Neujahrsempfang: Zuversicht trotz wirtschaftlicher und politischer Unsicherheiten

Die Kreislandvölker Wesermarsch und Friesland haben am 9. Februar 2026 zu einem gemeinsamen Neujahrsempfang in das Hotel Friesenhof in Varel eingeladen. Rund 130 Gäste aus Landwirtschaft, Politik und Wirtschaft nahmen an der Veranstaltung teil.

Die Vorsitzenden Dr. Karsten Padeken und Lars Kaper begrüßten die Gäste und führten in die Themen des Abends ein. Im Mittelpunkt standen die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft.

Landrat Sven Ambrosy, der turnusgemäß auch für den Landkreis Wesermarsch sprach, beschrieb die derzeitige Situation als von Unsicherheit geprägt, betonte jedoch zugleich die Handlungsfähigkeit der Region. Er verwies auf stabile Beschäftigungszahlen sowie die gewachsene Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Landwirtschaft. Auch im Wiesenvogelschutz solle der partnerschaftliche Ansatz fortgesetzt und perspektivisch eine Modellregion entwickelt werden.

Dr. Karsten Padeken ordnete die wirtschaftliche Lage der landwirtschaftlichen Betriebe ein. Der anhaltende Winter stelle die Höfe vor zusätzliche Herausforderungen. Insbesondere der Milch- und Rindfleischmarkt stehe unter Druck: Die Milchpreise seien zuletzt gesunken, während die Futtermittelkosten weiterhin auf hohem Niveau lägen.

Lars Kaper thematisierte das Biomassepaket und die Anwendung des § 39g Abs. 6 EEG. Er wies darauf hin, dass einzelne Netzbetreiber den anzulegenden Wert zu niedrig ansetzten. Der anzulegende Wert müsse verbindlich gelten. Hierzu sei eine Klarstellung im Gesetzestext erforderlich. Andernfalls bestehe die Gefahr von Anlagenstilllegungen und dem Verlust von Arbeitsplätzen.

Katharina Jensen, CDU-Landtagsabgeordnete, ging auf zentrale agrarpolitische Themen ein. Sie war kurzfristig für die verhinderte Bundestagsabgeordnete Silvia Breher eingesprungen. Jensen verwies auf erste Erfolge bei den Agrardieselregelungen und der Pendlerpauschale. Die Regelungen zu den sogenannten roten Gebieten seien derzeit ausgesetzt, Sanktionen würden aktuell nicht verhängt. Zugleich bestehe weiterhin Handlungsbedarf. Das Verursacherprinzip müsse klar und rechtssicher geregelt werden.

Zum geplanten Mercosur-Abkommen nahm Jensen Stellung. Sie wies darauf hin, dass trotz bestehender Vorbehalte Chancen für die Landwirtschaft bestünden, insbesondere für Milchprodukte und Schweinefleisch, und dass Sorgen aus der Praxis ernst genommen und in laufenden Gesprächen auch berücksichtigt werden. Ein Beispiel dafür seien bereits die Mengenbeschränkungen. Jensen machte zudem deutlich, dass das geplante Agrarstrukturgesetz kritisch geprüft werden müsse, da es erhebliche Auswirkungen auf Betriebe und die regionale Entwicklung haben könne.

In der anschließenden Diskussionsrunde standen die Mitglieder des Deutschen Bundestages Anne Janssen und Bastian Ernst gemeinsam mit dem Publikum im Austausch. Begleitet wurde die Runde von Manfred Ostendorf. Dabei wurde unter anderem die Ausgestaltung der GAP ab 2028, der Bürokratieabbau, Fragen der Versorgungssicherheit sowie regionale Themen wie Energieerzeugung, Entwässerung und das Leader-Programm angesprochen.