Archiv 2016

 

Archiv 2016

Bauern setzen Milchpreis-Petition fort

Preisverfall im Einzelhandel vorerst gestoppt – Übergabe an Edeka in Minden

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Übergabe bei Edeka in Minden (von links): Alexandra Antonatus, Dieter Krüger (beide Edeka), Dr. Karsten Padeken (Landvolk Wesermarsch), Frank Thiedig (Edeka) und Hartmut Seetzen (Landvolk Friesland).
Bild: Echt Grün

Hannover/Minden. Eine positive Zwischenbilanz ihrer Online-Milchpreispetition hat die Initiative „Echt Grün – Eure Landwirte“ gezogen. Die von inzwischen sieben Kreislandvolkverbänden mit 25.000 Mitgliedern aus Niedersachsen getragene Initiative hatte seit dem vergangenen Juni die Verbraucher zum Unterschreiben der Petition aufgerufen. Anlass war der inzwischen gebremste Verfall der Milchpreise im Einzelhandel und die auf einen Tiefpunkt gesunkenen Milch-Auszahlungspreise der Molkereien an die Landwirte.

In der Petition werden die großen Handelsketten und Discounter aufgefordert, ihren Preiskampf mit Niedrigpreisen für Milch und Milchprodukte auf dem Rücken der Milchbauern zu beenden. Nach Angaben der Initiative haben bislang 26.108 Menschen die Online-Petition unterschrieben.

Dr. Karsten Padeken, Vorsitzender des Landvolks in der niedersächsischen Milchvieh-Region  Wesermarsch, würdigte die große Beteiligung an der Petition: „Das Interesse ist ungebrochen groß. Die bisher schon geleisteten Unterschriften machen deutlich, dass die Verbraucher nicht viel vom Verramschen hochwertiger Lebensmittel halten.“

Die hohe Beteiligung an der Petition offenbare zudem eine große Verbundenheit der Verbraucher mit der Landwirtschaft. Die engagierten Reaktionen und ausführlichen Diskussionen in den Sozialen Netzwerken über die Entwicklung der Milchpreise seien außerdem ein Beleg dafür, dass sich sehr viele Menschen intensiv mit dem Thema Lebensmittelproduktion befassten, meinte Karsten Padeken.

„Nicht in meinem Namen“ lautet der Titel der Online-Petition, deren erste Ergebnisse jetzt Vertreter der Initiative „Echt Grün – Eure Landwirte“ an leitende Mitarbeiter der Edeka-Handelsgruppe Minden-Hannover mit Sitz in Minden übergaben. Neben Karsten Padeken war auch der Vorsitzende des Kreislandvolkverbandes Friesland, Hartmut Seetzen, nach Minden gefahren, um gegenüber den Edeka-Verantwortlichen die Haltung der Milchbauern zu verdeutlichen. Allerdings machte das Einzelhandelsunternehmen in einem längeren Gespräch mit „Echt Grün“ auch die Milchbauern für den „Preisverfall“ bei Milch verantwortlich. Sie würden eindeutig zu viel Milch produzieren.

Obwohl die Molkereien die Auszahlungspreise an die Milchbauern in jüngster Zeit erhöht haben, hält „Echt Grün – Eure Landwirte“ an der Milchpreis-Petition fest. Die Verbraucher sind weiterhin zur Unterschrift aufgefordert. Hartmut Seetzen: „Wir bitten weiterhin um Unterstützung, denn auch wenn Molkereien den Bauern inzwischen 30 Cent pro Liter Milch bezahlen, ist das zwar ein deutlicher Schritt nach vorne, der aber längst nicht ausreicht.“

Die Milchbauern könnten noch lange nicht von einem Kontoausgleich sprechen. Schließlich sei die Durststrecke sehr lang gewesen und so mancher landwirtschaftliche Betrieb habe diese Krise nicht überstanden, so Hartmut Seetzen. Betriebsaufgaben oder Fusionen seien die Folge. Deutlich sei jedoch jetzt schon ein Rückgang der produzierten Milchmenge in Deutschland.

Die Online-Milchpreispetition ist weiterhin unter
www.eure-landwirte.de zu erreichen.

 

Achtung! An alle Mitglieder!

Neue Düngeverordnung betrifft jeden – jetzt das Anhörungsrecht nutzen!

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Jeder Landwirt hat aktuell die Möglichkeit, seine persönlichen Bedenken zum Entwurf der Düngeverordnung beim zuständigen Bundeslandwirtschaftsministerium einzureichen. Die Regelungen für das Beteiligungsverfahren und der Entwurf der Düngeverordnung können im Internet unter https://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Pflanzenbau/Ackerbau/_Texte/Duengung.html#doc604012bodyText3  abgerufen werden.

Unter nachfolgendem Link http://www.landvolk.net/Agrarpolitik/Duengeverordnung/duengeverordnung.php können Sie diesen gesamten Text mit den 23 aufgeführten Themenbereichen aufrufen . Durch Anklicken der einzelnen Themenbereiche öffnen sich jeweils Textbausteine, die Sie in Ihre persönliche Stellungnahme einbauen können.

Wir hoffen, dass möglichst viele Mitglieder eine persönliche Einwendung fristgerecht beim

BMEL

Referat 511

Rochusstraße 1

53123 Bonn

bis zum 25. November 2016 per Post einreichen, um unsere politischen Bemühungen der letzten 2 Jahre zu unterstützen!

 

Beiratssitzung vom 01.11.2016

Kreislandwirt Hartmut Seetzen betonte bei der Begrüßung: „Größe ist nicht alles“. Selbst Molkereien mit einem großen Marktanteil würden vom Lebensmitteleinzelhandel ausgebootet.

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Zwischen den Molkereien gebe es große Unterschiede beim Milchauszahlungspreis. Auch wenn am Milchmarkt positive Trends zu erahnen seien: „Nach der Krise ist vor der Krise“.  Und das bedeute für die Landwirte nach wie vor nach Möglichkeiten zu suchen, Rücklagen zu bilden.

Betreffend der Panorama-Sendung, in der Bilder von kranken Tieren „in Ställen von führenden Funktionären deutscher Landwirtschaftsverbände“ (O-Ton auf der Webseite des ARD) zu sehen waren, meinte Seetzen: “ Genauso wie in einer großen Firma, in der durchschnittlich 5% der Arbeitnehmer krank sind, gibt es auch kranke Tiere in landwirtschaftlichen Betrieben.“  Wichtig ist, dass die Tiere sofort behandelt würden. Der Panorama-Beitrag suggeriere dem Zuschauer allerdings, dass es überall so aussehe.

Dabei, so Manfred Ostendorf, seien die Bilder „bestellt“ worden und im Laufe von 1,5 Jahren durch Stalleinbrüche zustande gekommen. Hier gehe es den Aktivisten keineswegs um Tierschutz, sonst hätte  sofort der zuständige Veterinär informiert werden müssen. Absicht des Filmbeitrages sei es vielmehr, die Glaubwürdigkeit der Landvolkvertreter zu untergraben.

Um zu zeigen, wie es wirklich in der Landwirtschaft zugeht, schließen sich eventuell  auch Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein der Kampagne „Echt grün- eure Landwirte“ an. Von verschiedenen Plakatierungsaktionen im August und September seien die mit den Kampagnenmotiven beklebten Busse am meisten aufgefallen, erläuterte Manfred Ostendorf. Sowohl diese Aktion wie auch das „Politikerpraktikum“ werden zu den Wahlen in 2017 und 2018 wiederholt. Die von der Kampagne gestartete Milchpreispetition „Nicht in meinem Namen“ wird im November an EDEKA und Bünting überreicht.

Diskutiert wurde über das „Weidemilch-Label“ der Molkerei Ammerland. Für die Anlieferung der gentechnikfrei erzeugten Weidemilch wird ein Cent pro Liter Milch zusätzlich ausgezahlt.

Möglicherweise werde das Weidelabel auch auf den Fleischbereich ausgeweitet. Unklarheiten gebe es bezüglich des Fortbestandes des Naturwert-Labels. Bei der Übergabe der Milchpreispetition an Bünting in Leer werde entsprechend nachgefragt.

Die Anwesenden warfen die Frage auf, ob sich das Landvolk Gedanken zur Entwicklung der künftigen Landwirtschaft mache. Welche Linie verfolgt der Berufsverband? Was soll künftig gefördert werden? „Großbetriebe schieben die landwirtschaftliche Produktion ins gesellschaftliche Abseits. Doch eine Förderung aufgebender Kleinbetriebe macht ebenso wenig Sinn. Nach wie vor ist die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes der ausschlaggebende Faktor für seinen Fortbestand im konkurrierenden Weltmarkt“, ergänzte Seetzen.

Die Leitlinie des Landvolkes gehe aber immer vom familiengeführten Betrieb aus und „distanziere sich von Betriebsformen, die nicht familiengeführt sind. Dazu können beispielsweise Betriebe zählen, auf denen außerlandwirtschaftliche Anleger oder Kapitalgesellschaften die landwirtschaftlichen Familien aus ihrem Eigentum verdrängt haben“, erläuterte Ostendorf.

Gesprächsthema war außerdem das freiwillige Paratuberkulose-Reduktionsprogramm und das Verhalten von CC-Kontrolleuren, die sich teilweise ohne Anmeldung bei den Hofbewohnern in die Ställe begeben. Dies sei rechtlich nicht zulässig, komme aber des Öfteren vor. Lediglich der Amtstierarzt oder einer seiner Vertreter haben das Recht, unangemeldet Ställe zu betreten.

Der Neujahrsempfang der beiden Kreislandvolkverbände Friesland und Wesermarsch findet am 30.01.2017 im „Tivoli“ in Varel statt. Diesmal wird Gitta Connemann (CDU) zu Gast sein.

Ball der Landwirtschaft 2016

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Der 34. Ball der Landwirtschaft füllte den Saal im Schützenhof bis auf den letzten Platz. Kreislandvolkvorsitzender Hartmut Seetzen betonte die Bedeutung einer guten Ausbildung, um dadurch besser Krisen zu bewältigen, und bezeichnete die Landwirtschaft als strategisch wichtige Schlüsselbranche, die allerdings einem ständigen Wandel unterworfen sei. Als Beispiel nannte er die Politik von Umweltministerin Barbara Hendriks und ihre Idee, den Rinderbestand um die Hälfte zu reduzieren. Dies könne  die von der Grünlandnutzung geprägte Region und ihre Betriebe in Schwierigkeiten bringen. Von daher sei es für die jungen LandwirtInnen wichtig, sich in ihrer Interessensvertretung  von der Basis aus zu engagieren.

Ausbildungsberater Ralf Minits (LWK Niedersachsen) appellierte an die Freizusprechenden, ihr Wissen ständig zu erweitern. Er überreichte einer jungen Landwirtin und 19 frischgebackenen Landwirten ihre Zeugnisse. Einer von ihnen, Thido Meiners,  ließ die Ausbildungszeit humorvoll Revue passieren und gab den Anwesenden mit: „Wachstum ist nicht alles. Je höher eine Pflanze wird, desto schneller bricht auch mal der Halm, fällt die gute Frucht zu Boden und alles was aufgebaut wurde geht verloren. Mit einem stabilen und gleichmäßigen Wachstum, ohne sich gegenseitig das Licht wegzunehmen, benötigt die Landwirtschaft keine politischen Wachstumsregler.“

Freigesprochene Landwirt/Innen:

Dietje Johan Dirks, Christian Dupont,Jacob Evers, Arne Folkers, Malte Janßen, Helmke Kruse, Thido Meiners, Hendrik Müller, Thilo Reins, Jantje Reintsma, Marvin Riedel, Eike Rosenboom, Reemt Schemering, Tobias Schneider, Lennart Schoof, Markus Schürmann, Mark Steenblock, Jörgen Thomßen, Florian Warnken, Markus Wiechmann.

Landwirtschaftsmeister/Innen: Hedda Wienekamp, Lars Wagner, Wilke Luers (Meister und staatl. geprüfter Betriebswirt).

Staatl. geprüfte Betriebswirte: Vanessa Hemken,Janto Bauer,  Hergen Rienits

Hauswirtschafterinnen: Kyra Alena Bäßler, Stefanie Bombiak, Anna-Lena Czieslik, Svenja Feldmann, Merle Friedrichs, Maike Heyen, Johanna Janhsen, Michelle Ramke, Jessica Sleur.

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Gemeinsame Milchausschusssitzung vom 11.10.2016

Hilmar Beenken, Ausschussvorsitzender des KLV Friesland, berichtete zu Beginn der Veranstaltung von der aktuellen Marktsituation und dem Silberstreif, der sich am Horizont abzeichnet: der Milchpreis zieht an (siehe Grafik).

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Hendrik Lübben, Ausschussvorsitzender beim KLV Wesermarsch, erläuterte die Ursachen der Milchkrise. Von 2013 bis 2014 hat die weltweit produzierte Milchmenge stark zugenommen, bedingt durch gute Produktionsbedingungen. Von 2014  bis 2016 wurden in der EU 11,7 Mrd kg Milch mehr erzeugt. Aktuell befindet sich die angelieferte Milchmenge etwa auf Vorjahresniveau mit EU-weit fallender Tendenz. Zugenommen hat die Anzahl der Schlachtkühe, die Zahl der aufgebenden Milchviehbetriebe liegt mit aktuell 3460 Betrieben in 2016 höher als in 2015 (2907) und 2014 (3284). Den höchsten Stand seit 2009 hatte der Rückgang an Betrieben im Jahr 2011 mit 4528 Aufgaben erreicht.

Ein deutlicher Preisanstieg auf dem Weltmarkt und steigende Exporte an Milchprodukten aus der EU zu besseren Preisen sind erkennbar. Das zweite Milchmengenreduktions-programm, das eine EU-weite Verminderung um 1,07  Mrd Liter mit finanzieller Unterstützung für die Betriebe vorsieht, ist fast ausgeschöpft.

Ein Überblick über die Biomilchproduktion zeigte, dass trotz einer Steigerung der deutschen Produktion um 4 % in 2015 auf  736.000t  die Nachfrage nach Biomilch nicht gedeckt werden kann.  Ca. 30% der Milch, die in Deutschland verarbeitet wird, kommen  aus Österreich, Schweden und Dänemark. In Deutschland lag die Anlieferung von Biomilch in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres um rund 11 % über dem Vorjahresniveau. Trotz leicht sinkender Auszahlungspreise klafft die Schere zwischen Biomilch-Auszahlungspreis (zurzeit ca. 48 Cent/kg) und dem Preis für konventionelle Milch weiterhin stark auseinander. Die Anforderungen und Kosten, die mit einer Umstellung auf ökologischen Landbau verbunden sind, sollten allerdings nicht unterschätzt werden.

Hohe Anforderungen stellt auch Edeka mit den „Mindestanforderungen zur Haltung von Milchkühen“,  z.B. werden hier  9m² Fläche/Kuh im Stall vorgeschrieben, auf Überbelegung muss verzichtet werden, die Schlachtung trächtiger Kühe ist nicht erlaubt, Einsicht in  Milchleistungskontrolldaten muss gewährt werden  und die Futterration muss 18 % Rohfaser enthalten. Landvolk-Geschäftsführer Manfred Ostendorf sieht in diesem Kriterienkatalog die Absicht von EDEKA, eine Premium-Hausmarke zu schaffen, deren Qualitätsanforderungen sich von denen der Molkereien abhebt.

Diskutiert wurde anschließend auch darüber, wie sich die Milcherzeuger gegenüber solchen Anforderungen des LEH verhalten sollen und ob der Landesverband die Interessen der Milchbauern ausreichend vertritt. Gesprächsthema waren auch die vergangenen Aktionen  des Landvolkes zum Umgang mit der Milchkrise .

 

„Brüllmarkt“ in Jever

Mit nachdenklichen Worten eröffneten Jevers Bürgermeister Jan Edo Albers und Kreislandvolkvorsitzender Hartmut Seetzen am 09.10.2016 den „Brüllmarkt“. Beide gingen auf die aktuelle schwierige Situation der Landwirtschaft ein und appellierten an die Verbraucher, die eigene Verantwortung beim Einkauf von Lebensmitteln zu erkennen. Seetzen wies auf die Petition „Nicht in meinem Namen“ der Kampagne „Echt grün – eure Landwirte“ hin, die im Zelt der Landwirtschaft unterschrieben werden konnte. Mit dieser Petition wollen Landwirte und Verbraucher gemeinsam dem Lebensmitteleinzelhandel aufzeigen, dass das Preisdumping bei Milch und Milchprodukten nicht in ihrem Interesse liegt.

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Früh übt sich, wer später mal Milchbauer werden will.

Kinder und Erwachsene schätzten die Nähe zu den Tieren, die sie an diesem Tag erleben konnten, sehr positiv ein.

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Der Spielmannszug, Volkstanzgruppen, die Oldtimer-Traktoren und viele andere Angebote zum Thema „Stadt und Land – Hand in Hand“ boten den Besuchern an diesem verkaufsoffenen Sonntag ein reichhaltiges Programm.

Weitere Bilder finden Sie auf der Bildergalerie.

Übergabe der Erntekrone in Jever

Bernd Pauluschke vertrat Landrat Sven Ambrosy bei der traditionellen Übergabe der Erntekrone durch das Landvolk. „Es kommt nicht alles von selbst“ – auch nicht die Lebensmittel, meinte er. Und: „Wo werden noch Erntefeste gefeiert?“ Das Ritual des Dankens an diejenigen, die die Lebensmittel erzeugen und für die Ernährung der Bevölkerung sorgen sei auf dem Rückmarsch.

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Kreislandvolkvorsitzender Hartmut Seetzen beschrieb die Erntesituation der vergangenen Vegetationsperiode. „Im vergangenen Winter hörte der Regen nicht auf. Die letzte Maisernte gestaltete sich schon schwierig, die Einsaat in 2016 fiel in eine kleine Regenpause“. Auch die Qualität des geernteten Grases sei nicht unbedingt zufrieden stellend. Es seien zwar 1,50 Meter Gras gewachsen, wenn man alle Schnitte addiere, doch die Inhaltsstoffe seien wegen zum Teil regenbedingt später Mähtermine nicht optimal. Die Getreideernte sei knapp ausgefallen, das Erntegut musste nachgetrocknet werden und der Getreidepreis sinkt seit 4 Jahren. „Eine weltweit gute Getreideernte lässt die Preise fallen. Eine regionale Preisbindung gibt es nicht.“ Viele Betriebe hätten sich von der Milchpreiskrise in 2009 noch nicht erholt und bräuchten andere steuerliche Bedingungen, um weiter bestehen zu können. „Zurzeit verlieren wir Betriebe aus finanziellen Gründen“.

Hartmut Seetzen bezeichnete die friesische Landwirtschaft als einen wichtigen Wirtschaftsmotor und bedankte sich für die stete Gesprächsbereitschaft des Landkreises. Diese komme auch durch die Kommunikation in der Vorbereitung des landwirtschaftlichen Fachbeitrags und des Landschaftsrahmenplanes zum Ausdruck, ergänzte Dr. Martin Dehrendorf, Abteilungsleiter in der Abteilung 2 ( Planung und Infrastruktur) des Landkreises. Die Stadt- und Regionalplaner wollen die Siedlungsflächenentwicklung  auf die Zentren konzentrieren und weniger landwirtschaftliche Fläche in Anspruch nehmen.

J. Meier (Landkreis FRI/Wasserschutz) stellte in Aussicht, dass künftig Kompensationsmaßnahmen auf Biotopverbundsflächen durchgeführt werden sollen, z.B. durch aufwertende Maßnahmen an Gewässerrändern, anstatt dafür landwirtschaftliche Flächen zu beanspruchen. Das Wasserschutzgebiet Feldhausen verdoppele seine Fläche, Belange der Landwirtschaft sollen einbezogen werden.

Dr. Norbert Heising (Zweckverband Veterinäramt Jade-Weser) informierte über verschiedene, teilweise klimatisch bedingt „neue“ Infektionskrankheiten bei Rindern. Für die Landwirte wird es künftig problematisch, ihre Rinder auf der Weide oder im Stall/Melkstand schnell zu identifizieren, weil ab 2017 der Kaltbrand verboten wird. Lediglich bei Pferden ist er weiterhin erlaubt.

Annelie Bury von den Landfrauen freute sich über den großen Zulauf, den der junge Jeversche Landfrauenverein habe: 80 Mitglieder seien bei der Neugründung Anfang 2016 dabeigewesen. Neun Ortsvereine habe der KreisLandfrauenVerband Friesland/Wilhelmshaven aktuell. „Haltet am Brüllmarkt fest – der Trend zum Landleben geht weiter“, empfahl sie. In Schulen, KiTas und bei den Eltern müssten „Lebensökonomie und gesunde Ernährung“ vermittelt werden, dafür setzen sich die Landfrauen auch mit Schulprojekten aktiv ein.

 

Mitgliederversammlung des Kuratoriums zur Tierseuchenbekämpfung im Landkreis Friesland e.V.

Am 21. September 2016 informierten Dr. Norbert Heising (Zweckverband Veterinäramt Jade) und Dr. Ursula Gerdes (Geschäftsführerin der Niedersächsischen Tierseuchenkasse Hannover) über verschiedene Infektionskrankheiten bei Rindern.

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v.li: Hartmut Seetzen, Dr. Ursula Gerdes, Dr. Norbert Heising

Niedersachsen sei jetzt als BHV 1 -frei anerkannt, jedoch trete die Krankheit hier und da  wieder auf, vermutlich durch infizierte Kälber. Leichtfertigkeit sei daher nicht angebracht, die Untersuchungsintervalle sollten  unbedingt eingehalten werden. Auch bei BVD infizieren sich die Kälber bereits im Mutterleib, tragende Rinder sollen deshalb nicht aus dem Bestand verbracht werden. Die durch Gnitze übertragene Blauzungenkrankheit hat sich in Frankreich ausgeweitet, so dass Baden-Württemberg als Nachbar inzwischen ein freiwilliges Impfprogramm anbietet. „Starke Fröste könnten die Gnitzen dezimieren“, ergänzte Dr. Heising.

Von der afrikanischen Schweinepest sind Estland und Lettland zurzeit stark befallen, daher sollten auch deutsche Jagdgäste in diesen Ländern auf  darauf achten, Gegenstände, die Kontakt zu Schweinen hatten (z.B. Kleidung, Jagdwaffen) zu reinigen. Lebensmittel, die nicht erhitztes Schweinefleisch enthalten, sowie Teile von Schweinen (z.B. Häute, Jagdtrophäen) können ebenfalls die Krankheit übertragen. Die Infektion führt sowohl bei Haus- als auch bei Wildschweinen zu einer schweren Erkrankung und ist fast immer tödlich. Eine Einschleppung nach Deutschland hätte schwere Folgen für die Gesundheit der Wild- und Hausschweinebestände und die landwirtschaftliche Produktion. Eine Ansteckungsgefahr für den Menschen besteht nicht.

Von der Türkei über Griechenland, Albanien und Mazedonien  breitet sich die Lumpy-skin-desease (Beulenhaut) aus. Es handelt sich um eine von blutsaugenden Insekten übertragene Viruskrankheit der Wiederkäuer, die mit knotigen Veränderungen der Haut und der Schleimhäute einhergeht. Die Tiere verlieren an Gewicht, die Milchleistung sinkt, und die Häute müssen bei der Schlachtung verworfen werden. Bisher gibt es in der EU keinen zugelassenen Impfstoff, Maßnahmen (Herdentötung, Sperrgebiete, Ringimpfung) seien jedoch in Planung.

Bezüglich der Schlachtung der im letzten Trächtigkeitsdrittel befindlichen Rinder aus ganz Norddeutschland hat sich keine signifikante Änderung der Fälle (2,09 %) gezeigt. Die Halter werden vom Schlachthof informiert, bisher gebe es keine Ahndungsmöglichkeit mit Ausnahme von Schlachtungen in den letzten zehn Prozent der Trächtigkeitsphase (Bußgeldtatbestand).

Zum Rechnungsprüfer wurde Udo Harms gewählt.

 

Münchner Gespräche

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Junge LandwirtInnen im Gespräch mit Minister Christian Schmidt (re: Hendrik Lübben)

Auf dem Bauerntag in Hannover (30.06.2016, siehe Video) schilderten die jungen Landwirte auf der Bühne eindrücklich ihre persönliche Betroffenheit als Hofnachfolger, die sich u.a. mit der Milchkrise und dem Imageverlust der Landwirtschaft auseinandersetzen müssen. Minister Christian Schmidt zeigte sich derart beeindruckt von den Redebeiträgen der Junglandwirte, dass er sie spontan zu einem Gespräch einlud. Hendrik Lübben (KLV Wesermarsch) nutzte die Gelegenheit am 20. September 2016, um dem Minister die Situation der Landwirte in Friesland und der Wesermarsch zu beschreiben und über die nötigen Maßnahmen zu diskutieren.

Niedersächsischer Umweltpreis der BINGO-Umweltstiftung

Mit dem Projekt „Landwirtschaft zum Anfassen“ bewarb sich der KLV Friesland zusammen mit 131 anderen Initiativen bei der Niedersächsischen BINGO-Umweltstiftung für den Umweltpreis. Minister Stefan Wenzel ehrte alle Teilnehmer am 19.09.2016 in Hannover. „Mit Umweltbildung können Menschen auf die heimische Natur, die Artenvielfalt und ökologische Zusammenhänge aufmerksam gemacht werden. Dabei sind besonders Kinder und Jugendliche, so man es denn richtig macht, für diese Themen empfänglich“, heißt es auf der Webseite der Umweltstiftung.

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v.li: MdL (SPD) Sigrid Rakow, Birgit Luiken (KLV), Umweltminister Stefan Wenzel
Das Projekt „Landwirtschaft zum Anfassen“ führt der Kreislandvolkverband Friesland im Rahmen der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ seit vielen Jahren mit der Oberschule Jever und der Franziskusschule Wilhelmshaven durch.
Großflächenplakatierung der Kampagne „Echt-grün-Eure Landwirte“

In den ersten beiden Septemberwochen wurden verschiedene Motive der Kampagne auf Großflächen und Bussen plakatiert. Hier einige Eindrücke aus Varel und Wilhelmshaven:

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Varel-Borgstede

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Varel Hafenstraße                                                           Varel Post

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Wilhelmshaven

 

 

 

 

 

 

 

 

Tagesfahrt in die Verbandsgebiete Wesermarsch und Friesland

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Gute Aussichten vom Turm im Bollenhagener Moorwald

Ortsvorsitzende und Mitglieder der KLV-Vorstände nahmen an einer gemeinsamen Tagesfahrt teil, die sie auf die Betriebe von Enno Ortgies (Putenmast, Wangerland), in den Bollenhagener Moorwald, zum Melkhus Schumacher in Berne-Orth und auf den Milchviehbetrieb von Familie Drieling in Neuhuntorfermoor führte.

Mit Interesse erlebten die Teilnehmer die unterschiedlichen Voraussetzungen, die die beiden Gebiete für die Landwirtschaft vorhalten, sei es bezüglich der Bodenarten, Besiedlungsformen, Betriebsschwerpunkte und Bewirtschaftungsmöglichkeiten.

Das gemeinsame Mittagessen im Vareler Brauhaus, die Zeit während der Busfahrt und die Einkehr im Melkhus Schumacher boten viele Möglichkeiten des gegenseitigen Austausches für die Teilnehmer. Und nicht zuletzt sorgte der erhöhte Aussichtspunkt vom Sitz im Bus aus für einen landschaftlichen Überblick, den man vom Boden oder vom PKW aus sonst nicht wahrnehmen kann.

Weitere Bilder finden Sie auf der Webseite des KLV Wesermarsch unter „Bildergalerie“.

„Politikerpraktikum“

In Zusammenarbeit mit der Kampagne „Echt grün- Eure Landwirte“ hat der Kreislandvolkverband Friesland den Kandidaten für die Kommunalwahl in 2016 angeboten, sich mit der Landwirtschaft einmal hautnah auseinanderzusetzen. Ein Praktikum auf einem Hof – je nach Wunsch z.B. ein Milchviehbetrieb, Schweinehalter oder Ackerbauer- gab den Probanden die Möglicheit, den Arbeitsalltag und das Leben auf dem Hof praktisch kennenzulernen und in Gesprächen mit den bewirtschaftenden Familien deren Situation nachzuvollziehen.

Baur bei Ligthart_bearbeitet-1 webFerdinand Baur (FDP) verfügte nicht nur über eine Namensähnlichkeit, sondern zeigte auch großes Talent bei den unterschiedlichen Tätigkeiten in seinem Praktikum auf dem Hof von Familie Lighthart in Varel. „Das Engagement der Menschen – auch im Umgang mit den Tieren- auf dem Hof ist unbezahlbar. Die vielen Familienbetriebe bilden ein wichtiges Netzwerk für das ganze Land. Für ihre Leistung haben sie eine gerechte Bezahlung verdient!“, meinte der aus Baden-Württemberg stammende  frühere Soldat. Beeindruckt war er von der Komplexität der Betriebsführung und auch von der vielen Bürokratie, die der Betriebsleitung aufgebürdet wird.

Marusic bei Rengstorf webNiksa Marusic (SPD) betont: „Ich will die richtigen Bilder im Kopf haben, wenn es um Landwirtschaft geht“. Und das nicht nur privat, sondern auch dienstlich. „Unser Lebensraum ist optisch und kulturell von der Landwirtschaft geprägt“. Als Mitarbeiter in einer Wilhelmshavener Genehmigungsbehörde, die auch für Stallneubauten zuständig ist, sieht er dieses Praktikum als wichtige Möglichkeit, seine Sicht auf die Landwirtschaft zu objektivieren. Der Schweine haltende Betrieb der Familie Rengstorf in Varel-Rotenhahn beeindruckte ihn z.B. durch die Hygienemaßnahmen, die einzuhalten sind, bevor der Stall betreten werden darf. Mit betriebseigenem Overall und Stiefeln ausgestattet begleitete er Andreas Rengstorf bei verschiedenen Tätigkeiten. „Und es stinkt gar nicht!“, konstatierte er.

Veh bei Janßen webli: Michael Veh und Frauke Janßen

Michael Veh (SPD) ist beruflich im Bereich der Wasserversorgung tätig. „Ich hätte selber gerne einen Resthof gehabt“, begründet er sein Interesse an der Landwirtschaft. Auf dem Hof von Enno Janßen in Wilhelmshaven-Anzetel half er unter anderem beim Ausmisten, Melken und Füttern. Höhepunkt des Tages war die Geburt eines Kalbes. „Ich wusste gar nicht, dass eine Kuh jedes Jahr kalben muss, um wieder Milch zu geben.“

Weitere Kandidaten, die am Praktikum teilgenommen haben, sind:

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Anja Mandt (CDU)                         Martin Burkhart (SPD)                Marianne Kaiser-Fuchs (SPD)

 

Recksiedler bei Seetzen web              Janette Krischek bei Behrends web                 Oliver Krischek web

Reimund Recksiedler (SPD)    Janette Krischek (FDP)                 Dr. Oliver Krischek (FDP)

 

Arbeitskreis „Blühende Landschaften“ besichtigt angesäte Flächen

Der im Februar 2016 vom Kreislandvolkverband Friesland initiierte Arbeitskreis, dem Jäger, Landwirte, Imker und Kommunen angehören (siehe Zeitungsartikel unten), besichtigte Anfang August die angelegten Blühflächen. Dabei wurde deutlich, welche Blühmischungen auf schwere oder leichte Standorte passen und wie die optimale Bodenbearbeitung sein sollte, um eine gute Entwicklung der Blühpflanzen zu befördern.

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Der Arbeitskreis wird im Herbst für alle Flächen, die ab 2017 mit Blühpflanzen eingesät werden sollen, einen Förderantrag stellen. Auch interessierte Bürger und Landwirte mit Flächen am Hof oder entlang von Radfahrern frequentierter Wege können sich gerne einbringen.

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Foto: Henning Freiherr von Schele

Kampagnen-Webseite „Echt grün-Eure Landwirte“ jetzt mit Shop

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Auf der Kampagnen-Webseite befindet sich jetzt auch eine Einkaufsmöglichkeit für verschiedenste Produkte – von der Küchenschürze bis zum Banner für das Scheunentor- um für eine größere Wertschätzung des Berufsstandes in der Bevölkerung zu werben.

 

Demo anlässlich des Bauerntages in Hannover

Mitglieder der Kreislandvolkverbände Friesland und Wesermarsch beteiligten sich an der Demonstration am 30. Juni 2016 anlässlich des Bauerntages  in Hannover.

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Hier das Video dazu:

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Feuchtes Wetter hält Besucher nicht ab

Die etwa 4500 Besucher, die sich auf dem Milchviehbetrieb der Familie Weerda in Wilhelmshaven anlässlich des „Tag des offenen Hofes“ eingefunden hatten, ließen sich vom Staubregen nicht entmutigen. Am späten Nachmittag konnten sie sogar die Geburt eines Kalbes miterleben.

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Einer der Höhepunkte für die Jüngsten: Der Trettrecker-Parcour.

Der gut besuchte plattdeutsche Gottesdienst bot den Auftakt der Veranstaltung. Carsten Dirks aus dem Vorstand des KLV Friesland betonte bei der Begrüßung, dass die aktuelle Milchkrise die Freude an der von vielen Helfern vorbereiteten Veranstaltung nicht verderben solle. Wilhelmshavens Oberbürgermeister Andreas Wagner hält es für wichtig, dass die Öffentlichkeit erfährt, wie ernst die Lage der Milchbauern ist.

Regionale Anbieter sorgten für leckere Spezialitäten – vom Bauernhofeis bis zum Wagyu-Burger.  Firmen, Vereine und Institutionen hielten interessant aufbereitete Informationen über die Landwirtschaft und ihre vor- und nachgelagerten Bereiche parat. Beim Hofquiz des Kreislandvolkverbandes Friesland mussten verschiedene Details in den Gebäuden des Hofes gefunden werden. Die Preise stiftete die Landesvereinigung der Milchwirtschaft.

Die kleinen Besucher fanden großen Gefallen an den Kälbchen, den Alpakas und natürlich am Ponyreiten und Trettrecker fahren. Am Stand der Kreisjägerschaft Friesland/Wilhelmshaven konnten sie unter Anleitung Nistkästen bauen und wenige Meter weiter bei der Arbeitsgemeinschaft Urlaub und Freizeit (Anbietern von Bauernhofferien) die berühmte (hier allerdings stricknadelgroße)  Stecknadel im Heuhaufen suchen. Mehrere Hundert Gäste unterschrieben die Petition „Nicht in meinem Namen“, die sich im Rahmen der Kampagne „Echt grün – eure Landwirte“ an den Lebensmitteleinzelhandel wendet und verdeutlichen soll, dass die Kunden die für die Landwirte existenzbedrohende Preisabwärtsspirale ablehnen und sich mit den Milchbauern solidarisieren.

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Am Stand des KLV Friesland herrschte reger Betrieb. Manuela Lafarré und Steffi Folkers hatten alle Hände voll zu tun.

Heinz Weerda erläuterte zum Abschluss des Tages anschaulich den Melkvorgang im modernen Swing-over-Melkstand, der diesmal je zur Hälfte mit Kühen und Besuchern belegt wurde. Die Kühe nahmen es gelassen. Rockmusik beim Melken sind sie ja gewöhnt, da lässt man sich auch durch unbekannte Gesichter nicht mehr erschüttern.

Weitere Bilder finden Sie in der Bildergalerie.

 

Tag des offenen Hofes

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v.li: Ellen Kromminga-Jabben (KAG Landfrauen), Manfred Ostendorf (KLV Friesland), Veronique, Heinz und Reent Weerda, Azubi André Hayen, Erhard Bauer (Vorstand KLV Friesland)

Zum Tag des offenen Hofes am 12. 06. 2016  auf dem Betrieb der Familie Weerda  laden der Kreislandvolkverband Friesland, die Kreisarbeitsgemeinschaft der Landfrauen Friesland/Wilhelmshaven und natürlich Familie Weerda herzlich ein. Mehr als 40 Aussteller, Direktvermarkter und Dienstleister sorgen für ein buntes Programm für große und kleine Besucher. Wer wenig Schlaf braucht kann den fließenden Übergang von der Scheunenfete Samstag Nacht direkt zum sonntäglichen Spektakel proben.

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Verbraucher und Landwirte zeigen Schulterschluss gegen die „Geiz-ist-geil“ – Mentalität des LEHPetition Foto-1

Auf der Seite http://eure-landwirte.de/petition/ haben Verbraucher und Landwirte die Möglichkeit, sich gemeinsam gegen den Preiskampf auf dem Rücken der Landwirte zu wehren und deutlich zu machen, dass diese Strategie des Lebensmitteleinzelhandels von den Kunden gar nicht befürwortet wird.

 

Der Verbraucher kann nichts dafür, dass die Produkte so billig sind

WZ-Ankündigung webDie Wilhelmshavener Zeitung führte am 27.05.2016 unter den Besuchern des Voslapper Wochenmarktes eine kleine Befragung durch. Was wird bevorzugt auf dem Markt gekauft? Warum? Und wie sehen die Kunden die aktuelle Milchkrise in der Landwirtschaft? Würden sie bewusst mehr Geld für Milchprodukte ausgeben?

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Norbert Stein von der Wilhelmshavener Zeitung befragt (v.li) Ingrid Mai, Erna Kruse und Ingrid Ehmann.

Ingrid Mai schätzt am Wochenmarkteinkauf, dass sie die Produkte wie z.B. Spargel und Karoffeln lose kaufen und selber auswählen kann. Ingrid Ehmann ist der Meinung, der schlechte Milchpreis „liegt an den Managern“ des Lebensmitteleinzelhandels. Sie kauft lieber Milchprodukte zu einem Preis, von dem „die Bauern leben können“. Doch wenn solche Produkte beim Discounter nicht im Regal stehen, könnten sie auch nicht gekauft werden. „Der Verbraucher kann nichts dafür, dass die Produkte so billig sind“.

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Anja Freudling legt Wert auf  „gute Milchprodukte“ und gibt für ihre Qualitätsansprüche auch gerne mehr Geld aus. „Ich kaufe gerne Bioprodukte, habe aber wenig Zeit, um extra einen Bioladen aufzusuchen“, sagt die berufstätige Mutter des achtjährigen Ole.

li: Anja und Ole Freudling im Gespräch mit Kristin Hilbinger von der WZ

 

 

Hilke Pflug WZ webHilke Pflug (re.) würde mehr Geld für die Milch bezahlen als die 49 Cent, die der nächstgelegene Discounter zurzeit verlange. Es sei allerdings zu viel Milch am Markt, ergänzt ihr Mann. Trotzdem dürfe die Milch nicht aus Protest weggeschüttet werden.

 

 

 

 

Schriftzug echt grün

Die Kreislandvolkverbände Friesland und Wesermarsch unterstützen die Kampagne „Echt grün – Eure Landwirte“. Von der Elephantlogic- Agentur für Strategieberatung GmbH aus Berlin wird die Kampagne professionell und mit sportlichem Tempo zusammen mit den Vorsitzenden aus den Kreislandvolkverbänden Oldenburg, Cloppenburg, Friesland und Wesermarsch sowie der Vereinigung des emsländischen Landvolks und dem Hauptverband des Osnabrücker Landvolks und deren MitarbeiterInnen für die Öffentlichkeitsarbeit gestaltet. Die genannten Verbände repräsentieren fast 20.000 Landwirte. Ein Blick auf die Webseite lohnt sich, vor allem das „Simpleshow“- Video erklärt die Thematik unverschnörkelt und ansprechend.

Echt grün Titelbild web

Jahreshauptversammlung 2016

mit Referent web

v.li.: Manfred Ostendorf, Hartmut Seetzen, Sönke Hauschild

In seiner Begrüßungsrede ging Kreislandwirt Hartmut Seetzen am 08. März 2016 auf die „Kleinkrämerei“ bei der Auszahlung der Greening-Prämie ein. Dreihundert Betriebe im Oldenburger Land hätten wegen geringfügiger Abweichungen (20-50 m²) bei den angegebenen Flächenmaßen keine Prämie erhalten. Eine hundertprozentig genaue Vermessung aus der Luft sei gar nicht möglich, künftige Differenzen dadurch vorprogrammiert. Ebenso stellten die – auch rückwirkend möglichen- Kürzungen der Betriebsprämie bei verspäteter Meldung von Tierbewegungen bzw. Geburten einen hohen wirtschaftlichen Schaden für die Betriebe wie auch psychischen Druck für die Betriebsleitung dar. Gespräche in Brüssel hätten bisher noch zu keiner Lösung geführt. Die „Einzigartigkeit Niedersachsens“ zeige sich auch darin, dass der Kaltbrand zur Kennzeichnung der Kühe seit dem 01.03.2016 einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstelle und die Landwirte vom Ministerium  darüber nicht informiert wurden. Gutes Herdenmanagement ohne die schnelle Erkennungsmöglichkeit der Tiere – ob im Melkstand oder auf der Weide – sei fast unmöglich.

Das „Tierschutz-Verbandsklagerecht“ ignoriere, dass die Veterinärämter – im Gegensatz zu Tierschutzorganisationen – mit kompetenten Fachleuten besetzt sind. Künftige Stallbauvorhaben könnten erschwert werden.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Krise in der Landwirtschaft fordere der Kreislandvolkverband dringend eine Sonderabschreibungsmöglichkeit für die zur Krisenbewältigung von den Landwirten aufgenommenen Kredite, „sonst werden sich die Betriebe finanziell nie wieder erholen können“.

Landrat Sven Ambrosy hob den konstruktiven Kommunikationsstil, der zwischen dem Landkreis und dem Kreislandvolkverband herrsche, hervor. Auf dieser Grundlage sei auch der „Landwirtschaftliche Fachbeitrag“ zum Regionalen Raumordnungsprogramm entstanden. Die für die Landwirtschaft existenzbedrohende Marktmacht der Lebensmittel-Discounter, die mit Dumpingpreisen für Lebensmittel einhergehe, berühre inzwischen eine „moralische Grenze“.

Sönke Hauschild vom Bauernverband Schleswig-Holstein beschrieb in seinem Vortrag „Bauern unter Beschuss – was wir tun können“ die Rolle von Nichtregierungsorganisationen bezüglich der spendenwirksamen Darstellung von tatsächlichen oder erfundenen Missständen in der Landwirtschaft und die Möglichkeit, wie Landwirte mit „Glaubwürdigkeit, Transparenz, Echtheit und Ehrlichkeit“ dagegenhalten können. Voraussetzung dafür sei aber die interne Diskussion, wie die Landwirte mit kritischen Themen umgehen wollten. „Landwirte genießen ein hohes Vertrauen, aber sie werden aus den Schlagzeilen nicht herauskommen“. Der Bauer müsse als Botschafter fungieren, nur so ließe sich ein Gegengewicht zur Angst schürenden, boulevardisierenden Meinungsmache von Medien und NGO´s aufbauen.

Manfred Ostendorf stellte die Ziele der Kampagne „Echt grün – Eure Landwirte“ vor. Der gesellschaftliche Rückhalt der Landwirtschaft habe in der Bevölkerung und in den Medien stark nachgelassen. Die Politik leiste kaum Unterstützung, und die Landwirtschaft werde vermehrt Ziel  überregionaler Kampagnen von Nichtregierungsorganisationen.

„Echt grün…“ habe zum Ziel, das Image der Landwirtschaft zu verbessern, Diskussionen zu versachlichen, die Agrarwende neu zu definieren, eine positive Rückbesinnung in der Gesellschaft auf die Leistungen der Landwirtschaft zu bewirken und nicht zuletzt einen stärkeren Rückhalt unter den Mitgliedern des Kreislandvolkverbandes zu  erreichen. Die zentrale Botschaft der Kampagne sei „die Hingabe und Verantwortung der Landwirte bei ihrer Tätigkeit“. Zur Mitfinanzierung wird nach einstimmigem Beschluss durch die anwesenden Delegierten der Ortsvereine drei Jahre lang pro Hektar ein Euro als Sonderumlage von den Betrieben eingezogen, die die Kampagne unterstützen wollen.

Als neuer Kassenprüfer wurde Heiko Müller aus Minsen gewählt.

Wir geben der Landwirtschaft ein Gesicht

Die Abkehr  von Verallgemeinerungen sowohl  bei „den Landwirten“ wie auch „den Verbrauchern“ schafft neue Möglichkeiten, miteinander  in einen Dialog zu treten.  Weder sind Landwirte und ihre Betriebe alle gleich noch sind Verbraucher eine einförmige Masse. In der  Öffentlichkeitsarbeit der Kreislandvolkverbände Friesland und Wesermarsch  werden daher in 2016  zusammen mit den Tageszeitungen „Jeversches Wochenblatt“, „Nordwest-Zeitung“, Wilhelmshavener Zeitung“, „Anzeiger für Harlingerland“, „Die Norddeutsche“ und der „Kreiszeitung Wesermarsch“ sieben landwirtschaftliche Betriebe ein Jahr lang begleitet.

Familienfoto Schoorlemmer Stutz web

Jörg Stutz (li) vom Jeverschen Wochenblatt schreibt eine Serie über Familie Schoorlemmer auf dem „Carlshof“ in Sande-Gödens

Was passiert zu welcher Jahreszeit auf den Betrieben? Wie organisieren die Familien den Betriebsalltag? Gibt es auch mal Urlaub? Auch alltägliche, aber für den Nichtlandwirt oft unbekannte Vorgänge wie Klauenpflege, Kälber enthornen, Milchkontrolle, Maschinenreparatur können Themen der Berichterstattung sein. Im Vorfeld haben die Zeitungsmitarbeiter mit den Betriebsleitern und ihren Familien abgesprochen, über welche Ereignisse berichtet werden soll. Dank für ihre Bereitschaft, sich für diese Serie zur Verfügung zu stellen, gilt den Betrieben von Heiner Lehmhus (Varel-Rosenberg) , Hinnie Schild (Wangerland), Henning Kruse (Lemwerder), Jörg Kuck (Ruhwarden), Manfred Tannen (Wittmund), Reent Weerda (Wilhelmshaven) und Paul Schoorlemmer (Sande).

Neue Messe „Regio Agrar“ in Oldenburg

Hartmut Steffi Erhardt web

v.li.: Hartmut Seetzen, Steffi Folkers, Erhardt Bauer

Mitglieder und Mitarbeiter beider Kreislandvolkverbände teilten sich den Standdienst auf der neuen Landwirtschaftsmesse „Regio Agrar“ (24.-26.02.2016) in den Weser-Ems-Hallen in Oldenburg, die allerdings nur mäßig besucht war. Das lag eventuell auch an den Öffnungszeiten von 13.00-22.00 Uhr, die vor allem für Milchviehbetriebe ungünstig waren. Den Besuchern, die gekommen waren, konnten sich die Standbetreuer umso intensiver widmen.

Beiratssitzung vom 17.02.2016

„Die Wirkung der Protestaktion vom 15.09.2015 ist hinsichtlich des Kaufverhaltens der Bürger in ihrer Wirkung sicher schwer zu ermessen, doch die Medien formulieren ihre Schlagzeilen jetzt vorsichtiger“, sagte Hartmut Seetzen auf der Beiratssitzung am 17.02.2016. „Mit unserer relativ kleinen Aktion haben wir die Zeitungen besetzt und mehr Berichterstattung als über Berlin (Wir haben es satt/Wir machen euch satt) erreicht. Wir sind kampagnefähig!“

Jever 17.02.2016 web

Jann Janssen gab einen Überblick über die Marktsituation bei der VOST

Der Neujahrsempfang, bei dem auch sieben Bürgermeister aus Friesland und der Wesermarsch zugegen waren, habe die benachbarten Landvolkvereine beeindruckt. Für das nächste Mal wünscht Seetzen sich eine stärkere Beteiligung der friesischen Landwirte.

Die Gespräche über die Gänseproblematik hätten zum Ergebnis, dass ab dem 01. April 2016 ein Monitoring zusammen mit den Naturschutzverbänden begonnen würde. „Wie viele Vögel können wir vertragen? “  Die Population habe sich von 30.000 Tieren in 1979 auf aktuell  750.000 erhöht und stelle eine ernstzunehmende Konkurrenz zur Weidehaltung dar.

„Wir punkten mit sachlichen Argumenten! Bei den Gesprächen zur neuen Düngeverordnung konnte erreicht werden, dass mit Phosphor auf Bedarf gedüngt werden kann „, sagte Seetzen. „Sonst hätten wir nicht mal Gülle fahren dürfen“.

Seetzen lobte die gute Kooperation mit dem Landkreis, der die Landwirte durch den „Landwirtschaftlichen Fachbeitrag“ am regionalen Raumordnungsprogramm beteiligt habe und das Gutachten auch finanzierte.

Die Marktsituation sei besonders bei den Ferkelerzeugern schwach, und auch bei Getreide „ist der glücklich, der seine Ernte verkauft hat.“

Jann Janssen sprach von schlechten Exportmöglichkeiten bei Rindern, in Drittländer ließen sich nur Tiere im 5.-6. Trächtigkeitsmonat verkaufen. Und: „Kuhkälber will zurzeit kein Mensch haben“.

Hilmar Beenken berichtete über den Verlauf und die Ergebnisse der Milchausschusssitzung vom 08.02.2016. Anschließend diskutierten die Anwesenden über die finanzielle Unterstützung der Kampagne „Echt grün – eure Landwirte“.

Birgit Luiken stellte die unterschiedlichen Ebenen der Öffentlichkeitsarbeit dar. Der Kreislandvolkverband arbeite darauf hin,“ der Landwirtschaft ein Gesicht zu geben“, weg von verallgemeinernden Darstellungen hin zur Präsentation konkreter Betriebe und Familien aus der Region. Dazu dienten auch die Berichterstattungen von NWZ, Jeverschem Wochenblatt, Harlinger Anzeiger und Wilhemshavener Zeitung, die insgesamt fünf Betriebe das ganze Jahr lang begleiten. Der Kreislandvolkverband ist mit seiner Aufklärungsarbeit „von der Basis“ durch Webseite, Facebook, Presse, Videoclips, Schulprojekte, Plakataktionen, die Milch-Kuhl-Tour und künftig auch wieder durch das Bildungsprogramm  „Transparenz schaffen…“ sehr nahe an der Bevölkerung.

Angebotssteuerung im Milchsektor – Was kann gehen? Was wollen die Milcherzeuger?

Hendrik Lübben als Vorsitzender des Milchausschusses des KLV Wesermarsch schilderte auf der gemeinsamen Milchausschusssitzung am 08.02.2016 den Zweck des Abends: „Wir suchen nach neuen Möglichkeiten“. Das tut er nicht alleine; der Saal war gut gefüllt mit 100 Milcherzeugern/innen beider Landvolkverbände.

Referenten web

v.li.n.re: Tebbe Meyer, Ralf Hinrichs, Ralf Feuerriegel, Ingo Müller

„Wir haben Angst, dass unsere Betriebe langsam verbluten werden“, ergänzte Hilmar Beenken (Ausschussvorsitzender des KLV Friesland)und leitete über zur aktuellen Problematik des Milch- und Zuchtviehmarktes.

Ingo Müller (DMK), Tebbe Meyer (Molkerei Rücker) und Ralf Hinrichs (Ammerländer Molkerei) erläuterten die Lage aus Sicht der Molkereien: „Im Januar 2016 wurden 3,5 – 4% mehr Milch in Deutschland angeliefert, in der gesamten EU wurden in 2015 1,9% mehr Milch produziert. Irland hat seine Produktion um 14% erhöht, die Niederlande um 6%. Gleichzeitig werden noch die von 2013-2014 in der EU mehr produzierten 10 Milliarden kg Milch auf dem Markt vor sich her geschoben. Die Niederländer drängen mit Schnittkäse auf den Markt, weil sie kein Milchpulver als Interventionsware herstellen“. Der Export von Käse auf den „noch offenen Märkten“ wie Südeuropa funktioniere noch. Das Embargo habe eine Wirtschaftskrise in Russland ausgelöst, das Land könne sich demnächst anderen satt deutschen Lieferanten zuwenden.

„Bis Mai bekommen wir noch mehr Milch“, befürchtete Tebbe Meyer. „Wir müssen Wege finden, die Mengen einzuschränken!“ mahnte Ralf Hinrichs. Ingo Müller ergänzte: „Das Problem ist nicht von einer Molkerei allein zu lösen“. Und: Die vor- und nachgelagerten Bereiche sowie der ganze ländliche Raum litten stark unter der Situation der Milchwirtschaft.

Ralf Feuerriegel, Milchreferent des niedersächsischen Landvolkes, fügte die sinkende Kaufkraft der erdölexportierenden Länder und die Wirtschaftsschwäche in China als weitere Marktbeeinträchtigungen an. Die Molkereien nähmen verstärkt die private Lagerhaltung in Anspruch. Das Landvolk sucht das Gespräch mit Ministerpräsident Stephan Weil, den Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD und FDP sowie den Parteivorsitzenden der Grünen“. Der Deutsche Bauernverband wolle nochmals die „Einkaufsmacht des Handels kartellrechtlich prüfen“.

Im weiteren Teil des Abends wurde in 4 Arbeitsgruppen über das Thema „Angebotssteuerung im Milchsektor – Was kann gehen? Was wollen die Milcherzeuger?“ intensiv diskutiert. Die Ergebnisse wurden am Ende vorgestellt:

Alle waren sich einig: Der Milchpreis wird nur durch eine Marktentlastung  (Steigerung der Nachfrage und/oder Reduzierung der Milchmenge) wieder steigen.

Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen:

1)            Keine staatlichen Eingriffe

2)            Keine Eingriffe in Lieferbedingungen zwischen Milcherzeugern und Molkereien

(Andienungs- und Abnahmepflicht)

3)            Modelle zur Mengenentlastung wie in Frankreich und Holland auf Umsetzbarkeit

prüfen. (A-B Modell, Möglichkeiten der freiwilligen Mengenreduzierung)

4)            Mehr staatliche Hilfen, da das Russland Embargo politisch entstanden ist.

5)            Einflussnahme auf die Preisverhandlungen zwischen Molkerei und LEH prüfen.

 

Fachgespräch des Umweltministeriums mit Landwirten in Brüssel: Niedersachsen erstellt Plan für Gänsemanagement – guten Erhaltungszustand der Arten und landwirtschaftliche Produktion sichern

Auf Einladung der Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz Almut Kottwitz haben sich am 04.02.2016 in Brüssel Vertreter der Landwirtschaft und der Europäischen Kommission zu einem Fachgespräch über Möglichkeiten für ein Gänsemanagement in der Region Weser-Ems getroffen. An der Beratung nahmen Vertreter der Landvolkverbände Friesland und Wesermarsch sowie des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland teil.

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Die Besuchergruppe erläuterte die aktuelle Situation und die Probleme der Landwirtschaft mit den Grau- und Nonnengänsen im niedersächsischen Küstengebiet und berichtete von einer steigenden Zahl von Nonnengänsen und einer längeren Verweildauer, die auch zu Einschränkungen bei der Nutzung landwirtschaftlicher Flächen führen. Das Ziel war es, Maßnahmen zu erörtern, die sowohl der Landwirtschaft helfen als auch im Einklang mit den Brüsseler Naturschutzrichtlinien stehen.Als Ergebnis des Fachgesprächs wurde vereinbart:

Für die unter Naturschutz stehenden Nonnengänse werden Managementpläne mit Maßnahmen erstellt, die auf einen guten Erhaltungszustand der Art hinzielen.
Dazu können auch Maßnahmen zur Begrenzung der Population, entsprechend Artikel 9 der Vogelschutzrichtlinie, gehören. Hierin ist geregelt, dass auch in ausgewiesenen Schutz­gebieten im Einzelfall die Begrenzung der Bestände veranlasst werden kann, wenn beispielsweise eine landwirtschaftliche Produktion durch die Schäden quasi nicht mehr möglich ist.

Auch im Hinblick auf internationale Abkommen werden für die Grau- und Nonnengänse entsprechende Managementpläne gefordert. Gleichzeitig wird sich Niedersachsen dafür einsetzen, dass sich die deutschen Küstenländer verstärkt an der Umsetzung des internationalen Abkommens zur Erhaltung der afrikanisch-eurasischen wandernden Wasservögel (AEWA) beteiligen. Darin sind für die Nonnengänse Managementpläne zwingend vorgesehen.

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Zusammenfassend stellte Umweltstaatssekretärin Kottwitz fest: „Niedersachsen wird für
den gesamten Küstenbereich einen Managementplan erarbeiten, der den guten Erhaltungs­zustand der betroffenen Arten auf Dauer sichert und in dem auch die Möglichkeiten zur nachhaltigen Kontrolle der Population der Nonnengänse geprüft werden, sodass in dem Gebiet eine für die Landwirtschaft tragfähige Produktion weiter ermöglicht werden kann.“

Da sowohl in den Niederlanden als auch in Dänemark ähnliche Probleme bestehen, soll dieser Plan in der Trilateralen Wattenmeerkonferenz abgestimmt werden.

Blühstreifen fördern Artenvielfalt

Zur Informationsveranstaltung über die Anlage von Blühstreifen und -flächen hatten sich 25 Interessierte, darunter viele Imker und Jäger, am 03.02.2016 im Schützenhof Jever eingefunden.

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Als Bestäuber sind Insekten – z.B. Bienen und Hummeln – für  Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion unverzichtbar.  Getreide und Gräser werden vom Wind bestäubt, der überwiegende Teil der für die Ernährung wichtigen Pflanzen sind in ihrem Bestand oder in ihrer Fruchtbildung von Insekten abhängig. Dass die Zahl der Insekten in den letzten Jahren massiv zurückgegangen ist machte Dr. Tatjana Hoppe vom Landvolkverband Ammerland auch an dem Vergleich deutlich, dass früher die Windschutzscheiben der Autos im Sommer von Insekten übersät waren.

Dr. Hoppe berichtete über die langjährigen Erfahrungen mit der Erprobung verschiedener Saatgutmischungen. Blühstreifen und Blühflächen können als Nektar- und Pollenlieferanten für Insekten wie auch als Deckungs- und Nahrungsangebot für Niederwild dienen, bereichern das Landschaftsbild, steigern die Artenvielfalt und sind sogar als „Futterpflanzen“ für Biogasanlagen geeignet. Für die Imker sind daher andere Blühmischungen interessant als für Jäger oder Landwirte. Dementsprechend hat das Landvolk Ammerland, unterstützt von einem Arbeitskreis, verschiedene Mischungen ausprobiert und letztendlich eine eigene entwickelt, die sich für die lokalen Bodenverhältnisse eignet.

Schild AmmerlandDr. Hoppe ging auf die Fördermöglichkeiten ein, die Landwirte für die Anlage der ein- oder mehrjährigen Blühstreifen bekommen können. Neue Programme der EU und der Landesregierung fördern die Aufwertung von Natur und Landschaft mit 52,6 Mio. Euro von 2014-2020 und können einen weiteren Ansatz bieten, Landschaften zum Blühen zu bringen.

Die Teilnehmer entwickelten erste Ideen, welche Flächen mit Blühpflanzen aufgewertet werden könnten. Weitere Institutionen, z.B. Forschungseinrichtungen, Schulen, Naturschutzverbände, sollten in künftige Projekte eingebunden werden, um ein flächendeckendes Netzwerk zu entwickeln. Auch „kleine Schritte“ in Form von Blühflächen im eigenen Garten sind eine Möglichkeit, die Artenvielfalt zu fördern.

 

Übergabe des „Landwirtschaftlichen Fachbeitrages“

„Für den Landkreis Friesland ist das ein ganz wichtiger Moment“, sagte Landrat Sven Ambrosy bei der Übergabe des landwirtschaftlichen Fachbeitrages an den Landkreis .

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v.li.n.re. Marisa Eckberg (Lkr FRI), Thorsten Jan-Dirk Cordes (Landvolk Ammerland), Ellen Kromminga-Jabben (Landfrauen); Manfred Gerken (Landvolk Ammerland), Landrat Sven Ambrosy, Kreislandwirt Hartmut Seetzen, Uwe Ralle (LWK), Renko Eilts (LWK); Manfred Ostendorf (KLV Friesland)

Das Fachgutachten, das dafür sorgen soll, dass die Belange der Landwirtschaft in der künftigen Raumordnung berücksichtigt werden, wurde koordiniert und bearbeitet von Marisa Eckberg vom Planungsamt des Landkreises Friesland sowie Renko Eilts von der LWK Niedersachsen. Vorausgegangen waren in 2015 Workshops unter der Mitwirkung von Landfrauen, Landjugend, Ortslandvolkvereinen und Vertretern der Fachabteilungen des Landkreises.

Kreislandwirt Hartmut Seetzen betonte die Bedeutung von Planungen, die „nicht am grünen Tisch“ gemacht werden sondern die Praktiker mit einbeziehen. Vor dem Hintergrund der Wichtigkeit der Weidehaltung für das Landschaftsbild und den Tourismus wolle er sich für die Motivierung der Betriebe einsetzen, die Kühe weiden zu lassen.

Manfred Ostendorf ergänzte, dass mit einer zusätzlichen Wertschöpfung durch ein „Weidemilch“-Label mehr Betriebe für eine Weidehaltung zu gewinnen seien.

Uwe Ralle von der LWK schätzte die „Umgangskultur zwischen der Landwirtschaft und dem Landkreis“ positiv ein. Sie belaste die ohnehin unter großem psychischen Druck stehenden landwirtschaftlichen Familien nicht noch zusätzlich.

 

Neujahrsempfang der Kreislandvolkverbände Friesland und Wesermarsch

Den Bericht finden sie hier auf der Webseite der Wesermarsch.

Fahrt zur Internationalen Grünen Woche

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Aus den Kreislandvolkverbänden Friesland und der Wesermarsch hatten sich 34 Interessierte auf den Weg nach Berlin zur Internationalen Grünen Woche gemacht. Nach der Besichtigung des Bundeskanzleramtes nahmen einige von ihnen an der Veranstaltung “ Nordwestdeutscher Milchtreff 2016″ teil. Den rund 300 Gästen, darunter neben den Landwirten auch Molkereivertreter, Vertreter von Verbänden und NGOs wurden Bausteine und Ziele der neuen Initiative DIALOG MILCH vorgestellt. In einer Studie, die das Meinungsforschungsinstitut FORSA im Auftrag der Initiative DIALOG MILCH durchführte, wurden die Wahrnehmung und das Ansehen der deutschen Milchwirtschaft in den Augen der deutschen Verbraucher untersucht.

„Auffällig war: Viele der befragten Verbraucher wussten, dass der Auszahlungspreis für die Milch zu niedrig ist“, berichtete Geschäftsführer Manfred Ostendorf. Das sei auch ein Beleg für die Wirksamkeit der Öffentlichkeitsarbeit des Landvolkes, die dafür sorge, dass „der Verbraucher dicht an der Milchwirtschaft dran ist“. Ferner vermute fast die Hälfte aller Deutschen, den Milchbauern gehe es noch schlechter als es tatsächlich der Fall ist.

Bereits im Dezember hatte die Landesvereinigung Milch Nordrhein-Westfalen einen Workshop mit Journalisten angeboten, denn „die Kluft zwischen der Landwirtschaft und den Medien war noch nie so groß“. Verallgemeinerungen seien an der Tagesordnung. Eine große Zahl Journalisten bescheinigte den Milchbauern große Offenheit im Gegensatz zu anderen Betriebszweigen der Landwirtschaft.

Am Donnerstag erläuterte die Bundestagsabgeordnete (SPD) für den Wahlkreis Delmenhorst, Oldenburg Land und Wesermarsch, Susanne Mittag, ihr Arbeitsgebiet. Sie ist für den Kreislandvolkverband eine wichtige Ansprechpartnerin, wenn es z.B. um Eingaben zur Düngeverordnung geht. Besprochen wurde u.a. die Perspektiven des Grünlandzentrums Niedersachsen/Bremen in Ovelgönne und die Neuauflage der Trassenplanung B 212. Die abweichend von der im Jahr 2006 mit der Landwirtschaft abgestimmten Variante würde als neue Nord-Umgehung einen größeren Eingriff für die landwirtschaftlichen Betriebe bedeuten.

Wir machen euch satt!

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Aus Friesland und der Wesermarsch haben sich am Samstag, dem 16. Januar 2016 rund 90 Landwirte mit ihren Treckern auf den Weg nach Oldenburg gemacht. Während in Berlin tausende Menschen zu Beginn der grünen Woche unter dem Motto „Wir haben es satt“ demonstrierten ist es das Anliegen der hiesigen Landwirte – überwiegend Milchbauern- darzustellen wie es ihnen zurzeit wirklich geht. Kreislandvolkvorsitzender Hartmut Seetzen ärgert sich darüber, dass sich in Berlin nur eine kleine Gruppe von Landwirten unter den Demonstranten befand. „Viele Demonstranten kennen die Landwirtschaft in Wirklichkeit gar nicht, wollen uns aber sagen wie die Landwirtschaft funktionieren soll. Das habe ich satt“.

Bei der friesischen Landwirtschaft handele es sich nicht um Agrarindustrie, sondern um von Familien bewirtschaftete Höfe, die zurzeit nicht nur mit dem schwachen Milchpreis kämpfen, sondern auch gegen viele politische Maßnahmen. Politische Anforderungen, die z.B. Veränderungen von Tierhaltungssystemen zum Ziel haben, seien nicht kurzfristig umzusetzen. Landwirte, die in den letzten 20 Jahren neue Ställe nach aktuellem wissenschaftlichen und technischen Stand gebaut haben sind besonders hart betroffen, weil sie den Stall noch abbezahlen müssen und zurzeit kein Geld haben, um das aktuell politisch Geforderte zu ändern bzw. anzupassen. „Das können wir Landwirte nicht verstehen, das dulden wir nicht und damit sind wir nicht einverstanden“, sagt Seetzen. Ein Stallplatz für eine Kuh koste 10.000 € und wird über 25 Jahre abbezahlt. Das entspreche 400 € pro Kuh und Jahr. Wenn das Tier eine jährliche Milchleistung von 8000 Litern habe, sei jeder Liter mit 5 Cent allein für den Stallbau belastet. Bei niedrigerer Milchleistung ist der Kostenanteil entsprechend höher.

Seetzen lädt die Bevölkerung dazu ein, sich unter www.fragdenlandwirt.de zu informieren oder direkt auf einem Betrieb. „Hier kann man sich nicht nur informieren und umschauen, sondern bei Lust und Laune auch gerne mal mithelfen!“