von ständig neuen Auflagen und Regelungen erdrückt werden“, sagte Kammer. Er verspricht sich auch in der nächsten Legislaturperiode für die Landwirte einzusetzen.

Hans Werner Kammer

Abschied von Birgit Luiken

Im Rahmen einer kleinen Feierstunde mit Vorstandsmitgliedern wurde Frau Birgit Luiken am 30. Juni offiziell verabschiedet. Frau Luiken war seit 1995 im Kreisverband Friesland und in den letzten Jahren auch in beiden Kreislandvolkverbänden für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Sie hat mit den Projekten „der Bauernhof als außerschulischer Lernort“, „Lernort Bauernhof“ und „Transparenz schaffen“ ein Stück Geschichte geschrieben. Es wurden Unterrichtskonzepte und Lerninhalte vor Ort entwickelt und landesweit zur Umsetzung gebracht. Auch ihre Pressearbeit war sehr nachhaltig, so dass sie 2014 u.a. den „Landstern“ der Land und Forst Zeitung erhalten hat. Frau Luiken hat auf eigenen Wunsch die Tätigkeit bei uns aufgegeben, um sich zukünftig neuen Herausforderungen zu stellen auch im Bereich der Bildung.
Daher wünschen wir ihr für ihren weiteren Lebensweg alles Gute und sagen noch einmal Danke für ihre geleistete Arbeit.

Abschied Birgit Luiken Homepage

v.li.: Hartmut Seetzen, Birgit Luiken, Dr. Karsten Padeken

Alleinstellungsmerkmal: Löffel

Die TeilnehmerInnen des Workshops “Landwirtschafsbotschafter gesucht” erlebten beim dritten Termin eine Hofführung auf dem “Hof Butendiek” der Familie Cornelius-Bruns in Seefeld. Ausgerüstet mit einem Fragenkatalog analysierten sie die Führung durch Käserei und landwirtschaftlichen Betrieb, um Erkenntnisse für die künftigen eigenen Aktionen ziehen zu können. So wurde z.B. deutlich, dass interessante betriebliche Besonderheiten manchmal in scheinbar kleinen Dingen versteckt sind, wie zum Beispiel der Einsatz eines Esslöffels beim Abfüllen von Frischkäse: Durch diese schonende Methode erhält der Käse seine besondere Konsistenz und hebt sich von anderen Frischkäsen ab.

Die Führung stellte immer wieder die Familie und die Geschichte des Hofes in den Mittelpunkt. Entscheidungen für bestimmte Arbeitsweisen oder betriebliche Verhältnisse wurden authentisch mit dem schlüssigen Satz “Das gefällt uns gut” begründet. So entstand der Eindruck eines harmonischen Ganzen, hinter dem alle fünf Familienmitglieder stehen.

Landwirtschaftsbotschafter 22.06.2017

Abschließend konnten die Teilnehmer bei einer Verkostung verschiedener auf dem Betrieb hergestellter Käsesorten die Führung zusammen mit Maike Cornelius-Bruns, Niklas und Elisabeth Bruns reflektieren.

Milch-Kuhl-Tour – Offizielle Einweihung

Am 13.06.2017 wurde bei bestem Radfahrwetter die Themen-Radroute „Die Milch-Kuhl-Tour“ in Friesland offiziell vom Geschäftsführer Wangerland Touristik, Armin Kanning, eröffnet.
Milch-Kuhl-Tour
Mitte v. li.: Reiner Tammen (stv. Fraktonsvorsitzender der Grünen) und Armin Kanning (Geschäftführer Wangerland Touristik)

Ein Teil der Strecke, zwischen Westrum und Tettens, wurde mit dem Fahrrad abgefahren. Die Einweihungstour endete auf der „Kopperburg“ mit einem kleinen Imbiss und der Gelegenheit zum Gedankenaustausch über die Weiterentwicklung und Vernetzung der Milch-Kuhl-Tour.
Nun wartet die etwa 25 km lange Route auf Gäste und Einheimische, die sich über die Entstehung der durch die Milchwirtschaft geprägten Kulturlandschaft informieren wollen. An fünf Stationen stehen stählerne Kuh-Silhouetten auf den QR-Codes zu finden sind, über die man die Informationen in Form von Texten und Videos zu den entsprechenden Themen abrufen kann.
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Armin Kanning (Geschäftsführer Wangerland Touristik)

Wer ohne Smartphone unterwegs ist oder Informationen in Papierform bevorzugt, kann sich mit der zugehörigen Broschüre ebenso auf der Strecke bewegen oder später von zuhause aus informieren. Die Broschüre wird künftig bei den Touristinformationen zu bekommen sein. Demnächst soll die Route zusätzlich mit dem Geocaching, einer in der Bevölkerung sehr beliebten modernen elektronischen Version der „Schnitzeljagd“, verbunden werden. Die gesamte Strecke und weitere Informationen zur Tour gibt es hier!

Tag der Milch 2017 – Land + Wirtschaft – Das WIR macht uns stark!

Am diesjährigen „Tag der Milch“, 1. Juni 2017, hatte das Aktionsbündnis Milch Wesermarsch-Friesland/Wilhelmshaven Landwirte mit ihren Familien, deren Wirtschaftspartner und interessierte Bürger und Bürgerinnen aus dem Raum Friesland und Wesermarsch zu einer zentralen Kundgebung auf den Hof von Familie Seetzen in Varel-Neuenwege eingeladen. Gut 800 Gäste aus allen Bereichen folgten dieser Einladung, um unter dem Motto „Land + Wirtschaft – Das WIR macht uns stark!“ eine klare Botschaft in Richtung Politik und Gesellschaft zu senden.
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Großbildaktion unter dem Motto „Land + Wirtschaft – Das WIR macht uns STARK!“

Bei traumhaft sonnigem Wetter fand zunächst eine gemeinsame Großbildaktion mit allen Gästen statt, ganz im Zeichen des Mottos „Gemeinsame Wirtschaftskraft im ländlichen Raum“. Im Anschluss leitete Hendrik Lübben, Vorsitzender des Milchausschusses im KLV Wesermarsch durch das abwechslungsreiche Abendprogramm. Die Landvolkvorsitzenden Hartmut Seetzen und Dr. Karsten Padeken konnten neben den vielen Gästen auch vier Politiker des Landtages Niedersachsen begrüßen, unter anderem den niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies aus Sande. Kurz ergriff er das Wort und stellte heraus, was für eine große Rolle die Landwirtschaft für die gesamte Wirtschaft darstellt. Gerade im Raum Friesland und Wesermarsch ist die Landwirtschaft ein großer Wirtschaftsfaktor mit hoher Bedeutung für den ländlichen Raum und den Tourismus. „Ohne die Landwirtschaft würde dieser Raum nicht so aussehen wie er aussieht.“ Die Junglandwirte Derk Jürgens, Florian Warnken und Marco Heckert konnten im Anschluss ihre Forderungen im Hinblick auf die anstehenden Bundestags- und Landtagswahlen direkt an die Politik stellen. Sie forderten die Chance auf eine wirtschaftliche Zukunft, mehr Wertschätzung für die Arbeit der Landwirte, der Arbeit entsprechende Entlohnung, objektive Berichterstattung im Internet und in den Großstädten, verlässliche politische Entscheidungen, mit denen die Landwirte langfristig arbeiten können sowie verlässliche Rahmenbedingungen für die landwirtschaftliche Produktion. „Wir müssen planen können, damit auch die nächste Generation den Betrieb fortführen kann“, hieß es. Deutlich wurde, dass sie Landwirtschaft aus Leidenschaft für Mensch, Tier und Umwelt machen.
Es folgte ein Impulsvortrag zum Thema Landwirtschaft und Gesellschaft von „Bauer Willi“. Seit 2015 bloggt Dr. Willi Kremer-Schillings als “Bauer Willi” über die Sorgen, Nöte und Interessen der Landwirte. Seine zentrale Frage war: „Wer kann den Bürgerinnen und Bürgern am besten sagen, wie die heutige Landwirtschaft aussieht?“ Wenn es für ihn nach der Glaubwürdigkeit geht, sind es die Landwirte, die diese Aufgabe übernehmen sollen. Diese werden in der Gesellschaft als authentisch und im Leben stehend angesehen, führen ein (meist) intaktes Familienleben und sind fleißig. Trotz dieser positiven Stellung in der Gesellschaft lehnen die Verbraucher die heutige Landwirtschaft in Teilen ab. Was kann dagegen getan werden? Für Bauer Willi ist es ganz einfach: Die Verbraucher müssen persönlich auf den Hof eingeladen werden, nicht im Rahmen eines „Tag des offenen Hofes“. So entsteht ein direkter Kontakt und somit auch Verständnis für die heutige Landwirtschaft.
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Bauer Willi postet direkt von der Bühne

Die Landfrauen Ellen Kromminga-Jabben und Ute Cornelius hatten das Schlusswort, bei dem auch wieder das „WIR“ im Vordergrund stand. Sie riefen die Landwirte und ihre Familien auf stolz auf ihre Arbeit zu sein.
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V.li: Ellen Kromminga-Jabben, Hendrik Lübben, Ute Cornelius

Der erfolgreiche Abend klang bei geselligem Beisammensein mit Speis und Trank aus.

 

Die “Milch-Kuhl-Tour” ist aufgestellt

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v.li: Erhardt Bauer, Carsten Dirks, Jörg Even, Derk Jürgens, Tristan Even, Hartmut Seetzen (nicht im Bild: Burkhard Mennen)

Die Themen-Radroute “Milch-Kuhl-Tour” ist nun auf  friesischem Gelände fertiggestellt. Die etwa 25 km lange Strecke wartet mit stählernen Kuh-Silhouetten auf, an denen per QR-Code weiterführende Informationen abgerufen werden können. Drei weitere Stahlkühe harren noch auf ihre Installation in Ostfriesland. Künftig können sich Gäste und Einheimische über die Entstehung der durch die Milchwirtschaft geprägten Kulturlandschaft informieren.

 

Einspruch, Herr Minister Wenzel!

Am 05. April 2017 übergaben die Kreislandvolkverbände Friesland und Wesermarsch in Hannover zusammen 800 Einsprüche zur neuen Gewässerrandstreifenregelung an Minister Wenzel. Insgesamt hatten sich 14 Kreislandvolkverbände auf den Weg gemacht und 3500 Einsprüche sowie 4000 Unterschriften überreicht.

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Jubiläum beim Kreislandvolkverband Friesland 

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v.li: Erhardt Bauer, Carsten Dirks, Manfred Ostendorf, Hartmut Seetzen, Jörg Even

Foto: Sigrid Neumann-Seetzen

Auf 25 Jahre Geschäftsführertätigkeit blickt Manfred Ostendorf beim  Kreislandvolkverband Friesland zurück.

Der geschäftsführende Vorstand nahm dieses Jubiläum zum Anlass, ihm zu Hause einen spontanen Besuch abzustatten. Wir trafen einen völlig überraschten Geschäftsführer an. Bei einem kleinen Frühstück haben wir die vergangenen 25 Jahre Revue passieren lassen. Wir, der Vorstand und besonders ich als Vorsitzender des Kreislandvolkes, sind dankbar einen so außergewöhnlich engagierten und mit Leidenschaft mitwirkenden Geschäftsführer an unserer Seite zu haben.

Hartmut Seetzen

Landwirtschaftsbotschafter gesucht

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Viele konstruktive Ideen, wie man auf seinem Betrieb Öffentlichkeitsarbeit leisten kann, kamen beim dem Workshop “Landwirtschaftsbotschafter gesucht” am 22.02.2017 zustande. Unter der Leitung von Birgit Luiken (re) entwickelten die Teilnehmenden Ansätze, wie die nichtlandwirtschaftliche Öffentlichkeit erreicht werden kann und welche Veranstaltungsformen und Inhalte entwickelt werden können. Im zweiten Teil am 09.03.2017 wird es um die beispielhafte Ausarbeitung eines konkreten, erprobbaren Konzeptes gehen. Vorgesehen ist auch ein dritter Teil mit einem Kommunikationstraining.

Bleibt dein Teller heute leer, gibt‘s wohl keine Bauern mehr

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Sehr geehrte Frau Bundesministerin Hendricks,

wir Landwirte sind Teil der Gesellschaft. Wir haben einen Versorgungsauftrag, den wir 365 Tage im Jahr erfüllen. Wir sind bei Wind und Wetter unterwegs und bei uns muss jeder mit anpacken.

Ein Bauernhof ist immer ein Familienbetrieb, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr.

Sie haben sicher auch mitbekommen, dass wir im letzten Jahr mit der Schweine- und Milchpreiskrise kein leichtes Jahr gehabt haben. Immer mehr Familienbetriebe in der Landwirtschaft müssen aufgeben.

Wie müssen täglich den Spagat schaffen zwischen immer größeren gesellschaftlichen Erwartungen an die Landwirtschaft auf der einen Seite und einer real schwierigen Marktsituation auf der anderen Seite. Dabei betrifft das Thema Landwirtschaft (und damit Ernährung) uns alle – uns Landwirte, die „Vermarkter“ und „Produktionsformen“ – und die Verbraucher. Da werden Sie uns sicher Recht geben.

Deswegen sind das Unverständnis und der Ärger bei uns groß, wenn wir uns Ihre aktuelle Kampagne „www.neuebauernregeln.de“ anschauen. Neben der Tatsache, dass dort mit Steuergeldern ein Berufszweig diffamiert wird, passiert dies auch noch erst- und einmalig. Es kann sich keiner hier erinnern, dass es ähnliche Kampagnen z.B. über die Automobilwirtschaft gegeben hat. Nein, es sind wieder wir Landwirte, die zum Sündenbock gemacht werden.

Sehr geehrte Frau Hendricks,

man muss uns nicht mögen, man kann Kritik haben, man kann sich auch mit uns streiten. Was wir aber erwarten, sind Respekt und Achtung. Und genau das haben Sie nicht. Denn das, was Sie mit ihrer neuen Kampagne machen, ist respektlos.

Gerade in diesen Zeiten sollte Politik ein Vorbild für ein tolerantes und informiertes Miteinander sein. Schade, dass Sie mit der neuen Kampagne Ihres Hauses der Gesellschaft zeigen, dass Freundlichkeit, Achtung, Redlichkeit und Respekt im Umgang bei Ihnen offensichtlich keinen Wert haben.

Vielleicht denken Sie mal darüber nach.

Mit freundlichen Grüßen

die 25.000 Bauern in der Initiative „Echt grün – Eure Landwirte“

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Ohne die Landwirtschaft gäbe es kein “Wirtschaftswunder Deutschland”

Zum Auftakt des Neujahrsempfangs der Kreislandvolkverbände Friesland und Wesermarsch im Vareler “Tivoli” am 30.01.2017 begrüßte Hartmut Seetzen die Referentin Gitta Connemann (MdB, CDU) mit den Worten: “Sie ist eine Vertreterin des ländlichen Raumes, und das lebt sie auch!”. Dr. Karsten Padeken bedankte sich bei Gitta Connemann für ihren Einsatz, als es um die Unterstützung der Landwirte in der Milchkrise ging.

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V.li: Dr. Karsten Padeken, Sven Ambrosy, Gitta Connemann, Hartmut Seetzen.

Vor den gut 150 Gästen sprach Hartmut Seetzen die möglichen Konsequenzen der Düngeverordnung an. Die Wirtschaftlichkeit der Futterbaubetriebe werde sich verschlechtern, im  Grünfutter wird weniger Eiweiß enthalten sein, so dass vermehrt Sojaschrot zugekauft werden müsse. “Ist das im Sinne der Verbesserung der heimischen Eiweißfuttermittelproduktion, die zur Zeit politisch gewollt wird?” Weitere Themen, die Seetzen anschnitt, waren die NEC-Richtlinie,  der Klimaschutzplan 2050, die Biodiversität  und das Tierwohl. “Wie kann die Landwirtschaft diesen Weg mitgehen?” Die Landwirte bräuchten verlässliche Rahmenbedingungen, sonst könnten Betriebe und die daran gekoppelten vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereiche nicht fortbestehen.  “Der ländliche Raum darf nicht ausbluten. Frau Connemann, wo sehen Sie die landwirtschaftlichen Betriebe in 10 bis 25 Jahren?” fragte Seetzen.

Landrat Sven Ambrosy betonte, dass “die größte Milcherzeugerregion Deutschlands” durchaus Selbstbewusstsein zeigen dürfe. Als Verbandsvorsteher des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) riet er zur “verbalen Abrüstung”. Zahlen, Daten und Fakten seien die Grundlage, auf der Bundestag und Landtage über die Düngeverordnung entscheiden. Er wünscht sich für die örtliche Ebene möglichst viel Gestaltungsspielraum. “Die Kooperation mit den Landwirten muss verbessert werden, denn wir sind aufeinander angewiesen.”

Gastrednerin Gitta Connemann bezeichnete die Landwirtschaft als den Motor des ländlichen Raumes:” Alles, was zur Landwirtschaft gehört, hat Niedersachsen so erfolgreich gemacht. Fünf Millionen versicherungspflichtige Arbeitsplätze gibt es in der Ernährungsindustrie, sie ist damit der viertgrößte Wirtschaftsfaktor in Deutschland.  Ohne die Landwirtschaft würde es das Wirtschaftswunder Deutschland nicht geben!” Doch junge Landwirte würden vermehrt fragen, wie sie mit der gesellschaftlichen Ächtung, die sie und ihre Familien zurzeit erlebten, umgehen sollen. Connemann riet den Landwirten “bei der Verbraucheraufklärung in die Offensive zu gehen”. Und wenn es um die Anhebung von Produktionsstandards (mehr Tierwohl) geht: “Wer in der Werbung sagt, er liebe Lebensmittel, der muss auch was dafür bezahlen. Und wer über Tierwohl spricht, muss auch an der Ladentheke entsprechend handeln”. Zwei Prozent der Bevölkerung lebe vegan, doch “die Deutschen lieben Fleisch, sie wissen was ihnen schmeckt”, sagte Connemann. Ernährungsstile seien mittlerweile zur Religion erhoben worden. Mit der politischen Idee, im angeblichen Sinne des Klimaschutzes Steuern auf Milchprodukte und Fleisch zu erheben, sollten Verbraucher vom Staat umerzogen werden. “Verkehr, Industrie und Energieerzeugung sind für den größten Teil der klimaschädlichen Gase verantwortlich.”  Landwirtschaftlich genutztes Grünland sei dagegen der CO²-Speicher Nummer eins.

Abschließend erläuterte Connemann die von der CDU unterstützten Hilfsprogramme für die Milchbauern. “Das Land Niedersachsen hat sich mit keinem Cent an der Finanzierung der Hilfsprogramme beteiligt”, bedauerte sie die Haltung des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums.

 

Auch die “Tafeln” in Schortens, Hohenkirchen, Varel und Jever bekommen Lebensmittelspende vom KLV Friesland

Heinz Kathmann, erster Vorsitzender der Schortenser “Tafel” und seit 13 Jahren dabei, freute sich als die KLV-Vorstandsmitglieder Paul Schoorlemmer und Jörg Even sowie Ingo Schild mit Junior Fritz am 21.01.2017 vorfuhren und 100 l Milch, 250 Joghurt sowie 250 kg Kartoffeln anlieferten – rechtzeitig vor dem Beginn der Samstäglichen Ausgabe. Kathmann kommt selber von einem Bauernhof: “Ich weiß gute Kartoffeln zu schätzen.”

Schortens web

V.li. Heinz Kathmann, MitarbeiterInnen der Tafel, Ingo Schild mit Junior Fritz, Paul Schoorlemmer, Jörg Even.

Mit 40 ehrenamtlichen Helfern werden gewöhnlich 20 Geschäfte vom Wangerland über Jever und Schortens abgefahren, um Lebensmittel einzusammeln, zu sortieren und dreimal in der Woche auszugeben. Wer nicht mehr mobil genug ist, um in den Brauerweg zu kommen wird vom 80-jährigen Ehrenvorsitzenden Herbert Diemer persönlich beliefert.

Die Schortenser “Tafel” wünscht sich noch mehr ehrenamtliche Helfer, gerne auch für die Touren zu den Geschäften. Interessenten können sich unter der Telefonnummer 04461 – 9170330 melden.

Hohenkirchen web

V.re. Burkhard Mennen, Jutta Cramer, MitarbeiterInnen der “Tafel” sowie Ingo Schild (2.v.li).

Mit zur Jeverschen “Tafel” gehört seit 2006 die Ausgabestelle im Stephanus-Haus in Hohenkirchen. “Hier werden 250 Personen von 16 Mitarbeitern versorgt”, erläutert Jutta Cramer, die sich auch über private Lebensmittelspenden freut. Auch hier werden weitere Helfer gesucht. “Gut erhaltenen Hausrat nehmen wir ebenfalls gerne an”, erklärt Grete Gilliam-Hill. Spender können sich unter ihrer Mobilnummer 0174 9640438 melden. Burkhard Mennen, Ingo Schild und Birgit Luiken vom Kreislandvolkverband überbrachten am 20.01.2017 80 Liter Milch, 150 kg Kartoffeln und 150 Joghurts.

Tafel Varel web

Erhard Bauer (re), Hartmut Seetzen (2.v.re)  und Hinni Schild (li).

Eine Spende von 200 l Milch, 500 Joghurts und 600 kg Kartoffeln übergaben Erhard Bauer, Hartmut Seetzen und Hinni Schild am 19.01.2017 an die Mitarbeiter der Vareler “Tafel”. Diese versorgt 800 Personen und freut sich auch über private Lebensmittelspenden. “Wir wissen, wieviel Arbeit in der Landwirtschaft steckt”, sagte Anita Osterloh vom Leitungsteam der Vareler “Tafel”. Hier sind 45 Mitarbeiter damit beschäftigt, jeden Mittwoch die gesammelten Lebensmittel an die Bedürftigen auszugeben.

Tafel Jever 18.01.2017 web

V.li: Jann Janssen, Emil und Ingo Schild, Hilmar Beenken
Die “Tafel” in Jever erhielt am 18.01.2017 150 l Milch, 300 Joghurts und 400 kg Kartoffeln, die von Jann Janssen, Emil und Ingo Schild sowie Hilmar Beenken überreicht wurden.

 

Pressemeldung
Geplante Änderung des Niedersächsischen Wassergesetzes ist ein massiver Eingriff in die Eigentumsrechte
Mit Kabinettsbeschluss vom 29. November 2016 hat die Landesregierung einen Entwurf des Niedersächsischen Umweltministeriums zur Änderung des Landeswassergesetzes sowie weiterer Gesetze für die Verbandsanhörung bis zum 13. Januar 2017 freigegeben. Gleichzeitig wurde eine Ankündigung gemacht, dass es zu keinerlei Fristverlängerungen kommen wird. Die geplanten Änderungen des Landeswassergesetzes haben gravierende Auswirkungen auf die Landwirtschaft und den ländlichen Raum in den Landkreisen Friesland und Wesermarsch und weit darüber hinaus. U.a. ist ein absolutes
Ausbringungsverbot von Düngemitteln aller Art einschließlich Wirtschaftsdünger undPflanzenschutzmitteln auf einem 5 Meter breiten Randstreifen entlang aller Oberflächengewässer unabhängig von ihrer Wasserführung vorgesehen.

Graben FRI web
Das Gewässernetz umfasst im Landkreis Friesland über 10.000 km. Aufgrund der Flächenstruktur wären ca. 10% der landwirtschaftlichen Nutzfläche, somit über 5.000 ha von einer derartigen Regelung im Landkreis betroffen. Aus Sicht des Kreislandvolkverbandes stellt dieses Vorhaben einen massiven Eingriff in die Verfügbarkeit von Grund und Boden dar und käme einer Enteignung gleich.
Flächenverluste von 10% und mehr hätten massive Umsatzeinbußen für unsere Betriebe zur Folge. Die Futterverluste müssten durch Zukauf von Grundfutter ausgeglichen werden. Die geplanten Randstreifen wären wirtschaftlich nicht mehr nutzbar, Verpächter könnten diese nicht mehr gegen Entgelt verpachten. Insbesondere kleinstrukturierte Regionen wären besonders betroffen durch hohe Flächenverluste, denn je kleiner die Feldblöcke, desto höher der Anteil Randstreifen an der Gesamtfläche.
Die heutige Ausbringungstechnik bei Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln ist derart exakt, dassein 5 m Randstreifen völlig unverhältnismäßig wäre, ein pauschaler Verbotsabstand von mehr als 1 m von der Graben-/Gewässeroberkante ist daher nicht begründbar und auch nicht akzeptabel.
Auch die geplante Ermächtigung der Wasserbehörden, per Rechtsverordnung an Oberflächengewässern Entwicklungskorridore mit bis zu 25 Meter herzurichten, stößt auf völliges Unverständnis. Das Land plant hier entsprechende Vorkaufsrechte für das Land, für Kommunen oder sonstige Körperschaften.
Bisher wurden und werden derartige Vorhaben im Rahmen von Kompensationsmaßnahmen auf freiwilliger Basis mit den Grundeigentümern und Entwässerungsverbänden vereinbart. Hier bedarf es aus Sicht des Kreislandvolkverbandes keinerlei Vorkaufsrechte Dritter.
Ebenfalls für mehr als bedenklich hält der Kreislandvolkverband den Vorschlag, die bisherige landesrechtliche Abweichung vom Bundesrecht, nach der bei der Gewässerunterhaltung dem ordnungsgemäßen Wasserabfluss ein relativer Vorrang vor ökologischen Gewässerentwicklungszielen zukommt, zu streichen. Gerade in unseren Regionen mit Höhenlagen von plus 2 Meter über dem Meeresspiegel bis hin zu 4 Meter unter dem Meeresspiegel ist der ordnungsgemäße Wasserabfluss die Lebensgrundlage
sowohl für die gesamte Landwirtschaft und dem ländlichen Raum als auch für alle Siedlungsbereiche im Landkreis. Jegliche Eingriffe, Verschlechterungen etc. in das Gewässersystem würden zur Folge haben, dass der Hochwasserschutz in unserem Gebiet dauerhaft nicht mehr gewährleistetsein könnte. Gerade in den letzten Jahren haben starke Niederschlagsereignisse in den Sommermonaten, aber auch in den Wintermonaten zu Problemen geführt, wenn nicht alle Gewässer ordnungsgemäß unterhalten sind. Bereits jetzt ist zu erkennen, dass Siedlungsbereiche in Niederungen Probleme mit dem Wasserabfluss haben. Wenn es hier zu weiteren Beeinträchtigungen durch ökologische
Auflagen in Gewässern käme, ist zu befürchten, dass sukzessiv in einigen Regionen dauerhafte Vernässungen die Folge sind.
Enttäuscht zeigt sich der Kreislandvolkverband von der Tatsache, dass derartig umfangreiche Neuregelungen über den Jahreswechsel in eine 5 wöchige interne Verbandsanhörung gehen ohne jegliche Fristverlängerung. Hier entsteht der Eindruck, dass über den Jahreswechsel Fakten auf den Weg gebracht werden sollen, die dann im Anschluss als gesetzt gelten. Der Kreislandvolkverband Friesland fordert daher in einem Brief sowohl Herrn Minister Stefan Wenzel als auch Herrn Ministerpräsident
Stephan Weil auf, das geplante Gesetzesvorhaben in der vorgelegten Form zurückzuziehen.
Mit freundlichem Gruß
gez. Hartmut Seetzen
1. Vorsitzender

Echt grün -Eure Landwirte: Wir schnacken nicht, wir packen an!

Jeden Monat sammelt die Wilhelmshavener “Tafel” ca. 30 t Lebensmittel ein, um sie an Bedürftige weiterzugeben. “Davon ist aber bei weitem nicht alles verwertbar, etwa 10-15 Tonnen Gemüse und Obst müssen wir aussortieren und kostenpflichtig entsorgen, weil es bereits ungenießbar ist”, beschreibt der erste Vorsitzende Bernd Fischer die Situation. Umso mehr freute er sich, als er am 16.01.2017 direkt vom Hof Schild aus dem Wangerland 1000 kg Kartoffeln in ausgezeichneter Qualität entgegennehmen konnte. Der Kreislandvolkverband Friesland spendete die Kartoffeln zusammen mit 350 Litern Milch und 600 Fruchtjoghurts – überreicht durch Bernd Harms und Derk Jürgens- um auf die Aktion “Dialog statt Protest -Wir machen Euch satt” aufmerksam zu machen.

Bild könnte enthalten: 1 Person, steht und im Freien
V.li: Friedhelm Burbulla (2. Vors. “Tafel”), Hinni Schild, Bernd Harms (KLV), Bernd Fischer (1. Vors. “Tafel”) und Derk Jürgens (KLV)

Am 21. Januar 2017 werden bereits zum dritten Mal Landwirtinnen und Landwirte gemeinsam mit ihren Familien, Auszubildenden und Mitarbeitern für eine vorurteilsfreie Betrachtung moderner Landwirtschaft in der Öffentlichkeit einstehen. Mit Infoständen und Aktionen u.a. in Berlin und in vielen Innenstädten Niedersachsens werben sie für einen besseren Dialog und Austausch mit den Verbrauchern: “Redet mit uns – nicht über uns”. Gerade tierhaltende Betriebe sehen sich in zunehmend ungerechtfertigter Weise in der öffentlichen Kritik. Vor Ort wollen sie über ihre Arbeit, moderne Tierhaltung und Ackerbau informieren und mit Verbrauchern ins Gespräch kommen und damit dem Trend entgegen wirken, dass immer mehr Menschen immer weniger über die Erzeugung ihrer Lebensmittel wissen.

Klausurtagung der Vorstände KLV Friesland und KLV Wesermarsch

Auf der Vorstände-Klausurtagung, an der Vorstandsmitglieder des KLV Friesland und des KLV Wesermarsch teilnahmen, stellte Kreislandwirt  Hartmut Seetzen (Friesland) einen Statement-Entwurf vor: “Wo machen Veränderungen, etwa beim Tierwohl, Sinn? Wenn der Verbraucher die Leistung vergütet, geht die Landwirtschaft mit. Veränderungen müssen allerdings in angemessenen Zeiträumen leistbar sein.” Kranke Tiere gehörten zum Betriebsalltag dazu, auch Menschen seien nicht immer gesund. Jeder Betrieb kümmere sich um kranke Tiere und sorge für ihre Genesung. Eine offensive, positive Darstellung der Landwirtschaft sei nötig, gleichwohl gehörten “Schwarze Schafe” wie in jedem Berufsstand zur Realität dazu.

Klausurtagung 13.01.2017 - Kopie web

Dr. Karsten Padeken (1. Vorsitzender KLV Wesermarsch) ging auf die künftigen Regelungen der Düngeverordnung ein und bedauerte die schlechte Einstufung der deutschen Grundwasserqualität: “Es gab zu wenige Messstellen, und davon waren zu viele belastet. Das hat die EU moniert”. Nach einem Kabinettsentwurf sollen auch die Oberflächengewässer einer kritischen Prüfung ausgesetzt werden, und dann “wären 80 % der Flächen in Niedersachsen rot”. Künftig geforderte Abstände bei Düngung und Pflanzenschutz  von 5 Metern zu  Gewässern 1.-3. Ordnung bedeuteten einen Eingriff ins Eigentum der Landwirte, seien angesichts der z.T. schmalen Flurstücke kaum praktisch leistbar und stellten einen Wertverlust der Flächen dar.

 

Wie viele Gänse verträgt die Landwirtschaft?

Die Gänsepopulation am Jadebusen hat sich in den letzten Jahren dramatisch vergrößert. Landwirtschaftliche Flächen werden durch Kahlfraß stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Kreislandvolkverband Friesland setzt sich zusammen mit anderen betroffenen Landvolkverbänden für ein besseres Management der Gänsepopulation ein.