Aktuelles

Bundestagskandidaten diskutieren über Zukunft der Landwirtschaft

Wie geht es weiter mit der Landwirtschaft? Darüber diskutierten die Bundestagskandidatinnen Sina Beckmann (2.v.l.), Siemtje Möller (3.v.l.), Anne Janssen (3.v.r) und der Kandidat Hendrik Theemann (2.v.r.) mit Hartmut Seetzen (Vorsitzender Kreislandvolkverband, links) sowie Manfred Ostendorf (Geschäftsführer Kreislandvolkverband, rechts).
Grünlandwirtschaft und Rinderhaltung haben im Landkreis Friesland eine überragende Bedeutung: Fast 70 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen bestehen aus Wiesen und Weiden, und nur durch die Nutzung als Futtergrundlage für Tiere können Landwirte eine Wertschöpfung auf diesen Flächen erzielen. Aber hat die Tierhaltung in Deutschland angesichts niedriger Preise, steigender Kosten und ständig erhöhten Auflagen überhaupt noch eine Zukunft?

Diese Frage stand im Mittelpunkt des Polit-Frühschoppens, den der Kreislandvolkverband Friesland vier Wochen vor der Bundestagswahl auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Janssen in Cleverns (Stadt Jever) organisiert hatte. „Ich war immer Berufsoptimist, aber mittlerweile fehlt auch mir die Motivation. Es muss etwas passieren, sonst gibt es bald keine heimische Landwirtschaft mehr“, appellierte Gastgeber Jan Janssen sichtlich bewegt an die vier Bundestagskandidatinnen und -kandidaten von CDU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen.

„Die Tierhaltung in Deutschland muss auf jeden Fall erhalten bleiben, wir dürfen uns nicht vom Ausland abhängig machen“, sagte Anne Janssen (CDU). „Landwirte brauchen eine verlässliche Grundlage für ihre Investitionen.“ Konkrete Vorschläge, wie dies erreicht werden soll, nannte sie jedoch nicht. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller setzt auf ein Tierwohllabel, das Verbrauchern verlässliche Orientierung zu Haltungsbedingungen und Herkunft von Fleischprodukten geben soll. „Auf diese Weise können Landwirte, die mehr Tierwohl schaffen, für ihren höheren Aufwand auch bezahlt werden.“

Auch Hendrik Theemann (FDP) setzt auf die Kräfte des Marktes. Damit Landwirte auskömmliche Preise für ihre Produkte erzielen können, dürfe es aber keine deutschen Sonderwege bei Umwelt- oder Tierwohlauflagen geben. „Wir brauchen europaweit einheitliche Standards“, ist er überzeugt. Die Grünen-Kandidatin Sina Beckmann ist hingegen der Meinung, dass die Zahl der Nutztiere in Deutschland reduziert werden müsse. „Die Menge der Lebensmittel ist zu groß; nur wenn sie sinkt, steigen auch die Preise.“ Einig waren sich die Kandidatinnen und Kandidaten darin, dass die Wertschätzung für regional erzeugte Lebensmittel steigen müsse.

Hartmut Seetzen, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Friesland, vermisste in der Diskussion jedoch das klare Bekenntnis dazu, dass die Tierhaltung in Deutschland wettbewerbsfähig bleiben muss, um eine Zukunft zu haben. „Nach den gesetzlichen Auflagen der letzten Jahre und angesichts der veränderten EU-Förderung ab 2023 befürchte ich, dass zwei Drittel unserer Familienbetriebe in Friesland in den nächsten zehn Jahren aufhören werden.“

 

 

Prüfsteine zur Bundestagswahl: Die regionale Landwirtschaft stärken

Im Küstengürtel Niedersachsens, von Ostfriesland bis zur Elbe, prägt die Landwirtschaft die Landschaft genauso wie die regionale Wirtschaft. Der Schwerpunkt liegt hier auf ertragreichem Wirtschaftsgrünland, das die Futtergrundlage für Milchkühe darstellt. Was brauchen die hier ansässigen Betriebe, um auch in Zukunft erfolgreich wirtschaften zu können?

Zur anstehenden Bundestagswahl hat die Arbeitsgemeinschaft Küste im Niedersächsischen Landvolk Wahlprüfsteine erstellt, die aus Sicht der Region beschreiben, in welche Richtung die politischen Weichen gestellt werden müssen, um die Landwirtschaft und damit den gesamten ländlichen Raum zu stärken. Die Themen reichen von Biodiversität bis zur Umsetzung der UTP-Richtlinie für faire Handelsbeziehungen.

Die Arbeitsgemeinschaft Küste ist ein Zusammenschluss aus dem Landwirtschaftlichen Hauptverein für Ostfriesland und den angeschlossenen Kreisverbänden, dem Ammerländer Landvolk sowie den Kreislandvolkverbänden Friesland, Wesermarsch, Wesermünde, Land Hadeln, Osterholz und Stade. „Wir erwarten von der Politik und der Gesellschaft Wertschätzung, Honorierung der Leistung, Verbindlichkeit und einen Dialog auf Augenhöhe“, heißt es im Vorwort. Ein Beispiel für ein faires und konstruktives Miteinander ist für die Arbeitsgemeinschaft der „Niedersächsische Weg“.

Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2021 zum Download

 

 

Mit Menschenkette auf die Sorgen der Weidehalter aufmerksam machen

Die Zahl der Wölfe steigt und steigt: Laut Wolfsmonitoring leben in Niedersachsen aktuell 36 Rudel und zwei Wolfspaare (Stand Juni 2021). Mit dem Nachwuchs macht das in Summe 350 Wölfe – so viel wie in ganz Schweden. Und wenn der Bestand auch in diesem Jahr wieder um etwa ein Drittel steigt, werden wir im Januar bei knapp 500 Tieren sein. Aus Sicht des Artenschutzes mag das ein Erfolg sein – aber wer schützt unsere Tiere auf den Weiden und auf den Deichen?

Gemeinsam mit den Landfrauen, der Landjugend, dem Aktionsbündnis Wolf und dem LsV ruft der Kreislandvolkverband Frieslanbd auf zu einer landesweiten Aktion am Sonntag, 11. Juli 2021. Von 11 bis 12 Uhr wird eine Menschenkette auf den Deichen auf die unhaltbare Situation aufmerksam machen und unserer Forderung Nachdruck verleihen: Wir brauchen ein echtes Wolfsmanagement inklusive Bestandsregulierung!

In Friesland sind Aktionen an zwei Standorten geplant: Am Deich in Schillig und am Hafen in Dangast. Alle politischen Mandatsträger und Kandidaten sind eingeladen. Die Corona-Abstände werden bei der Menschenkette selbstverständlich eingehalten.

 

 

Faktencheck zum “Tag der Milch”: Wie hoch sind CO2-Fußabdruck, Flächenverbrauch und Wasserverbrauch wirklich?

Milch und Milchprodukte sind gesunde, nährstoffreiche Lebensmittel – die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt den Verzehr von 200 bis 250 Gramm Milch(-produkten) und zusätzlich zwei Scheiben Käse (50 bis 60 Gramm). In den letzten Jahren gibt es aber auch immer mehr Kritik am Verzehr von Milch und von tierischen Produkten generell – zu hoher CO2-Fußabdruck, zu hoher Verbrauch an Wasser und an landwirtschaftlicher Fläche… Was von dieser Kritik ist berechtigt?

 

Behauptung: Milch ist ein Klimakiller
Fakt ist: Bei der Herstellung von Milch entstehen die Treibhausgase CO2, Methan und Lachgas. Am meisten ins Gewicht fällt das Methan, das bei der Verdauung im Rindermagen entsteht und beim Rülpsen und Pupsen in die Umgebung entweicht. Bei Verarbeitung und Transport entsteht Kohlendioxid, und bei der Lagerung und Ausbringung der Rindergülle Lachgas.

Beim Methan handelt es sich allerdings um einen Kreislauf: Das Gas, was die Rinder ausstoßen, bleibt nur etwa zehn Jahre in der Atmosphäre und zerfällt dann zu CO2, was vom Gras und anderen Futterpflanzen beim Wachstum durch die Photosynthese wieder aufgenommen wird. Es handelt sich um ein biogenes Klimagas, im Unterschied zum fossilen CO2, was beispielsweise bei der Verbrennung von Öl oder Gas entsteht und dauerhaft in der Atmosphäre verbleibt.

Bleibt die Anzahl der Rinder stabil, bleibt auch der Ausstoß von Methan stabil oder kann sogar sinken – derzeit gibt es vielversprechende Versuche, die Rinderfütterung so zu verändern, dass weniger Methan bei der Verdauung entsteht.

(Quelle: Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Klimaschutzbeauftragter Ansgar Lasar)

 

Behauptung: Die Produktion von Milch verbraucht enorm viel Fläche
Fakt ist: Rinder fressen große Mengen Raufutter – auf ihrem Speiseplan stehen hauptsächlich Gras, Grassilage oder Maissilage, durchschnittlich 40 Kilogramm pro Tag. Zum Anbau dieser Futtermittel wird entsprechend viel landwirtschaftliche Fläche benötigt. Allerdings handelt es sich meist um Flächen, die nicht für den Ackerbau und damit für den Anbau von Nahrungsmitteln für den Menschen geeignet sind. Etwa dreißig Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland besteht aus Wiesen und Weiden.

Grünlandflächen sind aber nicht nur Futtergrundlage für Rinder, sondern erfüllen darüber hinaus auch wichtige ökologische Funktionen: Sie sind wichtig für den Grundwasserschutz, da sie nur ein geringes Auswaschungsrisiko für Nitrat darstellen; Grünlandflächen sind ein wichtiger Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten; und nicht zuletzt sorgt der hohe Humumsgehalt des Bodens unter Grünland dafür, dass hier sehr viel mehr CO2 gespeichert wird als im Boden unter Acker- oder Waldfächen (135 Tonnen/ha gegenüber 96 bzw. 119 Tonnen/ha). Daher ist der Erhalt von Dauergrünland auch Teil des Klimaschutzplans der Bundesregierung. Es ist also nicht so einfach möglich, Grünlandflächen ohne den „Umweg“ über die Kuh für die menschliche Ernährung zu nutzen.

Ein Teil des Rinderfutters besteht aus Kraftfutter, für das unter anderem das eiweißreiche Soja eingesetzt wird. Das kann auch aus Südamerika stammen. Allerdings beträgt der Anteil der globalen Soja-Exportmenge, der nach Deutschland geht, gerade einmal drei Prozent. Der Löwenanteil geht nach China (70 Prozent).

(Quellen: Grünlandzentrum Niedersachsen-Bremen e.V., Grünlandagenda des Deutschen Bauernverbands, UN-Welternährungsorganisation)

 

Behauptung: Für die Produktion von Milch wird sehr viel Wasser verbraucht
Fakt ist: Für die Produktion von Milch wird Wasser benötigt. Viele Umweltorganisationen beziffern den „Wasser-Fußabdruck“ von einem Liter Milch auf bis zu 1.000 Liter Wasser. Dabei muss man jedoch unterscheiden zwischen „grünem Wasser“, das als Regenwasser ohnehin fällt und z.B. über Verdunstung im natürlichen Kreislauf verbleibt, und „blauem Wasser“, das als aufbereitetes Trinkwasser von den Kühen verbraucht wird bzw. bei den Verarbeitungsprozessen anfällt.

Bei weit mehr als 90 Prozent des „virtuellen Wassers“, das in Milch steckt, handelt es sich um grünes Wasser, das für die Produktion des Futters – vor allem Gras und Maissilage – erforderlich ist. In einer regenreichen Region wie der unseren ist dafür das natürlich vorkommende Regenwasser ausreichend. Die Rohstoffe für einige Milchalternativen wie z.B. Mandelmilch werden dagegen in sehr trockenen Gegenden produziert, in denen Wasser für die Beregnung benötigt wird. Auf dem Papier kann die Bilanz dann günstig aussehen – die faktischen Auswirkungen auf die Umwelt sind es nicht.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Virtuelles_Wasser)

 

 

Insektenschutz: Kleine Maßnahmen haben oft große Wirkung

Sie setzen sich ein für Artenschutz und Insektenvielfalt (v.l.): Landwirt Renke Hullmann, Andre Brunemund (Kampagnenbüro “Echt grün – Eure Landwirte), Manfred Tannen (Vizepräsident Landvolk Niedersachsen), Landwirt Lars Kaper und Hartmut Seetzen (Vorsitzender Kreislandvolkverband Friesland).

Wie kann ich für Bienen und anderen Insekten Nahrung und Lebensraum schaffen? Diese Frage treibt immer mehr Landwirte in Niedersachsen um: Mehr als 700 von ihnen beteiligen sich in diesem Jahr an der Aktion „Bienenfreundlicher Landwirt“ der Kampagne „Echt grün – Eure Landwirte“. Das sind bereits jetzt 250 Teilnehmer mehr als im vergangenen Jahr, und bis zum Anmeldeschluss Mitte Juni wird die Zahl weiter steigen. Um die Auszeichnung „Bienenfreundlicher Landwirt“ zu erhalten, müssen die Teilnehmer bestimmte Maßnahmen umsetzen wie Blühstreifen anlegen, Wallhecken oder Streuobstwiesen pflegen oder durch Feldstein- und Sandhaufen Nistplätze bereitstellen. Die Liste der Maßnahmen ist gemeinsam mit dem Bieneninstitut in Celle erarbeitet worden.

Dass man auch im Grünland etwas für Insekten und den Erhalt der Artenvielfalt tun kann, zeigen die Vareler Landwirte Renke Hullmann und Lars Kaper. Sie lassen zum Beispiel Streifen entlang der Gräben ungemäht. Da hier auch nicht gedüngt wird und keine Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden, können sich heimische Blühpflanzen wie Wiesenkerbel oder Hahnenfuß ansiedeln. „Insekten brauchen aber nicht nur Nahrung, sondern auch Lebensräume“, betont Renke Hullmann. Daher sammelt er den Aushub, der bei der Grabenreinigung anfällt, seit etlichen Jahren an einem Ort, der sich mittlerweile zu einem stattlichen Hügel entwickelt hat und mit Totholz und Schilfresten eine ideale Kinderstube für zahlreiche Insektenarten ist.

„Und die Insekten sind wieder eine wichtige Nahrungsquelle für Wiesenbrüter wie die Kiebitze“, weist sein Berufskollege Lars Kaper auf den Nutzen hin, den die Vielfalt der Landschaftsstrukturen für die Wiesenbrüter aus dem nahen Vogelschutzgebiet hat. Auch Weideflächen fördern die Artenvielfalt: Das Gras wird von den Kühen unregelmäßig abgefressen, sodass sich kurzes mit längerem Gras abwechselt. Und die Kuhfladen sind nicht nur ideale Insektenhotels, sondern sorgen auch dafür, dass Nährstoffe unregelmäßig auf der Fläche verteilt werden und sich gedüngte mit ungedüngten Stellen abwechseln.

„Als Landwirte können wir aber nicht unser gesamtes Grünland extensiver bewirtschaften“, macht Hartmut Seetzen, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Friesland, deutlich. „Wir brauchen die intensiv bewirtschafteten Flächen, die jetzt im Mai bereits zum ersten Mal gemäht werden, um hochwertiges und eiweißreiches Futter für unsere Milchkühe zu erzeugen.“ Ansonsten müsste mehr zugekauftes Kraftfutter verfüttert werden. Das ist in seinen Augen aber keine sinnvolle Alternative: „Wir wollen doch gerade eine regionale, flächengebundene Kreislaufwirtschaft, bei der wir möglichst viel Futter für die Tiere auf den eigenen Flächen erzeugen.“

Umso wichtiger ist es, an den Rändern der Flächen oder an den Wegesäumen Maßnahmen umzusetzen, die die Insektenvielfalt fördern. Manfred Tannen, stellvertretender Vorsitzender des Landesbauernverbands Landvolk Niedersachsen, stellt bei vielen Teilnehmern an der Aktion „Bienenfreundlicher Landwirt“ einen Bewusstseinswandel fest: „Man bekommt einen Blick dafür, dass oft auch kleine Maßnahmen eine große Wirkung haben können und dass manchmal das Nichtstun besser ist, als jede kleine Unkrautecke zu entfernen und alles ,aufgeräumt‘ zu haben.“

 

 

Beim Artenschutz nicht mit zweierlei Maß messen

Sie fordern ein echtes Wolfsmanagement in Niedersachsen, um die Artenvielfalt am Deich nicht zu gefährden: (v.l.) Manfred Ostendorf (Geschäftsführer Kreislandvolkverbände Friesland und Wesermarsch), Dr. Karsten Padeken (Vorsitzender Kreislandvolkverband Wesermarsch), Maren Ziegler (Geschäftsführerin Kreislandvolkverband Norden-Emden), Hartmut Seetzen (Vorsitzender Kreislandvolkverband Friesland) und das Deichschäfer-Ehepaar Birgit und Reiner Dreyer.

Deiche schützen nicht nur vor Sturmflut und Hochwasser, sondern leisten auch einen oft übersehenen Beitrag zur Artenvielfalt – zumindest wenn sie, wie in der Region üblich, mit Gras bewachsen und von Schafen beweidet werden. „Wir düngen ja nur wenig, und solange die Beweidung nicht zu intensiv wird, haben hier viele Gräser, Blühpflanzen und Insekten ihren Lebensraum“, sagt Deichschäferin Birgit Dreyer aus Moorhausen (Stadt Elsfleth). In dem Projekt „Biotopverbund Grasland“ hat das Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen e.V. noch einen weiteren Nutzen der Deiche festgestellt: Durch die kilometerlange, nur durch Scharte unterbrochene Deichlinie können sich Arten auch über weite Strecken ausbreiten, während das anderswo durch Straßen oder Siedlungen oft schwierig ist.

Ein anderes Artenschutzprojekt gefährdet jedoch die Weidehaltung an den Deichen: die Wiederansiedelung des Wolfes. Mehrfach ist es im vergangenen Jahr zu Wolfsrissen an den Deichen in der Wesermarsch, in Friesland und in Ostfriesland gekommen. Auch in diesem Jahr hat Birgit Dreyer bereits ein gerissenes Schaf auf dem Deich in Huntebrück gefunden – wobei noch nicht belegt ist, dass es von einem Wolf angegriffen wurde.

Herdenschutz ist an den Deichen schwierig, das erkennt auch die „Richtlinie Wolf“ des Landes Niedersachsen mittlerweile an. Die Deiche dürfen z. B. zum Wasser hin nicht gezäunt werden, und Flüsse wie auch das Meer sind für den gut schwimmenden Wolf kein Hindernis. Der Einsatz eines Herdenschutzhundes würde bedeuten, dass der Deich für Ausflügler und Touristen absolut tabu wäre, denn der Hund unterscheidet nicht zwischen Mensch und Wolf. „Schon jetzt wird es schwieriger, Deichschäferinnen und -schäfer zu finden. Ein weiterer Rückgang würde die Deichpflege über die Schafe erschweren, dann müssen wir über Alternativen nachdenken. Aber wollen wir wirklich Asphaltdeiche wie in Schleswig-Holstein?“, fragt Manfred Ostendorf, Geschäftsführer des Kreislandvolkverbands Wesermarsch.

Aus Sicht der Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland sowie des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland braucht es vielmehr ein funktionierendes Management mit einer Begrenzung der Wolfspopulation. Bereits jetzt gibt es 350 Wölfe in Niedersachsen – genauso viele wie in Schweden, aber auf einem Zehntel der Fläche. „Und die Wolfspopulation befindet sich in einer Phase des exponentiellen Wachstums – alle drei Jahre verdoppelt sich ihre Zahl“, gibt Hartmut Seetzen, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Friesland, zu bedenken. „Es geht nicht um die Ausrottung des Wolfes, aber um eine definierte Obergrenze. Leider sieht das Bundesumweltministerium keine Notwendigkeit, so eine Obergrenze festzulegen.“

Die Küstenlandkreise, wo die Weidehaltung weit verbreitet ist, müssten wolfsfreie Zonen bleiben. „Für Rinderhalter ist es gerade bei unseren kleinstrukturierten Flächen einfach nicht leistbar, jede Weide wolfssicher einzuzäunen“, sagt Dr. Karsten Padeken, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Wesermarsch. „Da geht es vor allem um die Pflege der Zäune, denn das Gras darunter müsste kurz gehalten werden. Und kleinere Wildtiere wie Hasen oder Igel würden sich in den Zäunen verfangen.“ Sollten sich Wölfe dauerhaft in der Region ansiedeln, würde dies das Ende der Weidehaltung bedeuten. Viele Hobby-Schafhalter im Binnenland hätten bereits aufgegeben.

„Es wird mit zweierlei Maß gemessen. Der Wolf an sich ist nicht vom Aussterben bedroht und auch in Niedersachsen keine Seltenheit mehr. Sein Schutz wird jedoch offenbar höher gewichtet als den der deichspezifischen Artenvielfalt oder vom Aussterben bedrohter Schafrassen“, fasst Maren Ziegler, Geschäftsführerin des Kreislandvolkverbands Norden-Emden, das Problem zusammen.

 

 

Jetzt mitmachen und “Bienenfreundlicher Landwirt” werden

Streifen mit Blühmischungen sind ein Beitrag zum Artenschutz. Aber auch extensiv genutztes Grünland oder selten gemähte Weideflächen fördern die Insektenvielfalt.

Die Aktion „Bienenfreundlicher Landwirt“ geht in die dritte Runde: Auch in diesem Jahr können Landwirte sich wieder mit insektenfreundlichen Maßnahmen um das Siegel „Bienenfreundlicher Landwirt“ bewerben und im Gegenzug ein Aktionspaket erhalten, mit dem sie ihr Engagement für den Natur- und Artenschutz nach außen tragen können. 2020 haben sich niedersachsenweit bereits 450 Landwirtinnen und Landwirte beteiligt.

In den vergangenen Jahren ist das Bewusstsein dafür gewachsen, dass insbesondere Wildbienen ausreichenden und ansprechenden Lebensraum benötigen. Das dient nicht nur der Artenvielfalt, sondern spielt auch in der Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen eine wichtige Rolle und sorgt daher für gute Ernten. Die Diskussionen um das Insektenschutzprogramm zeigen, wie wichtig es ist, das vielfältige Engagement der Landwirtschaft bei diesem Thema auch in die Öffentlichkeit zu tragen.

In Zusammenarbeit mit dem LAVES Institut für Bienenkunde Celle hat die Kampagne „Echt grün – Eure Landwirte“ daher einen Katalog von Maßnahmen erarbeitet, mit denen Landwirte sich über die üblichen Anstrengungen im Umweltschutz hinaus für die Insektenvielfalt engagieren können. Dabei gibt es vier verschiedene Kategorien: Maßnahmen auf der Hofstelle, auf den Ackerflächen, Maßnahmen auf Grünland und die Kooperation mit Imkern, Jägern oder Umweltschutzvereinen. Jeder Hof, der mindestens fünf Punkte in zwei Kategorien auf dem Maßnahmenblatt sammelt, qualifiziert sich für die Teilnahme an der Aktion „Bienenfreundlicher Landwirt 2021“.

Gerade Grünlandbetriebe mit Weidehaltung erfüllen oft schon ohne weiteres Zutun die geforderten Kriterien – indem sie beispielsweise Weideflächen oder extensiv genutztes Grünland nur einmal mähen, Feld- und Wegerandstreifen erst nach dem Ausblühen mähen oder Altgrasstreifen in der Vegetationszeit auch gar nicht mähen. Haben sie dann noch eine naturbelassene Unkrautecke auf der Hofstelle, lassen Altholz rotten oder haben einen Staudengarten, sind die fünf notwendigen Punkte bereits erreicht. Aber natürlich zählt auch die Anlage von Blühstreifen als insektenfreundliche Maßnahme.

Wer an der Aktion „Bienenfreundlicher Landwirt“ teilnimmt und gleichzeitig Mitglied in einem der fünfzehn tragenden Kreislandvolkverbände der Imagekampagne „Echt grün – Eure Landwirte“ ist, so erhält er ein kostenloses Aktionspaket mit zwei Hof- und Feldrandschildern, die auf sein Engagement aufmerksam machen. Mit dabei sind außerdem Onlinebanner für die Webseite und Aufkleber mit dem Signet „Bienenfreundlicher Landwirt 2021“. Individualisiertes Material lässt sich ebenso auf Wunsch anfertigen. Weitere Infos gibt es bei Andrea Vogt per E-Mail an vogt@klv-wesermarsch.de, telefonisch unter 04401/980522 oder auf der Website www.eure-landwirte.de. Dort kann man sich auch online für die Teilnahme registrieren.

Teilnahmeformular “Bienenfreundlicher Landwirt 2021” zum Download

 

 

„Rote Gebiete“: Verursacherprinzip soll stärker gelten

Bei dem Besuch von Umweltminister Olaf Lies (SPD) auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Hartmut Seetzen, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Friesland, waren am Wochenende auch die nitratsensiblen „roten Gebiete“ Thema. Wie berichtet, sind aufgrund der überarbeiteten Verwaltungsvorschrift seit Jahresbeginn große Teile des Landkreises betroffen. Grund ist, dass durch zwei belastete Vorfeld-Messstellen ganz im Norden des Gebiets bei Sillenstede sowie ganz im Süden bei Rastederberg der komplette Grundwasser-Teilkörper jetzt als „rot“ eingestuft wurde, obwohl sich dazwischen zahlreiche unbelastete Messstellen befinden.

„Minister Lies hat uns in dem Gespräch zugesichert, dass es noch in diesem Jahr eine Lösung geben soll, bei der das Verursacherprinzip stärker zur Geltung kommt“, sagt Hartmut Seetzen. „Das hatte das Landvolk bereits gleich nach der Veröffentlichung der neuen Gebietskulisse kurz vor Weihnachten gefordert.“ Nur noch Flächen in einem bestimmten Radius um die rote Messstelle herum sollen von Bewirtschaftungseinschränkungen betroffen sein. Im Moment sind alle Ackerflächen im gesamten Grundwasser-Teilkörper quasi in Mithaftung genommen, auch diejenigen, die in der Nähe von unbelasteten Messstellen liegen.

Minister Lies hat weiter zugesagt, dass spätestens ab 2023 eine einzelbetriebliche Betrachtung kommen soll, die sich nach der Dünge-Datenbank ENNI richten wird. Seit 2020 sind alle landwirtschaftlichen Betriebe verpflichtet, dorthin zu melden, wie viel Düngebedarf jede einzelne Fläche hat und wann wie viel Dünger wo aufgebracht wurde. Wer anhand dieser Daten nachweisen kann, dass er die gesetzlich festgelegten Stickstoff-Werte einhält, soll von Bewirtschaftungsauflagen ausgenommen werden.

Was gilt in den „Roten Gebieten“?
• Vor allem die Reduktion der Stickstoffdüngung um 20 Prozent
• Weitere Maßnahmen wie die Verpflichtung zur Einarbeitung des aufgebrachten Düngers auf Acker innerhalb einer Stunde, ein verpflichtender Anbau einer Untersaat zu Mais, wenn er nach dem 1. Oktober geerntet werden und im Folgejahr eine Sommerung angebaut und gedüngt werden soll, und weitere Detailregelungen.

 

 

Artenvielfalt schützen und die Landwirtschaft stärken

Sie waren sich einig, dass der “Niedersächsische Weg” auch ein Modell für Berlin sein kann: (v.l.) Hartmut Seetzen, Manfred Ostendorf, Siemtje Möller, Olaf Lies und Manfred Tannen.

Wie kann man etwas für den Umwelt- und Artenschutz erreichen und gleichzeitig die Landwirtschaft stärken? Um diese Frage ging es bei einem Treffen von Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies und der SPD-Bundestagsabgeordneten Siemtje Möller bei Hartmut Seetzen, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Friesland, in Varel. Mit dabei war auch Manfred Tannen, Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland.

Anlass des Gesprächs war das Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung, das das Bundeskabinett vor zehn Tagen verabschiedet hatte und das – würde es Bundestag und Bundesrat ohne Änderungen passieren – den Niedersächsischen Weg abrupt beenden würde. Dieser war in monatelangen Verhandlungen gemeinsam von Vertretern aus Landwirtschaft, Umweltverbänden und der Landesregierung zustande gekommen und beinhaltet unter anderem Regelungen zum Gewässerschutz, zum Wiesenvogelschutz und zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Zentraler Gedanke des „Niedersächsischen Wegs“ ist es, dass Landwirte für ihre Leistungen für Umwelt- und Artenschutz auch bezahlt werden.

Das Problem an den jetzigen Plänen aus Berlin: Durch die Änderungen im Bundesnaturschutzgesetz und insbesondere der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung würden viele Regelungen des Niedersächsischen Wegs ins landwirtschaftliche Fachrecht aufgenommen, beispielsweise zum einzuhaltenden Gewässerabstand bei Pflanzenschutz. Stünden sie im Fachrecht, könnten die betroffenen Landwirte für ihre Ertragseinbußen aber nicht mehr finanziell entschädigt werden.
„Wenn ein Landwirt eine Leistung erbringt für den Natur- und Artenschutz, dann muss er für diese Leistung auch bezahlt werden“, steht für Umweltminister Olaf Lies fest. „Das sehen im Übrigen auch die Naturschutzverbände wie der NABU und der BUND so. Die Diskussionen um die Lebensmittelpreise haben doch gezeigt, dass Landwirte einen finanziellen Ausgleich brauchen, wenn sie Flächen aus der Bewirtschaftung herausnehmen müssen.“ Daher werde er im Bundesrat der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung in dieser Form nicht zustimmen und für diese Entscheidung auch bei den anderen Bundesländern werben. Für den Kreislandvolkverband Friesland wäre die beste Lösung, dass die Bestimmungen zum Pflanzenschutz über das Umwelt- und Wasserrecht geregelt würden statt über die Anwendungsverordnung; dann könnte es dafür eine Öffnungsklausel geben, die Bundesländern wie Niedersachsen abweichende Lösungen ermöglichen würde.

Für die Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller ist das Einvernehmen, das Landwirtschaft und Umweltverbände im „Niedersächsischen Weg“ über den Insektenschutz erzielt haben, beispielgebend auch auf Bundesebene: „Insektenschutz ja, aber so, dass es für die Landwirte auch umsetzbar ist. Das sehen auch meine niedersächsischen Kolleginnen und Kollegen aus der SPD-Bundestagsfraktion so, und wir haben schon angekündigt, dass wir zum Gesetzentwurf noch Gesprächsbedarf haben.“

Manfred Tannen aus Ostfriesland betonte, dass sich Vertreter des Landvolks sehr intensiv in die Verhandlungen zum Niedersächsischen Weg eingebracht und in den Reihen unserer Berufskollegen auch Akzeptanz für diese Art des Naturschutzes erlangt hätten. „Das hat auch viel mit Vertrauen zu tun, dass Landwirte sich darauf verlassen können, dass diese Regelungen auch Bestand haben“, machte er deutlich. „Wenn wir diesen Weg jetzt beenden müssten, würde das die Motivation zum Naturschutz nicht fördern. Das kann wohl kaum gewollt sein.“ Und Hartmut Seetzen wurde noch deutlicher: „Wir haben in den letzten Jahren viel freiwillig gemacht, unsere Blühflächen von 20 auf 120 Hektar ausgedehnt. Wenn jetzt ein Gesetz kommt, dass uns finanziell so massiv bedrängt, dass Betriebe aufgeben müssen, dann wird sich niemand mehr freiwillig für den Naturschutz engagieren.“

 

 

Insektenschutzgesetz: Landvolk appelliert an die Kanzlerin

Vor fast eineinhalb Jahren hat die Bundesregierung das Aktionsprogramm Insektenschutz vorgelegt, jetzt soll die Umsetzung auf einmal ganz schnell gehen: Am kommenden Mittwoch will das Bundeskabinett den Entwurf zu einem Insektenschutzgesetz verabschieden. Vieles, was dort steht, ist in der Zwischenzeit längst vom „Niedersächsischen Weg“ geregelt worden. Mit einem Bundesgesetz würde dieser mühsam erarbeitete Kompromiss jedoch ausgehebelt. Die Kreislandvolkverbände Friesland und Wesermarsch haben sich daher in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt, um das Gesetz zu stoppen.

„Wir haben uns in Niedersachsen in einem breiten Bündnis von Landesregierung und Landwirtschafts- und Naturschutzverbänden für einen verbesserten Arten- und Insektenschutz eingesetzt – mit starken ordnungspolitischen Leitplanken, aber auch mit einem umfassenden Konzept zur Honorierung der dafür erbrachten Leistungen unserer Landwirtschaft“, heißt es in dem Schreiben der beiden Vorsitzenden Hartmut Seetzen (Friesland) und Dr. Karsten Padeken (Wesermarsch). Die entsprechenden Gesetze seien einstimmig im Niedersächsischen Landtag verabschiedet worden. „Der jetzige Gesetzentwurf der Bundesregierung führt dazu, dass wir mit unserem bisherigen Bündnis in Niedersachsen vor einem riesigen Scherbenhaufen stehen.“

Der Gesetzentwurf sieht unter anderem vor, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Natura-2000-Gebieten und auf 5 bzw. 10 Meter breiten Randstreifen entlang von Gewässern zu verbieten. Davon wären fast alle der 1000 Betriebe betroffen, die in den beiden Kreislandvolkverbänden organisiert sind: Allein in Friesland und in der Wesermarsch sind mehr als 17.000 Hektar Natura-2000-Gebiete als sogenannte EU-Vogelschutzgebiete ausgewiesen, und das Gewässernetz ist rund 30.000 Kilometer lang. Das geplante Verbot von Pflanzenschutzmitteln würde dort den gesamten Ackerbau und speziell auch den Anbau von Futtermais für die Milchviehbetriebe zunichte machen. Auch in der Nutzung des Grünlands entstünden erhebliche Einschränkungen. Da kein finanzieller Ausgleich vorgesehen ist, würden dies für viele Betriebe das Aus bedeuten.

„Wir appellieren daher eindringlich an Sie und an alle politisch Verantwortlichen, die vorgesehenen Beschlüsse in der Form nicht zu treffen“, heißt es in dem Brief an die Bundeskanzlerin. Für Niedersachsen sollten die Regelungen und Gesetze anerkannt werden, die bereits im Landtag verabschiedet wurden. Darüber hinaus sollten keine weitergehenden Regelungen auf Bundesebene getroffen werden. „Eine Umsetzung in der jetzigen Form würde jegliches Vertrauen in die Politik und die bestehenden Kooperationen zwischen Naturschutz und Landwirtschaft nachhaltig zerstören“, machen Hartmut Seetzen und Karsten Padeken deutlich.

 

 

Düngeverordnung: Verursacherprinzip stärker beachten

Bei der jetzt überarbeiteten Düngeverordnung sind die “roten Gebiete” auf Basis der einzelnen Feldblöcke ausgewiesen. Grünlandflächen sind aus der Kulisse weitestgehend herausgenommen.

Die schlechte Nachricht kam am Tag vor Heiligabend: Bei der erneuten Überarbeitung der Düngeverordnung ist ein erheblicher Teil des Landkreises Friesland als nitratsensibles „rotes Gebiet“ ausgewiesen worden. Ursache sind zwei Messstellen in Sillenstede sowie in Rastederberg, an denen die Nitratwerte oberhalb des Schwellenwertes von 50mg pro Liter Wasser liegen. Landwirte in einem Gebiet von Jever bis an die Kreisgrenze zum Ammerland müssen sich jetzt auf zusätzliche Auflagen bei der Düngung einstellen: Auf ihren Ackerflächen müssen sie 20 Prozent unterhalb des eigentlichen Stickstoffbedarfs der angebauten Pflanzen bleiben, verlängerte Sperrfristen und eine Vielzahl weiterer Detailregelungen einhalten. Grünlandflächen sind weitestgehend von diesen Maßnahmen ausgenommen, da sie eine bessere Stickstoffverwertung haben.

„Eigentlich sollte bei der überarbeiteten Düngeverordnung das Verursacherprinzip stärker greifen, und es ist auf jeden Fall ein Fortschritt, dass Grünland von den Regelungen ausgenommen ist“, sagt Hartmut Seetzen, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Friesland. Aber nach wie vor sei das Bewertungsraster viel zu grob. „Es kann nicht sein, dass eine fast 15.000 Hektar große Fläche als ,rotes Gebiet‘ eingestuft wird, weil zwei einzelne Messstellen ganz im Norden und ganz im Süden zu hohe Werte aufweisen. Wir fordern, dass die zahlreichen grünen Messstellen dazwischen stärker berücksichtigt werden müssen.“

Eine Messstelle liege in fünf bis sechs Meter Tiefe und habe nur einen Einzugsbereich von 500 Metern im Umkreis. Einem Landwirt, der die Probleme weder verursacht hat noch zur Lösung beitragen kann, sei nicht zu vermitteln, warum er solche einschneidenden Abstriche bei der Düngung machen und seine Pflanzen hungern lassen müsse. Andere Bundesländer wie Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern hätten zwar deutlich weniger Messstellen als Niedersachsen, teilten die Gebiete aber viel kleinteiliger ein. „Das muss in Niedersachsen auch möglich sein“, fordert Hartmut Seetzen.

Der Kreislandvolkverband Friesland prüft die vorliegenden Daten gerade im Detail und ist dabei, eine Stellungnahme zu erarbeiten. Außerdem wurde in Abstimmung mit dem Ammerländer Landvolkverband ein Gutachten bei einem Geologen in Auftrag gegeben. Je nachdem, was das Gutachten ergibt, werde man auch gegen die Verordnung klagen. Um die Landesregierung auf die Ungerechtigkeiten in der Verordnung aufmerksam zu machen, findet derzeit auch eine Trecker-Mahnwache im Regierungsviertel in Hannover statt.

Hintergrund

Was sind „Rote Gebiete“?

Deutschland ist nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet, dafür zu sorgen, dass im Grundwasser der Wert von 50mg Nitrat pro Liter nicht überschritten wird. Um das zu überwachen, gibt es ein Netz aus Messstellen, an denen regelmäßig die Güte des Grundwassers überprüft wird. Werden in einem Grundwasserkörper bestimmte Werte an Schadstoffen überschritten, befindet er sich in einem „schlechten chemischen Zustand“. Da die 123 Grundwasserkörper in Niedersachsen großräumige Gebiete umfassen, wurden sie in kleinere Typflächen unterteilt.

Das Land Niedersachsen hat bereits 2020 bestimmte Grundwasser-Teilflächen als „rote Gebiete“ ausgewiesen, bei denen Messstellen zu hohe Nitratwerte aufwiesen und das Grundwasser daher als „in schlechtem chemischen Zustand“ eingestuft wurde. Um deutschlandweit nach einheitlichen Kriterien zu arbeiten, sind die „roten Gebiete“ nun erneut ausgewiesen worden. Jetzt kann es vorkommen, dass auch ein Grundwasser-Teilkörper in gutem chemischen Zustand „rotes Gebiet“ wird – es genügt, wenn an einer einzigen Messstelle der Nitrat-Schwellenwert überschritten wird.

Erstmals wird aber auch geschaut, welches Emissionsrisiko von landwirtschaftlichen Flächen ausgeht, und zwar auf Ebene der einzelnen Feldblöcke. Grünlandflächen sind somit weitestgehend aus der Gebietskulisse herausgenommen worden, da die Grasnarbe Stickstoff gut bindet und hier das Auswaschungsrisiko gering ist.

Was gilt in den „Roten Gebieten“?

  • Vor allem die Reduktion der Stickstoffdüngung um 20 Prozent
  • Weitere Maßnahmen wie die Verpflichtung zur Einarbeitung des aufgebrachten Düngers auf Acker innerhalb einer Stunde, ein verpflichtender Anbau einer Untersaat zu Mais, wenn er nach dem 1. Oktober geerntet werden und im Folgejahr eine Sommerung angebaut und gedüngt werden soll, und weitere Detailregelungen.

Die Karten sind auf der Internetseite des Servicezentrums Landentwicklung und Agrarförderung veröffentlicht: https://sla.niedersachsen.de/landentwicklung/LEA/

 

 

Landwirte wehren sich gegen unfaire Preise

Die Anforderungen an die Landwirtschaft steigen, aber gleichzeitig kommt ein immer geringerer Teil der Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel bei den Erzeugern an.

Der Kreislandvolkverband Friesland unterstützt die aktuellen Proteste von Landwirten vor den Zentrallagern der großen Lebensmittelkonzerne. „Das Weihnachtsgeschäft wird für den Lebensmittel-Einzelhandel aufgrund der Schließung von Hotels und Gaststätten so groß sein wie selten zuvor. Von diesem Geld kommt bei den Erzeugern aber zu wenig an“, sagt Hartmut Seetzen, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Friesland. Im Gegenteil: Nach wie vor arbeiteten die Händler mit Schnäppchenpreisen für Fleisch und Milchprodukte, um damit die Kunden in die Läden zu locken. „Die Anforderungen an die Landwirte steigen, aber die Preise steigen nicht mit, im Gegenteil: Sie geraten immer mehr unter Druck“, so Hartmut Seetzen.

Problematisch ist die Marktmacht der vier großen Handelsketten von über 85 Prozent. Das hat dazu geführt, dass sich Praktiken etabliert haben, die Erzeuger klar benachteiligen – kurzfristige Stornierungen, lange Zahlungsziele für verderbliche Waren oder einseitige Änderungen der Lieferbedingungen. Diese unfairen Vertragsbedingungen sind die Schattenseite der billigen Preise. Dagegen will die Bundesregierung jetzt per Gesetz vorgehen.

„In diesem Jahr ging es viel um die Themen Artenvielfalt, Insektenschutz und Vogelschutz“, sagt Hartmut Seetzen. „Wir Landwirte sind hier mit dem ,Niedersächsischen Weg‘ in Vorleistung gegangen. Aber auch andere gesellschaftliche Akteure wie der Lebensmitteleinzelhandel tragen eine Verantwortung.“ Der Dialog der Politik mit Landwirtschaft, Umweltverbänden, Verbrauchern, dem Lebensmitteleinzelhandel und weiteren Akteuren entlang der Wertschöpfungsketten ist daher ebenfalls ein Punkt im „Niedersächsischen Weg“. „Wir erwarten von der Landesregierung, dass sie diesen Dialog jetzt zügig anschiebt. Die Landwirte dürfen mit diesem Problem nicht alleingelassen werden“, so Hartmut Seetzen.

 

 

Gemeinsamer Weg hat sich durchgesetzt

Der „Niedersächsische Weg“, bei dem Landwirtschaft, Naturschutz und die Landespolitik sich auf gemeinsame Ziele für mehr Natur-, Arten- und Gewässerschutz verständigt haben, ist jetzt in wesentlichen Punkten ausgestaltet. Entsprechende Gesetze werden voraussichtlich im Dezember oder Januar vom Niedersächsischen Landtag verabschiedet. Die Kreislandvolkverbände Friesland und Wesermarsch begrüßen, dass der NABU sich gleichzeitig dazu entschlossen hat, das „Volksbegehren Artenvielfalt“ nicht länger zu unterstützen. „Naturschutz ist nur gemeinsam mit den Landwirten möglich. Wir freuen uns, dass sich auch die Naturschutzverbände jetzt dieser Position angeschlossen haben“, sagt Landvolk-Vorsitzender Hartmut Seetzen.

Die Kreislandvolkverbände Friesland und Wesermarsch haben sich bei der Ausgestaltung des „Niedersächsischen Wegs“ in die Verhandlungen eingebracht und gemeinsam mit den Kollegen aus Ostfriesland und weiteren Küsten-Landvolkverbänden dafür gesorgt, dass die regionalen Besonderheiten der hiesigen Landwirtschaft berücksichtigt wurden. Aufgrund des ausgedehnten Graben- und Gewässernetzes, des hohen Grünlandanteils und des Wiesenvogelvorkommens in den Vogelschutzgebieten sind die Landkreise entlang der Küste von besonders vielen Regelungen im „Niedersächsischen Weg“ betroffen.

So war Dr. Karsten Padeken, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Wesermarsch, Teil der Arbeitsgruppe Wiesenvogelschutz, die sich seit Juni wöchentlich in Hannover getroffen hat, um die entsprechenden Regelungen im Detail auszuarbeiten. Manfred Tannen, Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland, hat sich in der Arbeitsgruppe Gewässer engagiert. „Die Arbeitsgruppen haben sich am Ende auf Regelungen geeinigt, die den Natur- und Artenschutz verbessern und für die Landwirte auch praktikabel sind, die aber dennoch erhebliche Einschnitte für die Bewirtschaftung bedeuten“, betont Hartmut Seetzen. „Dabei gilt das Prinzip, dass Landwirte für öffentliche Leistungen, die sie für den Umweltschutz erbringen, auch bezahlt werden.“

Die Vereinbarungen des “Niedersächsischen Wegs” im Detail

Positionspapier der Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland zum “Niedersächsischen Weg”

 

 

Landvolk leitet Generationswechsel im Vorstand ein

Vorsitzender Hartmut Seetzen (3.v.r.) und Geschäftsführer Manfred Ostendorf (4.v.r.) bedankten sich bei den ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedern Paul Schoorlemmer (l.), Carsten Dirks (2.v.r.) und Bernd Harms (r.).
Sie sind künftig mit an Bord im Vorstand des Kreislandvolkverbands Friesland: (v.l.) Wilko Irps aus Wilhelmshaven, Katharina Jensen aus dem Wangerland und Ingo Oltmanns aus Schortens.

 

 

 

Unter Corona-Bedingungen fand jetzt die Mitgliederversammlung des Kreislandvolkverbands Friesland im Schützenhof Jever statt, die eigentlich für März geplant war. Aufgrund der Abstandsregelungen waren nur die Delegierten sowie die Vorstandsmitglieder zu der Veranstaltung eingeladen worden, die normalerweise für alle Mitglieder und Gäste offen gewesen wäre. Einziger Ehrengast war Landrat Sven Ambrosy.

Im Mittelpunkt standen die Wahlen zum Vorstand, bei denen die Delegierten einen Generationswechsel einleiteten: Die langjährigen Vorstandsmitglieder Bernd Harms, Carsten Dierks und Paul Schoorlemmer kandidierten nicht erneut. An ihrer Stelle wurden Katharina Jensen (Wangerland), Wilko Irps (Wilhelmshaven) und Ingo Oltmanns (Schortens) gewählt. In ihren Ämtern bestätigt wurden Harmut Seetzen als Vorsitzender sowie Gerke Albers, Jörg Even, Jann Janssen und Burkhard Mennen als Vorstandsmitglieder. Der geschäftsführende Vorstand besteht aus Hartmut Seetzen als Vorsitzendem sowie Jörg Even und Gerke Albers als Stellvertreter. „Wir freuen uns, dass wir als relativ kleiner Verband so viele gute junge Landwirte haben, die bereit sind, aktiv mitzuarbeiten und Verantwortung zu übernehmen“, sagte Hartmut Seetzen. Bei den ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedern bedankte er sich mit einem Präsent.

In seinem Bericht ging der Vorsitzende auf den „Niedersächsischen Weg“ ein, der derzeit in Hannover zwischen Vertretern aus Landwirtschaft, Naturschutz und der Landesregierung ausgehandelt wird. „Ich bin zunächst sehr skeptisch gewesen, ob wir uns darauf einlassen sollten“, sagte Hartmut Seetzen. Den Landwirten werde darin sehr viel abverlangt. Letztlich habe sich aber die Überzeugung durchgesetzt, dass es sinnvoller sei, wenn die Landwirtschaft sich einbringe, konstruktive Vorschläge mache und versuche, sinnvolle Regelungen für die Region zu erreichen. Und dies sei beim „Niedersächsischen Weg“ auch gelungen: Die Regelungen zu den Gewässerrandstreifen sehe vor, dass kein Landwirt mit mehr als fünf Prozent seiner Fläche betroffen sei, außerdem werde der entstehende wirtschaftliche Nachteil voll ausgeglichen. Der Grünlandumbruch auf Moorflächen werde schwieriger, aber nicht unmöglich.

Landrat Sven Ambrosy erinnerte an den „Runden Tisch Naturschutz“, an dem in Friesland bereits im Jahr 2003 Landwirtschaft, Naturschutz, Politik und Verwaltung gemeinsam konstruktive Lösungen für viele Probleme erarbeitet habe. Damals sei dies in Niedersachsen beinahe exotisch gewesen, aus heutiger Sicht wirke es wie die Blaupause für den „Niedersächsischen Weg“, der derzeit in Hannover verhandelt werde.

Er sagte den Landwirten zu, dass die Weiterentwicklung der Digitalisierung nicht mit dem aktuellen Ausbau der Netze beendet sei. „Wir wollen auch die fehlenden 3,8 Prozent der Haushalte anbinden und sind gerade dabei, dafür Modelle zu entwickeln“, sagte er zu. Auch der Masterplan Straße solle weitergeführt werden, auch wenn dafür die Verschuldung steige. Der Landkreis dürfe sich in der aktuellen Corona-Krise nicht zu Tode sparen, sonst werde aus einer administrativen Rezession eine wirtschaftliche Rezession.

Im Rückblick auf das Geschäftsjahr 2019 erinnerte der Landvolk-Geschäftsführer Manfred Ostendorf an wichtige strukturelle Veränderungen im Verband: Im Herbst konnte das neu gebaute Seminargebäude neben dem Landvolkhaus in Ovelgönne eingeweiht werden. Im Altbau war somit Platz für die Geschäftsstelle des Kreislandvolkverbands Friesland, die Ende 2019 dorthin verlegt wurde. Mit dem Jahreswechsel hat der Verband seine Buchstelle an den Landwirtschaftlichen Hauptverein für Ostfriesland verpachtet, die jetzt von dem jungen Steuerberater Menno Burmann geleitet wird.

 

 

ASP: Landvolk sieht große Probleme für Schweinehalter

Der Kreislandvolkverband Friesland ist in großer Sorge aufgrund der erstmals aufgetretenen Afrikanischen Schweinepest in Deutschland. „Dies wird vermutlich massive Auswirkungen auf die Vermarktungsmöglichkeiten für deutsche Schweinehalter haben“, sagt Geschäftsführer Manfred Ostendorf.

In Friesland und Wilhelmshaven gibt es 102 Schweinehalter mit rund 38.000 Schweinen. Diese Betriebe müssen sich jetzt auf einen höchst unsicheren Markt einstellen: Ab dem ersten Nachweis der ASP bei einem Wildschwein in Deutschland – es muss noch nicht einmal ein Hausschwein betroffen sein – ist der Export in „Drittländer“ (außerhalb der EU) nicht mehr möglich, da Deutschland die Bedingungen der meisten Veterinärzertifikate nicht mehr erfüllt. Dieser Export ist wichtig, da dorthin vor allem die Teile vom Schwein gehen, die der deutsche Verbraucher nicht verzehrt, wie Pfötchen, Fette oder Specke.

Der Handel im EU-Binnenmarkt ist dagegen für alle Mitgliedstaaten gleich geregelt und unter bestimmten Voraussetzungen weiter möglich. Der Handel von Tieren und Fleisch ist uneingeschränkt möglich, nur für die Restriktionszone in unmittelbarer Umgebung des aufgetretenen ASP-Falls gelten strenge Auflagen, um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern.

Für den Menschen ist das ASP-Virus ungefährlich. Und auch auf die Haltung von Hausschweinen in Friesland hat das jetzt in Brandenburg nachgewiesene Virus zunächst keine Auswirkungen: Die Schweine können weiterhin wie gewohnt gehalten werden, auch mit Freiland-Auslauf. Ein Sperrbezirk wird nur im unmittelbaren Umkreis um den Fundort des infizierten Wildschweins eingerichtet. Dennoch sind Schweinehalter aufgefordert, die strengen Hygienevorkehrungen weiter einzuhalten.

Der Kreislandvolkverband appelliert an alle Bürgerinnen und Bürger und insbesondere an Jäger, die in die betroffenen Regionen nach Brandenburg oder ins benachbarte Polen reisen, auf Hygiene zu achten. Das ASP-Virus könne nicht nur von Wildschweinen, sondern auch über Lebensmittel, Kleidung und Gegenstände übertragen werden. Selbst ein auf einem Parkplatz weggeworfenes Salamibrot könne die Krankheit weiterverbreiten.

 

 

Hauptsaison auf den Bauernhöfen fällt aus

Die Landfrauen Anja Melchers (l.) und Anke Eden-Jürgens sind regelmäßig bei Schulklassen zu Gast und informieren über Landwirtschaft. Aufgrund der Corona-Situation konnten in diesem Sommer leider keine Veranstaltungen stattfinden.

Der Sommer ist normalerweise Hauptsaison für Besuche von Schulklassen, aber auch Urlaubern auf landwirtschaftlichen Betrieben in der Region. Aber die Corona-Einschränkungen haben auch diesen Aktivitäten einen Strich durch die Rechnung gemacht, mit wenigen Ausnahmen mussten die geplanten Termine abgesagt werden.

Die beiden Landfrauen Anke Eden-Jürgens aus Förriesdorf im Wangerland und Anja Melchers aus Jever besuchen pro Halbjahr acht bis neun Schulklassen in Jever und Varel und gestalten dort Unterrichtsstunden zu den Themen Kartoffeln, Getreide, Milch sowie Obst und Gemüse. Auf Wunsch kann das durch einen Besuch in der Bäckerei oder eine Supermarktrallye ergänzt werden, bei der die Kinder die Gemüseabteilung erkunden oder sich auf die Suche nach Getreideprodukten begeben. „Aufgrund des Schulausfalls musste leider alles abgesagt werden“, bedauern die beiden.
Auch die Ferienpassaktion, die die Landfrauen auf dem Betrieb der Familie Jürgens und Melchers geplant hatten, wird ausfallen. Anke Eden-Jürgens könnte sich allerdings vorstellen, Familienführungen für maximal zehn Personen anzubieten. „Bei so einer Gruppe wäre es einfacher, die vorgeschriebenen Abstände zwischen den Personen auch einzuhalten“, sagt sie. „Die Nachfrage bei den Touristen ist auf jeden Fall vorhanden.“

Die Schulbesuche wie auch die Führungen auf den landwirtschaftlichen Betrieben finden im Rahmen des Bildungsprojekts „Transparenz schaffen – von der Ladentheke bis zum Erzeuger“ statt, über das sie auch finanziell gefördert werden. So können sie für die Teilnehmer kostenlos angeboten werden. Beim Kreislandvolkverband Friesland als regionalem Bildungsträger laufen die Fäden des Projekts zusammen. Dort können sich Schulen, Vereine und andere Gruppen auch melden, wenn sie landwirtschaftliche Betriebe besichtigen möchten. Andrea Vogt, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit, vermittelt dann den Kontakt zu den Landwirten.

Das Schlachtmühlen-Team um Edzard de Buhr (l.), Holger Krahe (Mitte) und Bernhard Folkers freut sich schon auf die Zeit, wenn die Corona-Einschränkungen vorüber sein werden und sie wieder Besuchergruppen durch die Mühle am Jeverschen Hooksweg führen können.

Mit seinem Angebot „Vom Korn zum Mehl“ nimmt auch der Arbeitskreis Schlachtmühle Jever am Programm „Transparenz schaffen“ teil. Und auch hier ruhen die Führungen für Schulklassen, Touristen und andere Gruppen – nicht zuletzt, weil viele der ehrenamtlich tätigen Vereinsmitglieder der Altersgruppe 60+ angehören. Edzard de Buhr, der Sprecher des Arbeitskreises, rechnet damit, dass auch die beliebten Aktionstage wie das Apfelfest dieses Jahr wohl nicht stattfinden werden. „Wir stellen uns darauf ein, dass wir erst im nächsten Jahr wieder Veranstaltungen anbieten werden. Das ist schade – denn das anschauliche, praktische Erleben vor Ort lässt sich durch nichts ersetzen.“

 

 

Der “Niedersächsische Weg” – was bedeutet das für unsere Region?

Die Diskussion um das Thema Artenschutz und den “Niedersächsischen Weg” ist in vollem Gange. Aber was genau ist eigentlich vereinbart worden in der gemeinsamen Erklärung von Landesregierung, Landvolk, Landwirtschaftskammer sowie den Umweltverbänden NABU und BUND? Und welche der Vereinbarungen betreffen ganz besonders unsere Region?

Die Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland haben ein gemeinsames Positionspapier vereinbart, das in den vergangenen Wochen den Mitgliedern vorgestellt und auf Sitzungen der Beiräte (bestehend aus den Vorsitzenden der Ortslandvolkvereine) nahezu einstimmig verabschiedet wurde. Wir möchten damit einen Beitrag zu einer sachlichen Diskussion über das Thema leisten und gleichzeitig deutlich machen, wie ein kooperativer Naturschutz bei uns in der Region funktionieren könnte.

Zum Download Positionspapier der Kreislandvolkverbände Friesland und Wesermarsch zum Niedersächsischen Weg (pdf-Dokument, 128 KB)

Zum Download “Der niedersächsische Weg” – Langfassung (pdf-Dokument, 2,4 MB)

 

 

Gemeinsamer „Niedersächsischer Weg“ statt Volksbegehren

Artenvielfalt erhalten und Natur schützen – gegen diese Ziele hat wohl kaum jemand etwas einzuwenden. Aber es geht um das Wie: Setzt man sich mit allen Beteiligten an einen Tisch und sucht nach Lösungen, oder diktiert man den Landwirten, was sie künftig zu tun und zu lassen haben? Diese Frage stellt sich der Kreislandvolkverband Friesland angesichts der Unterschriften-Sammelaktion von NABU, BUND und der Partei Bündnis 90/Die Grünen für das Volksbegehren Artenvielfalt, die jetzt auch im Landkreis Friesland startet.

Mit dem „Niedersächsischen Weg“ gibt es bereits einen Zusammenschluss von Landvolk Niedersachsen, der Landwirtschaftskammer, dem Landwirtschafts- und dem Umweltministerium sowie den beiden Umweltverbänden NABU und BUND. Gemeinsam haben alle Beteiligten im Mai eine Absichtserklärung mit gemeinsamen Zielen in Bezug auf den Artenschutz unterschrieben. „Wir sind offen und bereit, Veränderungen mitzugestalten. Daher können wir nicht verstehen, warum die Umweltverbände jetzt ausscheren und einen Alleingang vorziehen“, sagt Hartmut Seetzen, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands. „Nachhaltige Kooperation sieht anders aus.“

Beim Kreislandvolkverband hat man den Eindruck, dass es bei dieser Vorgehensweise auch um politische Taktik geht: Hinter dem „Volksbegehren Artenschutz“ stehen nicht nur Umweltverbände, sondern ganz maßgeblich auch die Partei Bündnis 90/Die Grünen, die damit ein dankbares Thema für die Kommunalwahlen im kommenden Jahr und die Landtagswahlen 2022 in der Hand hätten.

Die Unterschrift unter das Volksbegehren ist schnell gesetzt, welche Einschnitte dies für die betroffenen Landwirte bedeute, ist dagegen kaum jemandem klar. So schreibt das Volksbegehren vor, dass Wiesen in den Vogelschutzgebieten erst nach dem 15. Juni gemäht werden dürfen. Davon wären in Friesland circa 20 Prozent der Flächen betroffen. „Wenn Grünland erst so spät gemäht wird, verliert das Gras sehr stark an Energie, davon kann keine Milchkuh Milch geben“, erläutert Hartmut Seetzen. „Für die Milcherzeugung wären die Flächen dann wertlos.“

Auch der geplante Randstreifen von fünf bzw. drei Metern entlang von Gewässern, auf denen keine Pflanzenschutzmittel und kein Dünger ausgebracht werden dürften, würde erhebliche Einschränkungen bedeuten – in Friesland gibt es ein 10.000 Kilometer langes Grabennetz. Bei Festlegung derartiger Randstreifen würden bis zu 15 Prozent der Futterflächen betroffen sein. Der vorgesehene Erschwernisausgleich, den das Volksbegehren Artenvielfalt verspricht, gleicht die Verluste bei weitem nicht aus.

Dabei ist die Landwirtschaft in Friesland mit dem großen Grünlandanteil, den bäuerlichen Familienbetrieben, der weit verbreiteten Weidehaltung und den kurzen Wegen zu den regionalen Molkereien doch genau die Landwirtschaft, die gesellschaftlich gewollt ist. „Wenn wir diese Betriebe lahmlegen und die Lebensmittel stattdessen aus dem Ausland importieren, ist der Natur doch auch nicht geholfen“, betont Hartmut Seetzen. „Das Volksbegehren gefährdet viele Betriebe. Der Niedersächsische Weg dagegen könnte Artenschutz und den Erhalt der Familienbetriebe sichern, und die Verbraucher können weiter zuverlässig mit heimischen Nahrungsmitteln versorgt werden. Darum unsere Forderung: Keine Unterschrift unter das Volksbegehren!“

 

 

Unternehmensberater gesucht

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UNTERNEHMENSBERATER/IN LANDWIRTSCHAFT (M/W/D)

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Landvolk Nord West Unternehmensberatungsgesellschaft mbH
z.Hd. Herrn Manfred Ostendorf / Geschäftsführer
Albrecht-Thaer-Straße 2
26939 Ovelgönne
Tel: 04401 98050

 

 

Küsten müssen wolfsfrei bleiben

Sie machen gemeinsam auf die Nöte und Sorgen der Weidetierhalter aufmerksam (v.l.): Hartmut Seetzen (Vorsitzender KLV Friesland), Deichschäfer Kurt Metzner aus Petersgroden und Ellen Kromminga-Jabben (Vorsitzende KreisLandFrauenverband Friesland-Wilhelmshaven).

Seit Jahresbeginn haben Landwirte und Deichschäfer in Friesland sowie im angrenzenden Ostfriesland immer wieder gerissene Tiere aufgefunden: Fünf Vorfälle mit zehn toten und einem verletzten Schaf und einer toten Ziege gab es in Friesland. Mittlerweile ist in den meisten Fällen auch amtlich festgestellt, dass es sich dabei um Wolfsrisse gehandelt hat. Nicht nur Landwirte, sondern auch Pferdehalter sind besorgt: Die Weidesaison ist in vollem Gange, und es ist zu erwarten, dass es zu weiteren Rissen kommt.

Um die Bevölkerung auf diese Sorgen aufmerksam zu machen, haben die Kreislandvolkverbände Friesland und Wesermarsch gemeinsam mit den KreisLandFrauenverbänden Friesland-Wilhelmshaven sowie Wesermarsch ihren Mitgliedern mehr als 200 Aktionsplakate zur Verfügung gestellt, die überall in den beiden Landkreisen aufgehängt wurden. Die Plakate sollen gleichzeitig die Forderungen nach einem wirksamen Wolfsmanagement in Niedersachsen bekräftigen, die die Kreislandvolkverbände bereits seit Jahren erheben:

  • Die Küstenlandkreise mit ihren langen Deichlinien müssen wolfsfreie Zonen bleiben.
  • Herdenschutzmaßnahmen wie hohe, stromführende Zäune und Herdenschutzhunde sind hier nicht möglich – die Kosten wären unverhältnismäßig, die Pflege (Grasschnitt, Treibselentfernung) nicht zu leisten, und Herdenschutzhunde eine Gefahr für die zahlreichen Ausflügler und Touristen. Ohne Beweidung ist die Deichsicherheit aber gefährdet. Es ist zu begrüßen, dass eine entsprechende Sonderregelung in der Niedersächsischen Wolfsverordnung festgeschrieben werden soll.
  • In den Grünlandgebieten entlang der Küste ist die – gesellschaftlich gewünschte – Weidehaltung weit verbreitet. Diese ist mit der – ebenfalls gesellschaftlich gewünschten – Wiederansiedlung von Wölfen nicht vereinbar. Die Weidetierhalter dürfen mit den Folgen dieses ungelösten Zielkonflikts nicht allein gelassen werden.
  • Es muss ein echtes Wolfsmanagement inklusive Bestandsregulierung in Niedersachsen und auf Bundesebene geben, mit einer festgelegten Obergrenze für den Wolfsbestand und der Möglichkeit, die Größe der Rudel präventiv zu regulieren – schon bevor ein Riss passiert ist. Sonst wird es jedes Frühjahr wieder dazu kommen, dass Jungwölfe ihren Weg nach Friesland finden, weil landschaftlich geeignetere Reviere bereits belegt sind.
  • Wölfe sind auch für Pferde und vor allem Fohlen eine Gefahr.

Daten und Fakten zur Weidehaltung
In Friesland werden rund 88.500 Rinder in ca. 400 Betrieben gehalten. Zudem gibt es 8.000 Schafe, die überwiegend von den Deichschäfereien gehalten werden zur Pflege der 75 Kilometer langen Deiche. Es gibt ca. 1.300 Pferde. Die allermeisten dieser Tiere haben in den Sommermonaten Weidegang.

Die landwirtschaftliche Nutzfläche Frieslands besteht aus verhältnismäßig kleinen Feldblöcken, die meist durch Gräben voneinander abgegrenzt sind. Die Kosten für eine wolfssichere Einzäunung betragen ca. 5.000 bis 10.000 Euro je Feldblock. Für einen durchschnittlichen Milchviehbetrieb kämen Kosten in Höhe von 150.000 bis 300.000 Euro zusammen. Bei Zäunen beidseitig der Gewässer wäre eine Unterhaltung kaum noch durchführbar, auch ein Wildwechsel von allen anderen Wildtieren wäre nahezu unmöglich.

 

 

Landwirte lassen Friesland aufblühen

Renke Hullmann (l.) und Hartmut Seetzen unterstützen die Aktion “Bienenfreundlicher Landwirt” der Kampagne “Echt grün – Eure Landwirte”.

Während der Mais im Feld nebenan gerade erst gekeimt ist, ist in dem bunten Streifen am Grabenrand schon reges Treiben: Bienen, Hummeln und zahlreiche weitere Insekten tummeln sich zwischen violetter Phacelia und orangen Ringelblumen, dazwischen stecken hier und da auch Margeriten ihre weißen Köpfe den warmen Sonnenstrahlen entgegen. „Diesen Blühstreifen habe ich schon im vergangenen Frühjahr angelegt“, berichtet Landwirt Renke Hullmann, der die Flächen am Hammweg in Varel-Hohenberge bewirtschaftet. „Durch die Trockenheit sah es hier im Sommer gar nicht so gut aus, aber jetzt sind die Pflanzen umso schöner wiedergekommen.“

Mehrjährige Blühflächen sind auch aus einem anderen Grund von Vorteil: Wenn die Pflanzen über den Winter stehen gelassen werden, können die Insekten in die Stängel ihre Eier ablegen; außerdem bieten die Streifen Niederwild eine Rückzugsmöglichkeit. Um Insekten weiteren Lebensraum zu bieten, hat Renke Hullmann den Aushub aus dem benachbarten Graben nicht abgefahren, sondern zu einem Haufen geschichtet, den er liegenlässt, bis sich das pflanzliche Material zersetzt hat.

Insgesamt hat der Vareler Landwirt auf rund 35.000 Quadratmetern seiner Fläche Blühstreifen und Wildäcker angelegt, um die Artenvielfalt zu fördern und Insekten Lebensraum und Nahrung zu bieten; dies macht er schon seit vielen Jahren. Zum ersten Mal beteiligt er sich in diesem Jahr aber an der Aktion „Bienenfreundlicher Landwirt“ der Kampagne „Echt grün – Eure Landwirte“. Um das Siegel „Bienenfreundlicher Landwirt“ zu erhalten, hat er sich neben der Anlage von Blühstreifen dazu verpflichtet, die Hälfte seiner Feldrandstreifen und Wegerandstreifen erst nach dem Ausblühen zu mähen, damit sich Wildkräuter vermehren können. Außerdem hat er Altgrasstreifen, die in der Vegetationszeit gar nicht gemäht werden – auch das ein Beitrag zu mehr Artenvielfalt.

Damit dieses Engagement auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, erhält jeder „Bienenfreundliche Landwirt“ Feldrandschilder, die auf die Blühstreifen hinweisen. „Ziel der Aktion ist aber auch, in der Bevölkerung ein Bewusstsein für das Thema zu wecken“, sagt Hartmut Seetzen, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Friesland. „Jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten, im eigenen Garten oder selbst auf dem Balkon.“ Auch andere Flächeneigentümer wie die Kommunen oder auch die Wasser- und Bodenverbände seien hier gefragt – durch die Anlage von Blühflächen, aber auch durch das seltenere Mähen von öffentlichen Grünflächen oder der Verzicht auf das Mulchen von Wegerandstreifen.

Wie groß die Blühstreifen und -flächen der Friesländer Landwirte insgesamt sind, lässt sich im Moment noch nicht sagen. Die Daten werden bei der Landwirtschaftskammer gesammelt und erst später im Jahr ausgewertet. Der Kreislandvolkverband Friesland rechnet aber damit, dass die Fläche mindestens so groß sein wird wie im vergangenen Jahr, als in Friesland auf fast 200 Hektar oder 2.000.000 Quadratmetern landwirtschaftlicher Nutzfläche Blühflächen und Feldrandstreifen angelegt worden sind oder Flächen brachliegengelassen wurden.

In dieser Statistik noch nicht mitgezählt sind die vielen kleineren Maßnahmen wie etwa die Sonnenblumenstreifen, die viele Landwirte entlang ihrer Maisfelder einsäen. In ganz Niedersachsen brachten Landwirte 2019 auf fast 26.500 Hektar ein- oder mehrjährige Blühmischungen aus. Sie legten auf mehr als 5.000 Hektar Blühstreifen an, weitere 23.000 Hektar lagen brach, um die Artenvielfalt zu erhöhen.

 

 

Aktkion “Bienenfreundlicher Landwirt” geht in die nächste Runde

Nach dem erfolgreichen Start 2019 geht die Aktion „Bienenfreundlicher Landwirt“ der Kampagne „Echt grün – Eure Landwirte“ in die nächste Runde. Der Kreislandvolkverband Friesland ruft seine Mitglieder dazu auf, sich an dieser niedersachsenweiten Aktion zu beteiligen und damit ihr Engagement für den Insektenschutz öffentlich sichtbar zu machen.

Wildbienen und andere Insekte spielen eine wichtige Rolle in der Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen: 75 Prozent von ihnen sind auf die Bestäubung durch Bienen und andere Insekten angewiesen! Für gute Ernten und die ökologische Artenvielfalt von Pflanzen ist es daher unerlässlich, den Insekten den Lebensraum einzuräumen, den sie verdienen. Gemeinsam mit dem Bieneninstitut Celle (LAVES Institut für Bienenkunde Celle) sind Maßnahmen entwickelt worden, wie Insekten über die tagtäglichen Anstrengungen der Landwirte hinaus besonders geschützt werden können. Ziel ist es, auch Nicht-Landwirte zum Insektenschutz zu animieren, denn Jede und Jeder kann sich engagieren – jede Fensterbank und jeder Vorgarten zählen!

Und so geht es: Mit jeder Maßnahme kann man, je nach Intensität ihrer Wirkung, Punkte sammeln und in einem Teilnahmeblatt eintragen, das es unter www.eure-landwirte.de/jetzt-mitmachen-bienenfreundlicher-landwirt-2020/ im Internet zum Download gibt. Hat ein Betrieb genügend Punkte erreicht, bekommt er die jährlich verliehene Auszeichnung „Bienenfreundlicher Landwirt“. Auch in unserer traditionellen Grünlandregion, wo die Anlage von Blühstreifen nicht so einfach umzusetzen ist wie in Ackerbauregionen, können Landwirte mitmachen – wenn sie beispielsweise extensiv genutzte Weideflächen haben, die höchstens einmal im Jahr gemäht werden.

Auch natürliche Nistmöglichkeiten und Baumaterialien für den Nestbau sind auf vielen Höfen selbstverständlich. Von Totholzstapeln über Sandhaufen bis hin zum Scheunendach finden Wildbienen & Co vielerlei Zuhause. Wichtig ist: Da einige Arten auf spezielle Nistmaterialien festgelegt sind, führt nur eine Vielfalt von Angeboten und Maßnahmen zu einer Vielfalt von Insekten.

All diese Maßnahmen erfolgen von Landwirten freiwillig als Selbstverpflichtung in Abstimmung mit dem Bieneninstitut Celle. Denn: Landwirte sind der größte Landschaftspfleger Deutschlands und der Grund, dass die Kulturlandschaft, die unser Land prägt, weiter besteht.

 

Landwirte sind in großer Sorge um Lämmer

Die Bedrohung durch den Wolf wird immer drängender: Nachdem es bereits in den vergangenen Wochen immer wieder Risse auch im Landkreis Friesland gegeben hatte, ist in der Wesermarsch jetzt zum ersten Mal ein neugeborenes Kalb aus einem Stall herausgeholt und getötet worden – aller Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls von einem Wolf. „Unsere Landwirte sind in großer Sorge um ihre Tiere, vor allem um die Schafe“, sagt Hartmut Seetzen, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Friesland. „In den vergangenen Wochen war in den meisten Betrieben Lammzeit, und die Tiere befanden sich im Stall. In diesen Tagen geht es mit den jungen Lämmern aber wieder hinaus auf die Weiden und die Deiche. Ich möchte mir das Bild gar nicht vorstellen, wenn es dort den ersten Wolfsangriff gibt.“

Wölfe machen, anders als immer wieder vorhergesagt, auch vor Schafen auf den Deichen nicht Halt: In der vergangenen Woche gab es einen verheerenden Riss am Emsdeich in Westoverledingen (Landkreis Leer), wo mehr als 20 Schafe tot aufgefunden wurden, teils grausam zugerichtet. Das Landvolk hatte immer wieder gefordert, dass die Küstengebiete wolfsfreie Zonen bleiben müssen, da entlang der Deiche Herdenschutzmaßnahmen wie stromführende Zäune oder Herdenschutzhunde angesichts der zahlreichen Touristen und Ausflügler nicht umzusetzen sind. Außerdem werden vor allem in den Küstenregionen viele Tiere auf der Weide gehalten – ein reich gedeckter Tisch für Wölfe.

„Wölfe, die in Ställe eindringen und auf unseren Deichen unterwegs sind, sind für uns Problemwölfe, die gezielt entnommen werden müssen“, fordert Hartmut Seetzen. „Es muss endlich ein echtes Wolfsmanagement in Niedersachsen mit einer Regulierung des Bestands geben. Sonst wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis die nächsten Tiere hier auftauchen.“

 

Corona: Auch Landwirte sind „kritische Infrastruktur“

Das Coronavirus ist auch für die Landwirte in Friesland ein Thema. Zwar haben sie berufsbedingt in der Regel weniger Sozialkontakte als Mitarbeiter in Arztpraxen oder Supermärkten und können daher einfacher die empfohlenen Verhaltensregeln umsetzen und Abstand zu ihren Mitmenschen halten. Sollten sie jedoch erkranken, wäre dies besonders problematisch: Die Tiere müssen ja trotzdem weiter versorgt werden, und eine Ersatzarbeitskraft ist oft nur schwer zu organisieren.

„Die Gesundheitsämter geht derzeit davon aus, dass bei einer verordneten häuslichen Quarantäne die betreffenden Landwirte weiterhin ihre Arbeit auf den Betrieben verrichten dürfen“, hat Manfred Ostendorf, Geschäftsführer des Kreislandvolkverbands Friesland, auf Nachfrage erfahren. Sollte ein Mitarbeiter betroffen sein, könnte der in Absprache mit dem Gesundheitsamt die angeordnete Quarantäne auch auf dem landwirtschaftlichen Betrieb verbringen, bei dem er angestellt ist, um die Versorgung der Tiere sicherzustellen.

Eine Übertragung des Virus auf die Tiere braucht dabei niemand zu befürchten: Bislang gebe es darauf keinerlei Hinweise, so das Friedrich-Löffler-Institut. Auch eine Übertragung über Lebensmittel wie beispielsweise Milch ist nach Aussage des Bundesinstituts für Risikobewertung noch nicht beobachtet worden.

Für die Landwirte in Friesland ist aber nicht nur wichtig, dass sie ihre Tiere versorgen und die Milch weiter abgeholt und zur Molkerei gebracht werden kann. Sie müssen jetzt im Frühjahr auch mit den Arbeiten auf dem Feld beginnen, um den Sommer über Getreide oder Gras und Mais als Futter für ihre Tiere ernten zu können. „Auf vielen Betrieben steht jetzt erst einmal die Neuansaat der Grasnarbe an, die durch die Mäuseplage komplett zerstört worden ist“, sagt Manfred Ostendorf. „Das muss jetzt bald losgehen, sobald die Flächen abgetrocknet sind. Die Milchviehhalter sind auf frisches Gras angewiesen, die meisten Betriebe müssen schon längst Futter zukaufen.“ Daher sei es wichtig, dass ein Landwirt auch unter Quarantäne auf seinem Trecker die Felder bearbeiten darf. Die Einzelheiten sollten Betroffene mit dem Gesundheitsamt abklären.

„Die Corona-Krise führt uns vor Augen, wie schnell unsere globalisierte, durchgetaktete Welt aus dem Gleichgewicht geraten kann“, betont Manfred Ostendorf. „Wir sehen, wie wichtig es ist, dass wir uns bei den Waren des täglichen Bedarfs nicht von Lieferungen aus dem Ausland abhängig machen. Insofern gehören die Landwirte genauso zur ,kritischen Infrastruktur‘ wie die Mitarbeiter im Supermarkt; sie alle stellen die Versorgung der Bevölkerung mit heimischen Lebensmitteln sicher.“

 

Antragsverfahren zur Wiederherstellung von geschädigtem Dauergrünland läuft an

Die Mäuseplage hat dem Dauergrünland auf vielen Standorten in Friesland, Wilhelmshaven und der Wesermarsch stark zugesetzt, großflächig drohen Totalausfällen der Grasnarbe. Ab sofort kann mit einem sogenannten „Antragsverfahren höherer Gewalt“ die Wiederherstellung von betroffenen Dauergrünland beantragt werden.

Dieses Verfahren ist nicht das, was das Landvolk wollte. Es ist vielmehr das Ergebnis der beteiligten Ministerien und Behörden. Zu allem Übel hat das Niedersächsische Umweltministerium einen Erlass an die betroffenen Unteren Naturschutzbehörden versandt. Durch diesen Erlass ist zu befürchten, dass Anträge in Schutzgebieten kaum genehmigungsfähig sind oder evtl. Genehmigungen mit erheblichen Auflagen verbunden werden.

Die Kreislandvolkverbände haben die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Antragsverfahren zusammengestellt. Sie finden diese Hinweise nachfolgend als pdf-Dokument zum Download. Außerdem finden Sie das Antragsformular sowie das Merkblatt der Landwirtschaftskammer.

Hinweise Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland zum Antragsverfahren
Antragsformular Mäuseschäden
Hinweise Landwirtschaftskammer zum Antragsverfahren

 

Am Zukunftstag mal Landwirt sein

Am Zukunftstag können Schülerinnen und Schüler viel selbst ausprobieren – Trecker fahren, aber auch Kälber scheren oder landwirtschaftliche Geräte reparieren.

Kühe melken, Kälber füttern und Trecker fahren – das können Schülerinnen und Schüler aus Friesland und Wilhelmshaven am Zukunftstag ausprobieren, der in diesem Jahr am Donnerstag, 26. März 2020, stattfinden wird. Dabei haben sie die Wahl: Entweder können Sie den Tag auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der Nähe ihres Wohnorts verbringen, oder sie kommen nach Schortens auf den Familienbetrieb von Jürgen Becker. Dort werden Schüler der Berufsbildenden Schule III Oldenburg gemeinsam mit dem Kreislandvolkverband Friesland und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Bezirksstelle Oldenburg-Nord, ein zentrales Angebot für Schülerinnen und Schüler der 5. bis 10. Klassen auf die Beine stellen und ihnen einen Einblick in den vielseitigen Beruf des Landwirtes ermöglichen.

Die Fachschüler der BBS Oldenburg werden verschiedene Stationen gestalten, an denen die Jungen und Mädchen nicht nur praktisch tätig werden dürfen, sondern auch entsprechende Hintergrundinformationen bekommen. Geplant sind das Füttern und Melken der Kühe, die Zusammenstellung einer Futterration sowie die Kälberfütterung. Außerdem wird Getreide bestimmt und über Ackerbau informiert. An Technik interessierte Schülerinnen und Schüler haben Gelegenheit, viele verschiedene Maschinen kennen zu lernen und auf dem Trecker je nach Wetterlage das Grubbern, Pflügen, Düngerstreuen oder die Grünlandpflege mit zu machen. Zudem wird ausführlich über den Ausbildungsberuf des Landwirtes und die beruflichen Perspektiven informiert.

“Gerade landwirtschaftliche Betriebe eignen sich hervorragend, um Schülerinnen und Schüler mit einzubeziehen und Ihnen hautnah zu vermitteln, dass Arbeit zwar anstrengend ist, aber auch viel Spaß macht. Die Jugendlichen können viele Tätigkeiten eigenständig verrichten und die Landwirtschaft mit allen Sinnen erleben”, wirbt Andrea Vogt, Landvolk-Mitarbeiterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, für die Teilnahme.

Versorgung und Pflege der Tiere, Arbeiten auf dem Feld und der Umgang mit landwirtschaftlichen Maschinen – der Beruf des Landwirts ist sehr vielfältig.

Die Landwirte und alle weiteren Beteiligten freuen sich darauf, die interessierten jungen Menschen für die Landwirtschaft zu begeistern und ihnen zu zeigen, dass dieser Beruf sehr vielseitig ist und ein selbständiges Arbeiten mit hohem Maß an Verantwortung für Mensch und Tier ermöglicht. Wenn man Interesse an der Natur, am Umgang mit Tieren und moderner Technik hat, lohnt es sich, über eine Ausbildung in diesem Beruf nachzudenken, auch wenn man nicht aus der Landwirtschaft kommt. Jedes Jahr steigen die Ausbildungszahlen. Bereits ein Drittel der Auszubildenden sind weiblich. Aufgrund der inzwischen ausgeprägten Technisierung ist der Beruf der Landwirtin auch für Frauen zunehmend attraktiv, denn er hat vielfältige Aufstiegsmöglichkeiten in der gesamten Agrar- und Ernährungswirtschaft.

Schülerinnen und Schüler, die den Zukunftstag in einem landwirtschaftlichen Betrieb verbringen möchten, sollten sich bis zum 10. März unter der Telefonnummer 0441 340100 oder per E-Mail an ralf.minits@lwk-niedersachsen.de bei der Bezirksstelle Nord der Landwirtschaftskammer Niedersachsen anmelden. Für Rückfragen steht auch Andrea Vogt, Telefon 04401 980522 beim Kreislandvolkverband Friesland zur Verfügung.

 

 

Geschäftsstelle Friesland jetzt im „Grünen Zentrum“ in Ovelgönne

Sie machten sich ein Bild von den neuen Räumen der Geschäftsstelle: (v.l.) Uwe Reese (Bürgermeister Stadt Wilhelmshaven), Gerd-Christian Wagner (Bürgermeister Stadt Varel), Sven Ambrosy (Landrat Friesland), Stephan Eiklenborg (Bürgermeister Sande), Siemtje Möller (SPD-Bundestagsabgeordnete für Friesland und Wilhelmshaven), Manfred Ostendorf (Geschäftsführer Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland), Hartmut Seetzen (Vorsitzender Kreislandvolkverband Friesland)

Mit einer kleinen Feierstunde sind jetzt die neuen Räume der Geschäftsstelle des Kreislandvolkverbands Friesland eröffnet worden. Die Geschäftsstelle war Ende des vergangenen Jahres von Schortens nach Ovelgönne (Landkreis Wesermarsch) umgezogen und befindet sich jetzt unter dem Dach des „Grünen Zentrums“. Dort sind insgesamt 14 landwirtschaftliche Verbände, Vereine und Institutionen untergebracht – neben der Geschäftsstelle des Kreislandvolkverbands Wesermarsch auch das Grünlandzentrum Niedersachsen-Bremen, die Versuchsstation der Landwirtschaftskammer Niedersachsen für Grünlandwirtschaft und Rinderhaltung, der Maschinenring oder die Ländliche Erwachsenenbildung.

„Natürlich findet ein Landrat es nicht gut, wenn der Landvolk-Vorsitzende zu ihm kommt und sagt, wir ziehen um in die Wesermarsch“, bekannte Frieslands Landrat Sven Ambrosy in seinem Grußwort. Es sei aber richtig, wenn die Landwirtschaft ihre Kräfte bündele und die Zusammenarbeit in der Region vorantreibe. Acht Prozent der Arbeitsplätze in der Region hingen direkt oder indirekt an der Landwirtschaft. Daher sei es wichtig, dass es weiterhin eine starke Landwirtschaft gebe, in der auch weiterhin Wertschöpfung möglich bleibe.

Mit dem Umzug der Geschäftsstelle nach Ovelgönne konnten die Bürozeiten erheblich erweitert werden: montags bis freitags ist nun zwischen 8 Uhr und 16.30 Uhr durchgehend ein Ansprechpartner erreichbar. War Manuela Lafarré bislang halbtags beim Beratungsring Friesland beschäftigt, ist sie nun ganztags für den Kreislandvolkverband tätig und übernimmt neben ihrer Tätigkeit im Sekretariat auch Aufgaben in der Grünen Buchführung. Manuela Lafarré ist unter der Telefonnummer 04401 9805-15 zu erreichen; die Faxnummer lautet 04401 9805-55. Die E-Mail-Adresse ist gleich geblieben und lautet weiterhin kreislandvolk.friesland@ewetel.net.

Der Kreislandvolkverband Friesland hatte bereits in der Vergangenheit eng mit dem Nachbarverband in der Wesermarsch zusammengearbeitet, etwa auf dem Gebiet der steuerlichen Buchstelle. Diese Zusammenarbeit ist jetzt nochmals erweitert worden: Zum 1. Januar kooperiert die Buchstelle mit der Steuerberatungsgesellschaft des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland (LHV) und gehört damit zu einem Verbund von 90 Mitarbeitern an insgesamt vier Standorten. Alle Mitarbeiter wurden übernommen, zusätzlich ist mit Menno Burmann ein junger Steuerberater ins Team nach Ovelgönne gekommen.

“Durch den Verbund eröffnen sich neue Möglichkeiten bei der Digitalisierung der Arbeit”, sagte Matthias Baumann, Leiter der LHV Steuergesellschaft. “In der technischen Entwicklung, aber auch in der Personalentwicklung ist Größe ein Vorteil, genauso bei der Qualität der steuerlichen, rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Beratung, wenn man sich die Komplexität des Steuerrechts vor Augen führt.“

Die Kooperation mit den Ostfriesen erstreckt sich jedoch nicht nur auf die Buchstelle: Zum 1. Januar hat auch die gemeinsame Landvolk-Unternehmensberatungsgesellschaft Nord-West ihre Arbeit aufgenommen, die den Mandanten auf Basis der steuerlichen Daten eine tiefergehende betriebliche Beratung anbieten kann, um die wirtschaftliche Struktur der Betriebe langfristig zu stärken. „Durch die Zusammenarbeit zwischen Steuerberatung und Betriebswirtschaft können wir Betriebsvergleiche und -analysen sowie Betriebszweigauswertungen im großen Verbund anbieten, Entwicklungspläne und Finanzplanungen erstellen und die Betriebe bei Finanzierungsfragen und Restrukturierungen begleiten“, nennt Manfred Ostendorf, Geschäftsführer der Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland, die Bandbreite der Aufgabengebiete.