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Unser Landvolk: Ausgabe 3/2017

Rundschreiben 1

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Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland

www.klv-wesermarsch.de
www.kreislandvolk-friesland.de

Das folgende Positionspapier geht an Landtags- und Bundestagsabgeordnete:

Aktuelle Milchpreiskrise – Perspektive für unsere Familienbetriebe!

die aktuelle Milchpreiskrise mit Beginn des Russlandembargos im August 2014 schlägt in unserer Region aufgrund der hohen Anzahl an Futterbaubetrieben voll zu Buche. Unsere familiengeführten Milchviehbetriebe, aber auch all ihre Wirtschaftspartner im vor- und nachgelagerten Bereich einschließlich der Banken brauchen dringend ein politisches Signal und eine nachhaltige Unterstützung der betroffenen Betriebe. Die derzeitige Krise führt zu enormen Eigenkapitalverlusten und in nahezu 100% unserer Betriebe zur Aufnahme von Liquiditätsdarlehen im großen Umfang. Diese zusätzlichen Kredite müssen auch wieder kurzfristig getilgt werden können. Außerordentliche Krisen erfordern auch außerordentliche Maßnahmen.

Daher fordern wir eine befristete Einführung eines Freibetrages für die Tilgung von Liquiditätsdarlehen (Milchkrise 14/15/16). Vorgeschlagen wird ein Freibetrag für die betriebliche Schuldentilgung von insgesamt 150.000,00€ je Milcherzeugungsbetrieb in den Jahren 2017 bis 2020. Die Freibetragsregelung sollte sich an dem auslaufenden §14a EStG orientieren und für Gewinne aus landwirtschaftlicher Tätigkeit sowie aus dem Verkauf betrieblicher Grundstücke gelten.

Dies wäre eine wesentliche steuerliche Erleichterung zur Bewältigung der aktuellen Milchkrise und verbessert die Aussicht unserer Familienbetriebe, die jetzt dringend benötigten Kredite in den Folgejahren wieder tilgen zu können Es wäre darüber hinaus eine klare Botschaft an die Banken, an die vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereiche, dass der Staat und die Politik hinter der heimischen Milchproduktion stehen.

Die Situation auf unseren Betrieben ist derzeit mehr als bedrohlich und eine Trendwende im Milchmarkt ist noch immer nicht erkennbar. Im Raum Friesland-Wesermarsch wirtschaften fast 900 Familien in der Milchproduktion. Aufgrund der regionalen Besonderheiten haben sich unsere Familien auf die Milchproduktion konzentriert, da auf Grünlandstandorten Alternativen so gut wie nicht bestehen.

Viele Betriebe sind für die Zukunft gerüstet, Hofnachfolger sind vorhanden und Investitionen in Stallneubauten etc. wurden getätigt. Gerade diese Familien stehen der derzeitigen Krise sehr ratlos gegenüber und brauchen dringend eine Perspektive bzw. Unterstützung. Als Berufsstand sehen wir inzwischen den gesamten Wirtschaftsfaktor Landwirtschaft in unserer Region einschließlich aller vor- und nachgelagerten Bereiche als stark gefährdet.

Wir appellieren daher eindringlich an alle Verantwortlichen, sich schnellstmöglich für ein „Steuerentlastungsmodell“ einzusetzen und dieses auf den Weg zu bringen. Für Rückfragen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen                                                                                                   F.d.R

gez.   Dr. Karsten Padeken        gez. Hartmut Seetzen                               Manfred Ostendorf

  1. Vorsitzender                        1. Vorsitzender                                              Geschäftsführer

Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland

Vollmilchpulver in der Schweinemast

Der Milchmarkt steckt in einer tiefen Krise. In ganz Europa wirtschaften die Milchviehbetriebe nicht mehr kostendeckend. Hohe Verluste sind zu erwarten und viele Bauernfamilien haben Angst vor der Zukunft. Es geht um die Existenz einer gesamten Branche. Die Europäische Union wird an ihrem Weg der Marktorientierung festhalten. Sie hat aber angesichts der Situation den Berufstand aufgefordert aktiv nach Lösungen zu suchen, die den Milchmarkt entlasten können. Eine freiwillige Mengenreduzierung ist nicht realistisch, da die Betriebe einzelbetrieblich auf jeden Cent Milchgeld angewiesen sind. Der Absatz von Molkereiprodukten läuft zufriedenstellend, allerdings auf einem katastrophalen niedrigen Niveau.
Wir schlagen daher vor Vollmilchpulver über Schweinemastfutter endgültig vom Markt zu nehmen. Zusätzlich hergestelltes Vollmilchpulver wird mit Unterstützung eines von den Milcherzeugern selbst finanzierten Fonds für Futtermittelhersteller als Alternative zu Soja in das Mastfutter eingemischt. Das Pulver kann bis zu 10% in den Mischungen eingesetzt werden. Für Futtermittelproduzenten und Mäster entstehen keine Nachteile, der Einsatz wäre für beide interessant. Der Organisationsaufwand ist überschaubar und die Akzeptanz bei den Landwirten ist sicher. Mit 0,5 Cent vom Milchgeld der Bauern lassen bis zu 3% der EU Milchmenge vom Markt nehmen. Dies wird einen großen Einfluss auf den europäischen Milchmarkt haben.

Vorschlag:
Vollmilchpulver in der Schweinemast

Grundidee:
Vollmilchpulver (VMP) als Proteinersatz für Sojaschrot in der Schweinefütterung einsetzen um den Milchmarkt zu entlasten.

Voraussetzung:
Der Einsatz von Vollmilchpulver muss für Futterhersteller interessant sein.
Die Einrichtung eines „Vollmilchpulver in Mast“ Fonds auf EU Ebene zur Unterstützung der Vermarktungsalternative. Die EU geht in Vorleistung, die Molkereien zahlen in den Fond ein und ziehen es dem Milcherzeuger vom Milchgeld wieder ab. Später kann der Fond möglichst ein Mindestkapital zur Verfügung haben.

Vorteile:
Die Entlastung des Milchmarktes in spürbarer Größe durch eine neue
Verwertungsmöglichkeit.
Fett und Eiweißmarkt wird gleichmäßig entlastet.
Der Milchmarkt erholt sich wesentlich schneller und nachhaltiger, es entsteht kein Pulverberg.
Die Auswirkungen auf den Milchmarkt sind für den LEH Käufer nicht abschätzbar.
WTO konform, durch Eigenfinanzierung der Bauern.
Der Einsatz von politischen Hilfen ist im Fond möglich.
Die Wirkung auf den Milchpreis ist sicher.
Die Akzeptanz der Futterumstellung ist bei den Mästern gegeben.
Mit dem Fond installiert man eine Dauerlösung (z. B. wenn der Milchpreis unter 28 ct. fällt.)
Vorteile bei der Diskussion der „heimischen“ Eiweißversorgung

Unsicherheiten:
Mögliche langfristige Sojakontrakte bei Mischfutterherstellern verzögern evtl. die Umstellung
Rechtliche Basis für den Fond und der Vermarktungspraxis ist noch nicht klar.
Politische Unterstützung muss eingefordert werden.

Nachteile:
Der Fond muss durch Milcherzeuger finanziell ausgestattet werden.
(Verzicht auf Milchgeld, 0,5 – 1Cent pro Liter)
Wirksamkeit nur bei EU weiter Umsetzung, mindestens auf Ebene der Genossenschafts-Molkereien.
Milchmenge wird nicht automatisch weniger.

Berechnung:
Milcherzeugung in Deutschland 2015 31,5 Mio. t Milch
Vollmilchpulver-Erzeugung in Deutschland 2015 68.000 t VMP
Bauern Fond Volumen 0,5 ct/kg Milch: 157,5 Mio. €
68.000 t VMP um 2530€/t auf Sojaschrotwert anheben: 172,0 Mio. €
mit 157,5 Mio € / 2530 €/t = 62253 t VMP entspricht: 91 % der dt. VMP Erzeugung
12 Mio. Mastschweinplätze in Deutschland
2,0 kg TM Aufnahme /Tag, davon max. 10% VMP = 2400 t/Tag = 876.000 t/Jahr/Deutschlan

EU Milchanlieferung 160 Mio. t = 750 Mio€ Fondgeld (aus 0,5 Cent/kg Milch)
Mit 750 Mio. € zu 2530€/t Subvention aus Fond kann die Verwertung von 296.443 t VMP finanziert werden. Dies entspricht 43% der EU VMP Erzeugung und etwa 2 % der EU Milcherzeugung.

Siehe auch hierzu Ausgabe 04/2016 www.topagrar.com
Siehe ebenfalls www.facebook.com/milchmarktrettung