Wetter, Wasser, Erde

Wetter, Wasser und die Erde

Das Wetter in Friesland wird maßgeblich vom Wasser und vom Wind bestimmt. Achthundert bis achthundertfünfzig Liter Wasser befeuchten jährlich jeden Quadratmeter Land, von dem ein Teil unter dem Meeresspiegel liegt. Eine geregelte Entwässerung des Binnenlandes ist daher unumgänglich. Grüne Weiden und ausreichend feuchte Ackerböden sowie trockene Keller in den Wohnhäusern sind der Lohn für diese Mühe. Lebensnotwendig ist auch die Instandhaltung der Deiche an der Küste. Dafür zahlt jeder Einwohner der Region eine Abgabe, die den Küstenschutz mitfinanziert.

Die Sonne spielt mit ihren ca.1000 Einstrahlungsstunden pro Jahr leider nicht die größte Rolle, doch innerhalb eines ca. 4 km breiten Küstenstreifens klart es schneller auf als im Inneren des Landkreises.

Oft sieht man dort Bauern unter heiterem Himmel bei der Getreideernte, während einige Kilometer landeinwärts Schauer über das Land regnen. Verschiedene Wetterscheiden wie z.B. die Wapel tragen zu kleinräumigen Klimaunterschieden bei.

Der Wind sorgt für einen beständigen Luftaustausch, so dass Staub- und Emissionsprobleme nahezu unbekannt sind. Die jodhaltige Luft lockt nicht nur Menschen mit Atemwegserkrankungen zur Linderung an die Küste, sondern trägt auch zu einem guten Gesundheitszustand des Weideviehs bei. Durchschnittlich 160 Tage bleiben die Rinder in der Zeit von Mai-Oktober draußen. Die Milchkühe genießen die Stunden zwischen den Melkzeiten auf der Weide. Artgerechte Rinderhaltung ist somit in Friesland gute fachliche Praxis der Landwirtschaft.

Marsch, Geest, Moor und Plaggenesch

Stellen Sie sich vor, Sie stünden auf einem Deich im Wangerland. Nach Norden hin blicken Sie zum Meer und sehen vor dem Deich die Rohmarsch. Sie entsteht durch die Ablagerung von Schlick, der mit jeder Überflutung angetragen wird. Zunächst wächst dort der salz-tolerante Queller, später auch Gräser und Blütenpflanzen – die Salzwiesen entstehen. Wenn Sie sich nun umdrehen und ins Binnenland schauen, sehen Sie die Ackermarsch oder Kalkmarsch, also den durch die Eindeichung vom Meer getrennten Schlickboden. Er ist sehr fruchtbar und durch die Reste der Meerestiere (z.B. Muschelschalen) kalkhaltig, verliert durch Auswaschung mit der Zeit seinen Salzgehalt und kann beackert werden. Aufgrund seines hohen Nährstoffgehaltes wird hier bevorzugt Weizen angebaut. Auch die Klei-Kartoffeln stammen von hier.

Im Laufe der Zeit verändert sich der Boden durch die Beackerung, er wird saurer und verdichtet sich, weil Tonteilchen verlagert werden. Dadurch wird er immer schwerer zu bearbeiten und sein Niveau sinkt unter den Meeresspiegel. Diese sogenannte alte Marsch oder Kleimarsch eignet sich als Grünlandstandort, auf dem Weidevieh gehalten wird. Er muß permanent entwässert werden.

Die Geest ist als Folge ihrer Entstehungsgeschichte (Ablagerung von Schmelzwassersanden am Ende der Saale- Eiszeit) eine Landschaft mit vergleichsweise nährstoffarmen Böden. Die Bodenregion der Geest nimmt mit 64 % Flächenanteil den größten Teil Niedersachsens ein. Trotz der vergleichsweise armen Standorte wird die Geest vom Menschen seit langem landwirtschaftlich genutzt, denn sie ist leicht zu bearbeiten und erwärmt sich schneller als schwere Böden, was dem Pflanzenwachstum zugute kommt. Im Frühjahr trocknet der sandige Boden schnell ab, so daß Trecker und Maschinen ohne Schaden anzurichten mit der Bearbeitung zügig beginnen können. Mais, Gerste, Roggen und Kartoffeln findet man auf der Geest. Die Landwirte sind hier besonders dazu angehalten, durch fachkundige Bewirtschaftung Humusverluste und Erosion (Bodenabtrag durch Wind und Regen) zu vermeiden.

Geestböden wurden vor allem in Regionen westlich der Weser schon vor Jahrhunderten kontinuierlich verbessert, weil die Einstreu aus den Viehställen, die aus abgeplaggten Heide– und Grassoden, gemischt mit Torf, bestand, beim Ausmisten auf die sandigen Äcker ausgebracht wurde. Im Laufe der Zeit entstand so eine humusreiche, fruchtbarere Bodenschicht, der sogenannte Plaggenesch. Als Faustregel gilt: 10 Jahre lang Plaggenmist aufbringen ergibt einen Zentimeter Bodenzuwachs.

Moorböden sind im Verlaufe von Jahrhunderten dort entstanden, wo sich auf wasserundurchlässigen Bodenschichten Regenwasser oder Grundwasser sammeln konnte und kaum Nährstoffe im Untergrund enthalten waren. Eine besondere Pflanzengemeinschaft, in der die sogenannten Torfmoose eine wichtige Rolle spielen, besiedelte diese Wasserflächen vom Rande aus. Absterbende Pflanzen sanken im Wasser zu Boden, ohne sich in dem sauren Milieu zu zersetzen und leiteten einen Verlandungsprozeß ein. Der Torf entstand. Solche Böden sind nur nach Trockenlegung, Aufkalkung und Versorgung mit Dünger für die Landwirtschaft nutzbar. Sie eignen sich für anspruchslosere Getreidearten wie Roggen, Hafer oder Gerste, werden zum Teil auch mit Mais und Kartoffen bestellt und als Grünland genutzt.