Erntekrone in Jever: Zeichen der Verbundenheit und Blick auf die Zukunft

Traditionelle Übergabe im Kreishaus: Frieslands Landvolk spricht über Landwirtschaft, regionale Wertschöpfung und zentrale Zukunftsfragen

Seit dem 17. September 2026 schmückt die neue Erntekrone den Bereich vor dem Sitzungssaal im Kreishaus in Jever. Gebunden wurde sie in diesem Jahr vom Ortslandvolkverein Schortens.

Die Übergabe machte deutlich, wie eng Landwirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft in Friesland zusammenwirken. Zugleich war der Termin mit einem persönlichen Abschied verbunden: Für Landrat Sven Ambrosy war es nach mehr als 20 Jahren die letzte Erntekronenübergabe vor seinem Ausscheiden Ende Oktober.

„Die Landwirtschaft ist das Rückgrat unserer Region – ohne sie ist Friesland schlicht nicht denkbar“, betonte Ambrosy. Er erinnerte an die bewährte Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Landvolk. Dabei gehe es nicht um einen „Schmusekurs“, sondern um ein ehrliches Ringen auf Augenhöhe – etwa bei Fragen des Vogelschutzes, der Moorentwicklung und der Windenergie.

Mit Blick auf die Zukunft des Landkreises ist die Nachfolge bereits geregelt: Rolf Neuhaus wird am 1. November das Amt des Landrats übernehmen. Als bisheriger Planungsdezernent ist er mit den zentralen Themen des Landkreises vertraut.

Kreislandvolkvorsitzender Lars Kaper gratulierte Neuhaus herzlich: „Gerade in stürmischen Zeiten braucht es Verlässlichkeit.“

Gute Standortbedingungen, angespannte wirtschaftliche Lage

Dass das Miteinander auch künftig gefordert bleibt, zeigte Kapers Bericht. Zwar ist Friesland klimatisch eine Gunstregion: Nach soliden Grasschnitten wächst das Grünland wieder, und die Maisernte läuft derzeit unter überwiegend trockenen Bedingungen. Wirtschaftlich liegen Kosten und Erlöse jedoch weit auseinander.

Die Kosten für Energie und Dünger sind um rund 20 Prozent gestiegen, während die Erlöse schwach bleiben. Der Milchpreis sank auf rund 40 ct pro Kilogramm, im Vorjahr waren es 53 ct pro Kilogramm. Zudem führte das Shamonda-Virus zu Leistungseinbußen von rund zehn Prozent.

Tjade Gronau von der Grünen Buchführung bezifferte den regionalen Wertschöpfungsverlust für Friesland auf rund zwölf bis 15 Millionen Euro. Zusammen mit Bankenfusionen und strengeren regulatorischen Vorgaben führt diese Entwicklung bei vielen Höfen zu Liquiditätsengpässen. Investitionen müssen aufgeschoben werden.

Wasserstrategie und Bauen

Lebhaft diskutiert wurde auch die künftige Wasserstrategie. Einigkeit bestand darin, das bisherige Prinzip des ausschließlichen Ableitens zu überdenken. Statt wertvolles Süßwasser ungenutzt ins Meer abfließen zu lassen, soll es künftig flexibler in Gräben und Tiefs zurückgehalten werden. Ziel ist es, Reserven für trockene Phasen zu sichern, ohne dass Futter- und Ackerflächen unter Staunässe leiden.

Beim Thema Bauen mahnte Kaper zu weniger Bürokratie. Neuhaus sagte kurze Abstimmungswege zu.

Gesundheit und Lebensqualität auf dem Land

Im Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft 2026 rückten die Landfrauen Fragen der Daseinsvorsorge in den Fokus. „Gesundheit ist unser höchstes Gut“, betonte Deyke Ortgies, Sprecherin des Kreislandfrauenverbands Friesland-Wilhelmshaven.

Praxisschließungen und Sparvorgaben der Krankenkassen erschweren insbesondere die frauenärztliche Versorgung und die Krebsvorsorge im ländlichen Raum.

Vorstandskollegin Doris Götz mahnte zudem klare Leitfäden für den Katastrophenschutz bei Stromausfällen an. Ziel müsse es sein, Dörfer und ehrenamtliche Strukturen besser auf Krisen vorzubereiten.

Ambrosy unterstrich die Bedeutung des künftigen Zentralklinikums in Sande bei gleichzeitiger Stärkung des Gesundheitscampus Varel.

Tradition mit Signalwirkung

Die Übergabe der Erntekrone machte damit deutlich: Sie ist weit mehr als eine festliche Tradition. Sie steht für die enge Verbindung zwischen Landwirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft – und für den gemeinsamen Anspruch, diesen Austausch auch künftig verlässlich fortzuführen.